Testbericht

Dolphin Secure im Test: Sicherer mit Fingerscan?

Kinder surfen gern im Netz - und die Gefahr surft mit. Die Idee von Dolphin Media aus Berlin: ein Kinderportal mit Zutritts-Schutz per Fingerscan. Onlinekosten legte den Finger erst auf den Scanner - und dann in die Wunde des Systems.

Kinderportal von Dolphin SecureDas Kinderportal von Dolphin Secure enthält Surftipps, Profilangaben und eine Chatfunktion.© onlinekosten.de

Der Chatter ist 27 Jahre alt und männlich. Aber das weiß niemand außer ihm. Zumindest in seinem Lieblings-Chatroom. Dort schlüpft er in das Profil eines Mädchens und trifft sich virtuell mit rund 50 Kindern. Er gewinnt ihr Vertrauen, sie schicken ihm sogar Nacktfotos zu. Trotzdem fliegt er schließlich auf. Der Frankfurter bekommt Bewährungsstrafe und muss Bußgeld zahlen. Diesmal. Aber wie viele "Wölfe im Schafspelz" werden nie gefasst?

Scanne dich - oder bleib draußen

Sexuelle Belästigung im Internet an Kindern – leider keine Seltenheit sondern offenbar im Aufwind. Wie aber kann man das World Wide Web ins Kinderzimmer holen und die Gefahren "aussperren"? Aufklärung ist Rezept Nummer eins, daneben kann aber auch eine Kinderschutz-Software hilfreich sein. Bekannte Software-Hersteller und Provider bieten vielfältige Produkte an, oft kostenlos.

Einen neuen Weg geht das Berliner Software-Haus Dolpinmedia: Das Unternehmen hat eine Software entwickelt, die nach Herstellerangaben auch für Apple-Rechner geeignet ist und in Kürze auf den Markt kommt. Die Idee: Zugriff nur auf bestimmte Seiten und ein Kinderportal zum Chatten und Mailen, das per Fingerabdruck geschützt ist. Das Ziel: Mehr Sicherheit, da Kinder oft unsichere Passwörter verwenden und diese eventuell nichtsahnend weitergeben. "Der Zugangs-Check via Finger-Scan", so Marketing-Fachfrau Christine Volpert "ist hierzulande einzigartig." Onlinekosten hat die Software getestet.

Das Paket kommt mit CD und handlichem Fingerscanner der Firma Eikon, das Passwort trifft per E-Mail ein. Für die Installation ist Geduld gefragt, aber nach einigen Minuten sitzt die Schutz-Software auf dem Rechner, was ein Delphin-Symbol in der Taskleiste beweist. Das Konfigurieren kann beginnen.

Surf-Ausflüge mit vorbestimmter Reiseroute

Hier sind die Eltern gefragt: Sie loggen sich mit dem Passwort auf der Eltern-Webseite ein und legen das Profil des Kindes an. Das Menü ist übersichtlich und leicht verständlich: Gefragt wird nach Alter und Geschlecht des Sprösslings und der Personen, die das Kind kontaktieren darf. Auch Benutzername und Passwort des Kindes werden bestimmt. Damit kann der Nachwuchs auch im Netz surfen. Mailen oder chatten unterliegt der strengen Fingerprint-Kontrolle.

Dolphin Secure schlägt eine Liste mit erlaubten Webadressen ("White List") vor. Die Links darin hat der Verein FragFinn e.V. zusammengestellt, der wiederum aus der Freiwilligen Selbstkontrolle der Multimedia-Diensteanbieter hervorgegangen ist. Die Eltern können sie auf ihrer Admin-Seite ergänzen oder reduzieren. Das funktioniert im Redaktionstest auch problemfrei und der Browser "spurt": "Google.com" wird zum Beispiel erst nach ausdrücklicher Erlaubnis gefunden und ist nach Entfernen von der Liste wieder unbekannt.

Jetzt kommt der Fingerscanner ins Spiel: Per USB-Kabel geht's an den PC. Als Treiber fungiert "Touch Clip Fingerprint Compressor". Das Programm ist mit 5,6 Megabyte nicht gerade schlank, arbeitet aber reibungslos per plug and play.

Vorhang auf für den Nachwuchs: Der Finger wird erfasst. Fünfmal muss das Kind über den Scanner streichen und erobert damit Zugriff auf Mail- und Chatfunktion.

Das Portal: Farbenfroh und kindgerecht:

Das ansprechend gestaltete Kinderportal kann der junge Nutzer mit eigenen Hintergrundbildern - Lieblingspony oder Fußballstar - nach Geschmack anpassen. Es ähnelt Profilen in Facebook und Co: Die Kids können persönliche Daten wie Alter, Geschlecht und Hobbies erfassen und die Surftipps nutzen.

Ähnlich wie bei anderen Netzwerken können unter "Fotos" Bilder erfasst werden. Allerdings ist das Hochladen im Test ein Geduldsspiel Das als Profilbild markierte Foto erscheint dann doch nicht als Erkennungsbild.

Unter "Freunde" verwaltet das Kind seine Kontakte. Hier liegt auch - relativ versteckt - der Zugang zum Kinderchat. Wer dabei sein will, muss selbst per Fingerprint registriert sein. Die Auswahl an potentiellen Cyber-Freunden ist also zunächst einmal recht klein.

Außerdem darf nicht jeder ins virtuelle Kinderzimmer. Der Sprössling stellt erst eine Freundschaftsanfrage und der Antrag landet in der Mailbox der Eltern des Partnerkindes. Sie sind es, die via Eltern-Webseite entscheiden, ob ein neues Kind in der Freunde-Galerie des eigenen Nachwuchs Platz nehmen darf oder draußen bleiben muss.

Einen Knopf zum Ausloggen sucht der Nutzer leider vergebens. Ein Minuspunkt, denn wer nicht frühzeitig lernt, durch Auslogggen seine Daten zu schützen, wird es später auch in sozialen Netzwerke vergessen - und Missbrauch ist Tür und Tor geöffnet.

Schluss für heute: Raus aus dem Schutzmodus

Ausgeschaltet wird der Delphinschutz über rechte Maustaste auf das Tiersymbol. Das ist nicht sehr intuitiv, funktioniert aber zunächst problemfrei. Zwei Wege sind möglich: Abmelden des Kindes und Anmelden eines anderen oder Abschalten der Software, damit Erwachsene wieder Vollzugriff aufs Internet haben.

Und dann gibt es doch noch ein Problem: Die Software aktiviert sich automatisch beim Neustart des Computers und reagiert auch nicht aufs Delphinsymbol. Gefangen im Delphinschutz-Dschungel - da hilft nur ein Neustart. Kein Spaß für künftige Käufer.

Fazit

Ganz reif ist das Programm noch nicht - da muss die Softwareschmiede noch Hand anlegen. Die Idee, Kinder über Fingerabdruck zu schützen, ist hingegen originell. Und wohl auch vorbildlich, denn wer Kinder missbrauchen will, wird sich kaum in einem System einloggen, das den Fingerabdruck erfasst.

Aber darin liegt auch das Problem: Wie viele Kinder wird der junge Web-Fan hier wirklich treffen können? Außerdem ist er auf einen bestimmten Computer Computer fixiert, der "delfingeschützt" ist. Das heißt, mal eben beim Freund zu Hause ins Portal einloggen und die neuesten Bilder ansehen - Fehlanzeige. Ganz billig ist der Spaß nicht, zumal pro Kind eine Lizenz fällig wird. Und schließlich: Wie sicher ist der Fingerabdruck beim Provider? Letztlich ist dann doch wieder Vertrauen gefragt.

(Dorothee Monreal)

Weiterführende Infos zum Thema:

Mehr aus dem Web

Zum Seitenanfang