Testbericht

Test: Digitalradio Pure Sensia - Musik-Allzweckwaffe

Das Pure Sensia ist nicht nur ein UKW-Radio, sondern unterstützt auch den Digitalradio-Standards DAB+ und dank integrierter WLAN-Schnittstelle Internetstreams. Und das ist noch längst nicht alles.

Musik© Ariwasabi / Fotolia.com

Wer gerne Radio hört, kann inzwischen aus einer Vielzahl an Übertragungswegen auswählen. Nicht nur klassische, analoge UKW-Frequenzen stehen zur Auswahl, sondern auch zahlreiche Internet-Radios, das Kabelnetz oder die Satellitenübertragung. Zunehmend an Bedeutung gewinnt aber auch das digitale Antennenradio auf Basis des Standards DAB+. Seit August steht DAB+ als Nachfolger von DAB (Digital Audio Broadcasting) in immer mehr Regionen Deutschlands zur Verfügung und auch die passende Hardware wird Monat für Monat erweitert. Unsere Redaktion hatte die Möglichkeit, das Digital-Radio Sensia von Pure auf die Probe zu stellen.

Radio unterstützt DAB+

Wie praktisch alle neuen Digitalradios unterstützt auch das Pure Sensia den neuen Sendestandard DAB+. In entsprechend versorgten Gebieten sind heute bereits 13 Radiosender zu empfangen, die auf diesem Weg ihre Programme verbreiten. Dazu zählen unter anderem das Fußballradio 90elf, Deutschlandfunk, Radio NRJ und sunshine live. Regional sind auch verschiedene andere Digitalradioprogramme zu empfangen - zum Beispiel jene von den Funkhäusern der ARD. In Nordrhein-Westfalen gehören zum Beispiel 1Live diggi oder WDR Event dazu, in Bayern beispielsweise on3 Radio oder Bayern2 plus. Aber: örtlich kann es beim Empfang der digitalen Radioprogramme zu Problemen kommen. Während unseres Tests konnten wir beispielsweise die digitalen Sender des WDR problemlos in der Kölner Innenstadt empfangen, trotz einer langen nutzbaren Teleskopantenne aber nicht in unseren Redaktionsräumen im benachbarten Hürth.

Doch zurück zur Hardware: denn das Sensia stellt weit mehr dar, als ein klassischen UKW-Taschenradio. Nicht nur weil es im Design eines Football-Ei daher kommt, sondern auch weil es viele Extras bietet, die man bei klassischen Radios vergeblich sucht. Die Bedienung erfolgt größtenteils nichts über physische Druck- und Drehknöpfe, sondern über ein 5,7 Zoll großen Farb-Touchscreen, der mit 640x480 Pixeln auflöst. Allerdings reagiert das Display - anders als man es von modernen Smartphones kennt - in vielen Situationen recht träge, was ein wenig den Spaß an der Bedienung nimmt.

Im Digitalradio-Modus startet das Sensia nach dem ersten Einschalten automatisch einen Sendersuchlauf, findet dabei aber wie eingangs erwähnt unter Umständen auch Sender, die am Ende doch nicht genutzt werden können. Auffällig ist auch, dass die Navigation durch das Radio-Menü an diversen Stellen mit langen Ladezeiten verbunden ist. Ganz offensichtlich ist der integrierte Prozessor recht schwach auf der Brust und schreit förmlich danach, durch einen stärkeren Bruder ersetzt zu werden.

Display liefert erweiterte Programminformationen

Der Vorteil von DAB+ gegenüber klassischer UKW-Ausstrahlung wird sehr schnell deutlich: glasklarer Sound, kein Raschen, kräftiger Bass. Darüber hinaus übertragen einige Sender zusätzliche Programminformationen auf das Radiodisplay. Wer zum Beispiel 1Live hört, darf sich über eine Diashow freuen, die unter anderem Webcam-Bilder des Sendestudios, Wetterinformationen oder Playlisten zeigt. Zu beachten ist aber auch: das Digitalradio-Signal hinkt etwa ein bis zwei Sekunden hinter dem UKW-Signal hinterher.

Wer in den heimischen vier Wänden einen WLAN-Router verwendet, kann das Pure Sensia auch damit koppeln und so den Zugriff auf unzählige Internetradios und Podcasts weltweit herstellen. Die Suche nach einzelnen Webradio-Stationen geht aufgrund des träge reagierenden Displays nicht wirklich leicht von der Hand, ist mit etwas Geduld aber zumindest recht intuitiv zu managen. Zwar dauert es ein bisschen, bis die persönlichen Lieblingsradios über die Suchfunktion zusammengestellt sind, dafür ist das Speichern und anschließende Abrufen der Sender-Favoriten aber erfreulich unkompliziert.

Satter, kraftvoller Sound

Die Soundqualität der Internetsender ist abhängig vom gewählten Komprimierungsgrad unterschiedlich gut. Wer zwischen einzelnen Favoriten hin und her schaltet - das dauert aufgrund des notwendigen Zwischenspeicherns recht lange - kann die unterschiedlichen Sound-Qualitäten sehr deutlich heraushören. Hitradio ffh liefert zum Beispiel eine deutlich schlechtere Streamqualität als NDR 2. Insgesamt sind die Audio-Leistungen des Sensia über seine zwei Lautsprecher (jeweils 15 Watt) sehr kraftvoll, in manchen Situationen sogar fast schon ein bisschen zu basslastig.

Zum Ein- und Ausschalten verfügt das Radio über eine Power-Taste auf der Kopfseite. Da sie auf einer Sensorbedienung basiert, schaltet sich das Pure Sensia aber zum Beispiel auch dann ein, wenn man mit der Handfläche über die Oberfläche streicht, um das Gerät zum Beispiel von Staub zu befreien. Alternativ steht auch eine Fernbedienung zur Verfügung. Nachteil: damit kann zwar die Lautstärke geändert und zwischen dem gewünschten Radiosignal (UKW, DAB, Webstream etc.) hin und her geschaltet werden, es ist aber nicht möglich, zwischen einzelnen Radiosendern zu wechseln. Das funktioniert nur über den Touchscreen am Gerät selbst.

Sogar Apps sind nutzbar

An weiteren Extras liefert das Sensia unter anderem einen Schlaf-Timer, ist alternativ aber auch als Radiowecker inklusive Snooze-Funktion nutzbar. Sogar Apps für Facebook, Twitter, Picasa, den aktuellen Wetterbericht (Akkuweather.com) und RSS-Feeds stehen zur Verfügung.

Wer bereit ist, für Musik zu zahlen, kann die Funktion "Pure Tag" nutzen. Sie identifiziert die aktuell in einem Internetradio laufenden Titel und macht den anschließenden Kauf in einem Online-Store möglich. Einzelne Tracks kosten in der Regel 1,49 Euro, komplette Alben 9,99 Euro. Ein Kauf funktioniert aber nur, wenn im persönlichen Konto der so genannten "Pure Lounge" Kreditkartendaten hinterlegt wurden und der Einkäufer mindestens 18 Jahre alt ist.

Gekaufte Dateien (ohne DRM, in der Regel 320 kbps) werden in der Pure Lounge im Menüpunkt "My Tracks" hinterlegt und sind nach einer Registrierung des Geräts und einer anschließenden Datensynchronisation mit allen Pure-Internetradios abrufbar. Sie lassen sich auf Wunsch aber auch auf einen MP3-Player kopieren. Alternativ steht die Pure Lounge auch als App für das iPhone und den iPod Touch zur Verfügung. Andere mobile Betriebssysteme wie Android oder Windows Phone werden noch nicht unterstützt.

Auf Wunsch auch Akku-Betrieb möglich

Als äußert praktisch erweist sich die Tatsache, dass das Sensia nicht nur über ein Stromkabel zuverlässig seinen Dienst verrichtet, sondern optional (!) ein Akku, das so genannte Pure Charge Pack für etwa 45 Euro, eingelegt werden kann. Es liefert bei eingeschalteter WLAN-Funktion satte 7,5 Stunden Energie, also genug Power für einen gemütlichen Grillabend im Park. Die maximal mögliche Lautstärke verringert sich im Akkubetrieb allerdings spürbar. Wer mag, kann das Radio auch mit einem MP3-Player oder dem heimischen Netzwerk koppeln und dann über die beiliegende Fernbedienung bedienen. Eine Tragetasche ist im Lieferumfang enthalten. Ebenso eine Standvorrichtung, auf der das Radio sicheren Halt findet und um ein paar Grad vor- und zurückgekippt werden kann.

Im Testbetrieb lieferte das Sensia-Radio eine sehr gute Gesamtperformance. Über einen Zeitraum von zwei Monaten mussten wir bei einer Nutzung von bis zu zehn Stunden täglich nur zwei Software-Abstürze beobachten. Das Radio war dann erst wieder nutzbar, nachdem es einmal komplett vom Stromnetz genommen und neu gestartet wurde. Apropos Neustart: der dauert sehr lange. Satte 105 Sekunden müssen vergehen, ehe sämtliche Funktionen wieder zur Verfügung stehen. Neben einem 3,5-Millimeter-Anschluss für Kopfhörer steht auch ein Mini-USB-Anschluss zur Verfügung.

Design-Radio, das kein Schnäppchen sein will

Bleibt abschließend nur noch eine Frage: Was kostet das Pure Sensia überhaupt? Ein Schnäppchen ist das Gerät im überdimensionalen Ei-Format aufgrund der Vielzahl an nutzbaren Funktionen nicht. Für das Design-Radio, das fast schon als kleine Musik-Allzweckwaffe durchgeht, werden im Fachhandel mindestens rund 262 Euro fällig. Bei Amazon wird es ohne Versandkosten für knapp 274 Euro angeboten. Erhältlich ist es in den Farben Rot, Gelb, Schwarz und Weiß. Die Fernbedienung wird in der gleichen Farbe wie das Radio geliefert. Verfügbare Software-Updates werden über die WLAN-Schnittstelle installiert. Das Radio macht per Displayanzeige auf eine neue Firmware aufmerksam. Zu beachten ist, dass nur die WLAN-Standards 802.11b und 802.11g unterstützt werden. Unser Test basiert auf Firmware-Version 4.1.

Name: Sensia
Hersteller: Sensia
Internet: www.pure.com/de
Preis: ab ca. 262 Euro
Technische Daten:
Radio-Formate UKW, DAB, DAB+, Internet-Radio (WLAN) 
Lautsprecher
2 x á 15 Watt
Bedienung
per Touchscreen (5,7 Zoll), Standby-Taste, Fernbedienung mit eingeschränkter Funktionalität
Speicherplatz
10 x UKW; 30 x DAB; div. Webradio-Favoriten
Lieferumfang
Pure Sensia, Stand-Adapter, Tragetasche, Teleskopantenne, Fernbedienung (inkl. Batterien), Netzteil, Kurzanleitung
Extras integrierte WLAN-Schnittstelle, Kopfhörerausgang, Anschluss eine MP3-Players möglich, einige wenige Apps nutzbar 
Pro & Contra:
deutsche Menüführung
integrierte WLAN-Schnittstelle
Display-Zusatzinformationen im DAB-Betrieb
mit optinalem Akku auch im Freien nutzbar
satter Sound
Display nicht immer einfach zu bedienen
Fernbedienung erlaubt keinen Senderwechsel
viel Technik, aber recht teuer


Bewertung:
Bedienung (50%): befriedigend
Ausstattung (30%): sehr gut
Verarbeitung (20%): sehr gut
Gesamtnote gut (2,0)
Preis-Leistung: gut

(Hayo Lücke)

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