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Der Handy-Panzer Sonim XP1 im Alltagstest

Ein Handy, das unzerstörbar ist? Als onlinekosten.de über das Outdoor-Telefon berichtete, erntete die Redaktion ungläubiges Feedback. Doch bevor es sein letztes Telefonat entgegen nimmt, ist es erst einmal an der Zeit, die Alltagstauglichkeit des Gerätes zu testen.

Sonim XP1
Ein Handy, das unzerstörbar ist? Als onlinekosten.de über das Sonim XP1 berichtete, erntete die Redaktion ungläubiges Feedback. Mittlerweile liegt das robuste Mobiltelefon in natura vor – und ist bereit, sein letztes Telefonat entgegenzunehmen. Doch bevor es soweit ist, ist es zunächst einmal an der Zeit, die Alltagstauglichkeit des Gerätes zu testen. Immerhin ist ewige Haltbarkeit nur eine Seite der Medaille...

Kommunikativer Brocken

Beginnen wir mit den augenscheinlichen Angaben: Das Sonim XP1 misst 11,3x2,2x5 Zentimeter und ist mit 128 Gramm Gewicht eher ein kommunikativer Brocken als ein filigraner Handschmeichler. Sonim bietet das Handy in zwei Ausführungen an, was auf die farbliche Gestaltung Auswirkungen hat: Wer auf Bluetooth 1.2 verzichten kann, erhält ein Telefon in den Signalfarben Schwarz und Gelb. Die Bluetooth-Variante kommt in mattem Schwarz daher, was dem Gerät in Kombination mit der robusten Gehäusegummierung noch zusätzlich ein martialisches Aussehen verleiht. Das XP1 wurde mit Zertifikaten geehrt (unter anderem mit dem Militärstandard IP-54), die ihm seine Immunität gegen Wasserspritzer, Feuchtigkeit, Hitze, Salz und Staub bescheinigen - dank der schützenden Hülle steckt es Stürze aus einer Höhe von 1,65 Meter locker weg, Vibrationen zwischen 5 und 500 Hertz können ihm nichts anhaben und die perfekte Arbeitstemperatur liegt zwischen -20 und +60 Grad Celsius.

Batteriefach nur mit Cent-Stück zu öffnen

Um das Sonim-Handy in Betrieb zu nehmen, muss unter Zuhilfenahme eines Cent-Stücks, das Batteriefach auf der Rückseite geöffnet werden. Der Steckplatz für die SIM-Karte befindet sich unter dem Akku. Über dem Fach befindet sich der externe und mit 105 Dezibel durchaus kraftvolle Lautsprecher. Wiederum darüber wurde ein kleiner Kunststoffbügel zum Befestigen eines Schlüsselbands integriert. Eine Kamera sucht der Nutzer hingegen vergebens.

Wird das Handy auf den Rücken gedreht, dominiert ein nach Herstellerangaben entspiegeltes, kratzfestes, siebenzeiliges Display die Vorderseite: 128 x 160 Bildpunkte, insgesamt sind hier 65.000 Farben darstellbar. Das liegt unter dem Durchschnitt diverser Displays moderner MP3-Player, doch man muss dem Sonim-TFT zugute halten, dass es dafür mit ordentlichen Kontrastwerten aufwarten kann und auch bei direkten Sonnenlicht gut zu lesen ist. Unter dem Display befindet sich ein kleiner Steuerkreis mit vier Richtungs- und einer Bestätigungstaste. Bei längerem Gebrauch des Handys erscheint diese allerdings überflüssig, da Befehle auch über die Softkeys am unteren Bildschirmrand gesendet werden können. Sämtliche Tasten des Tastaturfelds können einen ordentlichen Druckpunkt vorweisen und liegen zudem ausreichend weit auseinander, sodass auch Anrufe nöglich sind, ohne die Handschuhe ausziehen zu müssen.

Die Äußerlichkeiten

Wie Sonim mitteilt, wurden die Tasten im Labortest rund eine halbe Millionen Mal gedrückt – und funktionierten danach weiterhin einwandfrei. Gleichzeitig bieten sie die schnelle Möglichkeit, die Ruftöne zu verändern, das Telefon stumm zu schalten oder die Tastensperre zu aktivieren. Auch bei der blauen Ausleuchtung der Tasten gibt es nichts zu bemängeln. Auf der linken Außenseite – für deutsche Nutzer eher weniger interessant – befinden sich drei Tasten für die Walkie-Talkie-Funktion, genannt "Push-to-Talk", die hierzulande jedoch von den Netzbetreibern nicht unterstützt wird: Es bleiben drei Tasten, mit der sich während des Gesprächs die Lautstärke regulieren lassen, beziehungsweise die einen direkten Zugriff auf das Telefonbuch bieten. Etwas versteckt, auf der rechten Seite, ist ein Anschluss für externe Antennen untergebracht – für den Fall, dass der Nutzer sich in Gebieten aufhält, in denen der reguläre Empfang zu Wünschen übrig lässt.



Zuletzt sollte noch die USB-Schnittstelle an der Unterseite Erwähnung finden: Sie liegt zusammen mit dem Klinkenstecker für das Headset unter einer – leider recht provisorisch wirkenden – schwarzen Gummilippe versteckt. Während des Tests passierte es mehr als einmal, dass die kleine Klappe vom Handy abfiel und mit viel Geduld – oder eben Ungeduld – wieder befestigt werden musste.

Die Bedienung

Die eigentliche Bedienung des XP1 stellt den Besitzer vor keine allzu großen Herausforderungen: Das Menü, das rund ein dutzend Sprachen unterstützt, gliedert sich in neun Unterpunkte, die durch klar verständliche Icons symbolisiert werden. Eine Anruferliste ist hier genauso vertreten, wie das Telefonbuch, das 500 Einträge fassen kann. Der SMS-Speicher bietet Platz für bis zu 1.000 Nachrichten. Die kleinen Mitteilungen selbst lassen sich mittels "Text auf neun Tasten" (kurz: T9) bereits nach kurzer Zeit intuitiv verfassen. Zusätzlich finden sich im Menü die Handy-Einstellungen und unter "Extras" eine Reihe kleiner, nützlicher Helferlein: ein Organizer mit Kalenderfunktion, ein Wecker, ein Taschenrechner, ein Sprachrekorder, eine Stoppuhr sowie ein Countdown-Timer. Für die Anpassung an die persönlichen Bedürfnisse hat Sonim das Handy mit sieben polyphonen Klingeltönen ausgestattet, die je nach gewähltem Profil (Normal, Stumm, Meeting, Draußen und Kfz-Modus) zum Einsatz kommen. Weitere Tondateien können später hinzugefügt werden – allerdings sollte man aufgrund des mit zehn Megabyte (MB) knapp bemessenen Speichers mit dieser Möglichkeit sparsam umgehen. Über das Hauptmenü lässt sich außerdem die WAP-Funktion aufrufen – die aufgrund der in die Jahre gekommenen GPRS- Unterstützung jedoch ein langsamen Vergnügen darstellt.

Telefonieverhalten

Das Sonim XP1 funkt als Triband-Handy in den GSM-Frequenzen 900, 1.800 und 1.900 Megahertz, wobei die Sprachqualität klar und ausgewogen wirkt. Ein dickes Lob! Zusätzlich gibt es bei aufgebauten Verbindungen die Möglichkeit, das Gespräch per integrierter Freisprecheinrichtung zu führen oder das gesamte Telefonat gleich mitzuschneiden. Beim Thema "mögliche Gesprächsdauer" macht die Bewertungskurve hingegen wieder einen kleinen Bogen nach unten: Sonim liefert das Handy gemeinsam mit einem Lithium-Ionen-Akku mit 1.100 Milliamperestunden aus. Laut Herstellerangaben soll dieser Leistung für bis zu fünf Stunden Sprechzeit und rund acht Tage Standby liefern – keine überragenden Werte, zumal im Praxistest diese Angaben nicht einmal erreicht wurden. Wer sich das Sonim XP1 anschafft, muss wissen, dass er es bei regelmäßigem Gebrauch meistens schon am zweiten Tag an die Leine des Ladegeräts legen muss.

Das Fazit

Sicher, Mobilfunk-Freaks werden bei der mageren Ausstattung des XP1 ungläubig den Kopf schütteln: Es verfügt über keine schlanken Design-Maße, besitzt keine Kamera, keinen MP3-Player, keine Infrarotschnittstelle, unterstützt kein UMTS und hat dafür ein eher grob aufgelöstes Display. Zur Verteidigung muss man sagen, dass das Sonim-Handy nie den Anspruch hatte, über all diese Qualitäten zu verfügen. Es ist ein robustes Outdoor-Handy, das eher für das Kommunikationsbedürfnis im exotischen Rucksacktourismus, auf Baustellen oder in Maschinenräumen entwickelt wurde – und diese Aufgabe kann das XP1 gerade durch den Technikminimalismus bestens meistern. Es ist eines der zähsten Mobiltelefone, die derzeit auf dem Markt zu haben sind, und es garantiert ohne Schnickschnack und mit kinderleichter Bedienung den todsicheren Verbindungsaufbau. Tatsächlich gibt es nur einen Punkt, den man kritisch betrachten könnte: den Preis. Zur Zeit des Tests ging das Sonim XP1 für rund 230 Euro über den Ladentisch – 50 Euro weniger hätten es auch getan.



Name: XP1 Bluetooth
Hersteller: Sonim
Internet: www.sonimtech.com
Preis: ca. 230 Euro
Technische Daten:
Antenne: GSM Triband
Abmessungen: 113 x 50 x 22 Millimeter
Gewicht: 128 Gramm
Display: 1,77 Zoll, 128 x 160 Pixel, 65.000 Farben
Speicher: 10 MB intern
Schnittstellen: USB, Bluetooth 1.2
Digitalkamera: keine
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Kunststoffholster
Extras: Organizer, Gesprächsaufnahme
Akkulaufzeit im Test: 3 Stunden Sprechzeit, ca. sechs Tage Bereitschaftszeit
Pro & Contra:
Robustheit
ausgewogenes Tastenfeld
Sehr gute Sprachqualität
leichte Bedienung
kaum Schnittstellen
lediglich GPRS
hohes Gewicht
mäßige Akkuleistung
Bewertung:
Bedienung (30%): gut
Ausstattung (20%): ausreichend
Verarbeitung (20%): sehr gut
Akkulaufzeit (20%): ausreichend
Telefonfunktion (10%): gut
Gesamtnote:
befriedigend (2,6)
Preis-Leistung: ausreichend

(André Vatter)

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