Testbericht

Dell Zino HD im Test: Mini-PC fürs Wohnzimmer

Ein Wohnzimmer- beziehungsweise HTPC sollte kompakt, ansehnlich, leise und ausreichend stark sein. Der Dell Zino HD in Nori-Sushi-Optik erfüllt diese Kriterien und ist außerdem sehr sparsam, hat aber auch kleine Schwächen.

Arbeitsplatz© Brad / Fotolia.com

Dass PCs heutzutage nicht mehr so groß wie eine Minibar sein müssen, haben die Nettops, die Mini-PCs von Shuttle, oder spezielle Wohnzimmer-Rechner, sogenannte HTPCs, gezeigt. Auch Apple ist mit seinem Mac mini am Markt der platzsparenden Rechenknechte vertreten, ähnlich klein ist der Inspiron Zino HD von Dell. Statt bei Nvidia und Intel hat Dell die nötige Hardware aber aus der Notebook-Theke von AMD und dessen aufgekaufter Grafiksparte ATI geholt. Im Gegensatz zum Mac mini soll der Zino HD auch weniger auf dem Schreibtisch, sondern im Wohnzimmer Platz nehmen und ist daher nicht nur mit einem Blu-ray-Laufwerk, sondern auch in verschiedenen Bonbonfarben bestellbar.

Überblick – Dell Inspiron Zino HD im Test

  1. Optik, Maße und Lautstärke
  2. Anschlüsse, Lieferumfang und Hardware
  3. Spieleleistung, Logitech MK710, Fazit und Fakten

Passt er ins Wohnzimmer?

Neben seinen farbenprächtigen Kollegen sieht der Zino HD auf den Produktfotos fast wie eine Portion Nori Sushi aus, wobei jede von der Standardvariante in Schwarz abweichende Farbgebung einen Aufpreis kostet. Das handhabt Dell bei den Notebooks auf die gleiche Weise. Beim Zino HD Computer gibt es einfarbige Tönungen für 25 Euro, mehrfarbige Musterungen schlagen mit 40 Euro zu Buche. Unser Testgerät kommt in Tangerine Orange. Der PC im Ultra Small Form Factor (USFF) misst 20x20x9 Zentimeter (cm) und hat damit in etwa die Größe einer Frischhaltebox. Verglichen mit dem Mac mini misst er aber einige Zentimeter mehr. Apples silbergraue Rechenbox ist rund 16,5x16,5x5,1 cm klein und wiegt mit 1,31 Kilogramm auch etwa 300 Gramm weniger.

Die äußere Hülle des Zino HD ist komplett auf Hochglanz getrimmt und daher bei der Auslieferung schützend mit Klarsichtfolie bespannt. Sobald diese entfernt wird, beginnt der Kampf gegen lästige Fingerabdrücke. Da ein Desktop aber deutlich seltener angefasst wird als ein Notebook, ist dies zu verschmerzen. Mit seiner handlichen Form und dem dezenten, aber hübschen Design macht sich der Zino HD gut im Wohnzimmerschrank und passt auch je nach Möbelstück in die für eine Settop-Box, einen DVD- oder Videoplayer vorgesehene Etage. Der Einschaltknopf befindet sich aber auf der Oberseite, darauf sollte der Nutzer beim Aufstellen achten.

Ist der PC laut?

Dell empfiehlt außerdem einige Zentimeter Abstand für eine ausreichende Belüftung, insbesondere zur Rückseite, denn dort sitzt der Lüfter. Er bläst von Anfang an recht warme Luft aus dem kleinen Gehäuse, weshalb sich der PC an sich nur minimal erwärmt. Zu hören ist der Lüfter immer, wenn man direkt daneben sitzt. Besonders laut ist er aber nicht. Wer den Zino HD tatsächlich ihm Wohnzimmer nutzt, dürfte einige Meter Abstand zum PC haben und nimmt das Geräusch dann so gut wie nicht mehr wahr. Wenn sich der kleine Kasten mehr anstrengen muss, zum Beispiel bei Spielen, wird er zwar lauter, dann wird das Geräusch aber wiederum vom Sound über Lautsprecher oder Kopfhörer überlagert.

Die Anschlüsse verteilen sich komplett auf Front und Rückseite. Von vorne zugänglich sind zwei USB-Anschlüsse, zum Beispiel für eine Maus oder den MP3-Player, ein Kopfhöreranschluss und ein 4-in-1 Kartenleser, um schnell und unkompliziert Bilder von der Speicherkarte direkt im Wohnzimmer auf dem Fernseher anzuzeigen. Die nicht ganz so häufig beanspruchten Schnittstellen hat Dell auf die Rückseite gepackt. Dort sind ein Mikrofonanschluss, Line Out für eine 2.1-Stereoanlage, ein analoger D-Sub-Port (VGA) für einen Monitor oder aber HDMI für einen Flachbildfernseher, zwei weitere USB-Ports, zwei eSATA-Schnittstellen für externe Festplatten – zum Beispiel für ein Backup – und der Gigabit LAN Anschluss für eine Netzwerk- oder Internetverbindung zu finden. Alternativ geht es drahtlos per WLAN 802.11b/g oder n online, sofern eine entsprechende Mini Card für je 20 Euro hinzugefügt wurde. Unser Testgerät verfügt über das WLAN 802.11b/g-Modul und klinkte sich problemlos ins Netz ein. Der WLAN-Router befand sich ein ganzes Stockwerk tiefer.

Überblick – Dell Inspiron Zino HD im Test

  1. Optik, Maße und Lautstärke
  2. Anschlüsse, Lieferumfang und Hardware
  3. Spieleleistung, Logitech MK710, Fazit und Fakten

Was liefert Dell mit?

Während bei Notebooks mittlerweile häufig nur noch eine Kurzanleitung und das Netzteil im Karton liegen, gibt es beim Dell PC jede Menge auszupacken. Standardmäßig sind eine kabellose Multimedia-Tastatur und eine ebenso von Kabeln befreite Maus von Dell in der Farbe Schwarz im Preis enthalten. Unserem Testgerät liegt ersatzweise eine weiße kabelgebundene Hochglanzmaus bei, da dies bei einem Wohnzimmer-PC denkbar unpraktisch ist, hat Dell zusätzlich das Logitech Maus-Tastatur-Set MK710 dazugelegt, das für 57,98 Euro bei der Online-Konfiguration des Rechners angeboten wird. Das ist auf den ersten Blick ein sehr guter Preis, in den einschlägigen Hardwareshops ist die erst im Februar erschienene Kombination aktuell (Stand Mai 2010) nur ab rund 80 Euro zu haben. Dazu hat Dell passende Batterien verschickt, des Weiteren sind ein Handbuch für den Inspiron Zino HD, eine Fernbedienung sowie ein passender Infrarot-Empfänger, ein Netzteil und Backups der mitgelieferten Software im Karton untergebracht: eine Betriebssystem-Recovery (Windows 7 Home Premium 64-bit Edition), Works 9.0 und die installierten Treiber und Tools.

Welche Hardware kann ich erwarten?

Dell hat den Zino HD in seinem Onlineshop in zwei Versionen vorkonfiguriert. Die günstigere Variante mit AMD X2 3250e Dual-Core-Prozessor mit 1,5 Gigahertz (GHz) und ATI HD 3200 Onboardgrafikchip beginnt bei 379 Euro und liefert drei Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher, 500 GB Speicherplatz und einen 8-fach DVD-Brenner. Für anspruchsvollere Kunden bewirbt der Hersteller eine zweite Variante für 649 Euro mit AMD X2 6850e mit 1,8 GHz und dedizierter Grafikkarte, einer ATI Radeon HD 4330 mit 512 Megabyte (MB) Speicher. Für Fans von High Definition Videos wird hier das DVD- gegen ein Blu-ray-Laufwerk getauscht; das bietet Apples Mac mini nicht. Zudem stockt Dell die Festplatte auf ein Terabyte (TB) auf und verdoppelt die RAM-Kapazität. Noch mehr Arbeitsspeicher, ein höheres Betriebssystem oder Zubehör lassen sich gegen weiteres Kontoguthaben eintauschen.

Kann ich HD-Videos anschauen und spielen?

Unser Testgerät bedient sich an beiden Varianten und ist mit einem AMD X2 3250e, vier GB RAM, einem TB Speicherplatz und der HD 4330 mit 512 MB ausgestattet. Mit dem Logitech-Tastatur-Set und dem Farbaufpreis kommt unser Testsystem somit auf einen theoretischen Preis von 878,48 Euro. In der Praxis könnte daher einfach die 649-Euro-Variante mit dem stärkeren Prozessor gewählt werden. Die beiden zur Verfügung stehenden CPUs, die übrigens ebenso wie die Grafikkarte aus der Notebook-Sparte stammen, um in das kleine Gehäuse zu passen, sind auf der AMD Website gar nicht mehr zu finden, da sie kürzlich durch die neuen AMD Notebook-Plattformen Nile und Danube ersetzt wurden. Doch auch die älteren Modelle aus der 65-Nanometer-Fertigung fallen mit einem besonderen Feature auf: einem geringen Stromverbrauch. Der 3250e verlangt zum Beispield nur 22 Watt. Dies übersteigt zwar den Hunger einer Intel Atom CPU, aber auch die Leistung ist deutlich besser: Die Benchmarks und unser 7-Zip-Test (siehe Seite 3) ermittelten ungefähr die doppelte Kraft eines Intel Atom N450 mit 1,66 GHz.


Um die Spieletauglichkeit zu testen, haben wir nicht mehr ganz taufrische DirectX-10-Titel getestet (siehe Tabelle auf Seite 3), die bei niedrigeren Auflösungen und Details noch flüssig liefen. Stärkere Komponenten als Option wären für Spieler sicher schön gewesen, aber nicht mit den beengten Verhältnissen im Gehäuse und dem niedrigen Stromverbrauch vereinbar. So wird ein guter Mittelweg zwischen Leistung, günstigem Verbrauch und niedriger Lautstärke erzielt. Für HD-Videos reicht die Grafikkarte mehr als aus.

Überblick – Dell Inspiron Zino HD im Test

  1. Optik, Maße und Lautstärke
  2. Anschlüsse, Lieferumfang und Hardware
  3. Spieleleistung, Logitech MK710, Fazit und Fakten

Da unser Testmuster ohne die Standard-Eingabegeräte von Dell in der Redaktion eintraf, können wir über deren Ergonomie und Handhabung kein Urteil fällen. Wenn aber schon das Logitech MK710 Set dabei ist, haben wir dies kurz ausprobiert. Angeschlossen werden die Geräte mit einem Mini-USB-Empfänger in Daumennagelgröße, anschließend müssen nur noch die Batterien eingelegt und Maus und Tastatur eingeschaltet werden. Sie sind sofort einsatzbereit. Wie üblich liegt aber die Logitech Setpoint Software bei, um das Feintuning wie die Tastenbelegung vorzunehmen. Die Lasermaus ist ergonomisch geformt und bekommt das nötige Gewicht erst durch die Batterien. Sie verfügt über drei programmierbare Daumentasten und soll bis zu drei Jahre mit einer Ladung Energiespender auskommen – ebenso wie die Tastatur. Sie besitzt eine weiche, matte Handballenauflage, die der des Logitech Wave Keyboard (Test) ähnelt, allerdings ist das Tastenbrett schnurgerade. Die Tasten sind recht flach, das Tippen ist aber sehr angenehm. Als Extra sind einige Multimediatasten verbaut.

Fazit: Gutes, sparsames System, aber ohne 5.1-Sound

Alles in allem ist der Zino HD ein hübscher und ausreichend starker PC für das Wohnzimmer. Ein nicht zu verachtendes Kriterium, das für ihn spricht, ist der geringe Stromverbrauch. Während sich ein Mittelklasse-Desktop ein 250-Watt-Netzteil genehmigt und extrem starke Gamer-PCs auch vor vierstelligen Wattzahlen nicht halt machen, schlug das Strommessgerät bei Dells Wohnzimmer-Orange - selbst bei eingestellter Höchstleistung und einem laufenden Benchmarktest - nur bis knapp über die 50-Watt-Grenze aus. Damit liegt er fast auf Notebook-Niveau, wenn auch über einem klassischen Intel Atom-Gespann.

Vier USB-Ports mögen für einen Desktop-PC wenig erscheinen, im Wohnzimmer müsste dies aber ausreichen, Maus und Tastatur werden zum Beispiel über einen gemeinsamen Funk-Empfänger angeschlossen – zumindest das Logitech-Set. Schlimmer ist, dass nur 2.1-Sound unterstützt wird und kein digitaler Audioausgang vorhanden ist. Gerade Blu-ray- beziehungsweise HD-Fans wissen 5.1-Raumklang zu schätzen und verfügen oft auch über entsprechendes Equipment. Schade ist zudem, dass sich bei der Bestellung kein TV-Tuner konfigurieren lässt. Der Windows Media Center mit der passenden Fernbedienung und die Terabyte-Festplatte würden aus Dells Mini-PC so zusätzlich einen Festplattenrekorder machen.

Zu beachten ist, dass Dell standardmäßig nur ein Jahr Service gewährt, ähnlich wie bei Apple ist ein Upgrade aber für einen Aufpreis buchbar. Zwei Jahre Vor-Ort-Service, der auch für Wochenenden gilt, kostet zum Beispiel 110 Euro.

Name: Inspiron Zino HD (D00ZHD04)
Hersteller: Dell
Internet: www.dell.de
Preis: ab 379 Euro (ohne Blu-ray) beziehungsweise ab 649 Euro (mit Blu-ray), Farbaufpreis: 25 bis 49 Euro, Versandkosten: 29 Euro
Technische Daten (Testkonfiguration)
Chipsatz/Prozessor: AMD 780 Chipsatz mit Athlon X2 3250e mit 1,5 GHz
Grafikkarte: ATI Mobility Radeon HD 4330 mit 512 MB
Speicher: 4 GB DDR2 mit 800 MHz (2x2.048 MB)
Festplatte: 1 Terabyte 7.200 U/Min
Laufwerk: Blu-ray-ROM-Laufwerk
Soundkarte: Onboard: ATI High Definition Audio Device
Kommunikation: Gigabit LAN, WLAN 802.11 b/g
Betriebssystem: Windows 7 Home Premium 64-bit
Abmessungen: BxTxH: 20x20x9 Zentimeter; 1,6 Kilogramm
Anschlüsse: D-Sub (VGA), HDMI, 2xeSATA, 4x USB, Kartenleser (4-in-1), Mikrofon, Line Out, Kopfhörer
Lieferumfang: Kabellose Maus und Tastatur von Dell, Fernbedienung mit Media Center Taste, Infrarot-Empfänger, Batterien, Netzteil, Handbuch, CD mit Treibern & Tools, Works 9.0, Betriebssystem-Recovery
Sonstiges: laufende Aktion: 15 Monate McAfee Secure Centre Virenschutz gratis
Garantie: ein Jahr Standard-Service, zwei Jahre gegen einen Aufpreis von 29 Euro, drei Jahre kosten 39 Euro
Benchmarks/Messungen
Benchmarks: Windows Leistungsindex: CPU: 4,1 / RAM: 5,8 / 2D: 4,5 / 3D: 5,9 / HDD: 5,9

7-Zip: 164 JPG-Fotos (400 MB) ins .zip-Format: 48 Sek.
CPU-Benchmark von PC Wizard: 11.371
CPU-Benchmark Cinebench: 2.643
OpenGL-Benchmark Cinebench: 2.504
HDD-Benchmark von PC Wizard: Sequentielles Schreiben/Lesen: 92/107 MB/s; gepuffertes Schreiben/Lesen: 153/170 MB/s; zufälliges Lesen: 55 MB/s

Frames pro Sekunde (fps), jeweils Mittelwerte DirectX-10-Benchmark Devil May Cry 4: 36 fps (1.360x768 Pixel, Details: low, Schattenqualität: off) / 23 (Details: high, MSAA: 2x, Schattenqualität: high)
DirectX-10-Benchmark Call of Juarez: 17 fps (1.280x720 Pixel, Details: low). Pre-Release Demo Crysis: 25 - 32 fps (1.360x768 Pixel, Details: low)
Stromverbrauch: Ausgeschaltet am Netz: ca. 0,7 Watt
Eingeschaltet im Energiesparmodus: ca. 40 Watt
Videowiedergabe im Energiesparmodus: ca. 50 Watt
Benchmark-Test unter Höchstleistung (Displayhelligkeit 100%, WLAN ein): ca. 53 Watt
Pro & Contra
sehr kompakt
schön gestaltet
große Festplatte
Blu-ray-Laufwerk möglich
eSATA und HDMI
inklusive kabelloser Eingabegeräte
Fernbedienung
sehr niedriger Stromverbrauch
nur 2.1-Sound bei Line Out
Lüfter ist stets zu hören
Farbige Designs und längerer Service kosten extra
kein TV-Tuner als Option
Bewertung:
Geschwindigkeit (35%): gut
Ausstattung (30%): befriedigend
Handhabung/Service/Lieferumfang (15%): sehr gut
Verarbeitung (10%): gut
Geräuschentwicklung (10%): gut
Gesamt: gut (2,2)
Preis-Leistung: gut

(Saskia Brintrup)

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