Testbericht

Dell XPS 18 im Test: XXL-Tablet und All-in-One mit Windows 8

Der Dell XPS 18 macht nicht nur als tragbare Bildtafel in der Freizeit und für die ganze Familie eine gute Figur, sondern auch als All-in-One-PC: Wir haben den Rechner mit 18,4-Zoll-Touchscreen getestet.

Dell

All-in-One (AIO) mit Touchscreen oder Riesen-Tablet? Der Dell XPS 18 mit Windows 8 ist beides. Im März konnten wir bereits ein XPS 18 Vorseriengerät im Hands on begutachten, nun hat uns Dell ein Serienmodell mit dem stärksten verfügbaren Prozessor zum Test zukommen lassen - bestätigt sich der gute erste Eindruck?

Dell XPS 18 Test – Inhalt

  • Seite 1: Gehäuse und Einsatzmöglichkeiten des Dell XPS 18
  • Seite 2: Schnittstellen, Maus und Tastatur, Bedienung und Display des Dell XPS 18
  • Seite 3: Ausstattung, Leistung, Akkulaufzeit und Fazit zum Dell XPS 18

Übergroßes 2-kg-Tablet

Wie in Dells Edel-Linie XPS üblich, hat der Käufer bereits beim Auspacken der neuen Hardware das Gefühl, sich ein hochwertiges Produkt ins Haus geholt zu haben. Im größten Karton befindet sich das Filetstück des XPS 18, das 18,4 Zoll große und schwarz gerahmte Touchscreen-Display, hinter dem auch die Komponenten sowie ein Akku angebracht sind. Dadurch ist der Rechner ohne weiteres Zubehör bereits einsatzfähig - als übergroßer Tablet PC. Von der Größe her lassen sich locker zwei große iPads darin versenken, zieht man die Höhe mit hinzu, passen auch vier Apple-Tablets hinein: Rund 464 x 284 x 18 Millimeter misst das Riesen-Tablet und bringt 2,2 bis fast 2,3 Kilogramm (kg) auf die Waage - je nachdem, ob sich eine klassische HDD oder eine flottere und leichtere SSD im Gehäuse breit macht.

Für ein Tablet ist der Dell-Rechner somit recht wuchtig und ihn wie ein 10-Zoll-Exemplar in den Händen zu halten, ist anfangs ungewohnt. Das Gewicht verleitet dazu, ihn auf den Schoß oder einen Tisch legen zu wollen. Lässt man die Display-Größe und das Notebook-Innenleben mit in die Bewertung einfließen, relativieren sich die Ausmaße: Für einen Desktop-Rechner oder ein großes Multimedia-Notebook sind 2 kg alles andere als schwer.

Ausklappbare Ständer und stabile Halterung

Der XPS 18 lässt sich durch die flache Form plan auf Tische oder den Fußboden legen, in die mattierte dunkelgraue Aluminium-Rückseite hat Dell aber auch zwei ausklappbare Füße integriert, mit denen sich der Bildschirm entweder wie ein großer digitaler Bilderrahmen aufstellen oder leicht erhoben hinlegen lässt. Die Mechanik der Standfüße hinterließ bereits im Vorserienmodell einen guten Eindruck, denn nach leichtem Lösen klappen sich die Füße nahezu von selbst aus und haften per Magnet fest am Gehäuse, wenn sie nicht benötigt werden. Soll das Gerät als All-in-One-Computer zum Arbeiten eingerichtet werden, kann es auf den mitgelieferten Standfuß gesetzt werden. Dieser hebt nicht nur die Bildfläche auf eine angenehmere Höhe und ermöglicht verschiedene Neigungswinkel, sondern dient auch gleichzeitig als Ladestation. Indem das beiliegende Netzteil sowohl ans Tablet als auch an den Fuß angeschlossen werden kann, ergibt sich eine aufgeräumte Optik. Sorgen darüber, dass das Display aus der Halterung fallen könnte, muss sich der Nutzer nicht machen: Das Fußteil ist mit einem Gewicht von mehr als 2 kg sehr massiv und hält das Tablet zudem magnetisch fest in Position.

Verarbeitungstechnisch leistet sich Dell in keinem Bereich Patzer. Alle Bestandteile wirken durch ihre matte Optik und ein möglichst schlankes Design modern und hübsch und greifen problemlos ineinander. Um das Display zu neigen, ist kaum Kraft notwendig. Lediglich beim Aufsetzen könnte noch etwas nachgeholfen werden, denn so muss man selbst darauf achten, dass sich die Anschlüsse von Standfuß und Tablet treffen. Zwar helfen die Windows-Sensortaste und eine Markierung dabei, dennoch ist es fummelig.

Die Schnittstellen des XPS 18 sind allesamt am Tablet angebracht: Zwei USB-3.0-Ports, ein Kartenleser sowie eine Kopfhörerbuchse. So lässt sich mal ein Speicherstick oder eine externe Festplatte zum Backup anschließen. Ein kontaktfreudiger Desktop-Ersatz ist das Gerät ohne jeglichen Grafikausgang aber nicht - jedenfalls nicht ohne Adapter oder eine Docking-Station, die Dell für etwa 180 Euro anbietet. Damit Eingabegeräte nicht die zwei einzigen Ports belegen, werden eine kabellose Tastatur und auch eine drahtlose Maus (Dell KM714) mitgeliefert. Da die Schnittstelle auf der Unifying-Lösung von Logitech basiert, sind darüber hinaus Logitech-Tastaturen und -Mäuse ohne zusätzliches Dongle kompatibel, wie Dell zur Präsentation im Frühjahr ausführte. Kommuniziert wird per WLAN (802.11 b/g/n) oder Bluetooth 4.0, ein LAN-Kabel lässt sich nur via Adapter (29 Euro) anstöpseln. Um Videochats mit den Verwandten und Freunden führen zu können, verfügt das Display über eine HD-Kamera und ein Dual-Array-Mikrofon. Die 2-Watt-Stereo-Lautsprecher fabrizieren einen etwas dumpfen Klang, sind aber schön laut und klar. Für adäquaten Filmsound ist damit gesorgt.

Dell XPS 18 Test – Inhalt

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  • Seite 3: Ausstattung, Leistung, Akkulaufzeit und Fazit zum Dell XPS 18

Eingeschaltet wird der Rechner wie ein typischer Tablet-PC über eine seitliche Taste, auch zum Verstellen der Lautstärke sind entsprechende Buttons angebracht. Diese erfordern aber etwas Geduld, da der Balken - allerdings nur beim Höherdrehen - im Schneckentempo voranschreitet. Wen das stört, der reguliert den Sound im Tablet-Modus über den Touchscreen und im PC-Einsatz über die Multimediatasten auf der Tastatur.

Kabellose Maus und Tastatur mit Windows-8-Funktionen

An eine Doppelbelegung zum Aufrufen der Suchfunktion in Windows 8, zum Teilen von Inhalten oder Stöbern in den zuletzt geöffneten Apps hat der Hersteller ebenfalls gedacht. Das Tasten-Design im Chiclet-Stil hat sich der XPS 18 bei den Notebook-Modellen der XPS-Serie abgeschaut. Die Tastatur bezieht die benötigte Energie aus zwei mitgelieferten AAA-Batterien und ist ausreichend schwer und unten gummiert, um nicht auf der Unterlage zu verrutschen. Durch ihre leichte Schrägstellung lässt es sich angenehm tippen. Die Maus ist extrem leicht und wird erst durch die beiden AA-Batterien beschwert. Ihr gleichförmiges Gehäuse passt sich sowohl Rechts- als auch Linkshändern an. Auch wenn man es ihr aufgrund der schlichten Bauweise nicht gleich auf den ersten Blick ansieht, unterstützt sie mit ihren insgesamt vier Tasten und dem Scrollrad eine Menge Funktionen: Einblenden der Windows Charm-Leiste, Wechseln zwischen den Apps, Vor- und Zurückblättern im Internet Explorer. Die Windows-Gesten muss man einmal in der Kurzanleitung nachschlagen, sie sich einzuprägen, dürfte nicht schwer fallen.

Gute Wahl, Dell: IPS-Display mit Full-HD-Auflösung

Bei der Display-Wahl hat Dell alles richtig gemacht: Ein Gerät, dessen Dreh- und Angelpunkt nunmal der Bildschirm ist, verdient ein hochwertiges Exemplar - und das kann auch der XPS 18 von sich behaupten. Das 18,4 Zoll große IPS-Display mit 1.920 x 1.080 Pixeln ist blickwinkelstabil, hell und scharf. Damit Schriften auf der Full-HD-Fläche nicht zu klein geraten, sind diese innerhalb von Windows und im Internet Explorer auf 125 Prozent eingestellt. Der glänzende Bildschirm ist Multi-Touch-fähig und dadurch von mehreren Nutzern parallel ansprechbar, was Dell mit der Musizieranwendung Fingertapps Instruments und dem Spiel Air Hockey anfüttert. Spaß macht es definitiv, gegeneinander auf einem Touchscreen zu spielen, auch wenn sich die Hände trotz der großen Bildschirmfläche immer mal wieder in die Quere kommen. Eingaben werden zudem präzise interpretiert, nur der Finger kann oftmals nicht so schnell und in einem Rutsch über die Oberfläche huschen, wie es nötig wäre. Diese Kritikpunkte gelten nur für hektische Spiele, in denen alle Teilnehmer den ganzen Bildschirm nutzen können.

Auf der Website erwähnt Dell "neueste Intel Core-Prozessoren" für den XPS 18, mit dem kürzlich erfolgten Start der vierten Core-i-Generation alias Haswell hat sich diese Aussage überholt: Dell stattet seinen Touchscreen-PC nämlich derzeit mit Ivy Bridge-CPUs aus, die noch mit einer Intel HD 4000 anstelle des neuen, schnelleren 5000-Chips arbeiten. Je nach Preisklasse - zwischen 999 und 1.299 Euro kostet der XPS 18 - befindet sich ein Intel Pentium 2117U, Core i3-3227U, i5-3337U oder wie in unserem Testexemplar ein i7-3537U an Bord. Gesellschaft bekommt dieser von 4 bis 8 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher und einer SATA-Festplatte mit 320 bis 500 GB Speicherplatz, die in den Top-Modellen mit Hilfe eines mSATA-Flash-Laufwerks mit 32 GB Speicher beschleunigt wird. Ein optisches Laufwerk ist generell nicht integriert.

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Außen Tablet, innen Notebook

Bei den Prozessoren handelt es sich um Ultrabook-Chips, das heißt, Dual-Core-CPUs, auch der i7. Der i7-3537U mit einem Standardtakt von 2 Gigahertz bietet per Turbo Boost bis zu 3,1 GHz sowie Verarbeiten von vier Threads. Insgesamt reicht die Leistung für etliche Fälle wie das Abspielen von Full-HD-Filmen, Bearbeiten von Fotos sowie Casual Games aus dem Windows Store aus. Ein großer Pluspunkt ist die geringe Leistungsaufnahme. Bei einem CPU-Benchmark und maximaler Helligkeitsstufe genehmigte sich der XPS 18 im Test nur 35 Watt, während der Videowiedergabe sogar nur 23 Watt. Damit ist der Komplettrechner auch als Desktop-Ersatz so sparsam wie ein Ultrabook. Dass Dell noch keine Haswell-Prozessoren einsetzt, merkt man bei der Akkulaufzeit, denn diese fällt bei der brandneuen Prozessorgeneration spürbar länger aus. Der Ivy-Bridge-XPS soll laut Dell immerhin mehr als 5 Stunden bis zum nächsten Griff zum Netzteil auskommen. Als Videoplayer genutzt, sei es online oder offline, ist dieser Wert fast zu erreichen. Unter dauernder vollständiger Auslastung, was in der Praxis in der Form nicht auftritt, leert sich der Akku zwar bereits nach 2,5 Stunden, beim Anzeigen von Textdokumenten dafür erst nach 7 Stunden. Für ein so großes Tablet, das gleichzeitig ein vollwertiger PC ist, kann sich das Ergebnis durchaus sehen lassen. Der Akku ist übrigens nicht durch den Kunden austauschbar.

Wie die Hardware-Liste zeigt, kommt der XPS 18 anders als typische Tablets nicht ohne Lüfter aus, kleinere Windows-8-Tablets mit Notebook-Innenleben machen es aber nicht anders. Bereits beim Bootvorgang, der binnen nur 12 Sekunden abgeschlossen ist, wird klar, dass es sich in erster Linie um einen PC handelt. Werden nur anspruchslosen Anwendungen ausgeführt, zum Beispiel Bilder angezeigt oder eine Website gelesen, verhält sich das Luxus-Tablet ruhig. Wer sich zum Zeitvertreib hochauflösende Videos anschaut, kann den Luftverwirbler aber arbeiten hören. Die maximale Lautstärke lassen aufwendige Berechnungen oder Spiele und Benchmarks lebendig werden, der All-in-One pendelt sich dann etwa auf dem Niveau eines Multimedia-Notebooks ein. Nach einiger Zeit kann das Alu-Gehäuse an der Rückseite ziemlich warm werden, auf dem Schoß sollte der Rechner dann nicht mehr unbedingt liegen. Die aktuell sommerlichen Temperaturen rund um 30 Grad dürften daran allerdings nicht unschuldig sein und wer nur im Internet surft, wird kein zu warmes Gehäuse bemerken.

Fazit: Mutiger Ansatz, gelungene Umsetzung

Der Dell XPS 18 All-in-One-PC ist ein Exot unter den Windows-8-Rechnern. Ganz allein auf weiter Flur steht er aber auch nicht da: Der Sony Vaio Tap 20 blickt ebenfalls auf einen integrierten Akku und liefert daher zwei Einsatzmöglichkeiten. Dell setzt der Konkurrenz eine höhere Ausstattungsoption, ein schärferes Display und ein leichteres Gehäuse entgegen. Sonys Exemplar wiegt fast doppelt so viel. Eine weitere Alternative ist der mit einer Diagonale von 27 Zoll deutlich größere Lenovo IdeaCentre Horizon, dessen Akku aber bereits nach 2 Stunden geleert ist.

Schlussendlich macht der XPS 18 Display-PC nicht nur als tragbare Bildtafel in der Freizeit und für die ganze Familie eine gute Figur. Durch die tadellosen Eingabegeräte und die ausreichend starke Leistung lässt er sich im Handumdrehen zum Arbeitsplatzrechner verwandeln. Nur wer zwingend ein Laufwerk oder zusätzliche Schnittstellen benötigt, dürfte sich eingeschränkt fühlen.

Name: XPS 18
Hersteller: Dell
Internet: www.dell.com/de
Preis: ab 999 Euro bei Dell
Testkonfiguration: 1.299 Euro
Technische Daten der Testkonfiguration
Prozessor: Intel Core i7-3575U Dual-Core-Prozessor
mit 2,0 GHz
Grafikkarte: Integrierter Grafikchip Intel HD 4000 Grafikchip 
Arbeitsspeicher: 8 GB DDR3 1.600 MHz (max. 8 GB unterstützt)
Festplatte: 500 GB SATA mit 5.400 U/Min +
32 GB mSATA-SSD
Laufwerk: -
Display: 18,4 Zoll IPS-Display mit 1.920 x 1.080 Pixel, Touchscreen, glänzend
Kommunikation: WLAN 802.11 b/g/n, Bluetooth 4.0
Akkulaufzeit: Fest verbauter Akku mit 69 Wattstunden. Herstellerangabe: bis 5 Stunden
gemessen: 145 Minuten Volllast / 260 Minuten
YouTube HD / 280 Minuten Full-HD-Videos offline /
425 Minuten Word-Dokumente lesen
Betriebssystem: Windows 8 64 Bit
Maße und Gewicht: HxBxT: 17,7 x 463,6 x 283,7 mm,
2,2 bis 2,3 Kilogramm (HDD / SSD)
Anschlüsse: 2x USB 3.0, Kartenleser, Mikrofon/Kopfhörer
Benchmarks/Zahlen: Windows Leistungsindex:
CPU: 7,1 / RAM: 7,5 / 2D: 5,6 / 3D: 6,4 / HDD: 5,9

CPU-Benchmark: Cinebench 11.5: 2.91
PCMark 7: 4.484

Grafikchip:
Grafik-Benchmark FurMark 720p: 391; 1080p: 232
OpenGL: Cinebench 11.5: 16,50 BpS
3DMark 11: P4412

HDD-Benchmark von CrystalDiskMark:
Sequentielles Lesen/Schreiben:
135,8 / 91,2 MB/s;
zufälliges Lesen/Schreiben 512K:
203,7 / 41,7 MB/s
Leistungsaufnahme: Ausgeschaltet am Netz:
ca. 0,3 Watt
Eingeschaltet Energiesparmodus (WLAN ein):
ca. 15 Watt
Videowiedergabe (WLAN aus):
ca. 23 Watt
CPU-Benchmark (WLAN ein, 100% Helligkeit):
ca. 35 Watt
Garantie: 1 Jahr Dell Service, 2 bis 3 Jahre gegen Aufpreis von 140 bis 260 Euro verfügbar
Pro & Contra
Duo-Konzept
kabellose Maus, Tastatur und Standfuß inklusive
Top-Display
gute Praxisleitung
sparsam im Betrieb
mobil, dank Akku
als PC: kein Erweiterungspotential,
kein Laufwerk, wenige Anschlüsse
als Tablet: kein flüsterleiser Betrieb
Wärmeentwicklung
Bewertung:
Geschwindigkeit (25%): gut
Ausstattung (20%): befriedigend
Display (25%): sehr gut
Geräuschentwicklung (10%): gut
Bedienung/Komfort (10%): gut
Verarbeitung (10%): sehr gut
Gesamt: gut (1,9)
Preis-Leistung: gut

(Saskia Brintrup)

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