Testbericht

Dell XPS 12: Das Ultrabook-Tablet überzeugt im Test

Wenn das Dell XPS 12 ein reiner Tablet-PC wäre, wäre er einer der Leistungsstärksten. Doch das Hybrid-Gerät mit Aluminium, Gorilla-Glas und Karbonfaser ist auch ein Ultrabook. Wie gut kommt es mit der "Doppelbelastung" klar?

Wenn das Dell XPS 12 ein reiner Tablet-PC wäre, wäre er einer der Leistungsstärksten. Doch das Hybrid-Gerät mit Aluminium, Gorilla-Glas und Karbonfaser ist auch ein Ultrabook. Wie gut kommt es mit der "Doppelbelastung" klar?

Laptop© Micha Bednarek / Fotolia.com

Nach und nach kommen die IFA-Neuheiten mit Windows 8 auf den Markt. Die Touch-orientierte Bedienung des neuen Microsoft-Betriebssystems hat den Einfallsreichtum der Hardware-Hersteller angeregt: Wer eine Kombination aus handlichem Laptop und Tablet PC sucht, der stößt auf sehr verschiedene Bedienkonzepte. Mal lässt sich eine Tastatur andocken, mal das ganze Notebook umklappen oder das Display drehen – wie beim Dell XPS 12. Das in Texas beheimatete Unternehmen hat den Ansatz des Inspiron Duo weiterverfolgt und ein 12,5-Zoll-Ultrabook kreiert, das sich durch einen innerhalb des Rahmens drehbaren Bildschirm in ein Tablet verwandeln kann. Bei Material und Hardware – ein Intel Core i5- oder i7-Prozessor und eine SSD – hat Dell nicht gespart, das treibt natürlich auch den Preis nach oben. Unter 1.199 Euro ist nichts zu machen. Was der Kunde für sein Geld bekommt, zeigt unser Test.

Dell XPS 12 Test - Inhalt

  • Seite 1: Äußerlichkeiten: Design, Verarbeitung, Schnittstellen
  • Seite 2: Leistung: Display, Hardware, Sound und Akkulaufzeit
  • Seite 3: Eingabegeräte, Fazit und Test-Tabelle

Als Laptop leicht, als Tablet schwer

Das XPS 12 misst rund 317 x 215 x 15 bis 20 Millimeter und wiegt 1,52 Kilogramm. Für ein Notebook sind das handliche Maße, als reiner Tablet-PC wäre der Rechner hingegen ein schwerer Brocken. Ihn hochkant und einhändig zu halten, ist keine Freude, am besten liegt er quer auf dem Schoß. Doch Tablet-Maßstäbe anzusetzen, wäre nicht gerecht, schließlich müsste in jedem Fall des Gewicht einer Tastatur addiert werden. Nichtsdestotrotz können Geräte mit ansteckbarer Tastatur den zusätzlichen Ballast bei Bedarf abwerfen, das XPS 12 ist unwiderruflich damit verknüpft.

Sehr gute Verarbeitung, ...

Die Zugehörigkeit zur aktuellen XPS-Linie ist dem Ultrabook deutlich anzusehen und auch anzumerken, denn die Verarbeitung ist absolut hochwertig. Wie beim Dell XPS 13 (Test) und XPS 15 (Test) gibt es ein abgerundetes Gehäuse aus stabilem, gefrästem Aluminium und eine kratzfeste Gorilla-Glas-Abdeckung von Corning für das Display. Auch anhand der Tastenform und der matten Soft-Touch-Oberfläche innen lässt sich die Verwandtschaft erkennen. Der Display-Deckel besteht aber wie die Unterseite des Gerätes aus Kohlefaser, während die XPS-Laptops ohne Dreh-Bildschirm Aluminium verwenden.

... aber so kontaktarm wie das XPS 13

Die Power-Taste ist an die Seite gerutscht, damit sich das Gerät im zugeklappten Tablet-Modus bequem einschalten lässt. Auf dem Display steht daher auch eine zweite Windows-Taste zur Verfügung. Ebenfalls an den Seiten untergebracht sind Lautstärketasten und ein Button, der auf Wunsch verhindert, dass sich der Bildschirminhalt mit dem Tablet mitdreht. An Anschlüssen hält das XPS 12 lediglich zwei USB-3.0-Ports, einen Mini-DisplayPort und eine Audioschnittstelle für Mikrofon oder Kopfhörer bereit. Ein Kartenleser oder ein alternativer Grafikausgang fehlen ebenso wie ein optisches Laufwerk oder ein LAN-Anschluss. Ohne Adapter ist eine Internetverbindung daher nur über WLAN möglich, ein Fernseher lässt sich über Intel Wireless Display anschließen, wenn die Unterstützung gegeben ist. Abgerundet wird die Schnittstellenbestückung mit Bluetooth 3.0.

Die bunten Kacheln auf der Windows 8 Touch-Oberfläche lassen eines sofort nach dem ersten Start erkennen: Das 12,5 Zoll große, verglaste Display des XPS 12 ist beeindruckend scharf und farbenfroh. Die 400 Candela pro Quadratmeter starke Hintergrundbeleuchtung sorgt zudem für eine ausreichend helle Anzeige. Für einen Einsatz unter freiem Himmel wäre angesichts der Spiegelungen allerdings auch ein noch höherer Wert nicht verkehrt gewesen. Die Schärfe erreicht der 10-Finger-Touchscreen durch eine Full-HD-Auflösung; 1.920 x 1.080 Bildpunkte auf einer so kleinen Fläche bedeuten gleichzeitig aber auch, dass Schrift mitunter sehr klein angezeigt wird. Auf Websites und in Dokumenten ist das nicht tragisch, die über die Charm-Leiste hereinwischbaren Windows-Einstellungen sind aber arg klein. Eine Bedienung per Finger ist trotzdem gerade noch möglich, in der Regel erkannte der reaktionsschnelle Touchscreen mühelos, was wir antippen wollten.

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Den Klappmechanismus hat Dell eigenen Angaben zufolge mit 20.000 Runden auf Langlebigkeit getestet. Er hinterlässt auch in der Praxis einen robusten Eindruck; funktioniert reibungslos und rastet selbständig ein. Der Tablet-Modus profitiert dank IPS-Panel von 170 Grad großen Blickwinkeln, die das Bild auch bei schrägem Blick stabil halten.

Verfügbare Konfigurationen

Dell bietet das XPS 12 im Onlineshop zur Konfiguration an. Zur Auswahl stehen drei Varianten, die Einstiegsversion kostet 1.199 Euro. Bestückt ist sie mit einem Intel Core i5-3317U Dual-Core-Prozessor mit 1,7 Gigahertz (GHz) und Intel HD 4000 Grafikchip, 4 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher und einer 128-GB-SSD. Wer 1.399 Euro anlegt, erhält doppelten RAM und doppelten Speicherplatz. Ein Upgrade auf einen Intel Core i7-3517U mit 1,9 GHz kostet 100 Euro Aufpreis. Unser Testgerät entspricht der dritten Variante für 1.499 Euro.

Die Ausstattung mit Core i5 oder i7 hat keinen Einfluss auf die Anzahl der Rechenkerne oder die Grafikeinheit. Beide 17-Watt-CPUs sind Dual-Cores und bringen Intels HD 4000 mit, der mit Full-HD-Videos und älteren Spielen fertig wird. Die Prozessorleistung der Stromsparer reicht für alltägliche Aufgaben wie Internet, Bildbearbeitung und auch gelegentlichen Videoschnitt aus, Quad-Core-Prozessoren sind in Ultrabooks noch nicht zu finden.

Windows 8 startet von der performanten SSD in nur 8 Sekunden, auch der Touchscreen ist dann bereits ansprechbar. Wer das Gerät im Standby belassen und trotzdem unmittelbar auf neue E-Mails oder Status-Updates zugreifen möchte, kann sich über Intel Smart Connect freuen. Damit wacht der Laptop zwischendurch kurz auf, eingeschaltetes WLAN und die passende Anwendung – wie Outlook oder Thunderbird – vorausgesetzt.

Klare Lautsprecher

Die zwei integrierten Lautsprecher verströmen einen mehr als passablen und ausreichend lauten Sound, gerade im Hinblick auf die Nutzung als Tablet. Bei Filmen kommen sie am besten zur Geltung, Musik verlangt doch eher nach Kopfhörern. Die Lüftungsschlitze sitzen unterhalb und lassen bei starker Beanspruchung ein warmes Lüftchen wehen. Eine Info über den Zustand des 6-Zellen-Akkus lässt sich anhand der kleinen Lampen auf der rechten Seite ablesen; je nach Füllstand leuchtet per Knopfdruck eine entsprechende Anzahl auf.

Akku hält im üblichen Betrieb etwa 5 Stunden durch

Unter maximaler Last leert sich der Tank nach kaum 2 Stunden, Videos können etwa 4 Stunden lang abgespielt und Websites für 5 Stunden durchstreift werden. Beim kaum kräftezehrenden Anzeigen von Word-Dokumenten ging dem Akku erst nach 8,5 Stunden die Puste aus. Dass das Dell XPS 12 nicht so lange durchhält wie ein Tablet, ist nachvollziehbar, denn im Innern ist es ein ausgewachsener Rechner. Daher bleibt er auch nicht tablet-stumm. Wird nur gesurft oder eine Office-Software angeworfen, ist das Ultrabook still, erst eine Videowiedergabe lässt es nach einigen Minuten leise surren. Wird es herausgefordert, ist eine Art hohes Pfeifen zu vernehmen, das nach erledigter Arbeit schnell wieder abebbt.

Die Eingabegeräte sind gelungen: Die Tastatur lässt sich per F-Taste beleuchten oder wieder dunkel stellen und gibt sich beim Einsatz für längere Texte keine Blöße. Die Tasten sind komfortabel zu bedienen und fest arrangiert, sodass sich die Tastatur beim herkömmlichen Schreiben nicht durchbiegt. Das Touchpad misst angenehme 6 x 10 Zentimeter und ist dadurch gut für Mehrfingergesten gerüstet.

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Fazit: Ein leistungsstarkes Ultrabook, das sich auch mal als Tablet nutzen lässt

Mit dem XPS 12 hat Dell ein schönes und auch einzigartiges Stück Hardware auf den Markt gebracht. Der sauber einrastende Drehmechanismus dürfte am Konferenztisch für neidische Blicke sorgen und beschert dem Nutzer zwei Geräte in einem. Als Notebook und auch als Tablet besticht das XPS 12 mit einem knackigen Display, hoher Leistung und gutem Sound: Doch an anderer Stelle werden die Vorteile des einen Modus zum Nachteil des anderen. So profitiert der Nutzer von einer Tastaturqualität und Touchpad-Größe, die mit Tablet-Zubehör nicht in dem Ausmaß zu erreichen ist und hängt hinsichtlich des Komforts auch Konkurrenten wie das Sony Vaio Duo 11 ab, muss aber konstruktionsbedingt mit einem höheren Gewicht leben. Unterm Strich ist das Dell XPS 12 ganz klar eher Ultrabook als Tablet, erweist Windows 8 aber mit seinem Touchscreen einen großen Gefallen: Wo die Maus zu umständlich ist, wird einfach gewischt.

Ein Preis von 1.199 Euro aufwärts klingt zunächst viel, schließlich ließen sich davon ein Notebook und ein Tablet-PC einzeln kaufen. Andererseits kostet das Ultrabook-Geschwisterchen XPS 13 auch ohne Touchscreen bereits 999 Euro und die Mitbewerber verlangen für SSD-Modelle mit Full-HD-Bildschirm ebenfalls vierstellige Summen. Die Hybrid-Konkurrenz von Asus, Lenovo, Sony, Toshiba und HP bewegt sich in ähnlichem Rahmen - wer beide Geräteklassen in einem Gerät möchte, muss also einen Tausender in die Hand nehmen.

Weitere Testberichte und eine Kaufberatung zum Thema Notebook liefert unser Hintergrundbereich. Mehr Ultrabooks im Überblick gibt es in unserem Ultrabook Vergleich, zusätzlich Infos und Kauftipps im Ultrabook Ratgeber.

Name: XPS 12
Hersteller: Dell
Internet: www.dell.de
Preis: UVP: ab 1.199 Euro (Testkonfiguration: 1.499 Euro)
Technische Daten
Prozessor: Intel Core i7-3517U mit 1,9 GHz 
Grafikkarte: Intel HD 4000 (integriert)
Bildschirm: 12,5 Zoll IPS (1.920 x 1.080 Pixel), glänzend, 400 cd/m²
Batterie: fest eingebauter 6-Zellen-Akku mit 47 Wh, Laufzeit: 110 Minuten unter Vollast / 510 Minuten Lesetest (WLAN aus) /
ca. 260 Minuten Videowiedergabe (Lautstärke + Display 50%, WLAN aus) / 310 Minuten Surfen
Speicher: 8 GB DDR3 Dual-Channel, Maximum: 16 GB
Festplatte: 256 GB SSD von Samsung
Laufwerk: -
Kommunikation: WLAN 802.11 a/b/g/n, Bluetooth 3.0, LAN nur via USB-Adapter
Betriebssystem: Windows 8 64-bit
Abmessungen: BxTxH: 317 x 215 x 15 – 20 mm Millimeter; 1,52 Kilogramm
Anschlüsse: Mini-DisplayPort, 2x USB 3.0, Kopfhörer
Sonstiges: 1,3-Megapixel-Webcam, Tastaturbeleuchtung, Touchpad in Glas integriert, Corning Gorilla Glas-Abdeckung für das Display, Intel Smart Connect, Intel Wireless Display
Lieferumfang: Notebook, Netzteil, Kurzanleitung
Benchmarks/Zahlen: Windows Leistungsindex:
CPU: 7,2 / RAM: 7,9 / 2D: 5,5 / 3D: 6,4 / HDD: 8,1

7-Zip: 164 JPG-Fotos (400 MB) ins .zip-Format:
11 Sek.

CPU-Benchmark: Cinebench 11.5: 2.8
PCMark 7: 4.977

Grafikchip:
Grafik-Benchmark FurMark; bei nativer Auflösung: 222 Punkte; 720p: 325; 1080p: 198
OpenGL: Cinebench 11.5: 14,81 BpS

HDD-Benchmark von CrystalDiskMark: Sequentielles Lesen/Schreiben: 457,8 / 264,3 MB/s;
zufälliges Lesen/Schreiben 512K: 314,1 / 255 MB/s
Energieverbrauch: Ausgeschaltet am Netz:
ca. 0,2 Watt
Eingeschaltet im Energiesparmodus:
ca. 6,6 Watt
Videowiedergabe im Energiesparmodus:
ca. 12,3 Watt
CPU-Benchmark-Test unter Höchstleistung (Displayhelligkeit 100%, WLAN + Bluetooth ein): ca. 30,5 Watt
Garantie: 1 Jahr Abhol- und Reparaturservice, weitere Leistungen und längerer Support gegen Aufpreis (siehe Dell Service)
Pro & Contra
stabiles Gehäuse in guter Verarbeitung
Nutzung als Laptop oder Tablet
scharfes, farbenfrohes Display
leistungsstarke Hardware
flotter SSD-Speicher
beleuchtete Tastatur
HDMI/DVI und LAN nur via Adapter (nicht im Lieferumfang)
kein Kartenleser
als Tablet schwer
Akkulaufzeit unter Last
hoher Preis
Bewertung:
Geschwindigkeit: 14/15
Ausstattung: 10/15
Display: 14/15
Bedienung/Komfort: 8/10
Maße/Gewicht: 13/15
Akkulaufzeit: 14/20
Verarbeitung: 10/10
Gesamt: 83/100 --- So testen wir Notebooks
Preis-Leistung: gut

(Saskia Brintrup)

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