Testbericht

Dell XPS 10 Tablet im Test: Akku-Knaller mit Tastatur-Dock

Das XPS 10 mit Windows RT und Snapdragon-Prozessor ist ab 429 Euro zu haben. Das hochwertige Tastatur-Dock mit Akku für bis zu 18 Stunden Laufzeit modelt das Tablet zum Notebook um.

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Die Tablets mit Windows 8 in Vollversion oder Windows RT kommen in zahlreichen Erscheinungsformen. Dell hat sein erstes Gerät in der Multimedia-nahen und hochwertigen XPS-Serie angesiedelt: Das sieht man dem XPS 10 anhand der Top-Verarbeitung auch an. Durch Windows RT lässt sich der Tablet PC zwar nicht mit Desktop-Software bespielen, ist aber mit einem stabilen Tastatur-Dock mit USB-Anschlüssen kombinierbar. Nach einer Preissenkung gibt es das 10,1-Zoll-Exemplar als reines Tablet schon ab 429 Euro.

Dell XPS 10 Test – Inhalt

  • Seite 1: Maße, Verarbeitung, Schnittstellen, Dock und Laufzeit
  • Seite 2: Tastatur-Dock II, Display, technische Daten und Leistung
  • Seite 3: Sound, Kameras, Fazit und Test-Tabelle

Sehr robuste Verarbeitung

Der rund 275 x 177 Millimeter große und 9,2 Millimeter flache Gefährte wiegt 635 Gramm und zählt damit weder zu den leichtesten Tablets noch zu den schweren Brocken. Zum Vergleich: Das Retina-iPad von Apple bringt es auf 652 Gramm, das Asus VivoTab Smart (Test) auf 580 Gramm und die RT-Ausführung des Herstellers aus Taiwan auf leichte 535 Gramm. Dass das XPS "nur" im Mittelfeld spielt, lässt sich verschmerzen, denn Dell hat sich beim Design des Tablets ganz an der übrigen XPS-Hardware orientiert. Der Mix aus festem Rahmen, Magnesium und rutschfester Soft-Touch-Rückseite ist bereits beim Convertible-Ultrabook Dell XPS 12 (Test) positiv aufgefallen und wird hier ebenfalls verwendet.

Tastatur-Dock addiert Ports und Akkuleistung - aber auch Pfunde

Das XPS 10 kann einzeln genutzt auf einen Mikro-USB-Port, einen Kopfhöreranschluss und einen MicroSD-Kartenleser zurückgreifen. Letzterer schützt sich mit einer Leiste vor Staub, hinter der noch Platz für eine SIM-Karte wäre. Varianten mit LTE- beziehungsweise HSPA+-Modul für mobiles Internet sind aber noch nicht verfügbar. Bis es soweit ist, findet die Kommunikation über Dualband-WLAN und Bluetooth statt. Eine HDMI-Ausgabe an einen Fernseher ist über das Dock möglich, das mit Mikro-HDMI und zwei USB-2.0-Ports bestückt ist. Leider gibt es dort keinen Schacht für SD-Karten. Adapter auf HDMI und USB für die verkleinerten Schnittstellen legt Dell dazu. Die übliche Windows-Taste ist auf dem XPS 10 Tablet schön groß geraten und keine Sensortaste, sie lässt sich also zielsicher herunterdrücken. Weitere Tasten gibt es zum Einschalten und für die Lautstärke.

Den optionalen Tastaturunterbau gibt es für 140 Euro: Das Tablet wird in das bewegliche Scharnier eingesteckt und kann mit einer Taste bei Bedarf schnell wieder gelöst werden. Das An- und Abdocken ist im laufenden Betrieb möglich. Mit Dock steigt das Gewicht auf stolze 1,3 Kilogramm - so viel wiegt auch ein leichtes 13-Zoll-Ultrabook oder das MacBook Air 13 Zoll. Zugutehalten muss man dem Zubehör aber, dass es auch einen Akku mitbringt. Es besitzt daher - wie das Tablet - einen Dock-Anschluss, um sich mit dem Netzteil zu verbinden. Zusammen mit dem Tablet-Akku soll der Nutzer laut Dell bis zu 18 Stunden mobil sein, das schafft kein Laptop, womit sich der Gewichtsnachteil relativiert. Das Tablet an sich soll es auf eine maximale Laufzeit von 10,5 Stunden bringen. Wir erreichten in der Praxis bei anstrengender Dauernutzung und offline etwa 7,5 Stunden. Kommt der WLAN-Empfang hinzu, muss bei kräftezehrenden Aufgaben mit einer Stunde weniger gerechnet werden. Die YouTube-App für Windows RT konnten wir hingegen für etwa 8,5 Stunden laufen lassen. Überrascht hat der lange Atem im Standby. Hochgerechnet etwa drei Wochen lang genügt eine Befüllung. Das Asus VivoTab Smart mit Windows 8 kann da nicht mithalten, es muss schon nach vier Tagen an die Steckdose. Mit der Tastatur lassen sich die Laufzeiten entsprechend noch verlängern. Zu beachten ist aber, dass zunächst der Tablet-Akku angezapft wird, was das Duo unflexibler macht als nötig.

Mit dem Dock wird es zum Mini-Notebook, kann aufgrund von Windows RT aber nur mit Apps aus dem Windows Store etwas anfangen. Hardware-seitig erhält der Kunde jedenfalls eine stabile Konstruktion, denn das Tablet rastet sicher und fest ein. Zwar lässt sich der Bildschirm nicht flach nach hinten klappen, der Neigungswinkel reicht aber völlig aus. Der verhältnismäßig schwere Display-Part zieht dann jedoch nach hinten. Auf dem recht kleinen Tastenfeld kann halbwegs angenehm und sehr leise getippt werden. Viel Platz bietet das große Touchpad mit Klicktasten. Die gekachelte Windows-Oberfläche lässt sich damit flott durchscrollen, während der Nutzer im Desktop-Modus vom Herauf- und Herunterscrollen mit zwei Fingern profitiert. Probleme traten mit Gesten auf. So konnten wir über die ehemals als "Metro" bezeichnete Oberfläche innerhalb von Bing Maps mit den Fingern zoomen, in der Bilderanzeige von Windows wollte das aber partout nicht klappen, obwohl die System- und Dockeinstellungen entsprechend vorgegeben waren.

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Heller HD-Bildschirm

1.366 x 768 Bildpunkte bietet der Touchscreen, der aufgrund seiner großen Blickwinkel auch von der Seite aus betrachtet gut lesbar ist. Mehr Pixel versammeln die Android-Tablets mit Full-HD-Displays wie das Acer Iconia Tab A700 und das Asus Transformer Pad TF700T sowie das iPad der dritten und vierten Generation. Dort locken jeweils 2.048 x 1.536 Bildpunkte auf 9,7 Zoll. Doch die Windows-RT-Gemeinde liegt gleich auf, auch das Microsoft Surface mit Windows RT (Test) ist auf HD begrenzt. Praktischer Nebeneffekt: Der Windows-Desktop ist noch mit dem Finger bedienbar. Wie fummelig es in Full-HD zugehen kann, zeigt beispielsweise unser Sony Vaio Duo 11 Test. Überzeugen kann der XPS-10-Bildschirm mit warmen Farben, zudem ist er noch heller als der des Asus VivoTab Smart. Das macht sich vor allem im Freien oder in Fensternähe bemerkbar, wenn sich die Umgebung auf der glänzenden Oberfläche spiegelt. Auffallend breit ist der schwarze Rahmen, der das Display umgibt. So beschleicht den Nutzer das Gefühl, ein Stück weit auf möglichen Platz verzichten zu müssen, andererseits ist eine gewisse Breite angesichts der seitlichen Wischgesten für Windows 8 nötig.

Für den Antrieb im XPS 10 sorgt ein Qualcomm Snapdragon Mobil-Prozessor Typ S4 mit 1,5 Gigahertz. Dem Dual-Core-Modell werden 2 Gigabyte (GB) RAM zur Seite gestellt, während die eMMC wahlweise 32 oder 64 GB liefert. Mit 32 GB und ohne Dock werden 429 Euro fällig, mit Tastatur-Dock 569 Euro. Eine Verdopplung des Speichers ist jeweils für einen Aufpreis von 50 Euro zu haben. Trotz des Speicherkartenlesers sollte der persönliche Bedarf vor dem Kauf abgeschätzt werden, denn auf unserem Testexemplar waren bereits rund 20 GB belegt.

Lahmer Windows-Start

Verhältnismäßig lang dauert es bis zum Windows-Start, wenn das Tablet zuvor heruntergefahren wurde. In unseren Tests zeigte sich der Anmeldebildschirm nie, bevor etwa 50 Sekunden verstrichen waren. Auch nicht nach dem Aufspielen der aktuellen Windows-Updates. Gut, dass die lange Standby-Zeit seltenen Neustarts entgegenkommt. Im Alltag fühlt sich die CPU flott genug an. Wie auf dem Asus VivoTab Smart mit Intel Atom Z2760-Prozessor lassen sich auch Videos in HD-Auflösung oder sogar Full-HD flüssig abspielen. Ebenso ohne Wartezeiten oder Störungen möglich: ein Dutzend Browser-Tabs oder Navigieren durch Einstellungen und Explorer. Verglichen mit dem Intel Atom im Asus VivoTab muss der Snapdragon aber stärker ackern, um die gleiche Leistung zu erzielen. Ein hochauflösendes YouTube-Video lastete die CPU zu etwa 10 Prozent aus, während es auf dem Atom-Tablet nur maximal 4 Prozent beanspruchte. In Full-HD-Auflösung stieg die Belastung für den Atom kaum an, während die Qualcomm-CPU doppelt so hart arbeitete. Auch der Task-Manager an sich und das Mehrfenster-Management zehrten stärker am Snapdragon: Alle drei Prozesse gemeinsam genehmigten sich dann mehr als 40 Prozent der CPU-Leistung. Sobald weitere Tabs geöffnet wurden, gerieten Full-HD-Videos im Browser aber auf beiden Systemen ins Stocken.

Erstaunlich laut sind die Stereo-Lautsprecher, insbesondere dann, wenn das Tablet mit der Tastatur verbunden ist. Automatisch wirkt der Klang voller und beschallt den Nutzer frontal. Doch eine hohe Lautstärke alleine reicht noch nicht aus für Partystimmung am Schreibtisch. Für die reine Musikwiedergabe fehlt es dem XPS 10 an Volumen, der Klang ist aufgedreht zu verrauscht. Für Fotos oder Videos verbaut Dell eine 2-Megapixel-Webcam, zum Beispiel für Skype, und hinten eine 5-Megapixel-Kamera. Zwar zählt ein Autofokus zur Ausstattung, doch ein Blitz ist nicht vorhanden. So müssen schon gute Lichtverhältnisse herrschen, um brauchbare Fotos zu bekommen.

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Fazit: Guter Tablet-Notebook-Mix, wenn Windows RT ausreicht

Das XPS 10 ist Dells günstigstes Windows-Tablet. Selbst inklusive Dock und mit maximaler Speicherkapazität kostet das 10-Zoll-Gespann mehr als 500 Euro weniger als das drehbare XPS 12. Die Zielgruppe umreißt mobile Nutzer, beruflich wie privat. Dem trägt Dell mit geringem Tablet-Gewicht, langer Akkulaufzeit und - zusammen mit dem Tastatur-Dock - vielfältigen Eingabemöglichkeiten und Schnittstellen Rechnung. Schade, dass dann das Gewicht auf Subnotebook-Ausmaße wächst und noch keine 3G/4G-Version verfügbar ist. Kompromissbereitschaft ist auch in Sachen Betriebssystem gefragt, denn Windows RT sperrt nunmal x86-Programme aus. Immerhin ist Office Home and Student 2013 RT mit dabei.

Preislich ist Dells Tablet nach der aktuellen Senkung der Verkaufspreise attraktiv: Das Asus VivoTab RT mit Windows RT, 64 GB Speicherplatz und Nvidia Tegra-3-Chip ist etwa 60 Euro teurer - mit oder ohne Dock. Zuvor hatte Asus die besseren Konditionen. Auch das Microsoft Surface ist teurer; je nach Kombination etwa 50 bis 100 Euro.

Weitere Tablet PCs im Test, einen Tablet PC Vergleich und eine Kaufberatung zum Thema Tablet PC liefert unser Hintergrundbereich.

Name: XPS 10 mit Dock
Hersteller: Dell
Internet: www.dell.de
Preis: UVP: Nur Tablet ab 429 Euro; Dock: 140 Euro, Testkonfiguration: 619 Euro
Technische Daten
Chipsatz/Prozessor: Qualcomm Snapdragon S4 Dual-Core-Prozessor
mit 1,5 GHz
Bildschirm: 10,1 Zoll IPS-Display (1.366 x 768),
Touchscreen, Glas-Abdeckung, glänzend
Speicher: 2 GB RAM, 32 oder 64 GB eMMC
Akku: Herstellerangabe: Tablet: bis 10,5 Stunden, mit Dock: bis 18 Stunden
gemessen: 6,5 Stunden Surfen YouTube (IE), 8,5 Stunden YouTube-App, 7,5 Stunden Videowiedergabe (Full HD, offline), 21 Tage Standby
Kommunikation: Dualband-WLAN 802.11 a/b/g/n, Bluetooth 4.0,
später auch als HSPA+-/LTE-Modell mit AGPS erhältlich
Betriebssystem: Windows RT
Abmessungen: Tablet: 275 x 177 x 9,2 Millimeter; 635 Gramm
mit Dock: 275 x 177 x 24 Millimeter; 1,31 Kilogramm
Anschlüsse: Tablet: Mikro-USB, Mikrofon/Kopfhörer (3,5 mm Klinke), microSD-Kartenleser
Dock: Mikro-HDMI, 2x USB 2.0
Sonstiges: Lagesensor, Lichtsensor, 5-Megapixel-Kamera mit Autofokus und 720p-Aufnahme, 2-Megapixel-Webcam
gute Verarbeitung
farbenfrohes und helles Display
lange Laufzeit
stabile Tastatur mit Extra-Akku
Kartenleser
Adapter im Lieferumfang
USB-Port regulärer Größe nur via Dock
noch keine Version mit Mobilfunkmodul
mäßige Kamera ohne Blitz
mit Dock hohes Gewicht
Bewertung:
Geschwindigkeit (20%): befriedigend
Ausstattung (20%): gut
Display (20%): gut
Bedienung/Handhabung (15%): gut
Akkulaufzeit (15%): sehr gut
Verarbeitung (10%): gut
Gesamt: gut (2,1)
Preis-Leistung: gut

(Saskia Brintrup)

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