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Dell Venue Pro im Test: Wuchtiger Windows-Brummer

Mit dem Venue Pro ist bei Dell ein Smartphone erhältlich, das auf Windows Phone 7.5 basiert. Alleinstellungsmerkmal ist eine ausschiebbare QWERTZ-Tastatur.

Dell Venue Pro

Smartphones, die auf dem mobilen Betriebssystem Windows Phone von Microsoft aufsetzen, gibt es inzwischen bereits einige. Zum Beispiel das Omnia 7 von Samsung oder das Lumia 800 von Nokia. Was man in der Regel vergeblich sucht, sind Windows-Smartphones im Slider-Design mit ausschiebbarer QWERTZ-Tastatur. Dell hat mit dem Modell Venue Pro aber genau ein solches Handy auf Basis von Windows Phone 7.5 Mango im Angebot.

Smartphone mit QWERTZ-Tastatur

Schon der erste Eindruck ist etwas überraschend: Das Venue Pro wirkt verglichen mit anderen aktuellen Smartphones recht wuchtig und weniger schön verarbeitet. Geschuldet ist das ausgerechnet der Slider-Technik, die es ermöglicht, eine physische QWERTZ-Tastatur am unteren Ende des Telefons hervorzuschieben. Dadurch ist das Telefon vor allem in der Tiefe ein "dicker Brummer": satte 15 Millimeter muss der Nutzer im wahrsten Sinne des Wortes erst einmal wegstecken. Zum Vergleich: das Omnia 7 bringt es auf gerade einmal 11 Millimeter, das Lumia 800 auf 12 Millimeter und das HTC Titan sogar nur auf 10 Millimeter.

Beim Venue Pro kommen noch 122 Millimeter in der Länge und 64 Millimeter in der Breite hinzu. Die Folge: es ist ein großes Display nutzbar. Verbaut wurde ein AMOLED-Multitouch-Bildschirm mit einer diagonalen Abmessung von 4,1 Zoll (10,4 Zentimeter). Viel Fläche, um Multimedia- oder Internetinhalte komfortabel nutzen zu können. Auch hier ein Vergleich: das iPhone 4 S bringt es nur auf 3,5 Zoll, das Samsung Galaxy S II auf 4,3 Zoll.

Eines der schwersten Telefone am Markt

Darüber hinaus ist das Dell-Smartphone alles andere als ein Leichtgewicht. Es wiegt mit 193 Gramm fast so viel wie zwei Tafeln Schokolade und zählt damit zu den schwersten Smartphones, die aktuell am Markt erhältlich sind. Selbst das Samsung Galaxy Note mit seinem 5,3 Zoll großen Display ist leichter. Wird das Venue Pro in der Hosentasche durch die Welt getragen, wirkt es entsprechend häufig wie ein Fremdkörper.

Rein technisch ist das Smartphone nicht nur in klassischen GSM-Netzen einsetzbar (Quadband), sondern auch überall dort, wo UMTS zur Verfügung steht. Mobile Internet-Ausflüge sind auf Basis von HSDPA mit bis zu 7,2 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) möglich, Uploads per HSUPA mit maximal 5,8 Mbit/s. Ergänzend dazu steht eine WLAN-Schnittstelle bereit.

Die Navigation durch das sehr übersichtliche und einfach gehaltene Kachel-Menü von Windows Phone erfolgt über einen zuverlässig und schnell reagierenden Bildschirm. Nur in einzelnen Apps (zum Beispiel Facebook) ist von einer flüssigen Navigation nicht viel übrig geblieben. Andere Apps wiederum - zum Beispiel Foursquare - wurden mit deutlich mehr Liebe zum Detail gestaltet als auf anderen mobilen Betriebssystemen.

Unter dem Display sind drei beleuchtete Sensortasten zu finden. Mit ihnen ist es möglich, einen Schritt zurück zu navigieren, den Startbildschirm aufzurufen oder zur Online-Suchmaschine Bing zu wechseln. Herzstück des Telefons ist ein Prozessor, der mit 1 Gigahertz getaktet und damit fast schon ein bisschen schwach auf der Brust ist. Andere aktuelle Windows-Handys sind schon mit Prozessoren ausgestattet, die eine Taktrate von 1,4 oder sogar 1,5 Gigahertz vorweisen können. Generell basieren sie auf Single-Core-Technologie. Der interne Speicher des Dell-Smartphones ist auf 16 Gigabyte beschränkt und nicht über eine microSD-Karte erweiterbar.

Ein paar Extratasten

An zusätzlichen, physischen Tasten liefert das Venue Pro eine Lautstärkewippe an der rechten Seite, die bequem mit dem Daumen zu bedienen ist. Außerdem steht hier eine separate Kamerataste zur Nutzung bereit. Sie dient nicht nur als Auslöser, sondern startet die Kamerafunktionen auch auf Wunsch. Wir die Taste nur zur Hälfte nach unten gedrückt, werden Bilder im Fotomodus mit dem integrierten Autofokus scharf gestellt. Die Taste zum Ein- und Ausschalten des Telefons steht auf der Kopfseite zur Verfügung, ist aber etwas klein ausgefallen und deswegen oft schwierig zu treffen. Die Lautsprecher sitzen wie beim iPhone 4 S am Fußende und werden im Querformat vom Zeigefinger verdeckt. Das kann insbesondere bei Spielen störend sein.

Slider-Tastatur, die niemand wirklich braucht

Ein Alleinstellungsmerkmal besitzt das Telefon mit seiner ausschiebbaren QWERTZ-Tastatur. Wirklich nachvollziehbar ist allerdings nicht, warum es dieses Extra überhaupt besitzt. Einerseits fallen die beleuchteten Buchstaben-Tasten sehr schmal aus, was das Tippen von längeren Texten im Vergleich mit der virtuellen Display-Tastatur im Prinzip nicht vereinfacht. Andererseits neigt das Telefon bei ausgeschobener Tastatur dazu, nach hinten über den Zeigefinger zu kippen. Kurzum: die Slider-Funktion ist überflüssig und macht das Telefon unnötig zu schwer und unhandlich.

Eher minderwertig wirkt zudem die dünne Akku-Abdeckung aus Kunststoff auf der Rückseite. Positiv: Durch eine geriffelte Wabenstruktur rutscht das Telefon nicht unnötig in der Hand hin und her. Störend ist schon eher, dass die Rückseite ebenso anfällig für Fingerabdrücke ist wie das Display.

Die integrierte Kamera löst mit maximal 5 Megapixeln auf und liefert sowohl im Foto- als auch im Videomodus weitgehend ordentliche Ergebnisse. Nur wer mit dem integrierten Digitalzoom arbeitet, muss sich darauf einstellen, dass Aufnahmen recht schnell an Schärfe verlieren und ein Bildrauschen sichtbar wird. Videoaufnahmen sind in HD-Qualität mit maximal 720p möglich - allerdings mit wenig Farbtreue. Auf der Rückseite steht bei weniger guten Lichtverhältnissen ein LED-Fotolicht zur Verfügung. Dafür fehlt es an einer Frontkamera für Videotelefonate.

Der integrierte 1.400 mAh-Akku liefert im Alltagsgebrauch mit aktivierter WLAN-Schnittstelle und Datenverbindung Energie für circa 18 bis 24 Stunden. Wer viel im Internet surft oder Apps nutzt, muss damit rechnen, dass schon deutlich eher eine neue Stromzufuhr notwendig wird. Eher mäßige Werte - wie bei praktisch allen aktuellen Smartphones der Mittel- und Oberklasse.

Fazit: Es gibt bessere Windows-Handys

Wer auf dem Smartphonemarkt so richtig erfolgreich sein will, muss mindestens ein Multimediatelefon am Markt platzieren, das rundum überzeugt. Mit dem Dell Venue Pro ist dem Computer-Spezialisten aus Texas dieses Kunststück eher weniger gelungen. Ein richtig guter Bildschirm reicht heute nicht mehr aus, um die breite Masse zu überzeugen. Wuchtige Abmessungen, eine überflüssige und zudem nicht sonderlich komfortabel bedienbare QWERTZ-Tastatur und ein darüber hinaus eher schwacher Akku sorgen dafür, dass das Dell-Smartphone bestenfalls ordentliche Durchschnittsware darstellt.

Fair, aber kein Schnäppchen, ist der Preis: 299 Euro zuzüglich 29 Euro für den Versand erwartet Dell von potenziellen Kunden. Ab circa 270 Euro ist als Alternative das Samsung Omnia 7 zu haben, das deutlich angenehmer zu handhaben ist. Wer bei Dell statt einem Jahr Abhol- und Reparaturservice auf zwei Jahre Service setzen will, muss einmalig 10 Euro Aufpreis zahlen.

Name: Venue Pro
Hersteller: Dell
Internet: www.dell.de
Preis: ca. 300 Euro
Technische Daten:
Betriebssystem: Windows Phone (Version 7.5 Mango)
Prozessor: 1 Ghz. 
Arbeitsspeicher: 512 Megabyte
SIM: Standard-SIM
Antenne: GSM Quadband, UMTS, HSDPA
Abmessungen: 122x64x15 Millimeter
Gewicht: 193 Gramm
Display: 4,1 Zoll, 800+480 Pixel, 16 Mio. Farben
Speicher: 16 GB intern; nicht erweiterbar
Schnittstellen: Bluetooth, WLAN
Digitalkamera: 5 Megapixel Kamera, Digitalzoom, Autofokus
HD-Videofunktion (720p), keine Frontkamera
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Stereo-Headset, USB-Kabel
SAR-Wert: 1,01 W/kg (hoch)
Extras: MP3- und Videoplayer, Bluetooth, Radio, GPS, WLAN, HD-Unterstützung
Akkulaufzeit im Test: 6-7 Stunden Sprechzeit
ca. 18-24 Stunden Bereitschaftszeit (bei normaler Smartphone-Nutzung)
Pro & Contra:
gutes, großes Display
gute Gesprächsqualität
sehr schwer
überflüssige QWERTZ-Tastatur
mäßiger Akku
Bewertung:
Bedienung (30%): gut
Ausstattung (20%): gut
Verarbeitung (20%): befriedigend
Akkulaufzeit (20%): ausreichend
Telefonfunktion (10%): sehr gut
Gesamtnote befriedigend (2,7)
Preis-Leistung: gut

(Hayo Lücke)

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