Testbericht

Dell Venue 8 Pro Tablet im Test: Windows 8.1 für die Jackentasche

Nur ein 8-Zoll-Gerät mit sich herumtragen müssen und trotzdem gängige Windows-Software nutzen: Damit lockt das Dell Venue 8 Pro ab 269 Euro.

Dell Venue 8 Pro© Dell

Lediglich ein kompaktes 8-Zoll-Gerät mit sich herumtragen müssen und trotzdem gängige Windows-Software wie Microsoft Word oder Excel nutzen: Damit lockt das Venue 8 Pro und ist mit 269 Euro sogar günstiger als das Toshiba Encore. Was der Kunde in etwa von dem flachen Rechner mit 10-Punkt-Touchscreen und Windows 8.1 erwarten kann, haben wir bereits in unserem Venue 8 Pro Hands-on kurz anreißen können, dort jedoch noch keinen Blick auf den Office-Einsatz werfen. Das haben wir nun nachgeholt, hier unsere Erfahrungen.

Nicht zu dick, nicht zu schwer

Das kleinere der beiden neuen Venue Pro-Tablets von Dell bringt es auf Maße von 216 x 130 x 9 Millimeter und ein Gewicht von 395 Gramm. Damit ist es zwar nicht das dünnste und leichteste aller verfügbaren 8-Zoll-Tablets, aber auch nicht das dickste und schwerste. Gerade für ein Windows-Tablet steht es gar nicht schlecht da, zum Beispiel ist es etwas kompakter als das HP Slate 8 Pro auf Android-Basis. Dass es in einem stabilen Gehäuse verpackt ist, haben wir bereits anhand des Musters gesehen. Auch in Serienreife verfügt das Tablet über eine schwarze, samtige Gummi-Oberfläche, die ein Abrutschen verhindert und gleichzeitig Fingerabdrücke fernhält. Es passt gerade noch in eine Hand.

Dell Venue 8 Pro Tablet TestDas 8-Zoll-Tablet liegt gut in der Hand.© onlinekosten.de

Neue Idee: Windows-Taste an der Seite

Zur Bedienung hat Dell an der Seite verschiedene Tasten angebracht, die sowohl optisch als auch haptisch hervorgehoben sind. Dadurch ist es auch ohne hinzusehen möglich, zwischendurch schnell die Lautstärke anzupassen oder das Venue 8 Pro in den Standby zu versetzen. Ungewöhnlich: Die Windows-Sensor-Taste, die jederzeit den Kachel-Bildschirm aufruft, haben die Konstrukteure im Design der übrigen Buttons und somit seitlich eingereiht anstatt dem üblichen Schema zu folgen, das ein auffälliges Windows-Symbol unter dem Touchscreen platziert. So ist das Venue - anders als andere Windows-Flachrechner - gar nicht auf den ersten Blick als ein solcher zu erkennen. Der Nachteil dieses "Inkognito"-Modus ist, dass der Finger immer an die Seite wandern muss, um in Windows 8.1 zwischen Desktop- und Kachel-Ansicht hin und her zu wechseln. Zwar kann die sichtbare Webcam als Anhaltspunkt dienen, wo sich die Taste nun genau befindet, trotzdem muss man sich daran erst gewöhnen. Hat man das getan, lassen sich auch Vorteile verbuchen: Wird das Tablet quergehalten, ist der Finger schneller an der seitlichen Taste als er auf einem Button auf dem Bildschirm wäre. Außerdem ist versehentliches Betätigen der Taste - beispielsweise beim Drehen des Tablets - ausgeschlossen.

Dell Venue 8 Pro Tablet GehäuseDas Gehäuse des Venue 8 Pro ist matt und griffig. Geliefert wird das Tablet in einem umweltfreundlichen Karton.© onlinekosten.de

Cover mit Ständer und Stift als Zubehör erhältlich

Neben Micro-USB, Bluetooth und einer Kopfhörerbuchse findet sich ein Speicherkartenleser am Gerät, in den sich microSD-Karten mit bis zu 128 Gigabyte (GB) einsetzen lassen. Miracast steht über einen Adapter bereit, dann ließen sich Fotos oder Videos drahtlos auf einen entsprechend bestückten Fernseher oder Beamer übertragen. Mit seinem WLAN-Modul nach 802.11n-Standard bleibt das Venue 8 Pro vorerst ein Sofa-Tablet, eine 3G-Version mit Micro-SIM-Kartenschacht für mobiles Internet soll aber zu einem späteren Zeitpunkt verfügbar sein.

An Zubehör bietet Dell eine Schutztasche mit integriertem Ständer und einen aktiven Stift für je knapp 50 Euro an, leider gibt es für diesen keine spezielle Halterung im oder am Gehäuse. Demnächst sollen Kunden darüber hinaus eine kabellose Tastatur kaufen können. Mit diesem Equipment kann das Taschen-Tablet demnach zum mobilen Arbeitsgerät hochgerüstet werden. Mitgeliefert werden lediglich die üblichen Zugaben - Netzteil und USB-Kabel.

Das 8-Zoll-Display nutzt das 16:10-Format und hat ein IPS-Panel mit 1.280 x 800 Bildpunkten erhalten. An die knackige Schärfe der Retina-iPads und besonders hochauflösenden Android-Modellen reicht das Venue 8 Pro mit diesen Werten nicht heran. Bedenkt man die recht kleine Fläche, ist eine HD-Auflösung aber scharf genug. Das gilt nicht nur für Bilder oder Videos, sondern auch für die Arbeit in Office, denn Texte sind auch so gut auf dem Gerät lesbar.

Windows-Programme mit dem Finger bedienbar

Ein weiterer Punkt, warum eine höhere Auflösung keinen Sinn ergeben würde: Die Symbole und Schaltflächen in Windows und vor allem in den Programmen sollen schließlich noch mit dem Finger getroffen werden können. Außerdem ist es auf dem Venue 8 Pro nicht möglich, diese Elemente über die Systemeinstellungen weiter zu vergrößern. Im direkten Vergleich mit dem Serienbruder Venue 11 Pro in 10,6 Zoll und mit Full-HD-Bildschirm sind sie auf dem großen Tablet sogar kleiner und daher fummelig zu bedienen. Beim Venue 8 hingegen klappt es. Dell hat für eine ausreichend hohe Helligkeit gesorgt, die dem Venue auch dann hilft, wenn unter freiem Himmel oder an einem Fester Spiegelungen auf der Bildschirmoberfläche eine freie Sicht verdecken. Farblich ist alles im grünen Bereich, aber die beiden Venue-Tablets unterscheiden sich. Während das größere klares, kaltes Weiß darstellen kann, wirkt die Färbung des kleineren Displays wärmer.

Dell Venue 8 Pro mit 11 ProIm Vergleich: Dell Venue 8 Pro und 11 Pro.© onlinekosten.de

Bay-Trail-Chip macht das Venue fit für (fast) alle Lebenslagen

Als Prozessor dient ein Intel Atom Z3740D aus der neuen Bay Trail-Serie. Die Atom-CPU-Serie von Intel steht schon lange nicht mehr für eine eher mäßige Leistung: Anders als die Exemplare in den ersten Netbooks blickt der Atom nicht mehr nur auf einen, sondern in diesem Fall gleich auf vier Prozessorkerne. Von Haus aus mit 1,33 Gigahertz (GHz) getaktet, kann der Chip per Burst-Modus auf bis zu 1,83 GHz aufdrehen. Mit an Bord sitzt zudem eine Intel HD-Grafik mit 313 bis 688 Megahertz, je nach Anspruch. Bis zu 2 GB Arbeitsspeicher lassen sich mit diesem Atom verbauen, was Dell im Venue 8 Pro auch ausreizt. Die eMMC-Festplatte hat eine Kapazität von 32 GB.

Kein Spiele-Biest, aber tauglich für Full-HD

Unterm Strich ist das kleine Tablet flott unterwegs. Webseiten sind schnell aufgerufen, der Wechsel zwischen geöffneten Programmen geht zügig vonstatten und Software startet insgesamt schnell. Gängige Arbeiten wie Abspielen von Videos - auch in Full-HD - oder Office bringen das Tablet nicht an seine Grenzen. Anders sieht es bei Spielen aus. Ich einfach unverbesserlich aus dem Windows Store läuft zwar butterweich und macht durch die einwandfreie Touch-Steuerung Spaß, anspruchsvollere Spiele wie Dungeon Hunter 4 lassen aber nötige Frames vermissen und stocken. Schade ist, wenn der Nutzer in Microsofts Content-Shop auf einen Titel stößt, der sich problemlos installieren lässt, sich dann aber als absolut ungeeignet für die Auflösung und/oder den Touchscreen entpuppt. Halo: Spartan Assault startete im Test mit einer merkwürdig verrutschen Oberfläche mit übereinanderliegenden Buttons - und das als Spiel von Microsoft. Die eMMC ist erwartungsgemäß eher gemächlich unterwegs, eine SSD wäre deutlich schneller, aber eben auch teurer.

Zur Akkulaufzeit: Intel verspricht für seine Bay-Trail-Chips bis zu 8 Stunden, Dell sogar 10 Stunden. Ganz erreicht das Venue 8 Pro seine Ziele dann aber nicht: Wer offline HD-Filme abspielt, der kann mit etwa 5 Stunden rechnen. Die Online-Zeit liegt bei etwa 7,5 Stunden, wenn permanent YouTube-Clips laufen. Auf textlastigen Seiten zu surfen, müsste entsprechend länger möglich sein.

Zu guter Letzt gibt es noch zwei Kameras: Das rückwärtige Exemplar schießt Fotos mit bis zu 5,0 Megapixel, die auf der Vorderseite angebrachte 1,2-Megapixel-Kamera ist hingegen eher für Skype-Chats gedacht. Nichtsdestotrotz ist aber auch die Hauptkamera keine Lösung für alle Fälle. Da sie keinen LED-Blitz heranziehen kann, sind Aufnahmen in dunklerer Umgebung verrauscht und Fotos insgesamt recht kontrastarm. Rückt man aber näher an das jeweilige Objekt heran und fotografiert beispielsweise einen Text aus einer Zeitschrift ab, dann ist das Ergebnis deutlich besser. Videos kann der Besitzer in HD-Qualität (720p) und mit 30 Bildern pro Sekunde aufzeichnen. Entsprechend flüssig ist auch das Ergebnis, zudem lässt sich während der Aufnahme der Fokus manuell anpassen. Sound ertönt aus dem kleinen Tablet aus nur einem Lautsprecher, doch dieser überrascht mit einer hohen Lautstärke und einem gemessen an der Gerätegröße ausreichend kräftigen Klang. Wer zum Abschalten laut Musik hören möchte, greift zwar besser zum Kopfhörer, bei Filmen ist er aber durchaus nutzbar - zumal er an der Seite sitzt und somit freie Bahn hat.

Office auf 8 Zoll

Dell legt dem Venue 8 Pro einen Key für Microsoft Office Home and Student 2013 bei. Word- und Excel-Dokumente auf 8 Zoll - macht das Sinn und vor allem Spaß? Die Auflösung macht es jedenfalls möglich: Zwar ist die Schriftgröße recht klein, die Menüpunkte aber lassen sich mit dem Finger gut auswählen. Mit einem Stift würde das sicher noch einfacher gehen. Selbst die Tabellenzellen in Excel haben noch eine akzeptable Größe und auch die Bildschirmtastatur fügt sich gut ein. Hochkant gehalten kann man bequem mit den Daumen tippen und quer auch, da sich die Tastatur zweigeteilt jeweils links und rechts erreichbar einblenden lässt. Was etwas stört, ist, dass sich die Tastatur nicht automatisch öffnet, wenn ein Eingabefeld angeklickt wird, sondern immer manuell über den Punkt am unteren Bildschirmrand aufgerufen werden muss. Doch das ist kein Problem des Venue-Tablets, sondern gängige Praxis im Desktop-Bereich von Windows 8.

Fazit: Günstiges, nützliches Windows-Tablet

Nach ein paar Tagen mit dem Venue 8 Pro steht fest: Dell hat ein stimmiges Gesamtpaket zu einem sehr attraktiven Preis geschaffen. "Maximale Leistung im handlichen Format" wird dem Kunden auf der Dell-Website versprochen - und in der Summe auch genau das geboten. Das Tablet sieht nicht nur hochwertig aus, es fühlt sich auch so an. Sein Pluspunkt ist, dass Windows 8.1 in der Vollversion installiert ist. Dadurch lassen sich auch die gängigen Desktop-Programme verwenden, um unterwegs Präsentationen in der gewohnten Office-Umgebung zu bearbeiten. So ist das Venue 8 Pro für mobile Anwender mit Hang zur Windows-Welt eine gute Wahl, zumal es sich um passendes Zubehör ergänzen lässt. Schade nur, dass an den Schnittstellen gespart wurde.

Unser Testfazit zum Dell Venue 8 Pro Tablet
Pro Contra
  • gute Verarbeitung
  • helles, blickwinkelstabiles Display
  • gute Gesamtleistung
  • vollwertiges Windows 8.1 und Office-Paket
  • Kameraqualität könnte besser sein
  • nur Micro-USB und kein Adapter, HDMI fehlt
Gesamtnote der Redaktion Preis-Leistungsverhältnis
gut

(Saskia Brintrup)

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