Testbericht

Dell Streak im Test: Das Plus-Size-Smartphone

Das Dell Streak ist wohl das, was man "internet device" nennen würde: Es kombiniert ein Android-Smartphone mit einem Tablet. Kann es das iPhone und das iPad gleichermaßen in die Tasche stecken?

Dell Streak

Es kommen immer mehr Geräte in den Handel, die kaum noch eindeutig einer Klasse zuzuordnen sind. Die Grenzen zwischen Tablet, Mediaplayer und Smartphone verwischen mehr und mehr. Auch beim nagelneuen Dell Streak haben wir uns gefragt, mit welchem Begriff das schlanke Handheld am besten zu bezeichnen ist. Wie Dell uns erklärte, ist das Streak in erster Linie für alle Arten von Anwendungen rund ums Internet gedacht – seien es Facebook und Twitter, YouTube oder die Navigation per Google Maps. Erst sekundär soll es als Telefon genutzt werden. Wir haben uns das Android-Gerät mit 5-Zoll-Display näher angeschaut.

Inhalt:

  1. Dell Streak ausgepackt und angeschaut
  2. Touchscreen, Bedienung und Android
  3. Android-Update, Handy-Features und Kamera
  4. Datenübertragung, Multimedia und Fazit

Das Dell Streak auszupacken ist fast wie Weihnachten – nur ohne Geschenkpapier. Jede Menge kleiner Plastikbeutelchen sind mit Zubehörteilen gefüllt: In-Ear-Hörer mit austauschbaren Gummistöpseln, Mikrofon und Lautstärkeregler, ein Synchronisationskabel für das Anbandeln mit dem PC, eine Schutztasche, ein Kurz-Handbuch und ein zusammensteckbares Netzteil zum Aufladen des Akkus samt Adapter für eine Reise nach Großbritannien. Wer unterwegs keine Steckdose vorfindet, kann das Streak mit dem USB-Kabel auch am Notebook oder Rechner aufladen. Eine Autohalterung für den Betrieb als Navi oder eine Docking-Station für die Medienwiedergabe am Fernseher verkauft Dell nur als Extra für je 29 Euro mehr.

16 GB Speicher auf microSD-Karte

Das Streak an sich muss zunächst zusammengebaut werden. Wie der Akku und die SIM-Karte für das mobile Internet und zum Telefonieren eingelegt werden, zeigt die beiliegende Anleitung. Nebenan lässt sich eine microSD-Karte einstecken. Ein Exemplar mit 16 Gigabyte (GB) Speicherplatz packt Dell gratis dazu. Anschließend wird die rückwärtige Abdeckung eingehängt und - wie die Seitenteile eines PC-Gehäuses - eingeschoben, bis das Gitter des Lautsprechers zu sehen ist.

Größer und schwerer als andere Smartphones

Für ein Smartphone ist das Streak sehr groß und auch recht schwer. 153x79x10 Millimeter stehen in der Setcard des 220 Gramm schweren Plus-Size-Models. Aus der Tablet-Sicht betrachtet relativiert sich beides natürlich. Verglichen mit dem Apple iPad (Test) ist es dreimal leichter und dreimal kleiner. Die Apple Tafel ist aber wiederum nur etwa 30 Prozent dicker. Alles in allem liegt das Streak trotz Handy-Übergewichts sehr gut in der Hand und sieht mit der flachen Bauweise und den abgesenkten Kanten modern und hochwertig aus. Farblich kann sich der Kunde übrigens für Rot oder Schwarz entscheiden.

Die Vorderseite besteht fast nur aus Display: 5 Zoll beziehungsweise 12 Zentimeter in der Diagonalen ist der stattliche Multitouchscreen mit einer Auflösung von 800x480 Pixeln groß. Das entspricht immerhin der Hälfte der Größe des iPad-Displays beziehungsweise 1,5 Zoll mehr als das iPhone 4 (Test) zu bieten hat. Verglichen mit einem Netbook sind in der Breite genügend Pixel vorhanden, um viele Websites ohne horizontales Scrollen anzuschauen. Genau wie das neue iPhone kann auch das Streak die Helligkeit des Bildschirms automatisch am Umgebungslicht ausrichten oder manuell anpassen. Auch eine kratzfeste Oberfläche findet sich hier: Dell hat sich für ein Spezialglas mit der Bezeichnung "Gorillaglas" entschieden. Es ist sehr glatt und gestaltet die Fingerbedienung extrem angenehm. Zwar spiegelt es dadurch, die tolle Optik überstrahlt aber die schlechtere Sicht im Freien. Die Verarbeitung lässt sich insgesamt als sehr gut bezeichnen, Kratzer finden wir nach mehrtägiger Benutzung nicht.

Inhalt:

  1. Dell Streak ausgepackt und angeschaut
  2. Touchscreen, Bedienung und Android
  3. Android-Update, Handy-Features und Kamera
  4. Datenübertragung, Multimedia und Fazit

1-Gigahertz-Prozessor

Das Streak kann das hohe Level auch im generellen Betrieb halten. Der 1,0 Gigahertz starke Snapdragen-Prozessor und der 512 Megabyte große Arbeitsspeicher lassen den Nutzer schnell zwischen verschiedenen Anwendungen wechseln, Warte- oder Ladezeiten gibt es quasi nicht. Besonders flott schaltet das Streak zudem zwischen dem Standby-Modus und dem Betriebszustand um. Das Aufwecken dauert nur einen Augenblick.

Bedientasten und Desktop-Roulette

Alle Bedienelemente befinden sich (in horizontaler Lage) auf der Oberseite: die Lautstärketasten, der Power-Schalter, ein Schnellstartknopf für die Kamera und der Anschluss für die Kopfhörer. Die berührungsempfindlichen Tasten liegen dann rechts neben dem Display und umfassen die Punkte Zurück, Menü und Startseite. Auf dem Start-Desktop befinden sich zunächst fünf Symbole, darunter eine Google-Suchleiste. Mit einem leichten Wisch über das Display lässt sich durch bis zu fünf weitere Desktops blättern, auf denen der Nutzer nach Belieben Apps und Widgets anordnen kann. Eine Netzwerk-Oberfläche mit Facebook und Twitter bringt das Streak schon mit, weitere lassen sich beispielsweise mit Tools rund um den Job oder News-Anwendungen befüllen – genau wie bei Ubuntu. Dank Bewegungssensor kann das Streak samt Bildschirminhalt gedreht werden, das iPad meistert diese Disziplin aber besser.

Android-Version noch nicht up-to-date

Das von Google lancierte Betriebssystem steht mittlerweile in Version Android 2.2 alias Froyo (Frozen Yogurt) bereit, auf dem Streak macht sich jedoch noch Android 1.6 breit. Laut Dell ist es eine modifizierte Variante beziehungsweise eine Mischung aus Android 1.6 und 2.1. Ein Update auf 2.2 ist definitiv geplant und soll "sehr zeitnah", auf jeden Fall noch innerhalb dieses Jahres, folgen. Auf die Frage, warum sich Dell für das Streak überhaupt Android herausgepickt hat, sagte der Hersteller gegenüber unserer Redaktion, dass das Betriebssystem sowohl für den Anbieter als auch für Kunden attraktiv sei. Für Android hätten unter anderem viele kostenlose Apps, die Offenheit und auch die Tatsache gesprochen, dass das System – im Gegensatz zu Windows - von vornherein auf die Bedienung per Touchscreen ausgelegt sei.

Nach dem Update auf Android 2.2 können die Nutzer den mobilen Flash Player 10.1 installieren, bis dahin bleiben Flash-Inhalte leider außen vor. Zudem werden dann die neuen Android Apps von Google, Voice Actions und Chrome to Phone, unterstützt, die den mobilen mit dem stationären Browser abgleichen und die Sprachsteuerung deutlich erweitern. Zum Überbrücken bietet das Dell Streak eine Sprachsteuerung von Nuance, die sich auf Anrufe beschränkt. Über den Link zum Android Market kann der Besitzer auf weitere kostenlose und kostenpflichtige Apps zugreifen.

Inhalt:

  1. Dell Streak ausgepackt und angeschaut
  2. Touchscreen, Bedienung und Android
  3. Android-Update, Handy-Features und Kamera
  4. Datenübertragung, Multimedia und Fazit

Handy-Eigenschaften des Dell Streak

Auch wenn Dell das Gerät insbesondere für alle Arten von Internet-Anwendungen konzipiert hat, ruft das Smartphone im Streak nach der Telefoniefunktion. Für die Nutzung am Ohr ist das Gerät schon etwas groß und schwer. Mit einem Telefon, das fast die Ausmaße einer Tafel Schokolade und das doppelte Gewicht der Kalorienbombe hat, stellt sich schnell das Gefühl ein, dass das so auch nicht vorgesehen ist. Telefoniert wird daher besser mit dem Streak in der Tasche oder auf dem Schoß, entweder über den Lautsprecher oder mit dem Headset. Das Sprechen mit In-Ear-Hörern, die Umgebungsgeräusche unterdrücken, mag aber nicht jeder. Alternativ kann das Tablet auch mit einem Bluetooth-Headset gekoppelt werden.

Zu den weiteren Handy-Features zählen die Möglichkeit, SMS und MMS zu verschicken, HSDPA-Unterstützung für mobiles Surfen mit bis zu 7,2 Megabit pro Sekunde und alternativ auch UMTS, GSM und EDGE. Wer das Gerät zu Hause nutzt, kann auf WLAN umschwenken und Geld sparen. Eine E-Mail-Anwendung mit Tool zum Zugriff auf einen Exchange-Server und Instant Messenger fehlen dem Streak auch nicht. Zum Tippen von Texten blendet es eine Mini-Tastatur ein. Zum 10-Finger-Schreiben ist das Streak an sich und daher auch das Tastenfeld viel zu klein, nach etwas Übung klappt es aber, die gewünschten Zeichen zu treffen. Allzu große Finger darf man jedoch sicher nicht haben. Sehr gut hat uns gefallen, dass die Tastatur auch direkt die Eingabe von Sonderzeichen und Zahlen ermöglicht. Beim iPad waren sie trotz größerem Display schwerer zugänglich.

Das leisten die Kameras

Dell hat dem Streak gleich zwei Kameras verpasst. Die Hauptkamera auf der Rückseite schießt Bilder mit bis zu fünf Megapixeln und verfügt über einen Autofokus sowie Blitzlicht. Die Linse wird leider gerne von einem Finger verdeckt, sodass man das Smartphone nur am Rahmen festhalten kann, wenn die Hand nicht mit auf das Bild soll. Helligkeit, Auflösung und Kontrast lassen sich schon vor dem Fotografieren einstellen, die Bilder sind insgesamt aber etwas hell beziehungsweise die Farben wirken zu grell. Als Auslöser dient die Kamera-Taste auf der Oberseite oder iPhone-like das Display. Videos lassen sich ebenfalls aufnehmen, allerdings nur mit maximal 640x480 Pixeln (VGA-Qualität). Wirklich flüssig ist das Ergebnis nicht, sonderlich schlecht aber auch nicht. Die Front-Kamera kommt mit einer VGA-Auflösung aus und kann für Videotelefonate oder Portrait-Schnappschüsse genutzt werden. Die Bilder lassen sich auch direkt am Gerät bearbeiten: Der Nutzer kann die Farben beeinflussen, Ausschnitte wählen und Effekte, wie eine Cartoon-Optik, hinzufügen.

Inhalte lassen sich ganz einfach per Copy&Paste auf das Streak oder umgekehrt auf den PC kopieren. Dell liefert außerdem eine Software namens PC Suite mit, um Kontakte, Notizen und andere Outlook-Anwendungen bequem zu synchronisieren oder ein Daten-Backup anzufertigen.

Inhalt:

  1. Dell Streak ausgepackt und angeschaut
  2. Touchscreen, Bedienung und Android
  3. Android-Update, Handy-Features und Kamera
  4. Datenübertragung, Multimedia und Fazit

Videos und Musik abspielen

Zur Wiedergabe von Songs und Videos unterstützt es die Formate H.263/H.264, .3GP, MPEG4, WMV, MP3, WMA, AAC, AAC+, eAAC+, AMR, Midi und WAV. Die Bildqualität ist sehr gut, der Sound erntet hingegen etwas Kritik - ein Audio-Künstler ist das Streak nicht unbedingt. Besser wird das Ergebnis mit guten Ohrhörern. Echte Musikfans dürften trotzdem Stellschrauben wie einen Equalizer oder Bass-Boost vermissen. Auffällig ist an dieser Stelle die schlechtere Performance im Musikmodus: Während das System ansonsten kaum Verzögerungen aufweist, reagiert die Musikanwendung nicht immer unmittelbar auf Fingereingaben.

Fazit: Neue Smartphone-Klasse

Das Fazit nach einigen Tagen mit dem Streak: Es lohnt sich definitiv, einen Blick auf das Dell Gerät zu werfen. Wer nach einem besonders leichten und günstigen Smartphone sucht, ist woanders besser bedient. Auch Tablet-Interessenten, die komfortables 10-Finger-Tippen wie am Desktop-PC suchen, sind keine potentiellen Streak-Nutzer. Soll es aber etwas von beidem sein, ist das Dell Streak der Kandidat. Die Größe ist perfekt, um unterwegs zu surfen, und die Bedienung sehr intuitiv. Ansprechend sind auch die vielen Features und die Akkulaufzeit. Da das iPad bei größerem Display aber ähnlich lange aushielt, geben wir Dell in diesem Punkt ein "gut" anstatt "sehr gut".

Insgesamt ist das Streak mehr Smartphone als Tablet. Zum iPad-Ersatz fehlt es dem Dell Gerät nicht nur an Größe, sondern auch an einem Quentchen mehr Perfektion: Die korrekten Einstellungen zu finden und mal quer und mal hochkant im Netz zu surfen, klappt sehr gut, geht mit dem iPad aber noch leichter von der Hand. Hier hilft vielleicht künftig das Update auf die aktuellste Android-Version weiter. Doch auch schon jetzt wird sich das Streak neben iPhone 4 und iPad sowie anderen Smartphones und Tablets sicher seinen Platz am Markt erkämpfen. Was das iPhone zum Beispiel nicht kann: den Speicher per Karte erweitern, den Akku austauschen und Videotelefonate mit Geräten außerhalb der Herstellerfamilie aufbauen. Zu haben ist das Streak ab 599 Euro bei Dell und bei Media Markt.

Name: Streak
Hersteller: Dell
Internet: www.dell.de
Preis: ab 599 Euro
Technische Daten:
Betriebssystem: Android 1.6
Antenne: GSM Quadband, EDGE, UMTS, HSPA
Abmessungen: 153x79x10 Millimeter
Gewicht: 220 Gramm
Display: 5,0 Zoll, 480x800 Pixel
Prozessor: Qualcomm Snapdragon 8250 mit 1,0 Gigahertz
Speicher: 16 GB über mitgelieferte microSD-Karte, auf 32 GB erweiterbar
Schnittstellen: USB 2.0, Bluetooth 2.0, WLAN b/g
Digitalkamera: 5-Megapixel-Kamera mit Autofokus und Fotolicht auf der Rückseite + VGA-Kamera auf der Vorderseite
Lieferumfang: Akku, Datenkabel, Lade-Adapter, Stecker für Großbritannien, Headset, Tasche, Kurzanleitung
Extras: MP3- und Video-Player, Bluetooth, WLAN, A-GPS, Lichtsensor, Bewegungssensor
Akkulaufzeit: ca. 7 Stunden Videowiedergabe
ca. 15 Stunden Musikwiedergabe
ca. 8 Stunden Sprechzeit (Angabe von Dell)
ca. 7 Tage Bereitschaftszeit (Angabe von Dell)
Pro & Contra:
Großes Display
kontrastreiches Bild
kratzerresistent
gute Verarbeitung
WLAN-Schnittstelle
gute Performance, schnell
intuitive Bedienung
zwei Kameras
mit Blitzlicht
noch keine aktuelle Android-Version
Farben der Fotos etwas zu grell
keine Videoaufnahme in HD möglich
Soundqualität könnte besser sein
hoher Preis
Bewertung:
Bedienung (30%): sehr gut
Ausstattung (20%): sehr gut
Verarbeitung (20%): sehr gut
Akkulaufzeit (20%): gut
Telefonfunktion (10%): gut
Gesamtnote sehr gut (1,3)
Preis-Leistung: gut

(Saskia Brintrup)

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