Testbericht

Das Schrumpfbook: Der MDA-Pro im Test

Ist es ein Handy? Ist es ein Notebook? Es ist der neue MDA Pro, das PDA-Handy, exklusiv von T-Mobile. An dem Hosentaschen-Computer scheiden sich allerdings die Geister.

Handy Telefonat© Yuri Arcurs / Fotolia.com
Dem Preis nach zu urteilen ist der neue MDA Pro eher für ausgesuchte Aktenkoffer als für jedermanns Jeanstasche gedacht: 499,95 Euro im T-Mobile Tarif Relax 100 oder 899,95 Euro ohne Vertrag sind kein Pappenstiel. Trotzdem lässt das Oberklasse-Handy der dritten Generation kaum noch Wünsche offen und lässt die anfänglichen UMTS-Visionen vom multimedialen Alleskönner im Kleinformat wahr werden. Wir haben eines der Schmuckstücke getestet und verraten, warum wir es nur ungern wieder hergeben.

Für T-Mobile Fans

Kaum ist der Designer-Verpackungswürfel geöffnet, liegt er da in edlem Silber – mit einem stolzen T-Mobile Logo verziert, denn schließlich wird er exklusiv vertrieben. Wer den MDA Pro mit der SIM-Karte eines anderen Netzbetreibers nutzen möchte, muss einmalig 99,50 Euro für die Freischaltung zahlen. Ist die Karte erstmal eingelegt, der unglaublich leichte und schmale Lithium-Ionen Akku darüber platziert und die etwas dünne und bruchgefährdete Abdeckung geschlossen, kann es losgehen.

Der MDA Pro funkt auf fast allen Kanälen. Das Triband-Handy ist nicht nur für europäische Mobilfunkstandards gerüstet, sondern versteht sich auch auf US-amerikanische 900 Megahertz-Netze. Für die Datenübertragung stehen GPRS, UMTS sowie W-LAN zur Verfügung.

Ordentlich was in der Hand

Die 285 Gramm liegen – im Vergleich zu den anderen Vertretern der MDA-Reihe – relativ schwer in der Hand und sind Preis für die aufklappbare vollständige Tastatur, die die Texteingabe vereinfachen soll. Hierüber lassen sich auch die wichtigsten Funktionen, wie Anrufannahme, Videotelefonie oder Internetbrowser, steuern. Beim ersten Anblick der Tastatur fragt man sich, wie schmal die Finger wohl sein müssen, die damit einen fehlerlosen Text hinbekommen.

Aber das erste Ausprobieren belehrt eines Besseren. Angesichts des kleinen Geräteformats (127,7 x 81 x 25 Millimeter) ist das Zehn-Finger-System zwar utopisch, dennoch geht die Texteingabe schnell. Leider fehlen die Umlaute, die müssen über die „Sym“-Taste für Sonderzeichen eingestellt werden. Die eingegebenen Texte, sei es in der SMS- oder MMS-Funktion, als Notiz oder E-Mail, werden auf dem übersichtlichen 9,1 Zentimeter (3,6 Zoll) großen TFT-LCD Bildschirm, mit 480 x 640 Pixeln Auflösung und 65.536 Farben, dargestellt.

Schau mir in die Linse, Kleines

Neben dem Display ist eine Color CMOS-Kamera integriert, die ausschließlich für Videotelefonate gedacht ist. Die eigentliche Kamera mit einer Bildauflösung von 1,3 Megapixeln für Foto- und Videoaufnahmen befindet sich an der Unterseite des Geräts. Sie verfügt über zweifachen Zoom, der sich in fünf Stufen einstellen lässt, Blitz und verschiedene Bildmodi, wie Nacht- oder Sportmodus sowie Bildthemen, die die Aufnahmen mit bunten Bilderrahmen verzieren. Alle Aufnahmen lassen sich durch einfachen Klick mit dem im Gerät verstauten Metallstift auf die entsprechenden Display-Buttons per MMS oder E-Mail versenden.

Klappt man den MDA Pro komplett auf, lässt sich das Display leicht nach links drehen und andersrum wieder zuklappen. So wird aus dem Mini-Notbook ein reinrassiger PDA, der per Touchscreen bedient wird. Das Display, automatisch vom Quer- ins Hochkantformat gedreht, wird im Kameramodus zum übersichtlichen und komfortablen Sucher. Für jede Aufnahme lassen sich Größe und Format festlegen, die Auflösung kann bis zu 1600x1280 Pixel gewählt werden. Leider stehen zum Speichern der Bilder nur die Standardformate bmp und jpg zur Verfügung. Die Bedienung ist einfach und intuitiv aufgebaut, allerdings lässt die Kontrastwahrnehmung der Kamera etwas zu wünschen übrig. Auch die Auflösung der Videos ist mit maximal 320x240 Pixeln recht gering. Hier stehen die Dateiformate MPEG-4 und AVI zum Speichern zur Verfügung.

Sekretariat zum Ausklappen

Sicher ist die Kamera für die angepeilte Klientel nicht die wichtigste Funktion. Die wünscht sich ein kleines Büro zum Mitnehmen und das hat das mitgelieferte Windows Mobile 5.0 auch zu bieten. Neben Office-Standards wie Excel, Word oder Powerpoint in der Mobil-Version ist auch ein Organizer integriert, der Überblick über Aufgaben, Termine, Kalender und Notizen bietet. Dabei verwaltet der Planer auch Details wie Terminkategorie, Status, Fälligkeit oder Häufigkeit. Unter dem Stichwort Nachrichten auf dem Mini-Desktop finden sich alle Nachrichtenkanäle zusammengefasst: übersichtlich lassen sich hier Postein- und ausgänge der einzelnen E-Mail Postfächer, SMS und MMS einsehen und bearbeiten.

Mit EmailWiz können beliebig viele E-Mail Postfächer eingerichtet werden. Nach einer schnellen Eingabe der Zugangsdaten für den Mail-Server auf SMTP-, POP3- oder IMAP4-Basis lassen sich die wartenden Nachrichten einsehen, bekannte Mail-Provider wie GMX oder Yahoo sind bereits mit ihren Daten vertreten. E-Mails, die zu lang oder mit Anhang gesandt wurden werden zunächst nur teilweise herunter geladen, ein angefügter Link bietet den Download der restlichen Nachricht beim nächsten Abruf.

Abgleich auf allen Kanälen

Sobald aber die E-Mails von einem Computer aus empfangen wurden, werden diese automatisch aus dem PDA-Speicher gelöscht und sind mobil nicht mehr verfügbar. Das schont zwar den verfügbaren internen Speicher, der mit 43,5 Megabyte etwas dürftig geraten ist. Eine parallele, unabhängige Mail-Bearbeitung von unterwegs ist so nicht möglich. Der Speicher lässt sich über einen Steckplatz für externe MMC-/SD-Speicherkarten erweitern.

Allerdings bietet ActiveSync verschiedene Methoden, die Daten zwischen MDA Pro und Computer hin und her zu spielen. Das Programm ist schnell installiert und setzt sich direkt in den Autostart, damit es bloß kein Tete-a-tete mit dem Mobilteil verpasst. Die Synchronisation kann dabei per USB-Kabel, Bluetooth oder Infrarot erfolgen. Besonders per USB ist die Übertragung empfehlenswert, da sie so am schnellsten von statten geht und außerdem das MDA Pro über die Kabelverbindung aufgeladen wird. Die Bluetooth-Verbindung wurde ebenfalls sehr schnell hergestellt, per Infrarot gab es einige Schwierigkeiten, was bei dieser Technik aber auch nicht unüblich ist.

Munteres Dateien-Tauschen

Wer Outlook verwendet, wird sich über die Abstimmungsmöglichkeiten der Kontakte, Aufgaben und Mails freuen, die Windows hier zwischen den Geräten vornehmen kann. Leider werden andere Mail-Clients, wie Mozilla Thunderbird, nicht unterstützt. Dateien mit einfachen Formatierungen lassen sich am MDA Pro erstellen und einfach auf einen Windows-Rechner kopieren. In beide Richtungen müssen die Dateien vor der Übertragung konvertiert werden, was vor allem zum Verlust der am Rechner erstellten Formatierungen führen kann. So beeinträchtigen nicht nur die für das kleine Display zu großen Dokumente die Übersichtlichkeit, sondern auch mögliche Formatfehler.

Dennoch macht es regelrecht Spaß, die Dokumente hin und her zu schubsen und ständig aktuelle Kontakte und Termine in der Tasche zu haben. Die Vielfalt der Möglichkeiten, die Windows Mobile 5.0 hier bietet, ist beeindruckend. Workoholics können ihre Arbeit wirklich überall hin mitnehmen und Informationsjunkies freuen sich über den Internet Explorer, der sich auf HTML 4.0 und WAP 1.2 versteht und sie jederzeit in die Webwelt bringt.

Harte Schale, weicher Kern

Musik- und Film-Freunde können sich die Zeit vertreiben, mit ihrer Lieblingsmusik im WAV-, MP3- oder WMA-Format oder Videos auf dem streamingfähigen Media-Player. In den zur Verfügung stehenden 128 Megabyte Flash-ROM sind immerhin rund 33,5 Megabyte Platz für weitere Software, wie etwa Spiele. Denn etwas zu kurz kommt die Gamer-Fraktion, es sind nur zwei kleine Spiele vorinstalliert.

Bei der Nutzung des reichhaltigen Software-Angebots kommt man um eine Erfahrung nicht umhin, nämlich dass die Rechenkapazität relativ schnell ihr Limit erreicht. Zwar schlägt immerhin ein 520 Megahertz Prozessor im Innern des MDA Pro, die 64 Megabyte SDRAM sind aber mit anspruchsvolleren oder mehreren, parallel laufenden Anwendungen schnell überfordert. Größte Schwachstelle ist in Hardware-Hinsicht aber der Akku. Die Vorhersagen des Herstellers versprechen etwa 260 Stunden Standby- und 480 Minuten Sprechzeit. In Wartestellung hält der Kleine auch wirklich lange durch, schließlich schaltet er in jedem unbeobachteten Moment sein Display ab. Aber wer ihn viel beansprucht, oft arbeitet, surft oder telefoniert, muss für mindestens tägliche Stromzufuhr sorgen.

Fazit: Silberner Traum für Technikfans

Alles in allem bietet der MDA Pro auf kleinstem Raum einen ganzen Haufen Möglichkeiten: Die Funktionen eines Notebooks mit Telefonqualitäten. Wem es zu peinlich ist, das etwas groß geratene Handy ans Ohr zu halten, dem liefert T-Mobile ein Stereo-Headset mit. Anrufer machen klangvoll mit WAV- oder MIDI-Klingeltönen über die integrierten Stereo-Lautsprecher auf sich aufmerksam. Auch wenn der Akku einen manchmal früher im Stich lässt, bleiben dennoch alle gespeicherten Daten erhalten. Der Abgleich und Datenaustausch mit einem Windows-Rechner funktioniert einwandfrei – von wenigen, lösbaren Betriebssystem-bedingten Schwierigkeiten bei der Installation und Konfiguration abgesehen. Nur der Preis liegt für die breite Masse wohl – bei aller Begeisterung – noch jenseits der Schmerzgrenze. Bleibt zu hoffen, dass UMTS so erfolgreich wird, das schicke und vielseitige Geräte wie der MDA Pro zukünftig zur Standard-Ausrüstung gehören.

(Aleksandra Leon)

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