Testbericht

Das leistet Powerline im Alltag - ein Erfahrungsbericht

DSL-Anschluss© IKO / Fotolia.com
Groß angekündigt wurde Powerline - Internet aus der Steckdose, überall im Haus und ohne alle Probleme. Inzwischen sind die großen Stimmen verstummt - nur noch wenige lokale Anbieter versuchen sich am "Abenteuer Powerline". Wie es einem Powerline-Kunden ergeht schildert der folgende Erfahrungsbericht eines unserer Leser.

Die Vorgeschichte
Am 30.09.2001 beantragte ich bei der Firma Manet in Mannheim einen Powerline Internetzugang, welcher dort unter dem Produktnamen „Vype“ angeboten wird. Zum 15. Oktober sollte meine Strasse erschlossen sein. Mein Wunschtermin war der 19.Oktober. Eine Auftragsbestätigung ging mir am 7. November zu. Am 27.November waren alle notwendigen Messungen abgeschlossen und ein Verstärker (nicht bei jedem Kunden erforderlich - B 17 x H 22 x T 6,5 cm) im Verteilerkasten installiert. Am 3.Dezember war es dann endlich soweit – das Modem wurde geliefert.

Es geht los: Installation und Konfiguration
Installation und Einrichtung verliefen aufgrund der recht guten Installationsanleitung absolut problemlos. Die gelieferte Box (B 17 x H 22 x T 6,5 cm) des Herstellers Main.net wird in die nächstgelegene Steckdose (keine Mehrfachsteckdose) gesteckt und per USB oder Ethernet mit dem PC verbunden. Am PC muss dann nur noch DHCP (LAN Eigenschaften) eingestellt werden und schon kann es losgehen. Sind mehrere Rechner im Haushalt vorhanden, so empfiehlt es sich einen fli4l-Router zu verwenden.

Der Surf-"Spaß" kann beginnen
Nun konnte das Surfvergnügen beginnen. Leider musste ich feststellen, dass der Zugang absolut instabil war. Regelmäßig nach ca. 15 Minuten brach die Verbindung ab. Der DHCP Server konnte nicht gefunden werden. Eine Reklamation hatte zur Folge, dass mich am 17.Dezember zwei Techniker besuchten. Diese tauschten den für defekt befundenen Verstärker aus. Seit dem Tausch funktioniert mein Vype-Anschluss relativ „stabil“. Die anfänglichen Schwierigkeiten / Kinderkrankheiten in den drauf folgenden Monaten (bis ca. 07/2002) sind überwunden.

Zwischenbilanz
Bei Vype handelt es sich um ein „shared Medium“, d.h. die Bandbreite teilt man sich mit anderen Kunden. Doch dies ist nicht der einzige Faktor, der die Geschwindigkeit beeinflussen kann. Ebenfalls von entscheidender Bedeutung sind:
  • Installation und Qualität der Elektroinstallation im Haus
  • Leitungslängen
  • Störquellen im Leitungsnetz
  • Art der Anbindung an die Manet
In der Praxis schwankt der Download am Tag zwischen 10 und 60 KB/s und der Upload zwischen 1 und 12 KB/s. Hinzu kommt, dass die Ping Zeiten zwischen 40 ms und nicht selten 2 Sekunden variieren, was Online-Spiele fast unmöglich macht. Fakten, Fakten, Fakten
Ein typischer Ping sieht so aus:

Ping auf www.t-online.de [62.153.159.89] mit 32 Bytes Daten:

Antwort von 62.153.159.89: Bytes=32 Zeit=218ms TTL=114
Antwort von 62.153.159.89: Bytes=32 Zeit=102ms TTL=114
Antwort von 62.153.159.89: Bytes=32 Zeit=186ms TTL=114
Antwort von 62.153.159.89: Bytes=32 Zeit=152ms TTL=114
Antwort von 62.153.159.89: Bytes=32 Zeit=136ms TTL=114
Antwort von 62.153.159.89: Bytes=32 Zeit=77ms TTL=114
Antwort von 62.153.159.89: Bytes=32 Zeit=108ms TTL=114
Antwort von 62.153.159.89: Bytes=32 Zeit=216ms TTL=114
Antwort von 62.153.159.89: Bytes=32 Zeit=175ms TTL=114
Antwort von 62.153.159.89: Bytes=32 Zeit=353ms TTL=114
Antwort von 62.153.159.89: Bytes=32 Zeit=189ms TTL=114
Antwort von 62.153.159.89: Bytes=32 Zeit=96ms TTL=114
Antwort von 62.153.159.89: Bytes=32 Zeit=246ms TTL=114
Antwort von 62.153.159.89: Bytes=32 Zeit=126ms TTL=114

Ping-Statistik für 62.153.159.89:
Pakete: Gesendet = 14, Empfangen = 14, Verloren = 0 (0% Verlust),
Ca. Zeitangaben in Millisek.: Minimum = 77ms, Maximum = 353ms, Mittelwert = 170ms

Die folgenden Testergebnisse enstanden in den letzten Tagen:

Download-Geschwindigkeit nach Tag Download-Geschwindigkeit nach Tageszeit
Upload-Geschwindigkeit nach Tag Upload-Geschwindigkeit nach Tageszeit
Ping nach Tag Ping nach Tageszeit
Bei Vype handelt es sich nicht wie in einigen Berichten zu lesen ist, um einen synchronen Zugang, sondern um einen asynchronen, da die Manet den Upload auf max. ca. 12KB/Sek. beschränkt hat.

Insiderwissen
Besonders verärgert sind die Manet Kunden in Mannheim-Neckarau. Dieser Stadtteil ist per Richtfunkstrecke mit der Manet verbunden und diese ist recht instabil. Nicht selten kommt es zu kurzen Unterbrechungen von einigen Sekunden. Andere Stadteile sind über Glasfaser verbunden, was in deutlich weniger Beschwerden resultiert.

In den vergangenen Monaten kam es vereinzelt zu Totalausfällen. Sind diese am Wochenende oder an Feiertagen, so können sich diese über mehrere Tage erstrecken, da zu diesen Zeiten keine Techniker vor Ort sind. In solchen Fällen hilft nur noch ein Anruf der kostenlosen Hotline. Die Mitarbeiter sind freundlich und meist bemüht. In der Regel endet das Gespräch allerdings mit dem Satz "Das muss ich an die Technik weiterleiten." Und diese meldet sich entweder überhaupt nicht oder nur mit erheblicher Verspätung. Zum Thema Störungsbeseitigung findet man folgenden Hinweis in der aktuellen Leistungsbeschreibung: "Störungen beseitigt die MVV MAnet GmbH in der Regel innerhalb von 3 Werktagen, ohne Samstage (Entstörfrist), nach Erhalt der Störungsmeldung des Kunden, soweit dies aufgrund der technischen Gegebenheiten möglich ist."

Persönliches Fazit:
Alles in allem kann ich nur zu DSL raten. Diese Art des Zugangs ist in der Regel günstiger und die Bandbreite steht ständig und konstant zur Verfügung. In den Gebieten, wo kein DSL möglich ist, stellt Vype eine möglich Alternative dar. Zu beachten wäre hier allerdings noch, dass die anfänglich angebotene Flatrate zum 1.Mai 2003 eingestellt wurde und die Vertragslaufzeit bei Abschluss eines volumenabhängigen Tarifs 12 Monate beträgt. Das Betreiben von sämtlichen Serverdiensten (einschließlich Filesharing!) ist verboten. Nicht zu Letzt wären da noch die möglichen, unerforschten gesundheitlichen und technischen Gefahren, die von Powerline ausgehen, zu erwähnen. Nimmt man all diese Einschränkungen in Kauf, so kann Vype durchaus empfehlenswert sein.

(Carsten Deppermann)

Weiterführende Infos zum Thema:

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