Testbericht

BlackBerry Storm2 im Test - Endlich WLAN

Ein Jahr nach der Deutschland-Premiere schickt RIM das zweite Storm-Modell an den Start. Die Kennzeichen: neues Betriebssystem, neues Display, neue Technik. Wir haben das runderneuerte Sturm-Modell getestet.

Blackberry Storm1 und 2 TestBlackBerry Storm (links) und BlackBerry Storm2 im direkten Vergleich© onlinekosten.de

Wer schafft es als erstes, eine echte Alternative zu Apples iPhone auf den Weg zu bringen? Eine Frage, die sich die gesamte Mobilfunk-Branche stellt. Angekündigt haben es schon viele Hersteller moderner Smartphones, in der Regel blieb es aber nur bei einem Versuch. Research In Motion, kurz RIM, unternimmt nun einen neuen Anlauf: der BlackBerry Storm2 soll es richten. Ein Jahr nach dem ersten Storm-Modell wird der überarbeitete Nachfolger angeboten - in Deutschland exklusiv bei Vodafone. Doch was hat sich zwischen den Versionsnummern BlackBerry 9500 und BlackBerry 9520 konkret geändert? Wir haben die beiden Touchscreen-Handys ohne physische Tastatur in den direkten Vergleich geschickt.

Außergewöhnliches Touch-Gefühl

Die markanteste Änderung: RIM hat seinem Storm-Smartphone ein komplett überarbeitetes Display spendiert. Kam beim ersten Modell ein "schwebender" Bildschirm zum Einsatz, der zum Beispiel bei der Auswahl von Menüpunkten wie eine Maustaste gedrückt werden musste, wurde der Bildschirm des Storm2 fest in das Telefon integriert. Dadurch wirkt das gesamte Endgerät nicht nur deutlich robuster verarbeitet, sondern sieht auch mehr nach hochwertigem Smartphone aus. Dieser Eindruck verstärkt sich noch, weil RIM an den Menütasten unter dem Display gearbeitet hat. Sie sind jetzt nicht mehr mechanisch unterhalb des Bildschirms eingebunden, sondern bilden als Touch-Tasten in den Screen eingebettet eine harmonische Einheit.

Außerdem haben es sich die BlackBerry-Designer nicht nehmen lassen, eine kleine Kuriosität in ihr neues Flaggschiff zu implementieren. Wie beim Ursprungsmodell haben Storm-Nutzer das Gefühl, das Display drücken zu müssen, um durch das Handymenü navigieren zu können. Wird beispielsweise über das virtuelle Tastenfeld eine Rufnummer eingetippt, wirkt es für den Nutzer so, als würde sich das Display wie eine Taste auf und ab bewegen. De facto ist das aber nicht der Fall. Einem Nutzer wird das spätestens dann klar, wenn er auf seinem deaktivierten Telefon herumdrückt, der Bildschirm aber starr in dem Gehäuse sitzt.

Neues Betriebssystem

Für das außergewöhnliche "Klick"-Gefühl sorgen acht unter dem Display integrierte Sensorbereiche, deren Anzahl sich damit im Gegensatz zum ersten Storm verdoppelt hat. Alles, um "immer ein echtes Tastaturgefühl" zu vermitteln, wie es seitens RIM heißt. Zusammen mit dem ebenfalls neuen Betriebssystem BlackBerry OS 5.0 sorgt das elektronische Sensor-Feedback für ein deutlich angenehmeres Empfinden bei der Navigation durch das Menü. Insbesondere das Schreiben von SMS und E-Mails funktioniert über den neuen Touchscreen wesentlich einfacher. Besonders komfortabel im Querformat, aber selbst wenn der Storm2 senkrecht gehalten wird, treffen die Finger erstaunlich häufig die richtigen Buchstaben auf der virtuellen QWERTZ-Tastatur. Zu beachten ist auch, dass der Bildschirm nun multitouch-fähig ist. Dadurch ist es beispielsweise möglich, Shift-Taste und einen Buchstaben gleichzeitig zu drücken. Ein kleines Update hat der BlackBerry Storm 2 auch auf der Rückseite erhalten. Die zwei recht unkomfortablen Schiebetasten zum Öffnen der Akku-Abdeckung wurden ersatzlos gestrichen. Wer Akku oder SIM-Karte tauschen beziehungsweise eine microSD-Speicherkarte einlegen möchte, kann die metallische Abdeckung nun einfach mit Hilfe eines Fingernagels über eine kleine Einkerbung anheben. Klingt nicht wirklich robust, erweist sich in der Praxis aber als absolut alltagstauglich. Ein Abfallen der Abdeckung ist aufgrund der guten Verankerung praktisch ausgeschlossen.

Storm mit WLAN

Gefeilt wurde aber nicht nur am Design, sondern auch an den technischen Extras. Beispielsweise wurde ein schon lange eigentlich unverzichtbares Smartphone-Extra integriert, das beim ersten Storm-Modell unverständlicherweise noch fehlte: eine WLAN-Schnittstelle. An Hotspots ist mit dem BlackBerry Storm nun Zugriff auf das Internet möglich - auf Basis der WLAN-Standards IEEE 802.11 b und g. Wer lieber auf den Web-Zugriff über das favorisierte Mobilfunknetz setzen möchte, kann auf UMTS-, HSDPA- bzw. EDGE-Unterstützung zählen.

Für Freunde der multimedialen Unterhaltung steht ein Media-Player zur Nutzung bereit, der viele gängige Audio- und Video-Formate unterstützt. Dazu zählen beispielsweise MP3, AAC, WMA, MPEG4 und WMV. Die Wiedergabe erfolgt wahlweise über ein Headset (3,5-Millimeter-Klinkenanschluss) oder über die integrierten Lautsprecher. Deren Anzahl wurde gegenüber dem ersten Storm-Modell auf zwei verdoppelt. Das klingt zwar nach viel, erweist sich in der Praxis aber trotzdem eher als hallende Blechbüchse. Echte Sound-Liebhaber sollten lieber auf das beiliegende Stereo-Headset oder eigene Hardware setzen. Kabelloser Musikgenuss ist über die integrierte Bluetooth 2.1-Schnittstelle möglich.

Interner Speicher verdoppelt

Auf Wunsch lässt sich der BlackBerry Storm 2 auch für Sprachaufzeichnungen nutzen. Nicht zuletzt dafür wurde auch das Speichervolumen verdoppelt. Neben 256 Megabyte internem Speicher ist im Lieferumfang eine microSD-Karte mit einer Kapazität von zwei Gigabyte enthalten und erlaubt theoretisch eine Erweiterung auf bis zu 32 Gigabyte. Reichlich Platz also für Sprachdateien und andere Multimedia-Inhalte.

Mit an Bord des neuen BlackBerry ist auch eine Digitalkamera, die gemessen an der Megapixel-Auflösung allerdings keine Verbesserung erfahren hat. RIM verspricht aber, dass ein neuer, verbesserter Kamerachip mit Bildstabilisierungsfunktion zum Einsatz kommt. Autofokus, zweifacher Digitalzoom und ein helles Fotolicht sind ebenfalls nutzbar. Genauso eine Videofunktion mit einer Auflösung von 480x352 Bildpunkten.

Bildqualität lässt Wünsche offen

Eine wirkliche Alternative zu einer separaten, digitalen Kompaktkamera ist der BlackBerry Storm2 aber nicht. Die Bilder sind in der Regel auch bei guten Lichtverhältnissen nicht scharf und häufig falsch belichtet. Fast immer liegt eine Art Grundrauschen über den Bildern, wie auch die unten aufgeführten Beispielbilder zeigen. Für Erinnerungsfotos und Schnappschüsse, die direkt über das Handy an den eigenen Twitter-Account geschickt werden können, ist das Bildniveau gerade noch ausreichend. Die Bildgröße ist in drei Stufen bis auf VGA-Qualität (640x480 Pixel) regulierbar. Auf Wunsch lassen sich jedem Foto über den integrierten A-GPS-Empfänger Geotagging-Daten zuweisen.

Wer sich für einen BlackBerry entscheidet, wird in der Regel aber vor allem eines tun wollen: unterwegs E-Mails abrufen. Was in der Regel mit komplizierten Einstellungen verbunden ist, wurde beim BlackBerry Storm2 bewusst einfach gehalten. Alle gängigen E-Mail-Konten sind in gerade einmal zwei Schritten eingerichtet. Benutzername und Passwort eingeben, auf "weiter" klicken, Bestätigung abwarten, fertig. Für jedes auf diese Weise eingerichtete E-Mail-Konto wird ein eigenes Symbol auf dem Desktop des Smartphones eingerichtet.

Vodafone SuperFlat Internet-Tarife

Voraussetzung für die E-Mail-Nutzung ist eine BlackBerry-Option. Für Vodafone-Kunden empfiehlt sich die Buchung einer SuperFlat Internet, da die BlackBerry-Option in den SuperFlat-Tarifen bereits inklusive ist. Monatlich werden je nach gewähltem Tarif zwischen 14,95 Euro (kostenlose Gespräche in das deutsche Festnetz und zu Vodafone-Handys am Wochenende, Daten-Flatrate mit Traffic-Bremse ab 200 Megabyte Datenvolumen) und 109,95 Euro (kostenlose Gespräche zu allen deutschen Standard-Rufnummern, Daten-Flatrate mit Traffic-Bremse ab 1 Gigabyte Datenvolumen) fällig.

Grundsätzlich etwas gewöhnungsbedürftig ist die Struktur des Storm-Menüs. Viele einzelne Menüpunkte sorgen dafür, dass trotz des großen Bildschirms schnell die Übersicht verloren geht. Eine Frage, die während des Tests zum Beispiel immer wieder auftauchte: in welchem Ordner muss ich nun eigentlich die Facebook-Applikation suchen? Finde ich sie im Ordner "Heruntergeladen" oder doch eher unter "Anwendungen"? Und wo versteckt sich eigentlich das Kartenmaterial von Google Maps? Nicht immer ist es leicht, die passende Antwort zu finden beziehungsweise braucht eine gewisse Eingewöhnungsphase. Immerhin: jeder Menüpunkt lässt sich individuell an die gewünschte Stelle im Gittermuster verschieben.

Fazit - Die Stärken überwiegen

Die zentrale Erkenntnis lautet: BlackBerry hat es geschafft, den Storm im wahrsten Sinne des Wortes spürbar weiterzuentwickeln. Ein mit mehr Präzision arbeitender Touchscreen, integrierte WLAN-Funktionalität und ein überarbeitetes Scroll-System, das insbesondere beim Surfen durch das mobile Internet seine Vorzüge ausspielen kann, machen einfach Spaß. Zudem eignet sich das 3,25 Zoll große Display (rund 65.000 Farben, 480x360 Pixel) sehr gut, um beispielsweise im Zug Videos zu schauen. Komplette Filme strengen das Auge allerdings dennoch sehr an. Erinnerungen ans Mäusekino werden wach. Schade ist auch, dass nach wie vor ein Radio fehlt.

Außerdem bleibt der Storm2 ein vergleichsweise schwerer Brocken. Satte 160 Gramm bringt das Smartphone auf die Waage und ist mit Abmessungen von 113x62x14 Millimetern auch nicht für jede Hemdtasche geeignet. Hinzu kommt eine sehr lange Bootzeit von etwa 165 Sekunden. Jedoch wird ein Smartphone in der Regel nicht täglich aus- bzw. eingeschaltet.

Die Bereitschaftszeit liegt nach Angaben von RIM bei zwölf Tagen. Ein Wert, der den Bezug zur Realität allerdings verliert. Wer intensiv GPS-Empfänger, WLAN-Schnittstelle oder den integrierten Browser nutzt, darf sein Smartphone schon nach einem Tag an die Steckdose hängen. Ein Dauergespräch darf bis zu 4,5 Stunden dauern, bis der BlackBerry nach neuer Energie verlangt.

Ein Blick auf den Preis

All die integrierte Technik-Power hat letztlich auch ihren Preis. Wer sich den BlackBerry Storm2 als Stand-Alone-Produkt zulegen möchte, muss 549,90 Euro auf den Tisch legen. In Verbindung mit einem Zweijahresvertrag für einen SuperFlat-Internet-Tarif werden je nach Wahl zwischen 99,90 Euro und 299,90 Euro fällig. Erhältlich ist der BlackBerry Storm2 auch unter www.vodafoneshop.de. Dann lockt zum Beispiel eine Reduzierung der SuperFlat-Grundgebühr um monatlich 5 Euro.

(Hayo Lücke)

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