Testbericht

BlackBerry Storm im Test - Update schafft Wunder

Die ursprüngliche Version des BlackBerry Storm konnte nur wenig überzeugen. Abstürze, hakende Menüführung und langsame Navigation machten keinen Spaß. Doch mit der neuesten Firmware hat sich viel geändert.

BlackBerry Storm 9500
Schon seit dem Weihnachtsgeschäft geht Vodafone mit einem neuen Luxus-BlackBerry auf Kundenfang, das exklusiv über den britischen Mobilfunk-Netzbetreiber vermarktet wird. Das schwarze Smartphone soll vor allem all jene begeistern, die auch unterwegs ihre E-Mails versenden und empfangen möchten und wird - wie viele der neuen Touchscreen-Handys am Markt - als Alternative zum iPhone von Apple vermarktet. Die Redaktion von onlinekosten.de hat den BlackBerry Storm 9500 einem Langzeittest unterzogen und durfte feststellen: was anfänglich ordentlich Kopfschmerzen bereitete, wurde schließlich doch noch gut.

Alte Firmware kein Genuss

Bereits im November wurde unserer Redaktion ein Storm-Testgerät zur Verfügung gestellt. BlackBerry-Gründer Mike Lazaridis hatte seinerzeit das neue Luxusmodell des Herstellers Research In Motion (RIM) persönlich in der deutschen Konzernzentrale von Vodafone vorgestellt. Bei seiner Präsentation stellte er die intuitive Menüführung des BlackBerry Storm hervor. Genau die erwies sich während der ersten Testwochen aber als Knackpunkt und sollte dem BlackBerry Storm kein gutes Zeugnis ausstellen. Zu sehr hakte die Navigation durch die einzelnen Menüpunkte, zu schlecht sprach der Touchscreen auf ihm aufgetragene Fingerbefehle an. Kurzum: der neue BlackBerry lieferte nicht das, was er versprach. Ernüchterung!

Heute, einige Wochen später, fällt das allgemeine Fazit deutlich positiver aus. RIM hat reagiert und bietet über die Vodafone-Homepage ein Firmware-Update an. Und diese Software-Aktualisierung lohnt sich. Firmware-Version 4.7.0.78 behebt nicht nur diverse Fehler in der Bedienung, sondern macht den BlackBerry auch merklich schneller. Besonders zu spüren ist das beim Schreiben von E-Mails und SMS, wo der Touchscreen endlich die Befehle an das Endgerät weitergibt, die er vom Nutzer aufgetragen bekommt. Nur noch in wenigen Fällen muss korrigierend eingegriffen werden.

Update leicht gemacht

Eine Installation der neuen Firmware ist erfreulich einfach. Nutzer des BlackBerry Storm, die noch eine alte Firmware auf ihrem Endgerät nutzen, müssen lediglich die so genannte Dashboard-Software von der beiliegenden CD auf ihrem Rechner installieren, die Update-Datei herunterladen und den BlackBerry über das mitgelieferte USB-Datenkabel mit dem PC verbinden. Anschließend wird das Update automatisch auf den BlackBerry übertragen. Zu beachten ist: Installation und Update brauchen Zeit. Rund 15 bis 20 Minuten sollten eingeplant werden. Wer sich das Smartphone neu bestellt, darf sich aber in der Regel über ein Modell mit aktueller Firmware freuen. Vereinzelt könne es aber vorkommen, dass in Vodafone-Shops noch Modelle mit älteren Software-Version lagern, ließ ein Unternehmenssprecher auf Anfrage wissen. Betrachtet man den BlackBerry Storm genauer, fällt sofort auf, dass der Fokus des Geräts auf dem großen TFT-Bildschirm liegt. Zwar kann er "nur" 65.000 Farben darstellen, liefert dafür aber eine Auflösung von 480x360 Pixeln. Praktisch: je nach einfallendem Tageslicht passt sich die Bildschirm-Helligkeit über einen Lichtsensor automatisch an.

Etwas anderer Touchscreen

Zudem lässt sich der Bildschirm sowohl horizontal als auch vertikal nutzen. Dabei erfolgt eine automatische Bildanpassung, wenn der BlackBerry gedreht wird. Im Querformat wird auf dem Bildschirm eine vollständige QWERTZ-Tastatur eingeblendet, die mit der neuesten Firmware ein zügiges Schreiben von Nachrichten ermöglicht. Zu etwas Besonderem wird der BlackBerry Storm durch seine etwas andere Touchscreen-Bedienung. Zwar kann zwischen den einzelnen Menüpunkten durch sanftes Streicheln des Displays hin und her navigiert werden, um jedoch eine Anwendung zu starten oder eine E-Mail zu schreiben, reicht es nicht aus, einfach nur mit dem Finger auf dem Bildschirm herumzutippen. Vielmehr ist es notwendig, dass der Bildschirm - ähnlich wie die Taste einer Computermaus - gedrückt wird. Das ist anfangs gewöhnungsbedürftig.


Erfreulich ist auch, dass der BlackBerry Storm ein bisschen mehr ist als nur eine E-Mail-Maschine. Er soll nämlich auch unterhalten - und das kann er gut. Der integrierte Media-Player bietet zwar keine nennenswerten Extras wie zum Beispiel einen Equalizer, dafür kann aber auf leistungsstarke Lautsprecher zurückgegriffen werden. Oder es werden die diskreteren Stereo-Ohrhörer verwendet, die im Lieferumfang bereits inklusive sind.

Bis zu 16 Gigabyte Speicher

Ebenfalls inklusive: eine Speicherkarte mit einem oder sogar 16 Gigabyte Speicherkapazität. Viel Speicherplatz ist insbesondere dann von Vorteil, wenn über das Storm-Smartphone Videos abgespielt werden sollen. Und das macht nicht nur wegen des großen Displays Spaß, sondern auch wegen der kräftigen, kontrastreichen Farbdarstellung. Als Videokonsument vergisst man zum Beispiel im Zug oder am Flughafen-Gate schnell, auf ein Handydisplay zu schauen. Keine Frage: in Sachen Unterhaltung hat das Handy ordentlich was auf dem Kasten. Ebenfalls positiv hervorzuheben ist, dass Nutzer des BlackBerry Storm die Möglichkeit haben, die einzelnen Menüpunkte in einer beliebigen Reihenfolge anzuordnen. Das sorgt für eine weitestgehend intuitive Bedienung. Nett ist auch, dass SMS zwischen zwei Personen in einer Art Chat aufgelistet werden (siehe Foto unten). Und trotzdem: anfangs ist es gewöhnungsbedürftig zwischen Touch-Screen, Menü- und Zurück-Taste hin und her zu navigieren. Mit der Zeit gewöhnen sich die Finger aber an die Navigation.

Schwach: kein WLAN

Weil eine mobile-E-Mail-Maschine natürlich auch schnelle Internetverbindungen ermöglichen muss, funkt das Telefon nicht nur in GSM-Netzen (Quadband und kompatibel für EDGE-Verbindungen), sondern auch überall dort, wo UMTS verfügbar ist. Außerdem wird der Datenturbo HSDPA unterstützt. Das macht Downloads mit bis zu 7,2 Megabit pro Sekunde möglich. Und trotzdem hat sich RIM einen dicken Fauxpas geleistet: auf eine WLAN-Schnittstelle wurde verzichtet. Eine nicht nachvollziehbare Entscheidung. Dafür empfängt das Smartphone aber GPS-Signale für die mobile Navigation. Kein großer Wurf ist die integrierte 3,2-Megapixel-Kamera. Fotos wirken trotz integriertem Autofokus leider häufig falsch belichtet und zum Teil unscharf. Hinzu kommt, dass eine gefühlte Ewigkeit vergeht, bis das Foto nach Betätigung des Auslösers auch wirklich aufgenommen wird.


Teures Endgerät, hohe monatliche Kosten

Bleibt noch die Frage, was das neue Telefon denn überhaupt kostet? Kurz und knapp lässt sich sagen: günstig ist es nicht. Die 1-GB-Variante wird in Verbindung mit einer Vodafone SuperFlat mit zwei Jahren Vertragslaufzeit ab 49,95 Euro angeboten. In Kombination mit der günstigsten Flatrate werden einmalig 299,90 Euro fällig. Wer sich für die 16-GB-Version des BlackBerry Storm entscheidet, zahlt für das Endgerät zwischen 69,90 Euro und 399,90 Euro.

Zu beachten ist: es ist verpflichtend, dass eine von drei so genannten Internet-Messaging-Optionen zugebucht wird. Damit ist es möglich, über den BlackBerry E-Mails zu empfangen und im Internet zu surfen. Wenig(st)nutzer buchen die S-Option mit gerade einmal einem Megabyte monatlichem Inklusivvolumen für fünf Euro im Monat. Jedes weitere Megabyte kostet hier allerdings sündhaft teure 3,93 Euro. Mehr Sinn macht die Internet-Flatrate in Form der InternetMessaging-L-Option. Die wird für monatlich 9,95 Euro angeboten und beinhaltet unbegrenztes Surfen auf Internetseiten und 3.000 SMS innerhalb des Vodafone-Netzes. Wer die bis zu 3.000 Kurzmitteilungen in alle deutschen Mobilfunknetze verschicken möchte, muss monatlich 24,95 Euro berappen. Wohlgemerkt: zusätzlich zur monatlichen Grundgebühr für die SuperFlat. Festzuhalten bleibt: der BlackBerry Storm ist mit der neuesten Firmware nicht nur ein interessantes, sondern auch ein gut zu bedienendes Smartphone. Seine Stärken spielt das Telefon insbesondere in der multimedialen Unterhaltung aus - auch wenn ein Radio leider fehlt. Minuspunkte gibt es zudem für die vergleichsweise schwache Kamera und vor allem für die fehlende WLAN-Unterstützung.

Applikationen downloaden

Schade ist zudem, dass es bisher kaum Möglichkeiten gibt, den Storm mit nützlichen oder auch spaßigen Applikationen zu füttern. Daran soll sich aber etwas ändern. Voraussichtlich ab April soll die so genannte BlackBerry App World zur Verfügung stehen. Der Download der kleinen Programme ist entweder kostenlos oder gegen ein einmaliges Entgelt möglich. Damit reagiert RIM auf den Apple App Store, der unzählige Applikationen für das Konkurrenz-Produkt iPhone bereithält.


In der Endabrechnung erhält der BlackBerry Storm nach unserem Urteil ganz knapp noch die Note "gut". Die fehlende WLAN-Unterstützung wird glücklicherweise durch das ansonsten breit aufgestellte Angebot an Extras abgefedert. Gerettet hat RIM aber vor allem das Firmware-Update. Ohne diese Nachbesserung hätte es nur zu einem "ausreichend" als Gesamtnote gereicht. Erhältlich ist der BlackBerry Storm im Online-Shop von Vodafone.

Name: BlackBerry 9500 Storm
Hersteller: RIM
Internet: www.blackberry.de
Preis: 49,90 Euro - 399,90 Euro (mit Vertrag)
Technische Daten
Antenne: GSM, Quadband, EDGE, UMTS, HSDPA
Abmessungen: 113x62x14 Millimeter
Gewicht: 155 Gramm
Display 3,2-Zoll, 480x360 Zoll, 65.000 Farben, Klick-Touchscreen
Speicher: 1 GB intern, aufrüstbar mit 16 GB microSD-Karte
Schnittstellen: Bluetooth 2.0, USB
Digitalkamera: 3,2 Megapixel, Videofunktion, Autofokus
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Headset, Datenkabel, Leder-Schutztasche, Bedienungsanleitung
Extras: MP3-Player, Freisprecheinrichtung, GPS, Touchscreen
Akkulaufzeit im Test: Gut drei Stunden Sprechzeit, etwa acht Tage Bereitschaftszeit
Pro & Contra
großes Display
GSM-Quadband-Antenne
UMTS- und HSDPA-Unterstützung
GPS-Empfänger
keine WLAN-Schnittstelle
schwache Digitalkamera
kein Radio
teilweise langsame Reaktionszeiten
teuer in der Anschaffung
Bewertung:
Bedienung (30%): gut
Ausstattung (20%): gut
Verarbeitung (20%): befriedigend
Akkulaufzeit (20%): befriedigend
Telefonfunktion (10%): gut
Preis-Leistung: befriedigend
Gesamtnote gut (2,4)

(Hayo Lücke)

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