Testbericht

BlackBerry 8707v: UMTS-E-Mail-Maschine im Test

Als erstes BlackBerry-Modell erlaubt der aktuell exklusiv bei Vodafone erhältliche 8707v den E-Mail-Abruf und das Surfen im Internet mit bis zu 384 kBit/s. Wir haben das Gerät genauer unter die Lupe genommen.

BlackBerry 8707v
Wo immer man sich gerade aufhält, die E-Mails abrufen zu können, ist heutzutage dank zahlreicher E-Mail-Push-Dienste kein ding der Unmöglichkeit mehr. 1&1 bietet für Privatkunden mit E-Mail-Konto bei 1&1, web.de oder GMX das von onlinekosten.de bereits ausführlich getestete Pocket Web an. Für anspruchsvollere Nutzer bietet sich der Gebrauch eines BlackBerry des kanadischen Marktführers Research in Motion (RIM) an. Wir hatten nun die Möglichkeit, den weltweit ersten UMTS-BlackBerry, den 8707v, einem ausführlichem Test zu unterziehen.

Einige technische Details

Beim aktuell exklusiv bei Vodafone erhältlichen 8707v handelt es sich um eine mobile E-Mail-Maschine, die dank Quadband-Technik in nahezu allen GSM-Netzen der Welt genutzt werden kann. Das heißt, das neue Modell funkt sowohl in den in Europa üblichen Frequenzspektren von 900 und 1.800 Megahertz als auch in den vornehmlich in Nord- und Südamerika eingesetzten Frequenzbändern von 800 und 1.900 Megahertz. Mehr noch: als erster BlackBerry kann der 8707v – sofern vorhanden – auch in UMTS-Netzen genutzt werden. Das heißt, beim Surfen im Internet oder dem Abruf von E-Mails sind statt der bei GPRS-Verbindungen normalerweise üblichen Übertragungsrate von rund 50 Kilobit pro Sekunde (kBit/s) immerhin bis 384 kBit/s möglich. Nachteil: der UMTS-Datenturbo HSDPA wird nicht unterstützt.

Frisch ausgepackt

Geliefert wird der BlackBerry 8707v in einer rechteckigen Pappschachtel. Designtechnisch hat der mit Pastelltönen versehene Karton wahrlich keinen Schönheitspreis verdient, aber darauf kommt es auch am allerwenigsten an. Beim Aufklappen lacht den Nutzer sofort das BlackBerry-Endgerät an, darunter finden sich Ladekabel inklusive zwei Adaptersteckern für den Einsatz im Ausland, ein USB-Datenkabel, ein Mono-Headset sowie eine hochwertige Gürteltragetasche aus Leder.

Hochwertiges Display

Das Endgerät selber misst 110 mal 70 mal 20 Millimeter bei einem Gewicht von 140 Gramm. Recht üppige Maße, die das Gerät nicht unbeschwert in der Hosern- oder Hemdtasche verschwinden lassen. Im Gegenzug hat der Nutzer allerdings Zugriff auf ein besonders großes Display. Bei einer Auflösung von 320 mal 240 Pixeln kann es 65.536 Farben darstellen. Besonders praktisch: das Display ist mit einem Lichtsensor ausgestattet, der die Displaybeleuchtung individuell an die aktuellen Lichtverhältnisse anpasst. So können Nutzer des UMTS-Blackberry auch bei starker Sonneneinstrahlung auf einen gut ablesbaren Bildschirm vertrauen. Unser Test hat dies eindrucksvoll bestätigt. Die dargestellten Farben kamen sowohl in den Abendstunden satt, deutlich und kontrastreich zum Vorschein als auch tagsüber in einer hellen Umgebung. Auch wechselnde Lichtverhältnisse während einer Zugfahrt glich der Lichtsensor zügig aus. Wow, was für ein Menü

Eingeschaltet wird der UMTS-Blackberry über den Power-Knopf auf der Kopfseite des Endgerätes. Ein wenig unvorteilhaft erweist sich hier die Tatsache, dass ebenfalls auf der Oberseite die Taste zum Stummschalten angebracht ist. Das kann schon mal etwas verwirren. Unmittelbar nach dem Einschalten kommt die Startseite des Menüs zum Vorschein und die wirkt leider ziemlich überladen. Unser Testgerät bot gleich 18 Menüpunkte, die über vier Zeilen mit Grafiken und Überschriften erklärt werden. Abrufbar sind beispielsweise die eingerichteten E-Mail-Konten über den Menüpunkt "E-Mail", das SMS und MMS-Konto, ein Kalender, ein Internet-Browser oder Profil-Einstellungen.

Mit dem Track-Wheel unterwegs

Anders als bei vielen Handys wird durch das Menü nicht über eine Mehrwege-Steuertaste navigiert, sondern mit Hilfe eines so genannten Track-Wheels. Dieses kleine Rädchen ist an der rechten Seite des 8707v zu finden. Wird das Rädchen gedreht, rotiert ein Curser über die einzelnen Menüpunkte. Soll ein Menüpunkt ausgewählt werden, muss das Rädchen einmal gedrückt werden. Auch einzelne Untermenüs wie das Öffnen einer E-Mail lassen sich mit einem Druck auf das Rädchen auswählen. Wird das Track-Wheel beispielsweise im Menüpunkt E-Mail gedrückt, erscheint ein Auswahlmenü mit Funktionen wie "E-Mail öffnen", "E-Mail weiterleiten", "E-Mail-Löschen" oder E-Mail verfassen. Zurück zum Hauptmenü oder auf die zuvor ausgewählte Seite im Menü gelangt der Nutzer über eine ESC-Taaste, die direkt unter dem Rädchen integriert wurde. An diese Art der Menüsteuerung muss sich der Nutzer erst gewöhnen, bei regelmäßiger Nutzung geht der Gebrauch aber zügig von der Hand.

E-Mails schreiben und abrufen

In erster Linie soll ein BlackBerry dazu dienen, E-Mails abzurufen. Demnach haben wir ein besonderes Augenmerk gerade dieser Funktion gewidmet. Der Nutzer hat hier die Wahl zwischen E-Mail-Push-Dienst, der über eine von RIM und Vodafone bereit gestellte Software konfiguriert werden kann, oder einer Enterprise-Lösung. Während beim Push-Dienst E-Mails ohne Zeitverzögerung direkt in den E-Mail-Posteingang übertragen werden, erfolgt bei der Enterprise-Lösung eine Übertragung nach entsprechender Synchronisierung mit einem Server. Die Übertragung von E-Mails über den von vielen Nutzern bevorzugten Push-Dienst dauerte bei unserem Test durchschnittlich 14 Sekunden. Die Anzahl eingegangener E-Mails wird über eine kleine Zahl in der Statusleiste des Menüs signalisiert.

So komfortabel das Abrufen von E-Mails möglich ist, Abzüge gibt es beim Versand der mobilen Nachrichten. Die Tastatur bereitet beim Tippen längerer Nachrichten nämlich nur wenig Freude. Zwar steht eine vollständige QWERTZ-Tastatur zur Verfügung, doch sind die Tasten viel zu klein geraten und liegen zu eng beieinander. Beide Daumen, mit denen die Nachricht meist getippt wird, landen sehr schnell auf der falschen Taste. Surfen im Internet

Erstmals lässt sich ein BlackBerry auch als UMTS-Modem einsetzen. Das heißt, überall dort, wo ein UMTS-Netz verfügbar ist, kann mit bis zu 384 kBit/s im Internet gesurft werden. Allerdings funktioniert das nur, wenn das Endgerät über das mitgelieferte USB-Datenkabel mit einem PC oder Notebook verbunden ist. Bei unserem Test machte das 8707v insbesondere unter freiem Himmel eine gute Figur. Sobald wir uns in geschlossenen Räumen aufhielten, sank die Empfangsqualität aber spürbar in den Keller. Schade: Die Bluetooth-Funktion kann zum kabellosen Websurfen nicht genutzt werden.

Ist gerade mal kein USB-Kabel zur Hand, kann auch über das Endgerät selber im Web gesurft werden. Ein passenden Browser ist bereits vorinstalliert. Das Surfen macht aber nur bei ausreichend starker UMTS-Netzabdeckung wirklich Spaß. Der Seitenaufbau von HTML-Seiten dauert sonst einfach zu lange. Alternativ lassen sich aber auch WAP-Seiten abrufen, die deutlich zügiger geladen werden.

Auch zum telefonieren geeignet

Bei all dem E-Mail- und Internet-Spaß könnte man fast vergessen dass BlackBerries auch genutzt werden können, um zu telefonieren. Anders als beim Pocket Web ist ein Bluetooth-Headset nicht zwingend erforderlich, aber doch zu empfehlen. Mit Verlaub: es sieht doch ein wenig merkwürdig aus, wenn BlackBerry-Nutzer ihr doch recht breites Endgerät ans Ohr halten. Die Gesprächsqualität war während unseres Tests durchweg sehr akzeptabel. Hier und da störte mal ein Echo im Gespräch, aber das ist ein Mobilfunk-Phänomen, das auch mit herkömmlichen Handys beobachtet werden kann. Fazit: Mobiler E-Mail-Zugriff allerorten

Dein Einstieg in die BlackBerry-Welt ist sicher etwas umständlich, doch wer einmal Blut geleckt hat, wird so schnell nicht mehr auf einen mobilen E-Mail-Begleiter verzichten wollen. Nicht ohne Grund schwören immer mehr Geschäftskunden auf BlackBerry und Co – und wir können das nach zwei Monaten BlackBerry-Nutzung durchweg nachvollziehen. Abends im Hotel, unterwegs im Zug oder auf dem Rastplatz schnell die E-Mails zu checken, ist ein Vorteil, den sich Geschäftskunden nicht entgehen lassen sollten.

Für Privatkunden ist die BlackBerry-Nutzung hingegen wegen der hohen Kosten für das Endgerät und die zusätzlich anfallenden Gebühren für die BlackBerry-Optionen derzeit noch unattraktiv. Doch auch hier gibt es Grund zur Hoffnung: langfristig werden zumindest die Preise für die Datenoptionen sinken, sodass die Nutzung auch für private Nutzer interessanter wird. Abgesehen davon gibt es leichte Abzüge für fehlende HSDPA-Unterstützung und die fehlende Möglichkeit, den internen Speicher von 33 Megabyte erweitern zu können. Schade ist auch, dass weder Radio, noch MP3-Player nutzbar sind. Auch eine integrierte Kamera steht nicht bereit. Immerhin ist eine Freisprechfunktion nutzbar.

Mindestens 230 Euro

Vodafone verlangt für das 8707v aktuell mindestens 229,49 Euro bei Abschluss eines Vertrages mit zwei Jahren Laufzeit. Ohne Vertrag werden 699,90 Euro fällig. Bei anderen Netzbetreibern ist der UMTS-BlackBerry derzeit noch nicht erhältlich. Die Standby-Zeit von 250 Stunden konnten wir in unserem Test übrigens nicht ganz erreichen. Unser Testgerät verlangte nach gut einer Woche neue Stromzufuhr.

(Hayo Lücke)

Weiterführende Infos zum Thema:
Zum Seitenanfang