Testbericht

"Bild Movies" im Dauertest: VoD-Dienst mit Offline-Modus und O-Ton

Bild Movies hat in Kooperation mit Watchever ein eigenes Video-on-Demand Angebot gestartet, das einen Offline-Modus sowie Inhalte im O-Ton bietet. Unsere Redaktion hat den Dienst ausführlich getestet.

Datenaustausch© violetkaipa / Fotolia.com

Anfang des Jahres hat Bild Movies seine Kooperation mit Watchever gestartet. Wie schon bei Amazons Lovefilm (Test) hat unsere Redaktion den Anbieter einer Video-on-Demand-Plattform vier Wochen lang getestet, so lassen sich verlässliche Angaben über die Qualität und die Zuverlässigkeit des Dienstes treffen.

Großes Angebot, O-Ton verfügbar

Im Gegensatz zu Lovefilm liefert Watchever, eine Tochter des französischen Medienkonzerns Vivendi, seine Filme und Serien nur per Internet aus. DVDs oder Blu-rays landen also nicht im Briefkasten. Das VoD-Angebot von Watchever bietet dafür aber die Möglichkeit, Filme und Serien herunterzuladen und somit offline zu schauen (natürlich nur solange man auch Kunde bei Watchever ist). Auch Freunde des Originaltons kommen auf ihre Kosten: Als besonderen Service bietet Watchever viele Serien und Filme auch in der Original-Vertonung an. Für die Wiedergabe von SD-Material ist laut Watchever eine 3-Megabit-Anbindung erforderlich, für die HD-Inhalte (720p) sind 6 Megabit erforderlich.

Derzeit bietet Watchever (Stand 15. Februar) knapp 1.881 Filme (davon rund 1.080 in HD) und 347 Einträge in der Serien-Kategorie (davon 115 in HD). Zum Vergleich: Lovefilm bietet aktuell im VoD-Bereich 1.293 Filme (472 HD) und 233 Serien.

Filme und Serien, begrenzte Haltbarkeit

Brandaktuelle Filme finden sich naturgemäß nicht im Portfolio, dafür ist die Auswahl recht bunt geraten. Neben den obligatorischen Hollywood-Filmen wie "Iron Man" (nur der erste Teil) und "Spiderman" 1 bis 2, finden sich auch Werke wie Herzogs "Begegnungen am Ende der Welt" oder "Walhalla Rising" von Nicolas Winding Refn. Mit "Ghostbuster" 1 und 2, "Der Zurück in die Zukunft" Trilogy, "2001 – Odyssee im Weltraum" und "Der weiße Hai" sind auch Vertreter vergangener Dekaden vorhanden.

Das Serien-Angebot setzt sich ebenfalls aus einer gesunden Mischung aus alt und neu zusammen. Zu den prominenten aktuellen Vertretern zählen beispielsweise "Two And Half Men" (Staffel 1 - 5), "The Big Bang Theory" (Staffel 1 - 3), "Spartacus" (Gods of The Arena, Blood & Sand, ungeschnitten), "Mad Men" (Staffel 1 - 3), "Breaking Bad" (Staffel 1 - 4), "Doctor Who" (Staffel 1 - 6). Dazu gesellen sich viele alte Bekannte wie das original "Miami Vice" (Staffel 1 - 4), das "A-Team" (Staffel 1 - 3), "Eine schrecklich nette Familie" (Staffel 9 - 11), "Friends" (Staffel 1 - 3) und "Der Prinz von Bel-Air" (Staffel 1 - 3).

Leider haben Filme und Serien auch hier ein "Haltbarkeitsdatum" und fliegen nach einiger Zeit wieder aus dem Programm. Bestes Beispiel: Zum Zeitpunkt des Tests war der bereits erwähnte dritte "Zurück in die Zukunft" Teil nur noch elf Tage lang abrufbar. Im Ausland funktioniert der Dienst nicht, da Watchever (und auch Lovefilm) auf eine deutsche IP-Adresse besteht, aber dafür gibt es ja den Offline-Modus.

FSK-18-Titel können, wie bei Lovefilm, erst nach erfolgtem Altersnachweis mittels PostIdent-Verfahren abgespielt werden, die anfallenden Kosten trägt in diesem Fall Watchever. Bei der Amazon-Konkurrenz muss der Kunde diesen Betrag (derzeit 5 Euro) aus eigener Tasche zahlen.

Technik und Bildqualität

Wie die Kollegen von Lovefilm setzt auch Watchever bei der Technik auf Microsofts Silverlight und kämpft auch mit den gleichen Problemen. Auch hier ist je nach Szene ein leichtes Ruckeln des Bildes feststellbar, wenn auch nicht ganz so stark wie bei Lovefilm. In einem Fall waren über einige Stunden überhaupt keine Wiedergabe möglich. Praktisch für Paare und Familien hingegen, ist die Möglichkeit unterschiedliche Filme und Serien auf verschiedenen Geräte gleichzeitig zu streamen. Im direkten Bildvergleich (siehe Screenshots 1 und 2) mit dem Konkurrenten Lovefilm schneidet Watchever besser ab, das Bild wirkt etwas schärfer und natürlicher.

Offline-Modus

Der Offline-Modus steht derzeit für das iPad, iPhone und Android-Tablets mit der Version 3.1 bis 4.2 zur Verfügung. Unter Mac und Windows besteht diese Möglichkeit nicht. Ein Film mit 102 Minuten Länge bringt es beispielsweise auf 897 Megabyte, eine rund 20 Minuten lange Serie kommt also auf etwa 180 Megabyte.

Wir haben den Offline-Modus mit dem iPad getestet. Die App ist übersichtlich gestaltet und der Download geht zügig von statten. Vollkommen problemlos funktionierte die App aber nicht im Test: So kam es einmal vor, dass ein bereits heruntergeladener Film aus der Offline-Bibliothek sang und klanglos verschwand. Desweiteren hätten wir uns die Möglichkeit gewünscht, Serien staffelweise statt einzeln herunterladen zu können. Im Offline-Modus steht kein HD zur Verfügung, trotzdem kann sich die Qualität durchaus sehen lassen. Ruckeln konnten wir auf dem Tablet ebenfalls nicht feststellen.

Watchever für Smart TVs und Apple TV

Für den Film-Konsum im Wohnzimmer werden auch entsprechende Smart TVs und auch das Apple TV (Test) unterstützt. Mit dem Apple TV auf dem großen Bildschirm (47 Zoll) wird allerdings der Streaming-Ursprung erkennbar. So wirken bei genauerem Hinsehen die Konturen teilweise ausgefranst, zudem sind immer wieder Pixel sichtbar. Bei dem üblichen Sitzabstand von 3 bis 4 Metern relativieren sich diese Mankos aber zu einem großen Teil. Am schwächelnden WLAN-Signal kann es übrigens nicht liegen, das Apple TV wurde vorsorglich per LAN mit dem Netzwerk verbunden. In naher Zukunft soll das Angebot auch über die Xbox 360 und die Playstation 3 zugänglich sein.

Fazit

Ein Monat kostet bei Watchever 8,99 Euro, wer sich über die entsprechende Website der Bild-Zeitung registriert, bekommt für den gleichen Preis die Möglichkeit Watchever zwei Monate lang zu nutzen. Unentschlossene können den Dienst auch 30 Tage lang kostenlos testen. Im direkten Vergleich mit dem reinen VoD-Angebot von Lovefilm (6,99 Euro im Monat) erweist sich Watchever dank Offline-Modus, O-Ton-Möglichkeit, der besseren Bildqualität und der größeren Auswahl auf dem Papier überraschenderweise als die bessere Wahl. Letztlich ist aber der persönliche Geschmack maßgebend, welches Film und Serien-Angebot einem mehr zusagt.

(Marcel Petritz)

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