Testbericht

Asus VivoTab Smart im Test: Windows-8-Tablet zum heißen Preis

Ein 10 Zoll großes IPS-Display, Intels neuen Atom-Prozessor und vollwertiges Windows 8 verschnürt Asus im VivoTab Smart ab 499 Euro zu einem stattlichen Tablet-Paket.

Datenaustausch© violetkaipa / Fotolia.com

Asus hat sich auf dem Tablet-PC-Markt insbesondere mit der Transformer-Reihe hervorgetan. Die Android-Tablets lassen sich mit einem ansteckbaren Dock mit Tastatur in kleine Laptops mit langer Akkulaufzeit verwandeln. Für Flachrechner mit Windows 8 steht die neue Vivo-Familie. Mit dem VivoTab RT, dem VivoTab TF810 und dem VivoTab Smart bietet der Hersteller den vollen Blumenstrauß und gibt den Kunden je ein Modell mit Windows RT und vollwertigem Windows 8 inklusive Dock sowie eine günstigere Ausführung zur Auswahl. Die Smart-Version mit dem neuen Intel Atom-Prozessor, ebenfalls mit Windows 8 ausgestattet, gibt es bereits ab 499 Euro. Für 599 Euro steht eine LTE-Ausgabe bereit.

Schön schlicht, aber keine Perfektion

Der Tablet PC mit 10,1-Zoll-Display ist wahlweise in der Farbe Schwarz oder Weiß erhältlich und aus Kunststoff gefertigt. An die besonders wertige Optik und Widerstandsfähigkeit des Transformer Pad Prime oder das stabile Aluminium-Gehäuse des Apple iPad reicht es damit nicht heran. Mit einem Gewicht von 580 Gramm bringt das rund 266 x 171 x 9,7 Millimeter große Modell außerdem nicht weniger auf die Waage als die Alu-Tablets von Asus. Der Vorteil leichten Kunststoffs verpufft, obgleich das VivoTab etwas leichter ist als beispielsweise das 9,7-Zoll-iPad. Zwar fühlt sich das VivoTab Smart fest an und sieht mit den abgerundeten Kanten auch gut aus, zur Perfektion fehlt es aber am Feinschliff. So knarzt unser Test-Tablet, von der Vorderseite aus betrachtet schaut an einigen Stellen ganz minimal die weiße Rückseite hervor und die Gehäuseausschnitte für Anschlüsse und Karten könnten teils sorgfältiger aussehen. Schwer ins Gewicht fallen diese Kleinigkeiten nicht, nerviger ist da der hakelige Einschub für die Micro-SIM-Karte, der sich mit der mitgelieferten Metallklammer kaum öffnen lässt.

Als WLAN-Modell oder mit LTE

Wer diese Hürde genommen hat und eine Mobilfunkkarte einlegt, der kann – einen ausreichend dimensionierten Tarif, die entsprechende Netzabdeckung und den optimalen Standort vorausgesetzt – mit der VivoTab-Version ME400CL via LTE mit bis zu 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) mobil im Internet surfen. Uploads gehen mit maximal 50 Mbit/s vonstatten. Dank Abwärtskompatibilität ist auch über den 3G-Standard HSPA+ eine Datenverbindung möglich; dann mit bis zu 42 Mbit/s. Ansonsten unterstützt das VivoTab Smart, wie auch in der günstigeren Variante ME400C, WLAN 802.11 b/g/n, NFC und Bluetooth 4.0. Darüber lässt sich auch eine separat erhältliche Tastatur mit Touchpad anschließen. Für das Zubehör werden 109 Euro fällig.

Adapterzwang: Verkleinerte Schnittstellen für ein schlankes Gehäuse

USB-Peripherie scheidet ohne separaten Adapter leider aus, auch wenn Windows 8 hier besonders gut seinen Vorteil gegenüber der Android-Gemeinde ausspielen könnte. Einen USB-Port in Standardgröße für Maus oder Stick besitzt das VivoTab nämlich nicht, lediglich ein Mikro-USB-Port zum Aufladen des Akkus ist vorhanden. Als Wechseldatenträger wird der flache Rechner aber nicht erkannt, der Datenaustausch findet daher beispielsweise über den kraftvoll herausspringenden microSD-Schacht oder die Cloud wie den Asus WebStorage oder Microsofts SkyDrive statt. Die interne Speicherkapazität beträgt 64 Gigabyte (GB), auf unserem Testgerät blieben davon allerdings lediglich etwa 24 GB zur freien Verfügung übrig. Hinter einer Gummiabdeckung verbirgt sich zudem ein Mikro-HDMI-Anschluss. Um Videos oder Fotos auf einem Flachbildfernseher auszugeben, ist daher ein Adapter auf HDMI nötig, der nicht im Lieferumfang enthalten ist. Asus rundet die Schnittstellenausstattung mit einer Kombibuchse für Mikrofon und Kopfhörer ab.

Gute Kameraleistung

Neben dem typischen Windows-Button, der hier als Sensortaste auftritt, um jederzeit zum Kachelbildschirm zurückkehren zu können, verfügt das VivoTab Smart über einen Ein-/Ausschalter und Lautstärketasten. Darüber hinaus gibt die Gehäuserückseite einen Stereo-Lautsprecher preis, der einen ausreichend guten Klang verströmt. Die rückwärtige Kamera geht mit einer 8-Megapixel-Linse auf Motivfang und kann auf einen kräftigen LED-Blitz zurückgreifen. Die Fotos wissen eindeutig zu überzeugen, ebenso wie die Videos, die sich in 1080p-Qualität aufnehmen lassen. Nur die Panoramafunktion lieferte in unserem Test keine scharfen Aufnahmen. Eine zweite Kamera mit 2 Megapixel – etwas dunkel und grieselig – ist für Videotelefonate nutzbar.

Als Display verbaut Asus ein 10,1 Zoll großes IPS-Exemplar, das einen positiven Eindruck hinterlässt. 178 Grad große Blickwinkel und eine farbenfrohe Darstellung sorgen sowohl beim Surfen als auch bei der Videowiedergabe für Freude. Bei einer Auflösung von 1.366 x 768 Bildpunkten wird es aber von der Full-HD-Liga und den Retina-iPads überholt, die mehr Details und schärfere Texte auf den Touchscreen bringen. Die Oberfläche spiegelt, was bei trübem Wetter nicht stört, bei Sonnenschein im Freien aber dazu führt, die Helligkeit steigern zu wollen. Üppige Reserven hat die LED-Beleuchtung – entgegen anderer Asus-Modelle – allerdings nicht.

Fühlt sich flott an

Was bei den Windows-RT-Tablets ein ARM-Prozessor leistet, übernimmt im Asus VivoTab Smart ein Intel Atom Z2760 alias Clover Trail. Die CPU-Klasse hat sich bei so manchem Nutzer sicherlich durch die einst so verbreiteten Netbooks ins Gedächtnis gebrannt. Nun treibt der Stromsparer als 32-Nanometer-Modell also flache Tablets an – und das ganz schön lange: Die von Asus veranschlagten 8,5 Stunden als Spitzenwert sind bei einfacheren Aufgaben realistisch. Über die YouTube-Website konnten wir etwa 9 Stunden streifen. Hochauflösende Videos spielte das Tablet rund 5 Stunden ab. Eine so große Auswahl an Energiesparmodi, wie von Windows-Desktops oder -Notebooks bekannt, liefert das Smart-Tablet nicht. Das vereinfacht aber gleichzeitig auch die Handhabung für den Kunden. Mit der selbständig entscheidenden "Ausbalanciert"-Einstellung liegt man meistens richtig, eine Dauer-Volllast oder ständiges Stromsparen lässt sich auf dem Tablet in der Form nicht erzwingen.

Der Atom-Prozessor im VivoTab ist mit 1,8 Gigahertz getaktet und wurde speziell für Windows-8-Tablets entwickelt. Er verkraftet bis zu 2 GB Arbeitsspeicher, wie sie Asus auch letztendlich verbaut hat. Dazu gehört die mit 533 Megahertz arbeitende Grafikkomponente PowerVR SGX545, die Videos in Full-HD abspielen kann, aber lediglich die Schnittstelle DirectX 9.3 unterstützt.

Zwischen Tablet und schwachem Laptop

Wer mit dem Tablet durch das Menü streift, surft, Programme installiert und ausführt, wird schnell bemerken, dass sich der neue Dual-Core-Atom mit 4-Thread-Verarbeitung deutlich flotter anfühlt als die Vorgänger auf den kleinen Netbooks. Wird ein Benchmark-Programm angeworfen, wobei nicht alle unsere Test-Tools für Notebooks laufen wollten, zeigt sich aber dennoch, dass es bis zur Rechenleistung eines Laptops noch ein großes Stück zu überbrücken gilt. Wir haben das kostenfreie Bildbearbeitungsprogramm Gimp ausprobiert, das auf dem Tablet zwar große Dateien nicht so zügig bearbeitet wie ein Mittelklasse-Notebook, aber gut funktioniert. Full-HD-Videos geraten dann ins Ruckeln, wenn im Hintergrund weitere fordernde Prozesse ablaufen. Schwieriger wird es bei Spielen. Der FurMark-Benchmark weist die Atom-interne Grafik etwa achtmal schwächer als einen Intel HD 3000 Grafikchip eines Intel Core i3 Notebook-Prozessors aus. Einen Devil May Cry-Testlauf quittierte der Atom mit einem Treiberabsturz.

Der Flashspeicher ist verhältnismäßig langsam. Der CrystalDisk-Test lässt die eMMC deutlich schlechter dastehen als eine SSD und verbannt sie eher auf HDD-Niveau. Trotzdem startet Windows 8 etwa binnen 13 Sekunden. Im Alltag wird ein Tablet in der Regel ohnehin selten komplett abgeschaltet, das VivoTab Smart muss im Standby aber leider nach nur vier Tagen an die Steckdose.

Mit dem Betriebssystem an sich erlebt der Nutzer schöne wie weniger schöne Momente. So praktisch es auch ist, dass durch Windows 8 statt Windows RT nicht nur Apps aus dem Windows Store, sondern auch herkömmliche Desktop-Programme wie Photoshop & Co. kompatibel sind, so schnell kommt an dieser Stelle der Bumerang der nur beschränkt anschließbaren Peripherie zurückgeschossen. Denn auch wenn Microsoft die Touch-Bedienung der Desktop-Oberfläche verbessert hat, so ist es immer noch fummelig, allein mit dem Finger durch die Systemsteuerung zu navigieren und Software zu benutzen. In der Desktop-Ansicht poppt keine On-Screen-Tastatur auf, wenn ein Eingabefeld berührt wird, und das virtuelle Tastenfeld lässt typische Funktionen wie "Druck" vermissen. Daher sind immer wieder zusätzliche Klicks nötig und eine (Bluetooth!-)Maus und -Tastatur unverzichtbar, wenn das Tablet in der Praxis nicht wie ein typisches Surf-Werkzeug, sondern auch zum Arbeiten eingesetzt werden soll. Zu den vorinstallierten Apps zählen ein englischsprachiger Datei-Manager, SMS, SuperNote Notizen, Skype, ein Wörterbuch und eine E-Book-Anwendung.

Fazit: Gut & günstig, könnte noch smarter sein

Auf der internationalen Website für die VivoTab-Reihe zeigt Hersteller Asus seine Smart-Version als ideales Gerät für Freizeit und Arbeitsaufgaben, in diesem Fall das Studium. Praktisch wird der Tablet-PC dieser Doppelbelastung nicht ganz gerecht. Erst durch zusätzliche Peripherie wie Tastatur, Maus und Ständer gestaltet sich das Werkeln auf dem Desktop wirklich angenehm. Davon abgesehen glänzt das VivoTab Smart mit seiner flüssigen Bedienung, knackigen Farben und flüsterleisem Betrieb. Nur die knarzende Verarbeitung und der fehlende reguläre USB-Port werfen ihre Schatten.

Ein großes Pro-Argument ist der gute Preis, auch wenn sich die zahlreichen Tablets aufgrund der Betriebssystem- und Ausstattungsvielfalt nur schwer vergleichen lassen. Beim Kauf des hauseigenen VivoTab RT mit Tegra-Prozessor kommt man nicht günstiger davon, das Sony Xperia Tablet S (Test) kostet bei gleicher Speichergröße als 3G-Modell 100 Euro mehr, das neue Retina-iPad mit LTE ist 230 Euro teurer. Ein günstigeres LTE-Tablet mit Android 4.0 ist das Transformer Pad TF300TL. Wir haben die WLAN-Ausführung Transformer Pad TF300T bereits getestet. Heißer Konkurrent für das VivoTab Smart ist das Acer Iconia W510, das in der gleichen Preiskategorie spielt.

Weitere Tablet PCs im Test, einen Tablet PC Vergleich und eine Kaufberatung zum Thema Tablet PC liefert unser Hintergrundbereich.

Name: VivoTab Smart
Hersteller: Asus
Internet: www.asus.de
Preis: Vivo Tab Smart ME400C

499 Euro


VivoTab Smart mit LTE / ME400CL

599 Euro
Technische Daten
Chipsatz/Prozessor: Intel Atom Z2760 Dual-Core-Prozessor
mit 1,8 GHz
Bildschirm: 10,1 Zoll IPS-Display (1.366 x 768),
Touchscreen, glänzend
Speicher: 2 GB RAM, 64 GB eMMC
Benchmarks/Zahlen: Windows Leistungsindex:
CPU: 3,4 / RAM: 4,7 / 2D: 3,7 / 3D: 3,2 / HDD: 5,8

7-Zip: 164 JPG-Fotos (400 MB) ins .zip-Format:
52 Sek.

CPU-Benchmark: Cinebench 11.5: 0.44
PCMark 7: 1.205

Grafikchip:
Grafik-Benchmark FurMark; bei nativer Auflösung: 19 Punkte; 720p: 20

HDD-Benchmark von CrystalDiskMark: Sequentielles Lesen/Schreiben: 79 / 30,9 MB/s;
zufälliges Lesen/Schreiben 512K: 74,3 / 7,8 MB/s
Akku: Herstellerangabe: bis 8,5 Stunden
gemessen: 9 Stunden Surfen YouTube (WLAN), 5 Stunden Videowiedergabe (Full HD, online), 6,5 Stunden gemischter Betrieb, 4 Tage Standby
Kommunikation: WLAN 802.11 b/g/n, Bluetooth 4.0,
als LTE-Modell: LTE/HSPA+
Betriebssystem: Windows 8 32-bit
Abmessungen: 263 x 171 x 9,7 Millimeter;
580 Gramm
Anschlüsse: Mikro-USB 2.0, Mikro-HDMI, Mikrofon/Kopfhörer (3,5 mm Klinke), microSD-Kartenleser
Sonstiges: NFC, Lagesensor, Lichtsensor, 8-Megapixel-Kamera mit LED-Blitz, Autofokus und 1080p-Aufnahme, 2-Megapixel-Webcam
handlich und leicht
farbstarkes IPS-Display
lange Akkulaufzeit
flüssige Performance
auch als Mobilfunkmodell verfügbar
leise
Kartenleser
gute Kamerafunktion
kein USB-Port regulärer Größe
Adapter kosten extra
knarzendes Kunststoff-Gehäuse
Bewertung:
Geschwindigkeit (20%): gut
Ausstattung (20%): gut
Display (20%): gut
Bedienung/Handhabung (15%): befriedigend
Akkulaufzeit (15%): gut
Verarbeitung (10%): gut
Gesamt: gut (2,2)
Preis-Leistung: gut

(Saskia Brintrup)

Mehr aus dem Web

Zum Seitenanfang