Testbericht

Asus MeMO Pad FHD 10 im Test: Scharfes Intel-Tablet zum verlockenden Preis

Ein Full-HD-Tablet für nur 349 Euro? Das bietet Asus mit dem MeMO Pad FHD 10 mit Android 4.2. Gravierende Nachteile gibt es nicht, wie wir im Test festgestellt haben.

Datenaustausch© violetkaipa / Fotolia.com

Auf der Computex im Juni zeigte Asus zwei neue MeMO-Tablets: Das MeMO Pad HD 7 und das MeMO Pad FHD 10. Im Vergleich zu den Vorgängermodellen punkten die neuen Tablet-Rechner mit schärferen Displays. Der Hersteller hat aber noch weitere Eigenschaften verändert. Wir haben das größere MeMO Pad FHD 10 (ME302) getestet - ein preisgünstiges Full-HD-Tablet mit Android 4.2.

Asus Tablet im Test: MeMO Pad FHD 10

  • Seite 1: Optik, Display und Schnittstellen des Asus MeMO Pad FHD 10
  • Seite 2: Hardware, Leistung und Kameras des Asus MeMO Pad FHD 10
  • Seite 3: Lautsprecher, Android & Apps, Fazit und technische Daten zum Asus MeMO Pad FHD 10

Leichtes Kunststoff-Tablet in drei Farben

Mit dem Asus MeMO Pad Smart 10 hat das Unternehmen aus Taiwan in diesem Jahr bereits einen Tablet PC auf Android-Basis im 10-Zoll-Format hervorgebracht. Dessen Bauweise hat sich offenbar bewährt, denn Asus hat beim Generationswechsel auf das MeMO Pad FHD 10 Maße und Gewicht so gut wie nicht angetastet. 256 x 182 x 10 Millimeter und 580 Gramm Gewicht klassifizieren das neue Asus-Tablet als eines der leichtesten 10-Zoll-Exemplare. Dass das Retina-iPad von Apple etwa 70 bis 80 Gramm mehr auf die Waage bringt, darüber ist im direkten Vergleich nicht hinwegzutäuschen.

Die Kehrseite der Medaille ist, dass es sich um ein Plastikgehäuse handelt. Daher fühlt sich das Asus MeMO Pad FHD 10 nicht so stabil und hochwertig an wie ein Tablet mit Aluminium-Rücken. Billig verarbeitet ist es aber nicht, vielmehr ist der Hersteller fein säuberlich vorgegangen und hat weder hässlich ausgefranste Port-Aussparungen noch abweichende Spaltmaße zurückgelassen. Dennoch gibt es besser verarbeitete Kunststoff-Tablets - wie das Toshiba Excite, dessen Gehäuse noch steifer ist. Nicht nur aufgrund des geringen Gewichts liegt das Full-HD-Pad sehr gut in der Hand, auch die genoppte Rückseite ermöglicht rutschfesten Halt. Farblich kann sich der Kunde zwischen einem dunklen Blau, Pink und Weiß entscheiden, wobei die Rückseite jeweils matt und daher pflegeleicht ist.

Der Bildschirm: Knapp am "sehr gut" vorbei

Von der Frontpartie kann man das leider nicht behaupten. Zwar sind spiegelnde Touchscreens an der Tagesordnung, das Full-HD-Display des großen MeMO Pads verschmiert aber doch zu schnell. Sind nach ein, zwei Tagen die ersten Fingerabdrücke und Wischspuren im Weg, empfiehlt sich das Nachputzen, denn es lohnt sich: Mit 1.920 x 1.200 Bildpunkten auf einer Diagonalen von 10,1 Zoll zeigt das Display detailreiche Fotos und scharfe Texte und Symbole an. An der Farbtemperatur kann der Nutzer nach Belieben herumspielen, muss er aber nicht. Im Auslieferungszustand stimmt soweit alles und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Außer: Frisches, helles Weiß darzustellen, schafft das Tablet nicht, es zeigt sich ein leichter Graustich. Da Asus ein IPS-Panel verwendet, sind Blickwinkel von bis zu 178 Grad möglich. So können auch zu zweit Bilder in hoher Auflösung oder HD-Filme betrachtet werden. Im Freien macht das allerdings weniger Spaß, denn dann schränken die Spiegelungen die Sicht ein. Damit es für die Augen nicht zu anstrengend wird, müsste der Touchscreen noch heller sein. In den eigenen vier Wänden gibt es dagegen keine Probleme. Der automatische Helligkeitssensor arbeitet sehr zuverlässig und reagiert unmittelbar auf Veränderungen. Bei Bedarf kann das abgeschaltet werden, schließlich möchte nicht jeder ständig die Anpassungen mitbekommen.

Als WLAN- oder (bald) als LTE-Version verfügbar

Schnittstellen dürfte die Kundschaft kaum vermissen, mit Micro-USB, Micro-HDMI, einer Kopfhörer-/Mikrofonbuchse und einem Kartenleser für microSD-Speicherkarten hat das Unternehmen mit Hauptsitz in Taiwan für verschiedene Anwendungsfälle vorgesorgt. Mit der Standardausführung kann aber nur im heimischen Netzwerk beziehungsweise an WLAN-Hotspots gesurft werden, was für den Einsatz rund ums Haus absolut ausreicht. Mobilen Nutzern steht bald alternativ das Asus MeMO PAD FHD 10 LTE zur Verfügung, das mobiles Internet über die LTE-Frequenzbänder um 800, 1.800 und 2.600 Megahertz unterstützt. Kabellose Lautsprecher oder eine Tastatur lassen sich bei beiden Produktvarianten über Bluetooth 3.0 anschließen.

Neben dem schärferen Display gibt es einen weiteren großen Unterschied zwischen dem älteren Modell Asus MeMO Pad Smart 10 und dem neuen MeMO Pad FHD 10: Nicht mehr Nvidia liefert den Tablet-Chip, sondern Intel. Die Tegra-3-Generation mit Quad-Core-Prozessor hat Asus gegen einen Intel Clover Trail+-Prozessor eingetauscht.

Asus Tablet im Test: MeMO Pad FHD 10

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Intel inside: Flüssige Performance und geräuschlos

Statt vier Kerne liefert der Intel Atom Z2560 zwar nur zwei Stück, diese sind mit 1,6 Gigahertz aber höher getaktet und können bis zu vier Threads verarbeiten. Die Grafikkomponente liefert 400 Megahertz und liegt damit theoretisch nur knapp unter dem Tegra-3-Niveau. RAM und Speicherplatz hat Asus verglichen mit dem Vorgänger auf 2 Gigabyte (GB) und 32 GB verdoppelt. Zusammen mit dem Kartensteckplatz und 5 GB kostenlosem Online-Speicher müsste der Platz also locker ausreichen.

Die Frage ist, ob sich das Intel-Tablet in der Praxis so performant verhält wie Tegra-Androiden. Und in der Tat fühlt sich der Tablet-Atom unter Android um Längen flotter an als Atom-CPUs auf Windows-Netbooks, geräuschlos ist er obendrein. Durch das Menü, Homescreens und Apps kann sich der Nutzer ebenso zügig hin und her hangeln wie auf 4-Kern-Tegra-Tablets, an manchen Stellen sogar noch etwas flüssiger. Mit der aktuellen Chrome-Version ist darüber hinaus ruckelfreies Surfen und Scrollen auch auf langen Seiten möglich, wo es bei der vorherigen Version noch stockte.

Grafikleistung: Nicht ganz so "verspielt" wie Tegra-Tablets

Zur Vorstellung der neuen Atom-Plattform auf dem Mobile World Congress versprach Intel flüssige Full-HD-Videos, was sich im Alltag als zutreffend herausstellt. Dass von Haus aus verschiedene Formate abspielbar sind, ist an dieser Stelle zu begrüßen. Doch auch ein Spielchen lässt sich mit dem MeMO Pad FHD 10 wagen. Im Benchmark 3DMark Score erzielt das neue Asus-Tablet etwa 60 bis 70 Prozent höhere Punktzahlen als Tegra-3-Tablets mit HD-Bildschirm. Allerdings muss der Intel-Chip im Full-HD-Tablet eine viel höhere Pixelmasse bewegen. Und da nackte Ergebnisse nicht der Weisheit letzter Schluss sind, probierten wir einige Spiele aus. Titel wie Dungeon Hunters, Temple Run, Minion Rush oder Angry Birds sehen auf dem Full-HD-Display nicht nur gut aus, sondern waren im Test auch problemlos spielbar. Nur Iron Man 3 für Android, das beispielsweise auf dem mit einem Qualcomm Snapdragon S4 Quad-Core-Prozessor mit Adreno-Grafik bestückten Sony Xperia Tablet Z sowie dem Tegra-3-Modell Toshiba Excite Pure butterweich lief, bereite auf dem MeMO Pad keine Freude. Die Anfangssequenz ruckelt gewaltig und auch das eigentliche Spielgeschehen flimmert mit zu wenigen Frames pro Sekunde über den Bildschirm und wirkt daher hakelig. Zudem fallen die Ladezeiten länger aus als bei einem Tegra-Tablet, wie wir im Vergleich bemerkten.

Der Lagesensor und GPS verrichten ihren Dienst anstandslos. Die Akkulaufzeit: HD-Videos bei YouTube lassen sich 9 Stunden lang abspielen, offline dauert die Videobespaßung sogar 10,5 Stunden an.

Tablet als Kameraersatz? Die 5-Megapixel-Kamera des MeMO Pad FHD 10 überrascht

Die mittig auf der Rückseite platzierte Hauptkamera für Fotos mit einer Auflösung von 5 Megapixel ist kein Überflieger, aber gut genug, um zwischendurch Momente festzuhalten, wenn das Smartphone oder die Digitalkamera gerade nicht in der Nähe ist. Ein Blitz ist nicht verbaut. An der Farbwiedergabe auf den Bildern gibt es nichts auszusetzen und die Videofunktion überzeugt durch eine Aufnahmequalität von bis zu 1080p mit 25 Bildern pro Sekunde. Das Ergebnis überzeugt, schön ist auch, dass während des Filmens bestimmte Bereiche manuell in den Fokus gerückt werden können. Auf der Vorderseite steht eine 1,2-Megapixel-Webcam bereit.

Bei den Lautsprechern zeigt sich ein ähnliches Bild wie beim Vorgänger-Tablet MeMO Pad Smart 10: Auch das FHD 10 lockt mit kräftigen Exemplaren, die ganz schön laut und für Tablet-Verhältnisse ausgewogen klingen. Wer Musik oder Filmsound bis zum Anschlag aufdreht und das Tablet dabei in den Händen hält, spürt die Vibrationen durch das Gehäuse hindurch. Ob die Klangqualität in Richtung Sprache für Podcasts, Spiele, Videos oder Musik optimiert werden soll, lässt sich separat einstellen.

Asus Tablet im Test: MeMO Pad FHD 10

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Floating Apps für echtes Multitasking

Die Oberfläche von Android in der Jelly Bean-Version 4.2.2 hat Asus ein wenig verändert und zum Beispiel eigene Einstellungsoptionen und eine zusätzliche Tastatur hinzugefügt. Von der herkömmlichen Android-Bildschirmtastatur unterscheidet sie sich insbesondere durch eine größere Tastenbeschriftung und eine Zahlreihe, die nicht separat aufgerufen werden muss. Zudem läuft durch kleine Anpassungsmöglichkeiten oder Helferlein hier und da Android einfach runder: Die Home-Taste führt zum Beispiel zu einer verstellbaren Schnellauswahl verschiedener Tools. Immer häufiger auf Tablets anzutreffen ist ein Mehrfenstermodus - auf dem MeMO Pad FHD 10 gestattet dieser sogar mehr als zwei Anwendungen nebeneinander. Im Internet surfen, Vokabeln übersetzen, ein Video abspielen und Chatten ist über den normalerweise kostenpflichtigen Dienst Floating Apps gleichzeitig möglich. Asus hat ihm einen eigenen Button spendiert, der die drei typischen Android Sensor-Buttons ergänzt. Die Standard-Apps von Google wie Mail, Maps, Android- und Chrome werden durch eine Notizfunktion und eine Kindersicherung abgerundet. Hinzu kommen verschiedene Apps von Asus wie To-Do-Listen, ein Zeichenprogramm und ein Tool für interaktive Fotoalben.

Fazit: Das Full-HD-Tablet für Preisbewusste - Zugreifen erlaubt

In der 10-Zoll-Klasse lohnt sich der Griff zu einem Full-HD-Tablet: Jedenfalls dann, wenn sich die Augen zuvor bereits am knackig scharfen Smartphone-Display an die klare Darstellung gewöhnt haben und auf dem Tablet-PC auch viel gelesen werden soll. Das Asus MeMO Pad FHD 10 ist hierzu gut geeignet und bietet fast alle Schnittstellen, die sich in ein so dünnes und leichtes Gehäuse und unter Android unterbringen lassen. Die zum Marktstart noch fehlende Mobilfunkversion wird nachgereicht.

Kritisieren kann man, dass das neue Asus-Tablet nicht das ambitionierteste Spiele-Tablet ist; vieles läuft, aber eben nicht alles. Das Sony Xperia Tablet Z, ebenfalls ein Full-HD-Tablet, kostet mit 32 GB Speicherplatz beispielsweise 200 Euro mehr als das MeMO Pad FHD 10, lockt allerdings mit einem wasserfesten Gehäuse, NFC und Infrarot. Wer darauf verzichten kann und ein günstiges und gleichzeitig gutes Tablet mit Android 4.2 sucht, der landet zurzeit unwillkürlich bei Asus. Samsung verlangt für sein neues Galaxy Tab 3 10.1 immerhin 20 Euro mehr, obwohl es "nur" eine HD-Auflösung liefert.

Weitere Tablet PCs im Test, einen Tablet PC Vergleich und eine Kaufberatung zum Thema Tablet PC liefert unser Hintergrundbereich.

Name: MeMO Pad FHD 10
Hersteller: Asus
Internet: www.asus.com/de
Preis: UVP: 349 Euro

bei Amazon:

349 Euro
Technische Daten
Chipsatz/Prozessor: Intel Atom Z2560 Dual-Core Prozessor
mit 1,6 GHz und SGX544MP2 Grafikchip
(3DMark Score:
Ice Storm: 5.819 / Extreme: 3.405)
Bildschirm: 10,1 Zoll IPS (1.920 x 1.200 Pixel)
Touchscreen, glänzend
Speicher: 2 GB RAM, 32 GB Speicherplatz
Akku: (Li-Polymer-Akku mit 6.760 mAh)
Herstellerangabe: bis 10 Stunden
gemessen: 9 Stunden YouTube (WLAN),
10,5 Stunden HD-Videos (offline)
Kommunikation: Dual-Band WLAN, Bluetooth 3.0
Betriebssystem: Android 4.2.2 (Jelly Bean)
Abmessungen: HxBxT: 256 x 182 x 9,5 Millimeter;
580 Gramm
Anschlüsse: Micro-USB, Micro-HDMI, MicroSD-Kartenleser,
Kopfhörer (3,5 mm Klinke)
Sonstiges: Lagesensor, GPS, 5-Megapixel-Kamera mit Autofokus für Fotos / Videos mit bis zu 1080p und 25 fps, 1,2-Megapixel-Webcam,
5 GB Cloud-Speicher, WiFi Miracast
leichtes Gerät
knackiges Display
flüssige Bedienung
Schnittstellenauswahl, Kartenleser
Kartenleser
LTE-Version folgt
günstig
kein Foto-Blitzlicht
nichts für anspruchsvolle Spieler
Bewertung:
Geschwindigkeit (20%): gut
Ausstattung (20%): gut
Display (20%): gut
Bedienung/Handhabung (15%): gut
Akkulaufzeit (15%): gut
Verarbeitung (10%): gut
Gesamt: gut (2,0)
Preis-Leistung: sehr gut

(Saskia Brintrup)

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