Testbericht

Asus Eee PC 1201PN im Test: 12-Zoll-Mini mit HDMI

Netbooks sind zu klein und zu schwach, Subnotebooks aber zu teuer? Der Eee PC 1201PN für 499 Euro vermischt beide Genres: ein 12,1-Zoll-Display mit HD-Auflösung trifft auf Nvidia Ion 2 mit Grafikkarte. Der Single-Core-Atom hinterlässt aber ein beklemmendes Gefühl.

Netbooks sind zu klein und zu schwach, Subnotebooks aber zu teuer? Der Eee PC 1201PN für 499 Euro vermischt beide Genres: ein 12,1-Zoll-Display mit HD-Auflösung trifft auf Nvidia Ion 2 mit Grafikkarte. Der Single-Core-Atom hinterlässt aber ein beklemmendes Gefühl.

Asus Eee PC 1201PNWer seinen Eee PC 1201PN nicht ständig putzen möchte, wäre mit einer der matten Farbvarianten sicher besser bedient.© Asus

Notebook oder Netbook - was darf es sein? Wer höhere Ansprüche an einen mobilen Computer stellt, sieht bei einem Netbook gleich mehrere Defizite: Das Display ist zu klein, die Auflösung zu niedrig, die Grafikleistung zu schlecht. Der nagelneue und ab August erhältliche Eee PC 1201PN für 499 Euro gibt in diesen Punkten Kontra und teilt ein 12,1-Zoll-Display mit HD-Auflösung und eine Grafikkarte mit HDMI-Port in Form von Nvidias Ion 2 aus. Aus dem Eee PC Netbook wird beim 1201PN daher eher ein Subnotebook – wäre da nicht der Prozessor.

Schlank, aber zu viel Hochglanz

Doch bevor wir uns nach innen vorarbeiten, ist ein Blick auf die äußere Hülle angesagt. Asus bietet seinen neuesten Eee PC in den Farben Blau, Rot, Schwarz und Silber an, die das komplette 296x208x27 bis 33 Millimeter schlanke Gehäuse von innen und außen bedecken. Bei der Form hat sich der Hersteller für das "Seashell"-Design entschieden, das auf der CeBIT im vergangenen Jahr vorgestellt wurde: Zu den Außenkanten hin ist das Gehäuse abgeflacht, was den schlanken Anblick verstärkt. Mit knapp 1,5 Kilogramm ist das kleine Gerät zwar schwerer als ein Netbook, für einen 12-Zöller aber keineswegs übergewichtig. Unser 1201PN Testgerät kommt in der Farbe Schwarz, der Asus im Gegensatz zu den anderen Farbvarianten eine Hochglanzoptik spendiert hat. Das sieht recht schick aus, leider aber nur solange, bis sich die ersten Fingerabdrücke breit machen oder nachgeputzt wird. Insgesamt ist das Design eher zurückhaltend.

Auch nach dem Aufklappen blitzt und blinkt es; lediglich die Chiclet-Tastatur besteht aus Tasten mit matter Oberfläche. Ein separater Nummernblock hat bei einem Subnotebook keinen Platz, die im Vergleich zu einem 10-Zöller zusätzlichen Zentimeter kommen aber der Tastengröße zugute. Tippen kann man auf dem Eee PC 1201PN sehr gut. Das Touchpad versteht auch Mehrfingergesten und ist anhand der Noppenstruktur und der darunterliegenden, silberfarbenen Klicktaste zu erkennen – eine Vertiefung oder optische Kennzeichnung gibt es ansonsten nicht. Die Steuerung klappt zwar einwandfrei, wir konnten uns mit dem Touchpad aber dennoch nicht anfreunden: Die Finger stoßen durch die Noppen auf einen zu hohen Widerstand und durch die glatte Oberfläche fühlt es sich nach einiger Zeit unangenehm an.

Der Lieferumfang besteht nur aus Notebook, Akku, Netzteil und Handbuch; eine Recovery-DVD für das Betriebssystem oder ein Treiber-Backup hat sich Asus – wie viele andere – gespart. Es folgt das typische "Netbook-Problem": Leider ist kein Laufwerk integriert, sodass sich nicht ohne Weiteres eine Sicherungskopie anlegen lässt.

Anschlüsse und Kommunikation

Der Rundgang ums Gehäuse lässt an den Seiten drei USB-Ports, HDMI, einen analogen D-Sub-Ausgang (VGA) für ältere Monitore, Anschlüsse für Mikrofon und Kopfhörer sowie ein Kensington-Schloss und einen Speicherkartenleser erkennen. Für Netzwerkverbindungen liefert der Eee PC 1201PN einen LAN-Anschluss, WLAN nach den Funkstandards 802.11 b/g/n und Bluetooth.

Für die Grafikaufgaben ist, wie bereits anfangs erwähnt, die Nvidia Ion 2 Plattform mit DirectX-10-Unterstützung verantwortlich, dessen Prozessor-Partner der Intel Pine Trail Prozessor N450 mit 1,66 Gigahertz ist. Die Single-Core-CPU ist unserer Redaktion schon in einigen Netbooks begegnet und kaum stärker als ihr Vorgänger N270, der bis dahin fast jedes Netbook antrieb. Der Vorteil liegt im geringeren Stromverbrauch. Immerhin sind 2 anstatt nur 1 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher an Bord, sodass Windows 7 Starter der Home Premium Edition weichen konnte. Auf die Festplatte passen 250 GB.

Nvidia Ion 2: Spiele- und Videoleistung

Laut Nvidia erreicht die zweite Ion-Generation die zehnfache Leistung üblicher Netbook-Grafiklösungen. Anstelle eines Onboardchips wird schließlich eine dedizierte Grafikkarte mit 512 Megabyte DDR3-Grafikspeicher verwendet. In einem Vergleich der nackten Benchmark-Zahlen (Seite 3) mit einer Nvidia GeForce GT 330M (wie im Toshiba Satellite A660-151 Test), erreicht Ion 2 ein Drittel der Leistung. Der Benchmark von Devil May Cry ergab bei 1.024x576 Pixeln und hohen Details beziehungsweise 1.280x720 und niedrigen Einstellung noch flüssiges Spielen. Crysis hingegen überforderte die Grafikkarte deutlich und wurde zum Stop-and-go-Spiel. Den neuen Ion Chip gibt es auch mit Nvidia Optimus, im Eee PC 1201PN ist die Funktion zum Wechseln zwischen Onboardgrafik und Karte aber nicht enthalten.

Dass mit einer Grafikkarte mit einer Leistungsaufnahme von lediglich 18 Watt kein nagelneues 3D-Spiel flüssig über den Bildschirm tanzt, ist klar. Nvidia will mit Ion auch eher die Lücke zwischen schwachen Netbooks und Multimedia-Notebook schließen und weist der neuen Generation daher vor allem die Wiedergabe von High Definition Videos zu. Im Test spielte der Eee PC 1201PN nicht nur 720p-, sondern auch 1080p-Videos flüssig ab. Hier kommt es aber auf den Player an. Der Freeware-Player VLC unterstützt beispielsweise die Hardwarebeschleunigung, versteht sich aber offenbar schlechter mit Ion 2. Im Test gab er bei 1080p-Videos auf. Ausweichen kann der Filmfan auf den Windows Media Player oder das mitgelieferte TotalMedia Theatre 3.

Scharfes Display

Eine 1080p-Wiedergabe lohnt sich nur dann wirklich, wenn das Bild per HDMI-Schnittstelle auf einen Fernseher oder Monitor mit entsprechender Auflösung übertragen wird. Der 12,1-Zoll-Bildschirm des 1201PN kann aber die kleinere HD-Stufe anzeigen, da er 1.366x768 Pixel zu bieten hat. Bezüglich der Schärfe und Helligkeit gibt es nichts auszusetzen. Die Farbtöne im Rotbereich waren für unseren Geschmack minimal zu schwach, über die Nvidia Systemsteuerung kann hier jedoch nach Belieben nachgebessert werden. Woran sich die Geister scheiden werden, ist die spiegelnde Oberfläche. Besser als bei vielen Netbooks fallen aber die Blickwinkel des 1201PN-Displays aus: Auch zu zweit lässt sich ein Video anschauen. Die Lautsprecher liegen im Mittelfeld und sind demnach weder zu blechern noch auffallend gut.

Das Express Gate für den schnellen Internetzugriff hat Asus dem Eee PC 1201PN nicht mit auf den Weg gegeben, bis zum vollständigen Start dauert es mit aktiviertem Boot Booster rund 50 Sekunden. Wie wir es auch schon bei anderen Herstellern gesehen haben, finden sich auf dem Desktop des 12-Zöllers diverse vorinstallierte Tools, die sicher nicht jeder benötigt. Am oberen Rand lukt die Eee Docking Software hervor, die zum Beispiel eine Brücke zum Online-Speicher von 500 GB schlägt und das Wetter oder aktuelle Umrechnungskurse per Spracheingabe ausgibt. Im Test funktionierte die Erkennung aber nicht hundertprozentig. Eee @ Vibe ist die Unterhaltungsplattform von Asus; sie bietet unter anderem Online-Streams von Radiosendern, Songs von Aupeo und Spiele, die nach einem Klick heruntergeladen werden. Spätestens an dieser Stelle wird sich der Nutzer vielleicht eine kurze Information wünschen: Woher stammen die Spiele? Sind sie kostenlos oder ab einer bestimmten Nutzungsdauer kostenpflichtig?

Fazit: Mögliche Alternative zu ULV-Subnotebooks

Der Eee PC 1201PN von Asus liefert eine etwas durchwachsene Leistung ab. Nvidia Ion hat dem 12-Zöller HD-Fähigkeiten antrainiert, die sich durch das - verglichen mit Netbooks große und hochauflösende Display - und den HDMI-Port auch auszahlen. Weniger anspruchsvolle Spielchen sind möglich, einen ausgewiesenen Gaming-Zwerg wie den Alienware m11x mit Nvidia Optimus kann der Eee PC aber nicht ausstechen. Was bleibt, ist eine Kompromisslösung. So ergeht es dem schlanken Schlitten auch bezüglich des Prozessors. Die 2 GB RAM lassen das Hantieren mit mehreren Programmen zwar etwas flüssiger werden, ein Dual-Core-Prozessor hätte dem Gesamtbild aber besser gestanden.

Mit seinem Akku verdient sich der Eee PC 1201PN nur wenige Punkte dazu. Asus beziffert die längste Laufzeit auf 6 Stunden. Dieser Wert ist auch bei permanent eingeschaltetem Display realistisch. Unter Vollast sind immerhin knapp 3,5 Stunden möglich. Für ein Multimedia-Notebook wären die Werte gut, im Vergleich mit seinen Netbook-Kollegen muss der Eee PC 1201PN aber Federn lassen. Unter Vollast laufen viele N450-Nutzer 5 Stunden und auch beim Stromverbrauch schneidet der Ion-Eee natürlich schlechter ab. Beides würde sich durch den zuvor angesprochenen Dual-Core-Prozessor weiter "verschlimmern". Lohnt es sich nun, zum rund 100 Euro teureren Eee PC 1201PN anstatt zum Netbook zu greifen? Das kommt ganz auf die gewünschte Grafikleistung an. Eine grafikschwächere Alternative könnte ein Subnotebook mit Intel Ultra Low Voltage Prozessor sein - wie zum Beispiel ein Toshiba Satellite T110 (Test) oder ein Acer Aspire Timeline. Die Geräte von Acer gibt es auch mit Dual-Core-CPU und Touchscreen.

Weitere Testberichte, Netbooks im Vergleich, einen Ratgeber zur Frage Notebook oder Netbook und weitere Tipps sowie Hinweise zum Notebook-Kauf liefert unser Hintergrundbereich.

(Saskia Brintrup)

Zum Seitenanfang