Testbericht

Archos 28 im Test: Android-Tablet für 99 Euro

Ein Update auf Android 2.2, Touchscreen, WLAN, 800-Megahertz-Prozessor, Apps und einen G-Sensor für Spiele – das alles bietet das Archos 28 internet tablet für unter 100 Euro. Gibt es einen Haken? Wir haben das Mini-Tablet getestet (mit Video).

Laptop© Micha Bednarek / Fotolia.com

Als Archos zur IFA fünf Tablets mit Android 2.2 ankündigte, stachen insbesondere das Größte, das Archos 101, und das Günstigste, das Archos 28, ins Auge. Das Archos 28 internet tablet bildet als kleinstes Seriengerät den Einstieg in die Tablet-Reihe. Das Smartphone LG Optimus One (Test) ist mit einem Preis von unter 250 Euro für ein Android-2.2-Gerät schon günstig, das Archos 28 scheint für 99,99 Euro aber ein wahrer Preisbrecher zu sein. An irgendeiner Stelle muss sich der niedrige Preis bemerkbar machen. Wir wollten wissen, wo, und haben das 800-Megahertz-Tablet ausprobiert.

Ultraleichter Mediaplayer

Nach dem Öffnen des Pappkartons strahlt dem Nutzer ein 100x54x9 Millimeter kleines Gerät entgegen. Während die großen Tablets wie Apple iPad (Test), Dell Streak (Test) und Samsung Galaxy Tab (Test) fast ausschließlich aus ihren Displays bestehen, lehnt sich das Archos 28 an den Handy- oder Mediaplayer-Look an: Unter dem 2,8-Zoll-Display gönnen sich die Sensortasten recht viel Platz. Sie führen zum Start-Bildschirm, zur Suchfunktion, rufen das Optionsmenü auf oder springen einen Schritt zurück. Wer bereits ein Android-Gerät genutzt hat, dürfte damit vertraut sein. Mit Ausnahme des Ein-/Ausschalters weist das Archos 28 keine physischen Tasten auf.


In die Hand genommen, hat der Besitzer das Gefühl, es fehle noch der Akku. Das Mini-Tablet wiegt nämlich nur 68 Gramm. Um das Gewicht besser einordnen zu können: Der ultraschlanke Sony Walkman A845 (Test) ist lediglich 6,0 Gramm leichter und ein Smartphone fast doppelt so schwer. Dass das Archos 28 internet tablet ein enormes Fliegengewicht ist, steht also außer Frage. Dermaßen leichtes technisches Gerät kann sich häufig nicht davor schützen, auf den ersten Blick einen billigen Eindruck zu vermitteln. Schaut man sich das Archos 28 genauer an, fallen zwar keine Schwachstellen am grau-schwarzen Gehäuse auf, besonders widerstandsfähig wirkt es aber dennoch nicht. Der glänzende, resistive Touchscreen mit 320x240 Pixeln und 262.000 Farben erweckt den Anschein, als müsse noch eine Schutzfolie abgezogen werden.

Wenig Zubehör, Handbuch nur online

Um unter die 100-Euro-Marke zu kommen, muss Archos an so mancher Stelle sparen, wie am Lieferumfang: Ein USB-Kabel zum Übertragen von Daten per Drag&Drop auf den vier oder acht Gigabyte großen Flashspeicher und zum Aufladen des Akkus über einen PC, Kopfhörer und Sicherheitshinweise. Keine Kurzanleitung und kein Handbuch – den Leitfaden gibt es nur in digitaler Form und auch nur mit Internetzugang. Im Hauptmenü des Archos 28 findet sich zwar ein Symbol für das Handbuch, dort sammelt der Hersteller aber nur die entsprechenden Links zur Website.

Zu den wichtigsten technischen Daten zählen WLAN, ein ARM Cortex A8 Prozessor mit 800 Megahertz (MHz), ein 3D-Grafikchip sowie ein G-Sensor zum Drehen der Anzeige. Wie uns auch schon bei anderen Testgeräten aufgefallen ist, ist ein solches Feature immer ganz nett, an den flüssigen Wechsel eines iPhone oder iPad reichen die Lösungen aber oftmals nicht heran. Das Archos 28 internet tablet bildet da keine Ausnahme. Der Sensor dient auch zur Steuerung in Spielen, ein Autorennen ist mit dabei. Für den Zeitvertreib zwischendurch ist das optimal und der G-Sensor leistet gute Arbeit. Allerdings sind die Blickwinkel des Bildschirms recht klein, sodass sich beim Drehen die Anzeige verschlechtert.

Schriften pixelig, Videos gut

Kritik muss das Display auch bezüglich der Darstellungsqualität einstecken. Von einem 100-Euro-Gerät mit einem so gut gefüllten Feature-Säckchen darf zwar niemand den gestochen scharfen Look eines IPS-Panels erwarten. Dennoch muss der Bildschirm bei der Textdarstellung als grobkörnig verbucht werden. Das LG Optimus One für rund 250 Euro schnitt mit 320x480 Bildpunkten auf 3,2 Zoll besser ab. Wer Fotos oder Videos ansehen möchte, kann aber aufatmen. Dann fällt die gröbere Auflösung deutlich weniger auf.

Display: Bedienung am besten per Stift

Beim ersten Navigieren durch das Menü erweist sich die Steuerung als etwas hakelig. Erwischt der Finger nicht die optimale Position, tippt er zu schwach oder ist der Nutzer zu schnell am Werk, zeigt sich der Touchscreen zickig. Er reagiert am zuverlässigsten auf durchdachte, zielgenaue Klicks mit dem Finger oder – noch besser – mit einem Stift. Dann fällt es viel leichter, das Gewünschte zu treffen. Allerdings liegt kein Bedienstift bei. Beim Surfen vermisst der eine oder andere Nutzer sicherlich recht schnell Multitouch: Um Inhalte zu vergrößern muss zwangsläufig ein Doppelklick oder die Lupe ausreichen. Eine Teilschuld an der nicht ganz butterweichen Bedienung trägt auch das kleine Display, das Symbole und Buttons zu klein darstellt. Für eine flüssige Texteingabe braucht es daher ebenfalls etwas Übung. Getippt wird hochkant oder quer über die Android-Tastatur mit QWERTZ-Anordnung. Hochkant gehalten, sind die Buchstaben entsprechend schwieriger zu treffen. Auch die Sensortasten wollen am liebsten zielstrebig und genau bedient werden. Wer das Gerät häufig leiser oder lauter stellt, wird sich schnell echte, drückbare Tasten mit Feedback wünschen.

Dass das Archos 28 einen 800-MHz-Prozessor einspannt, der immerhin mehr Rechenpower als ein Durchschnitts-PC von vor zwölf Jahren leisten müsste, merkt man im Betrieb nicht immer. Die Navigation durch verschiedene Anwendungen ist insgesamt schnell, trotzdem geriet sie im Test hier und da ins Stocken. An dieser Stelle bietet sich erneut ein Vergleich mit dem LG Optimus One an, da es mit der gleichen Android-Version läuft. Obwohl das Smartphone lediglich 600 MHz unter der Haube hat, verläuft die Navigation minimal schneller.

Das Archos 28 ermöglicht dank Android Apps und Widgets auf fünf verschiedenen Bildschirmen zu verteilen. So kann sich zum Beispiel ein Desktop sozialen Netzwerken widmen und ein anderer Musik und Videos. Am oberen Rand offenbart sich eine Statusleiste, die den WLAN-Empfang die Uhrzeit und Akku-Infos anzeigt. Besonders praktisch: Der Akkufüllstand gibt direkt die verbleibenden Prozente an. Ausklappen lässt sich die Leiste im Gegensatz zu so manchem Android-Handy nicht, daher gibt es auch keinen Direktzugriff auf die Funktionen.

App-Quelle: AppsLib statt Android Market

An Apps hat Archos, neben dem Autorennspiel, die Twitter-Anwendung Touiteur, den Messenger eBuddy, eine Sprachaufzeichnung und den Musik-Streaming-Dienst Deezer installiert. Hinzu kommen ein Browser, eine Bildergaleriefunktion, ein Musik- und ein Videoplayer sowie die Google Suche und Google Mail. Für weitere Apps gibt es den AppsLib-Store – der Zugang zum Android Market ist nämlich versperrt. Daher bleiben auch Google Maps und Google Talk draußen. Die Auswahl an Applikationen ist in der AppsLib verständlicherweise geringer als im Android Markt, dennoch lassen sich viele interessante Programme finden. Auch Documents to go zur Anzeige von Office-Dokumenten ist dabei. Anders als beim Android Shop, kann ohne Account und auch am PC durch die kostenlosen und kostenpflichtigen Apps geblättert werden. Bewertungen von Nutzern finden sich ebenso wie im großen Market. In unserem Test klappten Downloads und Installationen zügig. Zufällig fiel uns aber eine falsche Verknüpfung auf: Anstelle des Flashkarten-Programms AnkiDroid wanderte Audible auf das Tablet.

Mit Android 2.2 und dem Cortex A8 Prozessor wären theoretisch auch die Voraussetzungen für Flash-Unterstützung gegeben, im Applikations-Shop ist aber kein Flash-Update zu finden. Update/Korrektur: Der Schuldige ist die Android-Version: Statt, wie versprochen, Android 2.2 aufzusetzen, läuft das Archos 28 nämlich noch mit der älteren Android 2.1 Version. Innerhalb den kommenden Wochen soll ein automatisches Update auf Android 2.2 erfolgen und dann auch den Flash-Support nachliefern. Zum Testzeitpunkt wurden Flash-Inhalte auf Websites noch nicht angezeigt, weshalb auch YouTube nicht nutzbar war. In AppsLib entdeckten wir zwar eine YouTube-App, sie stürzte aber immer ab, sobald ein Video gestartet wurde. Positiv muss angemerkt werden, dass das Archos 28 Multitasking-fähig ist. Wer vom Browser zur Musikwiedergabe wechselt und später zurückkehrt, findet die zuletzt geöffneten Fenster unverändert vor. Der WLAN-Empfang ist allerdings nicht so stabil wie bei anderen Geräten, die wir zum Vergleich herangezogen hatten.

Breite Formatunterstützung

Als Mediaplayer macht sich das Archos 28 internet tablet gut. Zu den unterstützten Videoformaten zählen AVI, MP4, MOV, 3GP, MPG, PS, TS, VOB, MKV, FLV, RM, RMVB, ASF und WMV, insofern die Codecs MPEG-4, MPEG-2, H.264, WMV/VC1 oder M-JPEG zugrunde liegen. Fotos müssen als JPG, BMB, PNG oder GIF gespeichert werden. Die Android-Musikfunktion hat Archos um typische MP3-Player-Elemente – wie einen Equalizer, einen Bass-Verstärker und einen simulierten 3D-Sound – erweitert und außerdem optisch angepasst. So gibt es eine Cover-Anzeige, falls die Titel mit entsprechenden Informationen auf dem Speicher abgelegt wurden. Abgespielt werden MP3, WMA, WAV, AAC, Flac und Ogg Vorbis. Der Sound über die beiliegenden Ohrhörer, die ganz bequem sind, ist nicht gerade herausragend. Titel klingen bassarm und insbesondere bei hoher Lautstärke unklar. Zudem dürfte die maximal einstellbare Lautstärke vielen Nutzern insgesamt zu niedrig sein. Tauscht man die Ohrhörer gegen ein hochwertiges Paar aus, haben sich beide Probleme auf einmal erledigt: Die Lautstärke ist deutlich höher und der Klang viel klarer, voller und ausgewogener. Einen Lautsprecher hat das Archos 28 nicht erhalten.

Ob nun Handy, MP3-Player oder Netbook – die Akkulaufzeit ist immer interessant. Archos gibt sie für das kleine Tablet mit 16 Stunden für Musik, 4 Stunden Videos und bis zu 6 Stunden beim Surfen an. Unser Test konnte nur die Angaben zur Musiklaufzeit bestätigen, bei Videos kamen wir auf rund 3 und beim Browsing auf 2,5 Stunden. Da schaffen andere Geräte das Doppelte. Dem Archos 28 internet tablet kommt aber zugute, dass es ruckzuck wieder aufgeladen ist. Nach einer guten Stunde hat sich der schwindende Energiespeicher regeneriert. Unterwegs nützt das natürlich wenig.

Fazit: Wer sparen will, muss Geduld haben

Während die Grenzen zwischen Smartphone, Computer, Tablet und Mediaplayer immer mehr verwischen, wird es schwierig, Geräte wie das Archos 28 internet tablet in ein bestimmtes Schema zu pressen. Da es weder eine Telefoniefunktion noch UMTS-Unterstützung für mobiles Internet bietet, passt es am ehesten in die Mediaplayer-Kategorie. Mit den kompakten Maßen, der breiten Formatunterstützung, dem unproblematischen Übertragen von Dateien und dem guten Sound (gute Ohrhörer vorausgesetzt) kann das Archos 28 in diesem Bereich punkten. In der Theorie wird die Nutzung des Gerätes durch das Android-Betriebssystem, den Touchscreen und WLAN außerdem deutlich aufgewertet und erweitert.

In der Praxis kratzt aber die Handhabung am Image. Die Bedienung des Archos 28 ist ohne zusätzlichen Stift einfach mühselig. Zwar funktioniert es insgesamt nach etwas Übung zufriedenstellend, großen Spaß macht die Fingersteuerung aber trotzdem nicht. Im Zusammenhang mit Android ist es auch schade, dass das Potenzial des Android Markets nicht ausgeschöpft werden kann. Archos gibt sich mit seinem eigenen Store aber alle Mühe.

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass das Archos 28 interessant für Sparsame sein könnte, die sich davor scheuen, mehr als 200 Euro für einen iPod touch auszugeben oder generell Android vorziehen. Bei Apple gibt es für den Mehrpreis allerdings ein Retina Display, Videotelefonie, eine Kamera mit HD-Aufnahme und einen stärkeren Akku.

Pro & Contra:
schlank und leicht
sehr günstig
große Formatunterstützung
gute Grafik
Funktionsumfang mit Apps erweiterbar
Multitasking möglich
G-Sensor
Dateitransfer via Drag&Drop
hakeliger Touchscreen
pixelige Textdarstellung
läuft noch nicht mit Android 2.2
kein Zugang zum Android Market
Klang der beiliegenden Kopfhörer
Speicher nicht erweiterbar
schwacher WLAN-Empfang
Bewertung:
Klang (25%): gut
Display/Bildqualität (20%): befriedigend
Laufzeit (15%): ausreichend
Funktionsumfang (10%): sehr gut
Bedienung (15%): ausreichend
Formatunterstützung (10%): sehr gut
Gewicht/Maße(5%): gut
Gesamtnote: befriedigend (2,6)
Preis-Leistung: gut

(Saskia Brintrup)

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