Testbericht

Apple TV im Test: iTunes im Wohnzimmer

Apples kleine Blackbox verspricht entspannten iTunes-Genuss im Wohnzimmer, iPad-Besitzer sollen ebenfalls vom Apple TV profitieren. Wir haben die dritte Generation getestet.

Apple© Apple

Die dritte Generation des Apple TV steht in den Regalen und bietet auf den ersten Blick erstmal wenig Neues. Die inneren Werte hat Apple aber mit verbesserter Hardware aufgerüstet, die nun die Wiedergabe von 1.080p-Videos ermöglichen soll. Unsere Redaktion hat das kleine schwarze Kästchen zwei Wochen im Alltag getestet und verrät, ob sich ein Kauf lohnt.

Aussehen und Ausstattung

Mit seinem schwarz-glänzenden Äußeren sowie den kompakten Maßen präsentiert sich das Apple TV nach dem Auspacken als eines der eleganteren Wohnzimmer-Gadgets. Mit gerade einmal 2,3 Zentimetern Höhe sowie 9,8 Zentimetern in der Breite und Tiefe nimmt das Gerät angenehm wenig Platz ein.

Zum Anschluss an den Fernseher bietet das Apple TV einen HDMI-Ausgang. Wer über eine Hifi-Anlage mit SPDIF-Eingang verfügt, kann diese ebenfalls mit dem Apple TV verbinden - schließlich bietet iTunes viele Filme mit Dolby Digital 5.1 an. Analoge Audio-Ausgänge sucht man vergebens. Der vorhandene Mini-USB-Port erweckt den Eindruck, auch USB-Datenträger als Film- oder Musik-Quelle nutzen zu können. Laut Apple dient der Anschluss aber lediglich dem Service und Support. Als Antrieb verwendet das Gerät Apples CPU A5 in in der Single-Core-Ausführung. Den Arbeitsspeicher hat Apple im Vergleich zum Vorgänger von 256 Megabyte (MB) auf 512 MB verdoppelt. Zum Steuern der Funktion liegt dem Apple TV eine Infrarot-Fernbedienung bei.

Einrichtung

Die Einrichtung des Apple TV gestaltet sich für bereits aktive iTunes-Nutzer kurz und schmerzlos: Die Internetverbindung stellt das Apple TV wahlweise per WLAN 802.11a/b/g/n oder LAN her, danach folgt die Eingabe der AppleID samt Passwort, das war es. iTunes-Abstinenzler sollten sich zuvor natürlich die Software installieren und sich bei iTunes registrieren.

Der Startbildschirm zeigt das Hauptmenü mit den Punkten Filme, Musik, Computer und Einstellungen. Dazu gesellen sich zehn weitere Anwendungen, wie man sie bereits teilweise von Smart-TVs kennt. Mit von der Partie sind YouTube, vimeo, Photostream und Flickr.

Bedienoberfläche

Das Angebot der Major Baseball League (MBL.TV) dürfte in Deutschland auf weniger Begeisterung stoßen. Die USA-lastige Ausrichtung wird auch beim Punkt Radio deutlich, der offenbar ausnahmslos amerikanische Internet-Radio-Sender bietet. Eine Suchfunktion oder gar ein manuelles Zufügen von Internetstreams ist nicht möglich. Ebenso gewährt Apple den Direktzugriff auf das englischsprachige WSJ Live und zahlreiche Film-Trailer. Die Installation von Apps, wie man es vom iPad und iPhone kennt, erlaubt Apple derzeit nicht.

Filme in 1.080p

Der Punkt Filme bietet die Möglichkeit Filme und Serien aus dem iTunes-Angebot zu wählen. Aufgrund des begrenzten Speichers des Apple TV lassen sich diese nicht kaufen, sondern nur leihen. Danach können sie getreu den iTunes-Regeln innerhalb der nächsten 30 Tage einmalig aktiviert und danach 48 Stunden lang abgerufen werden, sind dabei aber an das Apple TV gebunden. Geliehene Filme später auf dem iPad oder Rechner weiterzuschauen, ist also nicht möglich. Für unseren Test wählten wir einen Film im 1.080p-Format, schließlich ist dies die am meisten beworbene Neuerung gegenüber der zweiten Generation. Derzeit ist die Anzahl an 1.080p-Filmen und Serien aber noch begrenzt auf Neuerscheinungen. Trotz der großen Datenmenge zeigten sich zügig die ersten Szenen, die Bildqualität war zu jeder Zeit tadellos, Kompressionsrartefakte oder Ruckler zu keiner Zeit zu erkennen – eine entsprechend fixe Netzwerkverbindung vorausgesetzt; mehr dazu auf der nächsten Seite.

Einmal verweigerte das Apple TV hartnäckig die Wiedergabe des geliehenen Films mit dem Verweis auf eine fehlgeschlagene Identifizierung. Erst durch einen Neustart samt manuell eingeleiteter Suche nach geliehenen Inhalten konnte das Problem behoben werden.

Inhalte vom iPad streamen

Apropos iPad: Per AirPlay können Videos und Fotos auch direkt an das Apple TV geschickt werden. Diese Möglichkeit wird mittlerweile auch von vielen Anwendungen genutzt. In unserem Test klappte das Weiterleiten von Videos mit den Apps "VLC Streamer" und "Air Playit" reibungslos. Auch die derzeitige Grafikreferenz "Infinity Blade 2" macht davon Gebrauch, allerdings zeigen sich aufgrund der unterschiedlichen Seitenverhältnisse schwarze Balken. Ebenfalls von uns getestet wurden "MetalStorm: Wingman" und "Ducati Challenge HD". Ersteres hat im AirPlay-Betrieb Darstellungsfehler auf dem iPad, offenbar kommen nicht alle Anwendungen im Zusammenspiel mit AirPlay und der erhöhten iPad-Auflösung klar. Bei "Ducati Challenge" hingegen zeigten sich keine Probleme.

Hinter dem letzten Punkt Einstellungen verbergen sich die typischen Hebel für die Dinge wie Netzwerkeinstellungen, Bildschirmschoner oder Kindersicherung.

Mehr Flexibilität beim Medienkonsum bietet die Option Computer, über die direkt auf eine vorhandene iTunes-Bibliothek zugegriffen werden kann. Um eigene Videos zur Bibliothek hinzufügen zu können, müssen diese im iTunes-tauglichen Format vorliegen. Zum Konvertieren bietet sich beispielsweise das kostenlose Programm "Handbrake" an. Auch Musik und Fotos können über das Apple TV ausgegeben werden.

Flottes Netzwerk

Für alle Szenarien ist gerade bei der Wiedergabe von HD-Material die Geschwindigkeit der Netzwerkverbindung ausschlaggebend. Eine WLAN-Verbindung nach 802.11g mit mittelprächtiger Verbindungsqualität reicht für die flüssige Wiedergabe von SD-Video-Inhalten. Filme und Serien in 720p lassen sich mit kleineren Wartezeiten ebenfalls noch anständig konsumieren. Für 1.080p-Inhalte empfehlen wir aber dringend eine qualitativ hochwertige WLAN-Verbindung nach dem 802.11n-Standard oder den guten alten LAN-Anschluss.

Stromverbrauch und Lautstärke

Im Betrieb verbraucht das Apple TV gerade einmal 2,2 Watt, unabhängig davon ob ein Film wiedergegeben wird oder nicht. Im Ruhezustand sinkt der Verbrauch auf 0,9 Watt. Einen physischer Ausschalter, der die Stromversorgung gänzlich kappt, fehlt. Den Dienst verrichtet das Apple TV komplett lautlos, lediglich eine unauffällige LED weist auf den aktiven Betrieb hin.

Fazit

Wie so oft bei Apple-Produkten hängt der Nutzen des Apple TV von der Bereitschaft ab, sich in das iTunes-Universum mit allen Vor- und Nachteilen einzugliedern. Als geschlossenes System kann das Gerät überzeugen. Die Bedienoberfläche ist übersichtlich, die Verarbeitung ist ausgezeichnet und auch das unauffällige Design weiß zu gefallen. iTunes- und iPad-Nutzer können also bedenkenlos zuschlagen, zumal der Preis mit 109 Euro für Apple-Verhältnisse sehr moderat ausfällt.

Name: Apple TV (dritte Generation)
Hersteller: Apple
Internet: www.apple.com/de/appletv/
Preis: 109 Euro (UVP)
Technische Daten:
Abmessungen: 98 x 98 x 23 mm
Gewicht: 0,27 kg
Kompatibilität: Kompatibel mit High-Definition Fernsehgeräten mit HDMI und 1.080p bzw. 720p
Anschlussart: HDMI, optischer Audioanschluss
Schnittstellen: WLAN 802.11 a/b/g/n, 10/100-LAN
Lieferumfang: Netzkabel, Fernbedienung, Handbuch,
Pro & Contra:
einfache Handhabung
geringer Stromverbrauch
lautloser Betrieb
schickes Design
kein physischer Aus-Schalter
Bewertung:
Bedienung (40%): gut
Ausstattung (40%): befriedigend
Verarbeitung (20%): gut
Gesamtnote gut (2,4)
Preis-Leistung: gut

(Marcel Petritz)

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