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iPhone 5s im Test: Teures Alu-Glanzstück

Das iPhone 5s überzeugt nicht nur durch eine tolle Haptik, sondern auch mit einer verbesserten Kamera und längeren Akku-Laufzeiten. Es gibt aber nach wie vor auch Kritikpunkte.

Apple iPhone 5S© Apple

Es war klar, dass Apple auch im Jahr 2013 mit einem neuen Top-Smartphone an den Start gehen wird. Das iPhone 5s ist es am Ende geworden und wieder einmal ist es dem Apfelkonzern aufgrund der weltweit riesigen Anzahl an Fans gelungen, binnen kürzester Zeit Millionen Exemplare seines neuen Flaggschiffs zu verkaufen. Wir haben es uns aus nächster Nähe angesehen.

Hochwertige Hülle

Unmittelbar nach der Präsentation des iPhone 5s war vielerorts die Enttäuschung recht groß. Denn die Neuauflage wurde designtechnisch kaum verändert. Tatsächlich? Nun, einerseits ist das richtig, denn es kommt nach wie vor ein 124 x 59 x 8 Millimeter flaches Gehäuse aus Aluminium mit aufwendig abgeschliffenen Kanten zum Einsatz.

Andererseits hat sich Apple aber auch dazu entschieden, auf neue Farben zu setzen. Statt einem fast schon langweiligen Weiß und Schwarz kommt das Gehäuse nun wahlweise in Grau, Silber oder einem Goldton daher. Das strahlt zumindest nach außen Eleganz aus. Und: Unbestritten fühlt sie das kühle Aluminium-Gehäuse auch richtig hochwertig an. Ohne Schutz-Case ist es aber auch ziemlich anfällig für Kratzer.

Den Trend zu immer größer werdenden Displays geht Apple beim 112 Gramm leichten iPhone 5s (noch) nicht mit. Nur 4,0 Zoll misst das Retina-Display – bei einer für heutige Verhältnisse eher unterdurchschnittlichen Auflösung von 1.136 x 640 Pixeln und 326 ppi. Gleichzeitig muss man aber auch feststellen, dass der Bildschirm alle Farben nicht nur knackig darstellt, sondern auch sehr präzise reagiert. Die virtuellen QWERTZ-Tastaturen erlauben sowohl im Hoch- als auch im Querformat ein schnelles Tippen von Texten und auch die Worterkennung funktioniert zuverlässiger als bei so manchem Android-Smartphone.

Neu: Fingerabdrucksensor unter dem Home-Button

Neuerungen hat sich Apple für das iPhone 5s natürlich trotzdem einfallen lassen. Bekanntester Neuzugang ist ein Fingerabdruck-Sensor unter dem Home-Button - die so genannte Touch ID. Bis zu fünf Fingerabdrücke können in den Einstellungen des Telefons abgespeichert werden, um per Fingerscan zum Beispiel Einkäufe im iTunes Store ohne Eingabe eines Passworts abwickeln zu können. Ungemein praktisch ist es auch, den Lockscreen durch ein einfaches Auflegen des Daumens entsperren zu können.

Vor allem für Geschäftskunden wichtig: das neue iPhone funkt nun in mehr LTE-Netzen. Während sich das iPhone 5 nur im LTE-Netz der Telekom nutzen ließ, unterstützt das iPhone 5s auch die von Vodafone und o2 verwendeten Frequenzen. Schnelle Internet-Downloads mit bis zu 100 Megabit pro Sekunde sind aber freilich nur dann möglich, wenn der verwendete Mobilfunkvertrag auch für eine LTE-Nutzung freigeschaltet ist. In der Regel ist das aber mit recht hohen monatlichen Grundgebühren verbunden und lohnt sich für Privatkunden eher nicht.

Ergänzend zur integrierten Mobilfunk-Technologie verfügt das iPhone 5s auch über eine WLAN-Schnittstelle, die sowohl das 2,4- als auch das 5-Gigahertz-Spektrum abdeckt. Außerdem an Bord: Bluetooth 4.0 und ein so genannter Lightning-Anschluss, der mit einem USB-Anschluss eines Rechners verbunden werden kann. Allerdings fehlt leider weiterhin ein integrierter NFC-Chip.

Neue Kamera integriert

Verbessert wurde derweil die integrierte 8-Megapixel-Kamera. Die Öffnung der Blende wurde vergrößert, was vor allem dann wichtig ist, wenn Bilder bei Dämmerung oder Dunkelheit aufgenommen werden. Apple selbst spricht von einer um ein Drittel höheren Lichtempfindlichkeit im Vergleich mit dem iPhone 5. Auch der Blitz wurde weiterentwickelt. Ihm wurde der Name "True Tone" spendiert - er soll dafür sorgen, dass Farben natürlicher erscheinen. Dafür werden nacheinander ein weißer und ein bernsteinfarbener Blitz ausgelöst. Über spezielle Algorithmen analysiert die Kamera die Umgebung und aktiviert beide Blitze mit verschiedener Intensität aus über 1.000 Kombinationsmöglichkeiten. Praktisch: Die integrierte Serienbildfunktion erlaubt es, zehn Bilder pro Sekunde aufzunehmen.

Qualitativ lassen sich dabei im Vergleich zum iPhone 5 oder auch dem iPhone 5c durchaus Unterschiede erkennen. Im Alltag fallen sie aber nicht wirklich ins Gewicht. Tatsächlich gelingt es dem iPhone 5s besser, die Farbtreue zu halten. Der Blitz ist zudem beim Ausleuchten dunkler Bereiche etwas wirkungsvoller. Weil die Differenz zu Vorgänger- und Schwestermodell in vielen Fällen aber eher marginal ausfällt, ist die Kamera allein kein Grund, sich das iPhone 5s zu kaufen.

Exklusiv: Videos in Zeitlupe drehen

Eine nette Spielerei hat sich Apple für all diejenigen einfallen lassen, die gerne mit ihrem Smartphone Videos aufnehmen. Denn das neue iPhone unterstützt nicht nur Aufnahmen in Full-HD-Qualität (1.080p), sondern bringt auch ein Zeitlupen-Feature mit. Die so genannte "Slo-Mo"-Funktion steht momentan exklusiv auf dem iPhone 5s zur Verfügung und macht vor allem bei Videos mit schnellen Bewegungen Sinn. Außerdem ist es möglich, während des Filmens parallel Fotos zu schießen.

Weil Apples neues Top-Smartphone auf Basis von iOS 7 ausgeliefert wird, kommt auch eine neue Kamera-Applikation zum Einsatz. Sie steht nach Aktivierung innerhalb weniger Augenblicke zur Verfügung und bietet insgesamt fünf verschiedene Modi. Neben den bereits angesprochenen Foto-, Video- und Slo-Motion-Funktionen ist es möglich, quadratische Fotos aufzunehmen und eine Panorama-Option zu nutzen. Außerdem können abhängig vom verwendeten Modus auch Fotofilter zugeschaltet werden, durch die die dargestellten Farben auf den Aufnahmen verändern. Das kennt man zum Beispiel von Instagram.

Ebenfalls eine Verbesserung auf Basis von iOS 7: Aufgenommene Fotos und Videos werden nun übersichtlicher dargestellt. Die Aufnahmen werden im Vergleich zu iOS 6 nicht mehr lieblos untereinander aufgelistet, sondern auf Wunsch auch nach Datum und Aufnahmeort sortiert. Das sorgt für deutlich mehr Übersicht.

Anders als beim iPhone 5c, das letztlich auf der etwas in die Jahre gekommenen Hardware des iPhone 5 in neuer Plastikhülle basiert, hat Apple beim iPhone 5s auch etwas in Sachen Performance getan. Zwar sind die beiden integrierten Prozessorkerne des so genannten A7-Prozessors nur mit 1,3 Gigahertz getaktet und es steht auch nur 1 Gigabyte Arbeitsspeicher zur Verfügung, insgesamt hat Apple alle Arbeitsprozesse aber sehr ordentlich aufeinander abgestimmt. Einem ruckelfreien Nutzungserlebnis steht damit nichts im Wege.

A7- und M7-Prozessor

Zu beachten ist, dass die CPU erstmals nicht nur die etablierte 32-Bit-Architektur unterstützt, sondern auch 64 Bit. Um die Leistungsfähigkeit voll entfalten zu können, müssen Apps aber entsprechend programmiert sein. Und das ist, Stand heute, nur in sehr wenigen Fällen auch schon umgesetzt worden.

Neu ist darüber hinaus, dass dem Hauptprozessor mit dem so genannten M7 ein Co-Prozessor zur Seite gestellt wurde. Er soll vor allem dafür sorgen, dass die in das Gerät integrierten Bewegungssensoren unabhängig und damit stromsparender betrieben werden können. Die von verschiedenen US-Medien festgestellten Störungen der Bewegungssensoren konnten wir im Rahmen unseres Tests dabei übrigens ebenfalls feststellen.

Drei Speichergrößen stehen zur Wahl

Angeboten wird das iPhone 5s in drei Varianten – mit 16, 32 und 64 Gigabyte Flash-Speicher. Eine Erweiterung per Micro-SD-Karte ist nicht möglich. Sicherlich wäre es für Apple ein Kinderspiel, das Unibody-Gehäuse mit einem Schacht für eine solche Speicherkarte auszustatten, es gehört aber nicht zur Politik des Konzerns ein solches Feature anzubieten. Stattdessen wurde an der rechten Seite nur ein kleiner Slot integriert, in den die SIM-Karte im aktuell kleinsten Nano-Format eingeschoben werden kann.

Mit der Einführung von iOS 7 hat Apple natürlich auch softwareseitig einiges neu gestaltet. Wird mit dem Finger auf dem Bildschirm vom oberen Display-Rand nach unten gestrichen, erscheint eine Mitteilungszentrale, die nicht nur über alle anstehenden Termine informiert, sondern auch verpasste Anrufe und Nachrichten auflistet.

Wird hingegen vom unteren Display-Rand nach oben gewischt, können blitzschnell verschiedene Funktionen des iPhone aktiviert werden. Etwa die Kamera, der Taschenrechner oder auch das Kameralicht, damit das Telefon als Taschenlampe verwendet werden kann. Außerdem können dann beispielsweise Flugmodus, WLAN- oder Bluetooth-Verbindung eingeschaltet oder der Nicht-Stören-Modus aktiviert werden. Wer Inhalte wie spezielle Apps oder abgespeicherte Dokumente auf dem iPhone suchen möchte, zieht einfach mit dem Finger von der Display-Mitte kurz nach unten, um eine Suchleiste erscheinen zu lassen.

Fazit: Ein großartiges Smartphone – aber teuer

Grau, Silber, Gold: Wer sich das iPhone 5s kaufen möchte, kann zwischen drei Farben auswählen und erhält ganz ohne Zweifel ein Mobiltelefon, das nicht nur einiges zu bieten hat, sondern sich auch richtig werthaltig angefühlt. Die Menüführung von iOS 7 auf nur einer Ebene ist intuitiv, das neue Design – auch wenn sich daran ein wenig die Geister scheiden – modern.

Trotzdem bleibt das iPhone ein Premium-Produkt, für das Apple richtig viel Geld verlangt. Für Otto-Normal-Nutzer ist es vielleicht sogar zu teuer, aber der Erfolg des Geräts liefert Apple nach wie vor keine Argumente, an der eingeschlagenen Preispolitik auch nur ansatzweise etwas zu ändern. Und so kostet das günstigste Modell mit 16 GB Speicher satte 699 Euro, die 32-GB-Version wird für 799 Euro angeboten und wer sich für das Modell mit 64 GB entscheidet, muss sogar 899 Euro auf den Tisch legen. In Verbindung mit einem (teils ebenso teuren) Mobilfunkvertrag steht das Apple-Smartphone auch zu günstigeren Konditionen zur Verfügung.

Wer das ein Jahr alte iPhone 5 verwendet, muss derweil nicht zwangsläufig auf das iPhone 5s wechseln. Die Erweiterungen sind zwar sinnvoll und ergänzen das Telefon gut, rechtfertigen es aber eher nicht, die von Apple verlangte Investition zu tätigen – auch weil es noch zu wenig Anwendungen gibt, die den schnelleren Prozessor auch wirklich ausreizen. Selbst der etwas verbesserte Akku liefert kaum echte Kaufargumente: Die Nutzungsdauer beim WLAN-Surfen liegt bei knapp sieben Stunden, was einer Verbesserung von etwa einer Stunde entspricht. Die Kapazität wurde dafür um 120 mAh auf 1.560 mAh hochgeschraubt.

Enttäuschend ist, dass Apple nach wie vor darauf verzichtet, sein iPhone mit NFC auszustatten. Und auch eine Status-LED, die blinkend über verpasste Nachrichten und Anrufe informiert, ist nach wie vor nicht zu finden. Kleine Abstriche müssen beim Display gemacht werden – trotz einer vergleichsweise geringen Auflösung. Die Displaygröße ist mit 4,0 Zoll ausreichend groß und sorgt dafür, dass auch eine einhändige Bedienung sehr gut funktioniert.

Das nächste iPhone wird nicht lange auf sich warten lassen

Insofern gilt einmal mehr: Apple hat eines der besten aktuell erhältlichen Smartphones gefertigt, lässt sich dafür aber auch fürstlich bezahlen. Jeder Nutzer muss selbst wissen, ob er das mitmachen möchte. Auch vor dem Hintergrund, das 2014 schon das iPhone der nächsten Generation erwartet wird, das – so heißt es in jüngsten Gerüchten – unter anderem mit einem 4,8 Zoll großen Display ausgestattet sein soll.

Wer nicht bereit ist, ganz so viel Geld auf den Tisch zu legen, findet im HTC One, dem Samsung Galaxy S4 - beide auf Basis von Android - oder auch im Nokia Lumia 1020 auf Basis von Windows Phone 8 durchaus stilvolle Alternativen. Gleichwohl gilt auch für diese Smartphones, dass sie in der Highend-Klasse mitspielen und entsprechend auch ein paar Euro auf den Tisch gelegt werden müssen.



Name: iPhone 5s
Hersteller: Apple
Preis: ab 699 Euro
Technische Daten:
Betriebssystem: iOS 7
Prozessor: 1,3 GHz Dual Core (nicht offiziell bestätigt)
Arbeitsspeicher: 1 Gigabyte (nicht offiziell bestätigt)
SIM: Nano-SIM
Antenne: GSM (850, 900, 1.800, 1.900 Mhz.)
UMTS (850, 900, 1.900, 2100 MHz.)
LTE (800, 1.800, 2.600 Mhz.)
Abmessungen: 124 x 59 x 8 Millimeter
Gewicht: 112 Gramm
Display: 4,0 Zoll, 1.136 x 640 Pixel, 16,7 Millionen Farben
Speicher: 16 / 32 / 64 GB (nicht per MicroSD erweiterbar)
Schnittstellen: Bluetooth, WLAN, USB
Digitalkamera: 8 Megapixel Kamera, Digitalzoom, Autofokus, HD-Videofunktion (1.080p), Frontkamera mit 1,2 Megapixeln und HD-Videofunktion (720p)
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Stereo-Headset, USB-Datenkabel
Extras: MP3- und Videoplayer, Bluetooth, GPS, WLAN, HD-Unterstützung
Akkulaufzeit im Test: 6-7 Stunden Sprechzeit
18-20 Stunden Bereitschaftszeit (bei normaler Smartphone-Nutzung)
Pro & Contra:
sehr ordentliche Performance
gute Akustik
brillantes Display
hübsche (wenn auch anfällige) Verarbeitung
größtes App-Angebot
teuer in der Anschaffung
kein NFC
kein UKW-Radio
Bewertung:
Bedienung (30%): sehr gut
Ausstattung (20%): sehr gut
Verarbeitung (20%): sehr gut
Akkulaufzeit (20%): befriedigend
Telefonfunktion (10%): sehr gut
Gesamtnote sehr gut (1,4)
Preis-Leistung: befriedigend

(Hayo Lücke)

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