Testbericht

Apple iPhone 5c im Test - Buntes Lifestyle-Smartphone mit gealterter Hardware

Bunt, schrill, aber nicht billig - so präsentiert sich das neue iPhone 5c mit Plastik-Gehäuse seinen Nutzern. Wir haben das Gerät auf die Probe gestellt.

Apple iPhone 5C© Apple

Ein Billig-iPhone sollte es werden – hat man gedacht. Ein Smartphone mit einer weniger werthaltigen Verarbeitung dürfte schließlich dabei herum kommen – hat man gedacht. Tatsächlich ist das iPhone 5c ein Multimedia-Telefon geworden, das ohne Probleme mit so manchem Spitzenmodell mithalten kann. Zwar kostet es noch immer viel Geld und wurde in ein Gehäuse aus Polycarbonat gepackt, es fühlt sich aber zur Überraschung vieler besser an als man es erwarten konnte. Wir haben uns das neue Plastik-iPhone aus dem Hause Apple genauer angeschaut.

Buntes Plastik-Smartphone

Ganz klar: Wer das iPhone 5c neben das iPhone 5s oder auch neben das inzwischen ein Jahr alte iPhone 5 legt, erkennt sofort die qualitativen Unterschiede. Das Unibody-Gehäuse, das nach wie vor keinen einfachen Austausch des integrierten Akkus erlaubt, besteht ausnahmslos aus Plastik. Natürlich sieht das weit weniger edel aus und selbstverständlich fühlt es sich auch nicht so schön an. Aber Apple wäre nicht Apple wenn man nicht viel Wert darauf legen würde, dass das Nutzungserlebnis nicht trotzdem anders ausfällt als bei Plastik-Bombern der Konkurrenz.

Zugegeben, wer das iPhone 5c in der Hand hält, spürt sofort, dass es sich um ein Smartphone handelt, bei dem Apple mal nicht auf rundherum hochwertige Materialien gesetzt hat. Auch die Tatsache, dass das Gerät sehr glatt ist, kann nicht wegdiskutiert werden. Aber trotzdem ist die Haptik im Vergleich zu so manchem Samsung- oder LG-Smartphone eine andere. Am ehesten erinnert die Polycarbonat-Oberfläche noch an jene, die von Nokia bei den Lumia-Flaggschiffen – etwa dem Lumia 1020 oder Lumia 920 - verwendet wird.

Perfekt auf iOS 7 abgestimmt

Erfreulich ist auch, dass Apple sich endlich getraut hat, Farbe ins Spiel zu bringen. Die jüngste Generation der iPod-Familie steht ja bereits seit einigen Monaten in verschiedenen Farbvariationen zur Wahl, nun aber eben auch das iPhone. Kunden haben die Wahl zwischen Modellen in Weiß, Rot, Gelb, Blau und Grün. Gleichwohl wirken die Farben insgesamt deutlich blasser als etwa bei Nokia. Geschuldet ist das wohl auch der Tatsache, dass auch das neue Betriebssystem iOS 7 mit vielen matten Farbtönen spielt und die Gehäusefarbe des iPhone 5c sich stark daran orientiert.



Sicherlich ist es Teil des Gesamtkonzepts, dass Apple sich selbst bei den Bedien-Elementen an der linken Seite des Telefons nicht von der Plastik-Linie hat abbringen lassen. Beide rechteckigen Lautstärke-Tasten und auch der Schieberegler zum Aktivieren des Lautlos-Modus wurden aus demselben Material gefertigt, der auch beim Gehäuse verwendet wurde. Gleiches gilt für die Power-Taste auf der Kopfseite. Zumindest an dieser Stelle hätte man sich als Nutzer ein bisschen mehr Liebe zum Detail gewünscht; einfach eine etwas hochwertigere Verarbeitung.

Eine Frage des Geschmacks ist es, wenn es darum geht, ob Apples neues Smartphone mit einem optional erhältlichen Schutz-Case ausgestattet werden sollte. Der Bumper ist in insgesamt sechs Farben erhältlich und kommt mit einer Oberfläche aus Silikon daher. Kritiker werden an dieser Stelle nicht zu Unrecht anmerken, dass das sich daraus ergebende Farbenspiel sicherlich gewöhnungsbedürftig ist. Wir konnten im Rahmen unseres Tests aber auch feststellen, dass sich die Griffigkeit bei Verwendung des Schutz-Case deutlich verbessert. Denn es sorgt mit seiner gummiartigen Oberfläche allen Unkenrufen zum Trotz dafür, dass das iPhone sehr viel besser in der Hand liegt. Allerdings kostet das Case unabhängig von der gewählten Farbe auch immerhin 29 Euro extra.

Technik auf Basis des iPhone 5

Rein technisch basiert das iPhone 5c auf dem Vorgängermodell iPhone 5. Das heißt, es kommt ein von Apple entwickelter A6-Chip zum Einsatz, der zwei Prozessorkerne mit einer Taktrate von 1,3 Gigahertz vorweisen kann. Ergänzend dazu hat Apple immerhin 1 Gigabyte Arbeitsspeicher in das 124 x 59 x 9 Millimeter große und 132 Gramm schwere Gerät integriert. Damit ist es etwas dicker und auch etwas schwerer als das iPhone 5.

Nichts zu meckern gibt es bei der Performance. Natürlich sind Smartphones am Markt erhältlich, die mit deutlich mehr Leistung punkten können. Im Rahmen unseres Tests konnten wir beim iPhone 5c aber keine erkennbaren oder gar störenden Ruckler bei der Menünavigation feststellen. Die Kamera-App lässt beispielsweise Schnappschüsse in weniger als zwei Sekunden nach dem Start zu und für schnelles Internetsurfen hat Apple zusammen mit dem runderneuerten iOS 7 eine neue und vor allem schnellere Version des Safari-Browsers vorinstalliert.

Zwei Kameras an Bord

Selbstverständlich hat Apple nicht darauf verzichtet, zwei Digitalkameras in das iPhone 5c zu integrieren. Neben einer Frontkamera mit 1,2-Megapixel-Linse und Videofunktion in normaler HD-Qualität (720p) steht auf der Rückseite eine 8-Megapixel-Linse mit Full HD-Unterstützung (1.080p) zur Verfügung. Qualitativ sind Foto- und Videoaufnahmen absolut alltagstauglich, verlieren aber schnell an Schärfe wenn die Lichtbedingungen nicht mehr als gut einzustufen sind. Ein Bildrauschen ist dann nicht zu übersehen. Die auf der Rückseite verbaute LED-Leuchte hilft leider nur bedingt, da die Leuchtkraft zwar okay, aber keinesfalls als richtig gut zu bewerten ist.

Erfreulich ist, dass Apple seine Kamera-App zusammen mit iOS 7 um einige hübsche Funktionen erweitert hat. Mit einfachen Wischbewegungen über das Display lässt sich beispielsweise die Video- oder Panorama-Funktion aktivieren. Nur einen Fingertipper sind zudem im Fotomodus verschiedene Fotofilter entfernt, die man in ähnlicher Form zum Beispiel von Instagram kennt. Sehr zuverlässig arbeitet der integrierte Autofokus und wenn doch mal ein anderer Bildausschnitt scharfgestellt werden soll, steht auch ein Touch-Fokus zur Verfügung. Im Gegensatz zum iPhone 5s fehlt allerdings die Funktion, die es erlaubt, Videos in Zeitlupe zu drehen.

Ein echter Mehrwert versteckt sich unter der Plastikhaube in der verbauten Antennentechnik. Denn das iPhone 5c funkt anders als der Vorgänger auf sämtlichen LTE-Frequenzen, die in Deutschland nutzbar sind. War das iPhone 5 nur im LTE-Netz der Telekom nutzbar, lädt das iPhone 5c auch mit Höchstgeschwindigkeit (maximal 100 Megabit pro Sekunde) Daten aus dem Netz von o2 oder Vodafone herunter. Ergänzend dazu steht natürlich auch eine WLAN-Schnittstelle bereit, die sowohl im 2,4- als auch im 5-Gigahertz-Bereich ihren Dienst verrichtet.

Wie gewohnt: 4 Zoll-Display

Angenehm zu bedienen ist das "nur" 4,0 Zoll große Display im 16:9-Format - auch im Hochformat. Zwar ist die Auflösung (1.136 x 640 Pixel bei 326 ppi) verglichen mit vielen Android-Smartphones eher unterdurchschnittlich, trotzdem reagiert der Touchscreen erfreulich zuverlässig und lässt über die virtuellen QWERTZ-Tastaturen auch das recht zügige Schreiben von Texten zu. An Leuchtkraft und Kontrasten mangelt es nicht, auch unter freiem Himmel ist es jederzeit gut möglich, Display-Inhalte abzulesen. Insbesondere verglichen mit dem LG G2 sehr auffällig sind die großen schwarzen Ränder.

Angeboten wird das iPhone 5c wahlweise mit 16 oder 32 Gigabyte Speicher. Wie von Apple-Geräten gewohnt, ist es nicht möglich, den Speicher über eine MicroSD-Karte zu erweitern. Und auch bei der verwendeten SIM-Karte gilt es zu beachten, dass nur eine kleine Nano-SIM in das Gerät eingelegt werden kann. Dazu steht an der rechten Seite ein kleiner Einschub-Adapter zur Verfügung. Erfreulich ist, dass die Akkukapazität leicht verbessert wurde und nun bis zu zwei Stunden mehr Gesprächszeit (maximal zehn Stunden) ermöglicht. Allerdings: Beim WLAN-Surfen konnten wir knapp neun Stunden online gehen, was im Vergleich zum iPhone 5 keiner spürbaren Verbesserung entspricht.

Fazit: Buntes Lifestyle-Objekt, das nicht gerade wenig kostet

Plastik-Gehäuse, Dual-Core-Prozessor, eher schwache Display-Auflösung, ein ohnehin recht kleiner Bildschirm, fehlendes UKW-Radio und auch eine in vielen Fällen so praktische Status-LED gibt es beim iPhone 5c nicht. Alles Anzeichen für ein bezahlbares Mittelklasse-Smartphone – aber nicht bei Apple. Denn der Apfelkonzern lässt sich auch sein buntes iPhone recht ordentlich bezahlen. Satte 599 Euro werden für die 16-Gigabyte-Version fällig, noch einmal 100 Euro mehr für das Gerät mit 32 Gigabyte Speicher.

Ohne Frage ist das viel Geld, vielleicht sogar zu viel für ein Gerät mit dieser Ausstattung. Aber der Erfolg und die ungebrochen hohe Nachfrage gibt Apple keinen Grund, an der eingeschlagenen Preispolitik etwas zu ändern. Profit steht für das US-Unternehmen nach wie vor ziemlich weit oben auf der Agenda. Aber – und das möchten wir ebenso deutlich unterstreichen – wer sich trotzdem für das iPhone 5c entscheidet, bekommt ganz zweifelsohne ein Smartphone, das ein hochklassiges Nutzungserlebnis bereitet, alles andere als schlecht aussieht und sich in Sachen Performance trotz inzwischen eher zweitklassiger Hardware-Bauteile nicht hinter der Konkurrenz verstecken muss.

Die Unterschiede zwischen iPhone 5c und iPhone 5s haben wir in einem gesonderten Artikel zusammengefasst.

Name: iPhone 5c
Hersteller: Apple
Preis: ab 599 Euro
Technische Daten:
Betriebssystem: iOS 7
Prozessor: 1,3 GHz Dual Core (nicht offiziell bestätigt)
Arbeitsspeicher: 1 Gigabyte (nicht offiziell bestätigt)
SIM: Nano-SIM
Antenne: GSM (850, 900, 1.800, 1.900 Mhz.)
UMTS (850, 900, 1.900, 2100 MHz.)
LTE (800, 1.800, 2.600 Mhz.)
Abmessungen: 124 x 59 x 9 Millimeter
Gewicht: 132 Gramm
Display: 4,0 Zoll, 1.136 x 640 Pixel, 16,7 Millionen Farben
Speicher: 16 / 32 GB (nicht per MicroSD erweiterbar)
Schnittstellen: Bluetooth, WLAN, USB
Digitalkamera: 8 Megapixel Kamera, Digitalzoom, Autofokus, HD-Videofunktion (1.080p), Frontkamera mit 1,2 Megapixeln und HD-Videofunktion
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Stereo-Headset, USB-Datenkabel
Extras: MP3- und Videoplayer, Bluetooth, GPS, WLAN, HD-Unterstützung
Akkulaufzeit im Test: 7-8 Stunden Sprechzeit
14-18 Stunden Bereitschaftszeit (bei normaler Smartphone-Nutzung)
Pro & Contra:
ordentliche Performance
gute Akustik
starkes Display
brauchbare Kamera
größtes App-Angebot
Plastikkleid nicht jedermans Geschmack
mäßiger Akku
kein UKW-Radio
zum Teil recht unterdurchschnittliche Hardware
teuer in der Anschaffung
Bewertung:
Bedienung (30%): sehr gut
Ausstattung (20%): gut
Verarbeitung (20%): gut
Akkulaufzeit (20%): ausreichend
Telefonfunktion (10%): sehr gut
Gesamtnote gut (2,0)
Preis-Leistung: befriedigend

(Hayo Lücke)

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