Handys

iPhone 4 S im Test - Hardware top, Akku ein Flop

Mit dem iPone 4 S legt Apple die Messlatte für die Konkurrenz gleich in mehrfacher Hinsicht noch etwas höher. Insbesondere die integrierte Kamera weiß zu überzeugen. Der Akku hingegen überhaupt nicht.

Apple iPhone 4S© Apple

Es gilt als das Kulttelefon überhaupt und als wohl schillerndster Stern am Smartphone-Himmel: das iPhone von Apple. Der Hype und das Multimediatelefon ebbt auch dann nicht ab, wenn ein neues Modell vorgestellt wird, das sich optisch praktisch nicht vom Vorgänger unterscheidet. So geschehen beim neuen Modell iPhone 4 S, das von außen betrachtet verglichen mit dem iPhone 4 eigentlich nur eine Änderung vorweisen kann: eine Rahmenantenne, die nicht mehr aus zwei, sondern nun aus drei Teilen besteht. Das war's? Mitnichten! Das neue iPhone hat weit mehr Verbesserungen zu bieten. Unter der Haube hat Apple seine vielleicht schärfste Waffe ordentlich verbessert und aktualisiert. Wir haben das Telefon einem mehrwöchigen Test unterzogen und viele Stärken, aber auch einige Schwächen entdeckt.

Ohne Apple ID funktioniert nichts

Grundsätzlich bleibt festzuhalten, dass das iPhone 4 S in drei Speicher-Varianten angeboten wird: mit 16, 32 und 64 Gigabyte (GB). Mit der 64-GB-Version, die wohl nur für echte Multimedia-Fans benötigt wird, haben wir uns intensiv auseinandergesetzt. Geliefert werden neben dem Endgerät auch ein kabelgebundenes Stereo-Headset, ein USB-Datenkabel und ein Netzteil, das den Akku des Smartphones in etwa zwei Stunden auflädt. Apropos Akku: wie von vorherigen iPhone-Modellen gewohnt, ist der fest in das Gerät integriert, ist also nicht ohne Weiteres auswechselbar.

Entsprechend unterscheidet sich auch das Einlegen der SIM-Karte von anderen Smartphone-Modellen. Die Mobilfunkkarte muss in einen Slot an der rechten Seite eingelegt werden, der sich nur mit einem ebenfalls im Lieferumfang enthaltenen Mini-Pin öffnen lässt. Das ist recht kompliziert und erfordert Fingerspitzengefühl. Ist die SIM eingelegt, begleitet ein umfangreicher Einrichtungsassistent durch die Inbetriebnahme. Anders als früher ist es zwar nicht mehr notwendig, das Handy vor dem Erstgebrauch mit einem Rechner und der iTunes-Software zu koppeln, weiterhin ist aber zur Registrierung eine Apple ID notwendig, um das Gerät mit all seinen Funktionen nutzen zu können. Nur so ist zum Beispiel ein Zugriff auf die Musiksammlung von iTunes, den App Store oder eine Daten-Synchronisation mit der iCloud möglich.

Schwer und glatt

Rundum solide ist die Verarbeitung des Telefons mit seinen abgerundeten Kanten. Das war schon beim iPhone 4 der Fall und trifft entsprechend auch auf den Nachfolger zu. In den bereits angesprochenen dreigeteilten Metallrahmen wurde eine verbesserte Antenne integriert, die das Telefon zu einem "Welttelefon" macht. Denn: es ist nicht nur in GSM- und UMTS-Netzen nutzbar, sondern auch in CDMA-Netzen, die zum Beispiel in weiten Teilen der USA zum Einsatz kommen. Großes Plus: Probleme mit dem Empfang, die wir beim iPhone 4 dokumentieren konnten, sind beim 4 S nicht mehr zu beobachten.

Was aber jeder potenzielle Nutzer der aktuellen iPhone-Generation beachten sollte: Mit Abmessungen von 115x59x9 Millimetern ist das Telefon zwar schön flach, mit einem Gewicht von 140 Gramm allerdings auch recht schwer und zudem sehr glatt. Verantwortlich dafür sind die Glas-Oberflächen auf der Vorder- und Rückseite. Jedem iPhone-Nutzer ist zu empfehlen, eine Schutztasche für das Telefon besorgen, um etwaige Glasschäden bei einem Fall auf den Boden zu vermeiden.

Das Herzstück des Telefons, der integrierte A5-Doppelkern-Prozessor, wurde von Apple spürbar aufgewertet. Anders als bei anderen aktuellen Highend-Smartphones kommt allerdings nicht etwa eine Gigahertz-Variante zum Einsatz, sondern ein CPU-Modell, das "nur" mit 800 Megahertz getaktet ist. Die geringe Taktrate ist überraschend, aber absolut ausreichend. Denn es ist nicht nur möglich, schnell durch das Internet zu surfen und ohne Ruckler durch das Menü des vorinstallierten Betriebssystems iOS 5 zu navigieren, auch grafisch anspruchsvolle Spiele werden ohne störende Effekte dargestellt; zum Teil sogar mit auf einem Smartphone selten zuvor gesehenen Lichteffekten. Apple selbst spricht davon, dass die beschleunigte Grafikleistung des iPhone 4 S erst den Anfang davon darstellt, was in Zukunft möglich sein wird. Und wenn das tatsächlich stimmt, darf man sich schon jetzt auf Smartphone-Spiele freuen, die deutlich anspruchsvoller und noch realistischer werden.

Starke Kamera

Neben der Prozessor- und Grafikleistung hat Apple auch die integrierte Digitalkamera aufgewertet. Sie löst nun mit einer Auflösung von 8 Megapixeln auf und liefert gemessen an der Bildqualität selten zuvor gesehene Ergebnisse. Zwar lässt sich die Auflösung nicht nach unten anpassen, die Schärfe der aufgenommenen Schnappschüsse ist aber sehr beeindruckend. Ein Grundrauschen ist eigentlich nur bei Nacht-Aufnahmen oder schlechten Lichtverhältnissen zu erkennen.

Echte Freude kommt selbst dann auf, wenn Dinge aus nächster Nähe fotografiert werden. Wo andere Smartphones häufig versagen, zeigt Apple mit einem nahezu perfekten Autofokus, wozu Handykameras heutzutage fähig sein können. Wer bei der Bildschärfe ganz sicher gehen will, setzt zusätzlich auf eine manuelle Fokussierung. Dazu ist es lediglich notwendig, mit dem Finger auf den gewünschten Display-Ausschnitt zu tippen. Ein LED-Fotolicht schaltet sich automatisch zu, sobald es benötigt wird.



Neu ist, dass die integrierte Kamera darüber hinaus mit einer Gesichtserkennung ausgestattet ist und auf Wunsch auch die Plus-Taste der beiden Lautstärke-Knöpfe als Auslöser verwendet werden kann. Wer Videos aufnehmen möchte, darf sich über Full-HD-Qualität (1.080p) inklusive einer Bildstabilisierung freuen. Alle Fotos und Videos können über die ebenfalls integrierte GPS-Funktion mit Geotagging-Daten versehen werden. Alles in allem liefert die Kamera des iPhone 4 S die mitunter beste Bildqualität, die man sich aktuell von einem Multimedia-Telefon wünschen kann. Die Kompaktdigitalkamera können Besitzer von Apples Kulttelefon getrost zu Hause lassen.

Fotos direkt zu bearbeiten

Die gute Kamerafunktion wird durch die Möglichkeit abgerundet, Fotos und Videos unmittelbar nach der Aufnahme bearbeiten zu können. Das Symbol eines Zauberstabs sorgt für eine automatisierte 1-Klick-Verbesserung der Aufnahmen, ein durchgestrichener roter Punkt geht nach Antippen gegen rote Augen in Foto oder Video vor und ein kleines Quadrat macht es möglich, einen Bildausschnitt nach den eigenen Wünschen zuzuschneiden. Das ist für die meisten Nutzer zwar "nur" eine Spielerei für zwischendurch, zeigt aber, dass Apple gewillt ist, seinen Kunden möglichst das Optimum zu bieten. Nebenbei sei noch erwähnt: auf der Vorderseite steht zusätzlich eine VGA-Kamera für Videotelefonate zur Verfügung.

Gegen den Trend schwimmt Apple auch beim verbauten Display - zumindest was die Größe angeht. Denn während Wettbewerber wie HTC und Samsung Mobile mit immer größeren Displaydiagonalen von bis zu 5,3 Zoll beim Galaxy Note neue Kundenkreise erschließen wollen, vertraut Apple auf eine 3,5 Zoll-Variante. Das ist zwar vergleichsweise klein, reicht in der Regel aber für den Sinn und Zweck, den ein Smartphone erfüllen soll, aus. Nur das Betrachten von Videos ist dann doch eher so etwas wie Mäusekino statt echter Filmgenuss.

Komfortables SMS-Schreiben möglich

Wichtiger ist aber, dass Apple das so genannte Retina-Display mit einer starken Auflösung von 960x640 Pixeln und der Möglichkeit, mehr als 16 Millionen Farben darzustellen, versehen hat. Ein starker Kontrast, satte Farben und eine zuverlässig arbeitender Helligkeitssensor machen die Nutzung des Touchscreens sehr angenehm. Außerdem wurde der Bildschirm mit einer fettabweisenden Beschichtung versehen, sodass Fingerabdrücke nur selten zum Vorschein kommen. Tägliches Polieren der Displayoberfläche steht beim iPhone 4 S entsprechend nicht auf der Agenda. Erfreulich leicht von der Hand geht das Tippen von SMS, Messenger-Nachrichten oder E-Mails. Im Hochformat liegen die virtuellen Tasten vielleicht etwas dicht beieinander, im Querformat stellt aber auch die Eingabe längerer Texte kein Problem dar. Gewöhnungsbedürftig sind die Verbesserungsvorschläge, die das iPhone schon während der Texteingabe anzeigt. Sie werden nur dann ignoriert, wenn sie angetippt werden. Praktisch: wenn Nachrichten zwischen iOS-5-Nutzern hin und her geschickt werden, ist das kostenlos per so genannter iMessage statt über eine kostenpflichtige SMS möglich.

Bedient wird das Telefon praktisch komplett über den Touchscreen. Nur eine so genannte Hometaste unter dem Bildschirm zum Zurückspringen auf den Startbildschirm, zwei Lautstärketasten und eine Schiebeknopf zum Aktivieren des Lautlos-Modus an der linken Seite sowie auf der Kopfseite eine Power-Taste rücken vom Touch-Bedienkonzept ab. Außerdem ziert ein 3,5 Millimeter-Klinkenanschluss am oberen und ein Docking-Anschluss am unteren Ende das Telefon. Letztgenannter wird auch genutzt, um den Akku aufzuladen. Ein MicroUSB-Anschluss fehlt dem iPhone 4 S ebenso wie ein HDMI-Anschluss. Der Lautsprecher wurde rechts neben dem Docking-Anschluss integriert. An sich eine gute Idee. Beim Spielen, wenn das Telefon im Querformat gehalten wird, erweist sich diese Anordnung aber als suboptimal, da der Zeigefinger beide Lautsprecher bedeckt und so kaum ein Klang zu hören ist.

Alles im Blick mit neuem Nachrichten-Center

Eine weitere Stärke des iPhone ist, dass viele Apps so genannte Push-Nachrichten direkt auf den Bildschirm des Telefons schicken können. Seien es Tore des aktuellen Bundesliga-Spieltags, aktuelle Eilmeldungen aus bekannten Nachrichtenredaktionen oder neue Facebook- oder Whatsapp-Nachrichten der besten Freunde. All diese Informationen werden neuerdings im so genannten Notification Center gesammelt. Es kann aufgerufen werden, wenn der obere Bildrand mit dem Finger von oben nach unten gezogen wird. Für viele Apps lässt sich individuell einstellen, wie viele Nachrichten im Notification Center gespeichert werden sollen.

Praktisch: Erinnerungen an bestimmten Orten

Praktisch ist auch die vorinstallierte App "Erinnerungen". Natürlich ist hier der Name Programm. Erinnerungen eintragen und zum gewünschten Zeitpunkt macht das iPhone entsprechend auf die abgespeicherte Notiz aufmerksam. Doch das ist nicht alles. Wer mag, kann sich nämlich auch dann an etwas erinnern lassen, sobald ein bestimmter Ort erreicht oder verlassen wird - vorausgesetzt, die GPS-Funktion des Telefons wurde nicht deaktiviert.

Softwareseitig hat Apple sein neues iPhone außerdem mit einem neuen Sprachassistenten namens Siri ausgestattet. Er befindet sich noch im Beta-Stadium, kann aber schon jetzt in vielen Fällen eine echte Hilfe sein. Etwa dann, wenn eine Internetadresse aufgerufen, der Kalender geöffnet oder zum Beispiel im Auto ein Kontakt aus dem Adressbuch angerufen werden soll. Mit dem richtigen Sprachbefehl arbeitet Siri schon jetzt sehr zuverlässig, es werden aber bei Weitem noch nicht alle Funktionen iPhone unterstützt. So können zum Beispiel keine Apps geöffnet werden. Praktisch ist, dass es per Spracheingabe auch möglich ist, längere Texte zu diktieren. Das funktioniert zwar nicht fehlerfrei, aber doch verblüffend gut. Allerdings nur dann, wenn langsam und klar gesprochen wird.

Bereitschaftszeit macht keinen Spaß

Der rundum positive Gesamteindruck wird allerdings wie bei anderen Luxus-Handys dadurch gestört, dass der in das Smartphone integrierte Akku regelmäßig für Probleme sorgt. Insbesondere dann, wenn GPS-Funktion, Bluetooth-Schnittstelle und / oder die Datenverbindung in Mobilfunknetzen aktiviert wurde, saugt das Telefon massiv an der Akkukapazität. Möglich ist auch, dass der neue Dual-Core-Prozessor ein echter Energiefresser ist. Immer wieder mussten wir während unseres Tests feststellen, dass der Akku vor allem bei einer bestehenden Datenverbindung im UMTS-Netz fast im Minutentakt einen Prozentpunkt an Leistung verlor. Die Folge: teilweise schon nach gerade einmal zwölf Stunden hatte sich ein aufgeladener Akku im Alltagsgebrauch komplett entladen. Selbst im Standby-Betrieb ohne große Nutzung und lediglich aktivierter WLAN-Schnittstelle verlor eine Akkuladung regelmäßig in nur sechs Stunden zwischen 15 und 20 Prozentpunkte ihrer Ladekapazität. Die genaue Ursache ist bisher unklar, Apple hat aber bereits ein Software-Update angekündigt, durch das das Problem zumindest verbessert werden soll.

Fazit: Ein Spitzentelefon mit massiven Akku-Problemen

Apple hat es zweifelsohne geschafft, das iPhone 4 noch einmal zu verbessern. Das iPhone 4 S überzeugt durch mehr Leistung, eine brillante Kamera und eine weitestgehend intuitive Benutzerführung. Praktisch erweist sich unter anderem, dass zum Beispiel heruntergeladene Apps komplikationslos übereinander geschoben werden können und so automatisch in einem eigenen Ordner Platz finden. So lassen sich zum Beispiel Nachrichten-, Reise- oder Social-Networking-Apps übersichtlich in einzelne Ordner sortieren. Etwas gefährlich sind die sehr glatten Oberflächen, die eine potenzielle Gefahr darstellen, dass das Telefon schnell aus der Hand gleitet. Sehr ärgerlich sind die kurzen Akkulaufzeiten, die Apple mit einem Software-Update hoffentlich in den Griff bekommen wird. Schade ist auch, dass dem iPhone nach wie vor kein Radio spendiert wird. Komfortabel: über die iCloud werden automatisch Backups der Smartphone-Inhalte angelegt. Bis zu fünf Gigabyte Speicherplatz stehen kostenlos zur Verfügung, mehr Datenspeicher ist gegen eine Jahresgebühr zu haben.

Bleibt abschließend noch eine Frage: Was kostet der multimediale iPhone-Spaß der neuesten Generation? Kurz zusammengefasst könnte man sagen: viel. Für viele Menschen wohl zu viel. Denn ohne Vertrag kostet die 16 Gigabyte-Version satte 629 Euro. Wer sich für das Modell mit 32 bzw. 64 GB Speicherplatz entscheidet, muss sogar 739 bzw. 849 Euro auf den Tisch legen. Wahlweise ist das iPhone 4 S in Schwarz oder Weiß zu haben.

Name: iPhone 4 S 
Hersteller: Apple
Internet: www.apple.de
Preis: ab 629 Euro
Technische Daten:
Betriebssystem: iOS 5
Prozessor: Dual Core 800 Mhz.
Antenne: GSM Quadband, UMTS, HSDPA, CDMA
Abmessungen: 115x59x9 Millimeter
Gewicht: 140 Gramm
Display: 3,5 Zoll, 960x640 Pixel
Speicher: 16 / 32 / 64 GB - nicht erweiterbar
Schnittstellen: Bluetooth 4.0, WLAN
Digitalkamera: 8,0 Megapixel Kamera mit Autofokus und Kameralicht; HD-Videos (1.080p)
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Headset, USB-Kabel
SAR-Wert: 0,99 W/kg (mäßig)
Extras: MP3-Player, Bluetooth, GPS, WLAN
Akkulaufzeit im Test: 5-6 Stunden Sprechzeit
ca. 12-18 Stunden Bereitschaftszeit (bei normaler Smartphone-Nutzung)
Pro & Contra:
kontraststarkes Display
WLAN, HSDPA & CDMA-Unterstützung
sehr gute Kamera
intuitive Bedienung
viele Apps nutzbar
vergleichsweise kleines Display
schwacher Akku
sehr teuer in der Anschaffung
recht schwer
kein NFC & HDMI
Bewertung:
Bedienung (30%): sehr gut
Ausstattung (20%): sehr gut
Verarbeitung (20%): sehr gut
Akkulaufzeit (20%): mangelhaft
Telefonfunktion (10%): gut
Gesamtnote gut (1,9)
Preis-Leistung: ausreichend

(Hayo Lücke)

Weiterführende Infos zum Thema:
Zum Seitenanfang