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iPhone 4 im Test - Schwächen kosten Topwertung

Über zwei Wochen hat unsere Redaktion das neue iPhone 4 testen können. Das neue Apple-Smartphone hat das Zeug zum Superhandy. Eklatante Schwächen kosten dem Apple-Handy jedoch eine Topwertung.

Apple iPhone 4

Seit knapp zwei Wochen ist es unter anderem in Deutschland erhältlich: das neue iPhone 4 von Apple. Es wird hierzulande in Verbindung mit einem Mobilfunkvertrag exklusiv von der Telekom ab 1 Euro angeboten, ist über Umwege aber auch im freien Handel erhältlich. Wer bereit ist, rund 1.000 Euro auf den Tisch zu legen, kann sich das neue Smartphone auch über verschiedene Online-Shops sichern. Nachdem unsere Redaktion erste Eindrücke schon am Tag der Veröffentlichung präsentieren konnte, folgt nun eine etwas ausführlichere Betrachtung. Zwei Wochen haben wir das Handy intensiv auf die Probe gestellt und dabei viele positive Seiten, aber auch wenig erfreuliche Schwächen entdeckt.

Neues Design für das iPhone 4

Eine der grundlegenden Änderungen des iPhone 4: Apple hat das Design erneuert. Das neue iPhone 4 wirkt durch sein deutlich kantigeres Design markanter und sieht allgemein auch mehr nach einem Smartphone aus. Mit einer Länge von 115 Millimetern, einer Breite von 59 Millimetern und einer Tiefe von nur rund 9 Millimetern gehört es zudem zu den flachsten Multimedia-Telefonen, die aktuell am Markt erhältlich sind. Allerdings ist es auch vergleichsweise schwer. Laut Produktdatenblatt bringt es 137 Gramm auf die Waage, in unserem Test waren es samt integrierter SIM-Karte sogar 140 Gramm. Dafür verantwortlich sind die verwendeten Materialien: eine Glasoberfläche auf beiden Seiten und ein Edelstahl-Rahmen, in den auch die Antenne integriert wurde.

Und die Antenne ist auch das wohl größte Problem des gesamten Handys. Sie bereitet nämlich erhebliche Probleme. Wird das Handy in der linken Hand gehalten, kann es unter Umständen passieren, dass die Signalstärke stark abfällt. Unsere Redaktion konnte das Problem, das von verschiedenen Medien aufgegriffen wurde, reproduzieren und in einem Video dokumentieren. Laut Apple handelt es sich um ein Software-Problem, das demnächst mit einem Update behoben werden soll. Warum das Problem allerdings kaum auftaucht, wenn das iPhone 4 in eine Schutzhülle gesteckt wird, darauf konnte Apple bisher keine nachvollziehbare Antwort geben.


Bei aller Kritik wollen wir aber nicht versäumen, zu erwähnen, dass die Antennen-Probleme im Rahmen unseres Tests kaum Auswirkungen auf Sprachverbindungen hatten. Zwar sind hier und da Echos zu vernehmen, ein Gespräch ist aber nie abgebrochen. Anders sieht es bei der Nutzung des mobilen Internet aus. Bedeckt die Hand die linke Seite des iPhone 4, bucht sich das Handy sehr schnell aus dem UMTS-Netz aus und schaltet in den EDGE-Modus. Das wiederum hat zur Folge, dass sich der Seitenaufbau im vorinstallierten Safari-Browser deutlich verlangsamt. In unserem Test hat sich beispielsweise die mobile Website des "kicker" in UMTS-Modus in etwa 5 Sekunden geöffnet, bei einer EDGE-Verbindung dauerte der Seitenaufbau dreimal so lange. Das mobile Surfen macht dann nur halb soviel Spaß.

Umständlicher Wechsel der micro-SIM

Neu ist darüber hinaus, dass das iPhone 4 erstmals mit einer kleineren SIM-Karte betrieben wird. Die so genannte micro-SIM ist nur etwa halb so groß wie eine normale Handy-Chipkarte. Apple-Chef Steve Jobs sagte einst bei der Präsentation seines neuen Smartphone-Flaggschiffs: "Wir brauchten den Platz". Und das macht sich bemerkbar. Wer die SIM in das neue iPhone schieben will, braucht Fingerspitzengefühl. Denn da es nach wie vor nicht möglich ist, beim iPhone den Akku zu wechseln, wird die SIM-Karte über einen speziellen Slot an der rechten Seite in das Handy geschoben. Um den Steckplatz aber überhaupt öffnen zu können, muss mit einer kleinen Nadel hantiert werden. Umständlich und bei häufigem Wechsel der SIM-Karte auch nervig.

Etwas erschreckend ist auch, dass das vielerorts hochgelobte Design durchaus seine Nachteile hat. Denn die neuen Glasflächen auf Vorder- und Rückseite sehen zwar edel aus, sind aber weit weniger stabil als man vermuten möchte. Apple verspricht, das Glas sei 30 Mal härter als Plastik, doch auch das reicht offenbar nicht aus, um die Oberflächen vor tiefen Kratzern zu schützen.

Ein Bumper kann helfen

Zugegeben: wir haben unser Testgerät nicht mit Samthandschuhen angefasst. Jedoch ist ein Handy auch ein Alltagsgegenstand und sollte schon einmal auf dem Tisch hin und her rutschen dürfen. Dass jedoch nach nicht einmal zwei Wochen auf der Rückseite schon zwei tiefe Kratzer das Erscheinungsbild trüben, lässt nur ein Fazit zu: das iPhone 4 sollte auf jeden Fall mit einer Schutzhülle getragen werden. Derartige Präservative werden von Apple Bumper genannt und sind im Apple Store in verschiedenen Farben für 29 Euro erhältlich. Etwas günstiger kommt man weg, wenn auf Imitate aus dem freien Handel gesetzt wird.

Doch was hat sich beim iPhone 4 gegenüber dem Vorgänger 3GS außer dem Design noch geändert? Nun, zu nennen ist in diesem Zusammenhang auf jeden Fall das Display. Zwar ist es in der Diagonalen nach wie vor 3,5 Zoll (8,9 Zentimeter) groß, jedoch wird eine komplett überarbeitete Technologie verwendet, die den Namen Retina trägt.

Beeindruckender Kontrast

Sie liefert ein Kontrastverhältnis von 800:1 und lässt Farben sowohl in der Menüstruktur, aber vor allem auch auf Fotos und Videos satt und kräftig erscheinen. Selbst einen Vergleich mit den neuen Super AMOLED-Displays von Samsung muss Apple nicht fürchten. Unterschiede sind praktisch nicht sichtbar. Allerdings spiegelt die Oberfläche des iPhone 4 deutlich mehr als jene des Samsung Wave (Test). Um eine Auflösung von 960 x 640 Pixel zu erreichen, wurde in den Laboren von Apple ein Pixel entwickelt, das einen Durchmesser von 78 Mikrometer vorweisen kann. Das ist so klein, dass es vom menschlichen Auge nicht mehr als einzelnes Pixel erkannt werden kann. Die Folge sind fließende Übergänge mit scharfen Texten und Grafiken.

Wie bei allen iPhones wird auch bei der vierten Generation des Multimedia-Telefons fast ausschließlich mit dem Finger durch das Menü navigiert. Durch den integrierten A4-Prozessor mit 1 Gigahertz Taktfrequenz, der auch beim iPad (Test) zum Einsatz kommt, geht die Navigation zügig und ohne nerviges Ruckeln oder Haken von der Hand. Ergänzt wird der schnelle Prozessor durch verschiedene Sensoren. Ein 3-Achsen-Gyrosensor sorgt in Verbindung mit einem Beschleunigungssensor beispielsweise dafür, dass Drehrate, Winkelgeschwindigkeit und Beschleunigung mit mehr Präzision erkannt werden. Laut Apple sind die damit verbundenen Verbesserungen insbesondere bei Spielen zu spüren. Ein Lichtsensor sorgt darüber hinaus dafür, dass das Display immer nur so stark beleuchtet wird, wie es die Umgebungshelligkeit erfordert. Alternativ ist die Helligkeit aber auch manuell mehrstufig einstellbar.

Ein paar zusätzliche Tasten

Ergänzend zum Touchscreen kommt der klassische Home-Button zum Einsatz, der zentral unter dem Display zu finden ist. Wird er gedrückt, landen iPhone-Nutzer wieder auf der zuletzt verwendeten Menü-Startseite und können beispielsweise eine Telefonnummer wählen oder eine neue Applikation starten. An der rechten Seite hat Apple zusätzlich zwei kreisförmige Tasten zur Regulierung der Lautstärke integriert. Darüber einen Schieberegler, der das Handy in den Lautlos-Modus schaltet. Auf der Kopfseite sind ein 3,5-Millimeter-Klinkenanschluss für Kopfhörer und eine Stand-by-Taste zu finden. Sie aktiviert quasi die Tastensperre des Telefons.

Ein besonderes Augenmerk haben wir bei unserem Test auch auf die integrierte Kamera gelegt. Erstmals kommt bei einem iPhone eine Digicam zum Einsatz, die im Foto-Modus mit 5 Megapixeln auflöst. Darüber hinaus ist es möglich, Videos in HD-Qualität (720p) aufzunehmen.

Höchste Auflösungsstufe - sonst nichts

Das klingt zunächst einmal sehr gut und trotzdem gibt es Abzüge in der B-Note. Denn nach wie vor ist es nicht möglich, die Auflösungsstufe manuell den eigenen Wünschen entsprechend einzustellen. Wer Fotos aufnehmen will, knippst sie zwangsweise mit der höchsten Auflösungsstufe, Videos werden so oder so in HD-Qualität aufgenommen. Grundsätzlich ist das kein großer Akt, wäre da nicht das Problem des begrenzten Speichers. Weil viele Menschen ihr iPhone aufgrund des integrierten iPods auch als eine Art mobile Festplatte verstehen, sind 16 beziehungsweise 32 Gigabyte Flash-Speicher irgendwann erschöpft. Eine Speichererweiterung über eine microSD-Karte ist beim iPhone 4 nicht möglich.


In Zahlen ausgedrückt heißt das: Jedes Foto, das mit dem iPhone 4 aufgenommen wird, ist in etwa 2 Megabyte groß. Wer die Bilder verkleinern will, muss sich entweder ein Bildbearbeitungsprogramm auf das Telefon laden oder die Fotos vom Handy auf eine Festplatte ziehen. Eine Alternative kann darüber hinaus sein, auf die zusätzliche VGA-Kamera zurückzugreifen, die für Videotelefonate gedacht auf der Vorderseite integriert wurde. Eine Aufnahme ist dann nur noch etwa 100 Kilobyte groß.

Allerdings erreichen die Aufnahmen der VGA-Kamera nicht die Qualität, die mit der Hauptkamera erzielt werden können. Generell ist zwar auch auf Fotos mit hoher Auflösung ein Grundrauschen zu erkennen, im Allgemeinen wirken sie aber scharf und gut belichtet. Enttäuschend ist jedoch, dass das iPhone 4 nur mit einem Aufnahme-Modus ausgestattet ist. Die bei vielen Konkurrenzmodellen üblichen Landschafts-, Panorama- oder Nachtmodi gibt es bei Apples Telefon nicht.

Gewöhnungsbedürftig ist auch, dass der integrierte Digitalzoom nur über das Touch-Display regulierbar ist. Anders als bei anderen Smartphones sind die Lautstärketasten im Kamera-Modus sozusagen außer Funktion. Sie erlauben auch dann nur das Einstellen der Klingelton-Lautstärke und nicht das Einstellen der gewünschten Zoom-Stärke. Besser integriert wurde die Autofokus-Funktion. Das Bild wird immer wieder ohne Zutun des Nutzers automatisch scharf gestellt, wenn die Kamera bewegt wird. Daran muss man sich zwar zunächst gewöhnen, das dauert aber nicht sonderlich lange.

Gut aus der Affäre zieht sich das iPhone 4 auch in Sachen Konnektivität. Die integrierte Antenne lässt eine Nutzung rund um den Erdball in klassischen GSM-Netzen zu. Überall dort, wo bereits Basisstationen mit UMTS-Technik stehen, sind auch beschleunigte Internet-Downloads möglich. HSDPA mit bis zu 7,2 Megabit pro Sekunde steht ebenso zur Verfügung wie HSUPA für schnelle Uploads. Das kann zum Beispiel beim Versenden von E-Mails mit Anhängen ein Vorteil sein. Und sollte sogar ein WLAN-Netz zur Verfügung stehen, kann mit Apples Smartphone auch darauf zugegriffen werden. Auf Wunsch sogar über den neuen, schnellen N-Standard.

Fazit: Eigentlich ein großer Wurf - eigentlich!

Licht und Schatten, das iPhone 4 sucht den Mittelweg. An sich ist es Apple gelungen, ein Smartphone auf den Markt zu bringen, das die Messlatte wieder einmal ein Stückchen höher legt. Doch gravierende Probleme mit der Antenne, für Kratzer sehr anfällige Glasoberflächen und die nach wie vor fehlenden Möglichkeiten, einen Akku zu tauschen oder den Speicher über eine microSD-Karte zu erweitern, rauben dem Telefon eine echte Topwertung bei der Endnote.

Pluspunkte kann Apple aber durch seinen App Store einheimsen, der Millionen hilfreiche Applikationen beinhaltet. Unzählige namhafte Unternehmen haben nützliche Apps entwickelt, die in Verbindung mit einem Datentarif richtig Spaß machen können. Sei es der DFB mit aktuellen Nachrichten von der Nationalmannschaft, der Pay-TV-Sender Sky mit einem Sportsbar-Finder, ein Regenradar von wetter-online.de oder die Deutsche Bahn mit einer mobilen Fahrplan-Auskunft. Festzuhalten bleibt in diesem Zusammenhang aber auch: der Sucht-Faktor bei den Apps ist sehr groß. Wer einmal Geschmack gefunden hat, will so schnell nicht mehr drauf verzichten. Außerdem ist die Nutzung einer Daten-Flatrate unumgänglich, da allein schon der Download viele Megabyte kostet.

Spaß macht auch die integrierte QWERTZ-Tastatur. Woran sich der Wettbewerb lange die Zähne ausgebissen hat, ist bei Apple schon lange Standard: eine virtuelle Tastatur, die es ermöglicht, auch lange Texte weitestgehend komfortabel zu tippen. Und das sowohl im Quer- als auch im Hoch-Format. Die Tasten sind groß genug gehalten, sodass Vertipper nach einer gewissen Eingewöhnungsphase nur noch selten vorkommen.


Der mitgelieferte Akku liefert zufriedenstellende Werte. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wer sein iPhone 4 intensiv nutzt, sollte mit einem vollen Akku in den Tag starten, damit eine Nutzung auch am Nachmittag noch gewährleistet ist. Apple selbst geht von einer Bereitschaftszeit von maximal 12 Tagen aus, bei normaler Nutzung sind drei bis vier Tage realistisch. Eine Aufladung des Akkus ist auch dann möglich, wenn das Telefon über das mitgelieferte USB-Kabel mit dem Rechner verbunden ist. Im Lieferumfang ebenfalls inklusive: weiße Stereo-Kopfhörer, die klangtechnisch aber keine Revolution darstellen.

Enttäuschend ist auch, dass das neue Feature der Videotelefonie bisher nur dann funktioniert, wenn das iPhone 4 in ein WLAN-Netz eingebucht ist. Außerdem läuft ein Video-Telefonat nur, wenn die Verbindung zwischen zwei iPhone-4-Modellen aufgebaut wird.

Name: iPhone 4
Hersteller: Apple
Internet: http://www.apple.de
Preis: ab 1 Euro mit Vertrag bei der Telekom
Technische Daten:
Antenne: GSM Quadband, EDGE, UMTS, HSDPA
Abmessungen: 115x87x9 Millimeter
Gewicht: 140 Gramm
Display: 3,5 Zoll, 960x640 Pixel, 16 Millionen Farben
Speicher: 16 oder 32 GB intern
nicht über microSD erweiterbar
Schnittstellen: USB, Bluetooth 2.1, WLAN b/g/n
Digitalkamera: 5 Megapixel mit Autofokus, Fotolicht & HD-Videos
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Stereo-Headset, Datenkabel
Extras: MP3-Player, Bluetooth, WLAN, aGPS, HD-Kamera
Akkulaufzeit im Test: ca. 5 Stunden Sprechzeit
ca. 7 Tage Bereitschaftszeit
Pro & Contra:
kontraststarkes Retina-Display
große Auswahl im App-Store
WLAN-Schnittstelle inkl. N-Standard
HSDPA mit bis zu 7,2 Mbit/s
1 Gigahertz Prozessor
intuitives Menü
Antenne mit Empfangsproblemen
Oberfläche anfällig für Kratzer
Akku nicht austauschbar
Speicher nicht erweiterbar
vergleichsweise schwer
teuer in der Anschaffung
Bewertung:
Bedienung (30%): sehr gut
Ausstattung (20%): sehr gut
Verarbeitung (20%): gut
Akkulaufzeit (20%): befriedigend
Telefonfunktion (10%): gut
Abzug für Antennenprobleme - 0,25 Punkte
Gesamtnote gut (2,0)
Preis-Leistung: ausreichend

(Hayo Lücke)

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