Testbericht

Apple iPad mini im Test: Das kann es besser als das Retina-iPad

Eigentlich wollte Apple ja kein 7-Zoll-Tablet bringen - und hat es streng genommen auch nicht. Das iPad mini liefert einen 7,9-Zoll-Touchscreen. Was es besser und was es schlechter erledigt als das 9,7-Zoll-iPad, zeigt unser Test.

Apple iPad mini Retina© Apple

Auch wenn Steve Jobs nichts für besonders kompakte Tablets übrig hatte, gibt es mittlerweile eines von Apple: das iPad mini. Mit den Worten "Wir würden keines der 7-Zoll-Tablets machen. Wir glauben nicht, dass es gute Produkte sind und würden nie eins bauen", räumte Nachfolger Tim Cook Ende Oktober den scheinbaren Widerspruch zu Jobs Meinung aus der Welt. Von den ursprünglich gescholteten 7-Zoll-Exemplaren trennen das iPad mini schließlich auch 0,9 Zoll und damit immerhin fast 2,3 Zentimeter Display-Diagonale. Mit einem Startpreis von 329 Euro ist das iPad mini deutlich günstiger als sein 9,7 Zoll großer Bruder. Doch schafft es das Kleine, zu überzeugen, oder hätte Apple lieber bei den großen Tablets bleiben sollen? Wir haben uns das iPad mini einmal vorgeknöpft und mit einem Retina-iPad verglichen.

Top-Verarbeitung und angenehm leicht

Vorweg: Der günstigere Preis hat nicht zu einer schlechteren Verarbeitung geführt. Nicht nur diejenigen, die die bisherigen iPad-Modelle von Apple kennen, werden das Äußere des Flachrechners als hochwertig empfinden. Wie die übrigen iPads kleidet sich der Tablet PC auf der Vorderseite wahlweise in Schwarz oder Weiß und erreicht durch die bis an die Ränder reichende Display-Abdeckung ein rundum nahtlos wirkendes Design. Die Rückseite ist passend zur Front entweder graphitgrau oder silberfarben und mit einem spiegelnden Apfel-Logo verziert. Mit dem iPad mini wollte Apple das kleinstmögliche Gerät mit vollständigem iPad-Nutzererlebnis herausbringen, sagt das Unternehmen. Anders formuliert: Klein, aber nicht zu klein, und das ist auch geglückt.

Normalerweise werden die Hardware-Produkte immer dünner und dünner, als Apple vom iPad 2 auf das iPad 3 mit Retina-Display wechselte, stieg das Gewicht jedoch. Auch das kürzlich nachgelegte iPad 4 ist schwerer als das zweite iPad. 652 Gramm beziehungsweise 662 Gramm mit Mobilfunkmodul bringen die Retina-Modelle mit 9,7-Zoll-Bildschirm auf die Waage, dagegen sind die 308 bis 312 Gramm des iPad mini eine Wohltat. Die Retina-iPads lassen sich zwar mit zwei Händen waagerecht noch halbwegs angenehm halten, Lesen im Hochkant-Modus ist aber anstrengend. Das iPad mini ist dazu wesentlich besser geeignet, problemlos lässt sich das 200 x 135 x 7,2 Millimeter kleine Gerät wie ein E-Book-Reader in einer Hand halten und auch mit den Fingern umgreifen.

Schnittstellenarm - wie üblich

Rund um das Gehäuse finden sich ein Kopfhöreranschluss, ein Ein/Aus-Schalter, gut erreichbare Lautstärketasten, ein Hold-Schieberegler, um die Display-Rotation auszusetzen, der neue Lightning-Anschluss für das Netzteil und Zubehör und – in den von Apple als Wi-Fi + Cellular bezeichneten Varianten – eine Klappe, die den SIM-Karteneinschub verdeckt. Die entsprechenden Modelle erlauben mobiles Internet per LTE über das derzeit nur von der Deutschen Telekom genutzte 1.800-Megahertz-Frequenzband sowie über UMTS und HSPA+. Ferner integrieren sie GPS, ansonsten lässt sich mit allen Varianten per WLAN 802.11 a/b/g/n eine Internetverbindung herstellen. Bluetooth 4.0 zählt mit zum Repertoire, ein Kartenleser nicht.

Guter Sound trotz kleinem Gehäuse

Links und rechts neben dem Lightning-Anschluss sind Lautsprechergitter untergebracht. Wir haben den Sound des iPad mini mit einem Retina-iPad der dritten Generation verglichen und waren positiv überrascht; der kleinere Kollege klingt ähnlich laut und klar. Für Fotos und Videos steht eine 5-Megapixel-iSight-Kamera mit Gesichtserkennung und Autofokus zur Verfügung. Für FaceTime-Chats hat der Hersteller zudem oberhalb des Touchscreens ein 1,2-Megapixel-Exemplar angebracht. Beide Kameras sind auch dazu in der Lage, Fotos mit Ortsinformationen zu verknüpfen und Videos aufzunehmen, kommen aber ohne Blitzlicht aus. Schade. Bei großen Tablets lässt sich das Argument anführen, dass sie ohnehin zu unhandlich zum Fotografieren sind, der 7,9-Zöller ist dazu aber schon besser geeignet.

Nach dem ersten und positiven Eindruck stellt sich ein Stück weit Ernüchterung ein, nämlich dann, wenn das iPad eingeschaltet wird. Zwar hat Apple auch dem Mini-Modell ein blickwinkelstabiles und ausgesprochen helles IPS-Display spendiert, die Auflösung von 1.024 x 768 Pixeln entspricht aber noch dem iPad-2-Niveau. Für manche Nutzer mag das Meckern auf hohem Niveau sein, dennoch ist ein großer Qualitätsunterschied zum Retina-iPad unverkennbar. Letzteres versammelt 264 Pixel auf einer Fläche von einem Zoll (2,54 Zentimeter), beim iPad mini sind es nur 163. Immerhin ist die Anzeige schärfer als auf dem iPad 2, dort entspricht die Auflösung nämlich nur einer Punktdichte von 132 Pixel pro Zoll.

Statt Retina-Qualität gibt es sichtbare Pixel

Trotzdem wird es durch die geringere Auflösung des iPad mini hier und da pixelig. Insbesondere bei Texten, aber auch bei den Symbolen von Apps ist das spürbar. Anwendungen, die eigentlich für das iPhone oder den iPod touch gedacht sind, sehen nur in der verkleinerten Ansicht uneingeschränkt gut aus. Wer sie in doppelter Größe anzeigt, damit sie den Bildschirm komplett ausfüllen, wird enttäuscht sein. Auf dem mit 2.048 x 1.536 Bildpunkten befüllten Touchscreen des großen Bruders sind sie klar schärfer. Auch die Farbwiedergabe hinkt hinterher, auf dem Retina-Display kommen Farben strahlender heraus. Einen E-Book-Reader dürfte das iPad mini daher trotz passender Größe nicht für Jedermann ersetzen können, die Texte sind per E-Ink gestochen scharf, während kleine Schriftgrößen auf dem Tablet etwas undeutlich erscheinen. Farbige Magazine mit Fotos machen dafür umso mehr Spaß und der Nutzer bekommt – anders als bei 10-Zoll-Tablets – keine langen Arme. Bei Fotos und Videos ist die Leistung des Bildschirms generell ordentlich und sie ziehen wie Webseiten ihren Nutzen aus dem größtmöglich gestalteten 4:3-Bildschirm. Die schmaleren 16:9-Konkurrenten bietet eine kleinere Sichtfläche.

Ipad-2-Prozessor schlägt sich gut

Bei den inneren Werten ist das iPad mini ebenfalls eher dem iPad 2 zugetan als den Retinas. Während diese mit einem Apple A5X in Generation 3 und einem A6X in Generation 4 rechnen, wurde das mini mit einem Apple A5 abgespeist, so wie ihn auch das iPad 2 nutzt. Offenbar ist der Rückschritt in erster Linie für Zockerfreunde interessant, denn insgesamt schneidet das iPad mini dennoch gut ab. Das schnelle Drehen des Bildschirminhalts analog zum Gerät beherrscht das schwächere mini ebenso tadellos wie ein eigentlich flotteres iPad 3. Auch das Navigieren durch iOS 6 und die Einstellungen klappt zügig und beim Starten von Apps konnten wir ebenso wenig feststellen, dass das iPad mini mehr Zeit benötigt als das auf dem Papier performantere iPad 3. Zum iPad 4 mit A6X könnte der Unterschied deutlicher sein, ein solches Testmuster liegt uns jedoch nicht vor.

An der Speicherplatzauswahl hat Apple übrigens nicht gerüttelt. Wie gehabt, gibt es das iPad – ob mini oder Retina – mit 16, 32 oder 64 Gigabyte. Da mangels Kartenleser keine Erweiterung im Nachhinein möglich ist, will die Wahl wohl überlegt sein.

Genauso ausdauernd wie die großen iPads

Als Akkulaufzeit gibt Apple einen Richtwert von 10 Stunden beim Surfen über Wi-Fi und 9 Stunden im Datennetz an, womit das iPad mini auf dem Niveau der größeren iPads liegt. Der Hersteller hat hierzu den Akku bei gleichbleibender Leistung verkleinert. Um die Online-Puste zu prüfen, haben wir über WLAN YouTube-Videos abgespielt und sind ebenfalls auf 10 Stunden gekommen. Wer den Tablet-PC nur ab und zu benutzt und zwischendurch nicht ausschalten möchte, der kann sich außerdem über eine lange Standby-Zeit von mehreren Tagen freuen. Nach rund 15 Stunden Standby zeigte die Akku-Info auf dem iPad mini-Testgerät beispielsweise noch gar keinen Verlust an.

Da das iPad mini mit iOS 6 ausgeliefert wird, ist auch der Sprach-Assistent Siri mit dabei. Als Browser dient eine mobile Version von Safari, Flash hat das iPad noch nie unterstützt. Nachdem YouTube mit dem Umschwung von iOS 5 auf iOS 6 zunächst von der Bildschirmfläche verschwand, ist die App mittlerweile nachrüstbar. Google Maps gibt es leider nur als kleine iPhone-App. Die Bildschirmtastatur des iPad mini unterscheidet sich derweil nicht von der des iPad, profitiert aber vom schmaleren und leichteren Gehäuse. Hochkant kann sehr bequem mit den Daumen getippt werden, quer gehalten ist das wohl nur bei größeren Händen möglich.

Jede Menge Inhalte und Zubehör

Mit Inhalten vom Rechner lässt sich das iPad über einen Windows-PC oder Mac mit iTunes befüllen. Da die Formatunterstützung von Haus aus nicht sonderlich breit angelegt ist, müssen Videos mitunter konvertiert werden. Für Apps und Content jeglicher Art ist mit dem prall gefüllten App Store, iTunes und iBooks gesorgt. Wer eine "Apple TV"-Box besitzt, kann drahtlos Fotos, Videos oder Spiele auf einen Fernseher übertragen, ein Anschluss per HDMI oder Kontakt zu Fotos auf SD-Karten ist nur über optional erhältliche Adapter möglich. Apples Zubehörsortiment ist stattlich, wie die größeren iPads lässt sich auch das Kleinere nicht nur um zahlreiche Adapterkabel, sondern auch um eine kabellose Tastatur ergänzen. Ein passendes Smart Cover hat das US-Unternehmen ebenfalls kreiert. Mit einem Preis von 39 Euro ist es 10 Euro günstiger als die größere Version und schaltet das iPad beim Öffnen ein und beim Schließen aus. Zusammengerollt erhält man einen Ständer, um den Tablet-PC als digitalen Bilderrahmen oder zum Videoschauen zu nutzen. Nur eine Ledervariante, wie für das 9,7-Zoll-iPad verfügbar, gibt es derzeit nicht.

Fazit: Gelungener Einstand im Geschäft mit Mini-Tablets

Bei der Entscheidung, doch noch ein kleineres Tablet herauszubringen, hat Apple darauf geachtet, sich nicht selbst die Butter vom Brot zu nehmen. Auf der einen Seite kann das iPad mini nahezu ebenso viel wie der große Bruder. Auf der anderen Seite bleiben iPad mini und iPad durch den stärkeren Prozessor und das Retina-Display beim großen Modell zwei eigenständige Produkte. Bis es ein Retina-iPad-mini gibt, falls Apple ein solches überhaupt plant, dürfte das mini-iPad also nur den iPad-2-Absatz beschneiden. Jenes bietet Apple nach wie vor an, aber nur noch als 16-GB-Variante ab 399 Euro. Zur Mobilfunkversion des iPad 2 für 519 Euro zu greifen, lohnt sich weniger, schließlich kostet das mini-Pendant 60 Euro weniger und umarmt auch 4G statt nur 3G. Eine Einschränkung ist, dass nur der Frequenzbereich unterstützt wird, in dem die Telekom und möglicherweise in naher Zukunft auch E-Plus aktiv ist. Mit einem Tarif von Vodafone oder o2 kombiniert, fällt das iPad auf 3G zurück.

Alles in allem ist Apple der Start im 7-Zoll-Geschäft gelungen und das iPad mini ein handlicher und leichter Tablet-PC vor allem für unterwegs geworden. Ein interessanter Konkurrent ist das von Asus gefertigte Google Nexus 7 (Test) mit Android 4.1. Es ist bereits ab 199 Euro zu haben, mit HSPA+Modul für 299 Euro. Allerdings ist das Gerät bei Google Play immer mal wieder ausverkauft.

Weitere Tablet PCs im Test, einen Tablet PC Vergleich und eine Kaufberatung zum Thema Tablet PC liefert unser Hintergrundbereich.

Name: iPad mini (Wi-Fi + Cellular, 64 GB)
Hersteller: Apple
Preis:
ab 329 Euro
329 - 529 Euro mit WiFi, 459 bis 659 Euro mit 4G
Technische Daten
Chipsatz/Prozessor: Apple A5 Dual-Core-Prozessor mit 1,0 GHz
Bildschirm: 7,9 Zoll IPS-Display (1.024 x 768), Touchscreen, glänzend
Speicher: 16 bis 64 GB Speicherplatz
Akku: Herstellerangaben: 10 Stunden Wi-Fi, 9 Stunden im Datennetz
gemessen: 10 Stunden Videowiedergabe (WLAN ein)
Kommunikation: WiFi 802.11 a/b/g/n, Bluetooth 4.0, als Cellular-Modell: LTE, UMTS/HSPA+, GSM/EDGE
Betriebssystem: iOS 6 (6.0.2)
Abmessungen: 200 x 135 x 7,2 Millimeter;
WiFi: 308 Gramm / Cellular: 312 Gramm
Anschlüsse: Lightning, Kopfhörer (3,5 mm Klinke)
Sonstiges: GPS (nur Cellular), Lagesensor, Lichtsensor, 5-Megapixel-iSight-Kamera, 1,2-Megapixel-Webcam
handliches Format
sehr gute Verarbeitung
leicht
helles IPS-Display
lange Akkulaufzeit
flüssige Performance
auch als Mobilfunkmodell
sehr wenige Schnittstellen
kein Kartenleser
Formatunterstützung
geringe Display-Auflösung
Bewertung:
Geschwindigkeit (20%): gut
Ausstattung (20%): befriedigend
Display (20%): gut
Bedienung/Handhabung (15%): sehr gut
Akkulaufzeit (15%): gut
Verarbeitung (10%): sehr gut
Gesamt: gut (2,0)
Preis-Leistung: gut

(Saskia Brintrup)

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