Testbericht

Apple iPad Air im Test: Ein Top-Tablet noch besser gemacht

Mit dem iPad Air hat Apple die nächste Stufe zum perfekten Tablet-PC erklommen. Es ist enorm leicht und verleitet wie ein 8-Zoll-Modell zum Hochkant-Betrieb. Anfreunden muss sich so mancher aber mit der Touchscreen-Abdeckung.

Apple iPad Air© Apple

Am 22. Oktober stellte Apple seine neuen iPad-Modelle 2013 vor: Der allseits bekannte Tablet PC des US-Herstellers ist damit in seiner fünften Generation angelangt - heißt aber nicht iPad 5, sondern iPad Air. Ein hochwertiges Aluminiumgehäuse besitzt das iPad bereits seit Generation eins, die besonders hohe Bildschirmauflösung seit dem iPad 3 und LTE-Fähigkeit seit Generation vier - wo bleibt da noch Spielraum für Verbesserungen? Apple hat ihn gefunden.

Ipad Air Test - Inhalt

  • Seite 1: Design, Schnittstellen und Kameras des iPad Air
  • Seite 2: Leistung, Display und Akkulaufzeit des iPad Air
  • Seite 3: iOS, Fazit und technische Daten zum Apple iPad Air

Dünner und 28 Prozent leichter als das iPad 4

Bis zur vierten Generation sah das "große" iPad, sprich, das 9,7-Zoll-Modell, von vorne aus betrachtet gleich aus: Ein relativ breiter, wahlweise schwarzer oder aber weißer Rahmen säumte rundherum das Display. Ein völlig anderes Design hingegen hat das iPad mini (Test) erhalten, das Apple gegen Ende vergangenen Jahres einführte. Beim kleinen Bruder des iPads, der mittlerweile auch mit einem Retina-Bildschirm zu haben ist, fallen die seitlichen Ränder deutlich schmaler aus. Diese Gestaltung hat Apple nun auch für das 9,7-Zoll-iPad übernommen. Die Breite der seitlichen Balken hat sich in etwa halbiert, statt knapp zwei Zentimeter sind die Ränder des iPad Air nur noch etwa einen Zentimeter breit. Insgesamt ist das iPad dadurch spürbar kleiner geworden und dabei auch leichter.

Während das Vorgängermodell bei 241 x 186 x 9,4 Millimetern (mm) noch 652 bis 662 Gramm auf die Waage brachte, sind es beim 240 x 169,5 x 7,5 mm großen iPad Air nur noch überschaubare 469 Gramm beim WiFi-Modell und 478 Gramm beim LTE-Gerät. Das führt dazu, dass der Tablet-PC nun viel besser in nur einer Hand gehalten werden kann und bei längerer Benutzung die Arme nicht mehr so schnell ermüden. Zwar bleibt ein 7- oder 8-Zoll-Tablet die erste Wahl für die Einhandbedienung, aber nichtsdestotrotz löst Apple mit dem iPad Air das bisherige Fliegengewicht Sony Xperia Tablet Z (Test) als leichtestes Modell seiner Klasse ab. Durch die neue Form gibt es natürlich auch neue Smart-Cover für das iPad, die jetzt nur noch drei statt vier bewegliche Elemente aufweisen.

Verarbeitung überzeugt noch immer

Die Verarbeitung des iPad Air bleibt auf dem gewohnt hohen Niveau der iPad-Familie. Wie die älteren Geschwister ist es von einem Unibody-Alu-Gehäuse umgeben und rundherum tadellos gefertigt. Die je nach Farbwahl schwarze oder weiße Front lässt lediglich eine Webcam und den typischen Home-Button erkennen, auf der Rückseite befinden sich eine iSight-Kamera und wie üblich eine gummierte Aussparung an der Alu-Oberfläche, um die Empfangsleistung der Drahtlos-Technik nicht zu beeinträchtigen. Im iPad Air WiFi verbaut Apple ein 802.11a/b/g/n-Modul mit Unterstützung für das 2,4- und 5-Gigahertz-Band sowie Bluetooth 4.0. Wer sich für das iPad Air Wi-Fi + Cellular entscheidet, der kann darüber hinaus auf eine im Vergleich zum vorherigen iPad erweiterte LTE-Abdeckung zurückgreifen. Auch über HSPA+ beziehungsweise UMTS lässt sich mobiles Internet nutzen. In Bezug auf weitere Schnittstellen bleibt Apple seiner Linie treu und gesteht dem iPad Air weder Standard-USB-Port noch Kartenleser zu, es bleibt bei einer Kopfhörerbuchse und einem Lightning-Connector zum Anschließen von USB-Kabel beziehungsweise Netzteil und Zubehör. Auch vom vielfach erwarteten Fingerabdrucksensor - wie ihn das iPhone 5s mit Touch ID bietet - keine Spur. An der Seite platziert wurden eine Hold-Taste zum Arretieren der Display-Ausrichtung und zwei separate Knöpfe zum Verstellen der Lautstärke. Die Tasten wecken einen sehr haltbaren Eindruck und sind deutlich zu erfühlen, wodurch auch eine blinde Bedienung problemlos möglich ist.

Dass es sich aber bei der Display-Abdeckung um Glas handelt, muss man schon wissen, denn vom Gefühl und Geräusch her könnte man ansonsten eher Plastik vermuten, wenn man gegen die Scheibe klopft oder mit dem Finger darauf tippt. Das mag zwar ein Erstkäufer beziehungsweise iPad-/Tablet-Neuling ganz anders sehen, wer aber die alten, dickeren iPads gewohnt ist, dem dürfte das auffallen. Im Vergleich zu den Vorgängern hört sich das iPad Air nämlich bei der Benutzung einfach anders an, was offenbar an der dünneren Verglasung liegt. Hierbei handelt es sich wohlgemerkt um Nuancen, nichtsdestotrotz berichten auch andere Nutzer in Artikelkommentaren von der veränderten Haptik.

Gute Kameras, aber leider kein Blitz

Die Kameras bieten 1,2 und 5,0 Megapixel und reichen dementsprechend für die gelegentliche Nutzung aus. Zeitungsausschnitte lassen sich mit der Hauptkamera beispielsweise gut lesbar abfotografieren. Bei Landschaftsaufnahmen und Portraits kann bei schlechten Lichtverhältnissen aber Bildrauschen das Ergebnis trüben. Nett ist die HDR-Funktion, mit der sich die Farbsättigung der Aufnahmen aufpolieren lässt. Schade nur, dass Apple nach wie vor kein Blitzlicht verbaut. Auch wenn diese Tablet-Größenklasse sicher kein adäquater Ersatz für eine Digital- oder Smartphone-Kamera ist, hätte ein Blitz dem iPad aufgrund des Gewichtsverlustes gut gestanden. Die Webcam überrascht angesichts ihrer geringen Auflösung mit scharfen Bildern und natürlichen Farben. Das Ergebnis hängt natürlich auch vom Umgebungslicht ab, hier hat Apple allerdings nachgebessert.

Nicht nur das äußere Erscheinungsbild hat Apple umgemodelt, auch das Innenleben hat ein Update erfahren. Im iPad Air werkelt Apples A7-Chip mit 64-bit-Architektur, der nebenbei bemerkt auch das neue iPad Mini mit Retina-Display und das iPhone 5s antreibt. Laut Hersteller sorgt der Chip gegenüber dem Vorgänger-iPad für eine bis zu doppelt so hohe Rechen- und auch Grafikleistung.

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Schnelleres iPad durch Apple A7

Im Alltag bemerkt der Nutzer davon in erster Linie eine an jeder Stelle verzögerungsfreie Performance. Ob nun Apps gestartet werden, wild durch die Einstellungen geklickt oder aber von einer Anwendung zur nächsten gesprungen wird, das iPad Air leistet sich keine Patzer und bringt den gewünschten Inhalt zügig auf das Display. Die 3DMark-App bescheinigt der Hardware ebenfalls Spitzenwerte, sowohl der Standard-Benchmark als auch die anspruchsvollere "Extreme"-Version sind dem iPad Air schlichtweg zu leicht.

Spielefreunde kommen voll auf ihre Kosten, aktuelle Titel wie Asphalt 8 waren im Test locker spielbar. Das schafft zwar auch ein iPad dritter Generation, doch auf dem neuen Air gibt es dann noch schärfere Details. Die Touchscreen-Bedienung ist insgesamt sehr gut und wurde von Apple an das neue Design angepasst. Da die schmaleren Ränder den Nutzer dazu verleiten, das iPad häufiger hochkant zu halten, ist es unvermeidbar, dass die Daumen nicht auf dem funktionslosen Rahmen verbleiben, sondern auf dem Display liegen. Trotzdem muss nicht befürchtet werden, dass andauernd versehentlich Eingaben getätigt werden, denn das iPad weiß zwischen Festhalten und Auswählen zu unterscheiden. Lediglich die Bildschirmtastatur reagiert, in der Praxis kommt das aber dennoch kaum vor, da der Daumen in der Regel höher und nicht am unteren Rand liegt.

Wie viel Speicherplatz dem Nutzer zur Verfügung steht, hängt vom Modell ab. Angeboten wird der Tablet-PC mit 16, 32, 64 und sogar 128 Gigabyte (GB) Speicher. Mangels eines Kartenlesers sollte man sich im Vorfeld gut überlegen, ob ein Puffer benötigt wird oder nicht. Zwar lassen sich Daten in der iCloud speichern und auslagern, wer das jedoch nicht möchte oder generell vorhat, eine Menge Apps zu installieren, für den könnte es mit der 16-GB-Version eventuell eng werden.

Das Display: Gewohnte und bewährte Retina-Schärfe

Das Retina-Display des iPad Air liefert die bereits seit der ersten Retina-iPad-Generation bekannte Auflösung von 2.048 x 1.536 Bildpunkten, was bezogen auf die 9,7-Zoll-Diagonale einer Pixeldichte von 264 Pixel pro Zoll entspricht. Dass Cupertino an dieser Stelle nicht weiter nachgelegt hat, ist nachvollziehbar: Das Display ist gestochen scharf und bereitet dadurch nicht nur bei detailreichen Fotos und hochauflösenden Videos Freude, sondern eignet sich durch die wie gedruckt aussehenden Texte auch als Ersatz für einen E-Book-Reader. Eine Paradedisziplin sind digitale Zeitschriften, deren bunte Fotos und Illustrationen von dem hervorragenden Bildschirm profitieren. Die Basis bildet ein blickwinkelstabiles und farbenfrohes IPS-Panel, dessen Abdeckung wieder mit einer fettabweisenden Beschichtung versehen wurde. Sie kann zwar Fingerabdrücke im Alltag nicht gänzlich verhindern, scheint aber tatsächlich das Ausmaß der Fetttapser einzudämmen. Punkten kann der Bildschirm zudem mit seiner hohen Helligkeit. Wichtig ist das bei der mobilen Nutzung - wie im Zug auf dem Fensterplatz, wenn sich die Umgebung in der Glasscheibe spiegelt.

Unverändert geblieben ist die von Apple versprochene Akkulaufzeit von bis zu 10 Stunden beim Internetsurfen per WLAN-Verbindung. Beachtlich ist das insofern, als dass sich ein stärkerer Chip in einem viel kleineren Gehäuse als im iPad 4 befindet und eine ebenso stolze Pixelmannschaft in Schwung halten muss. Nachgemessen haben wir den Energieverbrauch beim iPad Air sowohl im WLAN-Betrieb als auch offline im Flugzeugmodus und unser Testgerät hielt zwölf bis 13 Stunden durch. Auch auf den Sound scheint das abgespeckte Gehäuse keinen negativen Einfluss zu haben: Der Lautsprecher klingt für ein derart flaches und kompaktes Gerät erfreulich kräftig und klar. Wird das iPad quer gehalten, ertönt der Sound allerdings nur von einer Seite, und wenn man Pech hat, verdeckt die Hand den Lautsprecher etwas.

Wie die neuen iPhones wird auch das iPad Air von Haus aus mit der neuen iOS-Version ausgeliefert. Welche Änderungen sich in iOS 7 finden, haben wir bereits in einer Bildergalerie zum iPhone veranschaulicht. Unter anderem hat Apple ein komplett neues und deutlich bunteres Design aufgesetzt sowie das Wechseln zwischen Apps und dadurch das Multitasking vereinfacht. Die wichtigsten Einstellungen wie Helligkeit und Konnektivität sind nun durch ein jederzeit aufziehbares Menü von jeder Anwendung aus zugänglich, ohne dass der Umweg über den Startbildschirm und den entsprechenden Punkt erfolgen muss.

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Für die iPads gibt es mittlerweile mehr als 475.000 Apps. Neu ist, dass Apple seine Eigenentwicklungen wie iPhoto zur Bildbearbeitung, die Instrumenten-App GarageBand oder auch Pages, Numbers und Keynote zum Erstellen von Textdokumenten, Tabellen und Präsentationen kostenlos anbietet. Zuvor kosteten die einzelnen Apps bis zu 8,99 Euro pro Stück. Die Gratiszugabe gilt jedoch nur für neue Geräte, dann sind die Anwendungen kostenfrei aus dem App Store ladbar.

Fazit: In allen Bereichen erstklassig

Mit dem iPad Air hat Apple die nächste Stufe zum perfekten Tablet-PC erklommen. Das Retina-Display und die Verarbeitung sind kaum noch zu verbessern, aber dünner und leichter zieht ja bekanntlich immer. Durch das neue Design des großen iPads lässt sich dieses nun viel besser hochkant nutzen als vorherige Modelle. Erfreulich ist, dass sich weder Klang noch Akkulaufzeit durch die kompaktere Form beeinträchtigt zeigen. Äußerst schnell ist das iPad Air obendrein, hier kann man bedenkenlos zuschlagen.

Der Käufer muss sich aber im Klaren darüber sein, dass out of the box keine Speicherkarten oder Zubehör anschließbar sind. Das war bereits beim iPad 1 so und wird von Apple sicher auch in Zukunft beibehalten. Ein günstiger Spaß ist das iPad nicht, ab 479 Euro für die Einstiegsvariante aber klar das Geld wert. Immerhin gibt Apple nun sein bislang eher teures Software-Paket gratis dazu. Wer etwas Geld sparen möchte, für den könnte das neue iPad mini mit Retina-Display eine Alternative sein.

Weitere Tablet PCs im Test, einen Tablet PC Vergleich und eine Kaufberatung zum Thema Tablet PC liefert unser Hintergrundbereich.

Name: iPad Air (iPad 5. Generation)
Hersteller: Apple
Internet: www.apple.com/de
Preis: UVP: ab 479 Euro (16 GB, WLAN) /
Topmodell (wie Testgerät): 869 Euro /

ab 479 Euro bei Apple kaufen /
ab 484 Euro bei Amazon kaufen
Technische Daten
Chipsatz/Prozessor: Apple A7

Benchmarks:
3DMark Score: Ice Storm + Extreme:
kein Ergebnis, da zu leicht bzw. "ausgereizt" /
Unlimited: 14.920
Geekbench 3:
Single-Core: 1.475 / Multi-Core: 2.674
SunSpider 1.0.2: Safari: 387 ms
Coast by Opera: 1370 ms
Bildschirm: 9,7 Zoll Retina (2.048 x 1.536 Pixel)
Touchscreen, glänzend
Speicher: 16 bis 128 GB Speicherplatz
Akku: Herstellerangabe: bis 9 Stunden 3G/4G-Surfen,
10 Stunden WLAN-Surfen,
gemessen: maximal 12 bis 13 Stunden Videowiedergabe (WLAN oder offline)
Kommunikation: WLAN 802.11a/b/g/n 2,4 + 5 GHz, Bluetooth 4.0, LTE optional
Betriebssystem: iOS 7
Abmessungen: HxBxT: 240 x 169,5 x 7,5 Millimeter;
469 bis 478 Gramm
Anschlüsse: Lightning, Kopfhörer (3,5 mm Klinke), Micro-SIM
Sonstiges: 3-Achsen-Gyrosensor, Beschleunigungssensor,
Umgebungslichtsensor, 5-Megapixel-Kamera
für Fotos/Videos mit Autofokus,
1,2-Megapixel-Webcam
Pro & Contra
Top-Verarbeitung
dünn und sehr leicht
hervorragendes, helles IPS-Display
hohe Leistung
lange Akkulaufzeit
guter Lautsprecherklang
Kamera ohne Blitzlicht
nach wie vor kein Kartenleser
wenige Anschlüsse
kein Fingerabdruckleser wie iPhone 5s
Bewertung:
Gesamt: 4,5 von 5 Sternen
Preis-Leistung:  gut

(Saskia Brintrup)

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