Testbericht

Apple iMac im Test: Geräuschlose Augenweide

Der neue iMac kommt mit IPS-Display mit nahtloser Glas-Abdeckung und HD-Auflösung. Können auch die Mini-Tastatur und die Magic Mouse überzeugen?

Der neue iMac kommt mit IPS-Display mit nahtloser Glas-Abdeckung und HD-Auflösung. Können auch die Mini-Tastatur und die Magic Mouse überzeugen?

Apple© Apple
Ende Oktober zündete das kalifornische Unternehmen Apple ein wahres Produkt-Feuerwerk und holte unter anderem eine neue iMac-Generation auf die Bühne. Die metallischen All-in-one-PCs wurden re-designt und setzen ihre schlanken Körper nun mit dem neuen Trend bei Displays in Szene: nahtlose Glas-Einfassung. Aber nicht nur diese Feinheit ist neu, Apple hat auch stärkere Prozessoren sowie mehr Arbeits- und Festplattenspeicher integriert. Der aktuelle iMac bringt zudem die nächste "Apple-Sensation" mit - die neue Magic Mouse, die ihr Profil mit Multitouch-Fähigkeiten schmückt. Last but not least haben die Designer aus Cupertino ein gutes Stück der Tastatur abgesägt. Dünner und kleiner zieht offensichtlich immer. Wie das Zusammenspiel von Mini-Tastatur, Breitbild-iMac und glattpolierter Maus klappt, hat unsere Redaktion anhand des kleinen iMac für 1.099 Euro getestet.

Inhalt:

1. Look and feel und Tastatur
2. Magic Mouse, Hardware und Display
3. Ohropax-Betrieb, Fazit und Info-Tabelle

Design, das schwach macht

Der neue iMac ist in zwei Größen erhältlich: mit 21,5 Zoll und im Fast-TV-Format mit 27 Zoll. Bei unserem Testgerät handelt es sich um das kleinere Modell mit einem Gewicht von 9,3 Kilogramm – verteilt auf 45x53x19 Zentimeter. Der All-in-one teilt sich den Platz im großen Karton mit einer weißen Pappschachtel, die Tastatur, Maus, Handbuch ("Alles Mac") und eine Betriebssystem-Recovery von Mac OS X 10.6 (Snow Leopard) zusammenschnürt. Auch die installierten iLife-Anwendungen wie iPhoto, iDVD und GarageBand liegen noch einmal in gesicherter Fassung ("alles andere") vor. Das Design ist Apple-typisch dezent in weiß und grau gehalten.


Der iMac selbst hat sich verglichen mit dem Vorgänger optisch wenig verändert. Hauptbestandteil ist nach wie vor das silbergraue Metallgehäuse mit schwarzem Apfel-Logo und schwarzem Display-Rahmen, das fast wie aus einem Guss gefertigt wurde und somit dem Unibody-MacBook gleicht. Alle Anschlüsse befinden sich auf der Rückseite: 4x USB, Firewire, Gigabit LAN, Bluetooth, Mikrofon, Kopfhörer und eine Mini-DisplayPort-Schnittstelle. Über diese kann der Nutzer einen zweiten Bildschirm anschließen, die Version am 27-Zoll-iMac dient hingegen gleichermaßen als Eingang für einen PC oder ein Notebook. Ein passendes Kabel muss separat gekauft werden. Das Loch im stabilen Standfuß ist die Kabelführung. Wer nur die beiden mitgelieferten Eingabegeräte nutzt und sich per WLAN - AirPort Extreme 802.11 a/b/g/n - mit dem Internet verbindet, wird einzig und allein das Stromkabel hindurchführen.

Die Tastatur ist kabellos, genau wie die Magic Mouse. Beide Geräte sind ab Werk mit Batterien bestückt und mit dem iMac verbunden, sodass sie nur noch eingeschaltet werden müssen. Der iMac wiederum lässt sich an der Rückseite anwerfen und ist in unter 30 Sekunden hochgefahren und einsatzbereit. Die Mini-Tastatur ruft unweigerlich Assoziationen mit einem Netbook hervor. Bei einem Desktop-Ersatz könnte die Tastatur eigentlich umso größer sein, schlechte Tippeigenschaften kann der Nutzer ihr aber nicht bescheinigen. Die Tasten sind einzeln in die Aluminium-Oberfläche eingelassen, was Treffsicherheit gewährleistet. Außerdem lässt sie sich wesentlich leichter reinigen als ein herkömmliches Modell, auch aufgrund der besonders flachen Tasten. Trotz toller Optik lässt sich ein Nachteil aber nicht schönreden: Es fehlen Tasten. Wer viel mit dem Computer arbeitet und verschiedene Anwendungen nutzt, wird einige Funktionen schmerzlich vermissen, zum Beispiel Entfernen (nur per Backspace+fn), Position 1, Ende oder schlichtweg separate Nummerntasten. Auch die insgesamt flache Bauweise kratzt am Komfort, für regelmäßiges Arbeiten ist sie weniger zu empfehlen. Die oben milchig-weiße und auf der Unterseite mit Aluminium verkleidete Magic Mouse sieht mit dem schicken Glanz und der abgerundeten Form aus wie das, was man einen Handschmeichler nennt. Sie ist weder auf Rechts- noch auf Linkshänder zugeschnitten und ebenfalls ziemlich flach, was nicht gerade auf ergonomische Wunder hoffen lässt.

Mighty goes Magic

Liegt die Hand auf dem weißen Schlitten, ist deren Haltung auch nicht so optimal als auf einer hohen und anatomisch passenden Maus, die Touch-Fähigkeit bringt aber deutlich mehr Leichtigkeit. Wo der Zeigefinger sonst am Scrollrad dreht, ist hier nur ein Wisch mit dem Finger nötig, ob mittig oder seitlich ist egal. Gerade die Navigation durch ellenlange Websites oder Dokumente profitiert davon. Bei gedrückter Maustaste scrollt aber so mancher sicherlich lieber mit einem Rädchen als auf der glatten Plastikschale. Der Rechtsklick muss – warum auch immer – durch den Nutzer erst per Häkchen aktiviert werden. Von einem Bild zum nächsten klicken oder im Browser vor- und zurückspringen kann man mit zwei Fingern. Per Kreisel verschieben sich zum Beispiel besonders große Bilder, das war es leider schon. Hier hätte sicherlich so mancher mehr erwartet.

Das steckt im Alu-Gehäuse

Und was hat das Hardware-Gerüst des iMac zu bieten? Während der große iMac auch mit einem Intel Core i5 oder i7 Quad-Core-Prozessor zu haben ist, treibt den 21,5-Zöller ein Core 2 Duo mit 3,06 Gigahertz (GHz) oder gegen einen Aufpreis von 180 Euro ein 3,33-GHz-Modell an. Der RAM ist auf vier Gigabyte (GB) DDR3-Speicher angewachsen, eine Erweiterung ist technisch gesehen auf bis zu 16 GB möglich. Im Apple Store findet sich aber nur die Option auf acht GB für 180 Euro. In jedem Fall beschlagnahmt die Onboardgrafik, eine Nvidia GeForce 9400M, 256 Megabyte für sich. Die Festplatte bietet in der Basis-Konfiguration für 1.099 Euro eine Kapazität von 500 GB, der 1.349-Euro-iMac liefert ab ein Terabyte und schlägt den Kleinen auch bei der Grafikleistung. Anstelle des Onboardchips gibt es dann eine ATI Radeon HD 4670 aus der Mittelklasse, die höheren Multimedia-Ansprüchen und Spielen entgegenkommt, insofern sie nicht zu den leistungsverwöhnten Games gehören.

Wie alle All-in-one-Computer ist auch der iMac nicht höhenverstellbar. Eine Neigung des 21,5 Zoll großen 16:9-Bildschirms ist aber gewährleistet, die Möglichkeit, den Rechner per VESA-Halterung an die Wand zu schrauben, gibt es nur beim 27-Zöller. Das Display ist in beiden Fällen spiegelglatt und hat daher die üblichen Vor- und Nachteile: Farbbrillianz und Schönheit stehen Fingerabdrücken und störenden Spiegelungen gegenüber. Als Wiedergutmachung lassen sich zwei unschlagbare Argumente anführen. Nummer 1 ist die High Definition Auflösung von 1920x1080 Pixel (beim großen iMac gibt es sogar 2560x1440), das zweite ist die hochwertige Panel-Technik. Anstelle von TN setzt Apple bei der neuesten Komplettkiste auf IPS (In-Plane Switching). Diese Panel können zwar in puncto Reaktionszeit nicht mit dem günstigeren TN mithalten, glänzen aber mit einer besseren Farbwiedergabe und erlauben größere Blickwinkel. Leider steht diesem Pluspunkt von 178 Grad die Spiegel-Optik im Weg. Im direkten Vergleich mit einem TFT-Monitor auf TN-Basis zeigte sich der iMac schärfer, kontrastreicher und viel heller. Für eine gute Ausleuchtung sorgt bei Apple auch die LED-Hintergrundbeleuchtung, die nebenbei eine längere Lebenserwartung und ein gleichmäßigeres Ergebnis als bei Röhren zu bieten hat. Zusätzliche Features wie Webcam, Mikrofon und Infrarot-Empfänger integriert die Glas-Abdeckung fast unsichtbar. Die ebenfalls von vorne nicht erkennbaren Lautsprecher (2x17 Watt) fügen sich mit ihrem guten Sound perfekt ins Gesamtbild ein. Wer keine zusätzlichen Exemplare anschließen möchte, wird im Vergleich zu üblichen Monitor- oder Notebook-Lautsprechern begeistert sein, auch wenn bessere Speaker bei All-in-ones keine Seltenheit sind.

Unglaublich leise - aber warm

Trotz HD-Display hält sich Apple aber nach wie vor von Blu-ray-Laufwerken fern. Bei der Nutzung des DVD-Brenners, der sich lediglich als Schlitz im Gehäuse neben dem Kartenleser entblößt, darf der Nutzer keine Scheu haben. Auch wenn die Geräusche beim ersten Silberling-Versenken etwas ungesund anmuten, zieht das Laufwerk die Scheibe leise und sicher ein. Leise ist im Übrigen das Stichwort beim iMac. Im Test fielen weder ratternde Festplatten noch Lüftergeräusche auf, am Schreibtisch herrscht absolute Ruhe. Nach längerer Nutzung erwärmt sich allerdings das Gehäuse deutlich.

Fazit: Alu-Traum mit Design-Zubehör

Der neue iMac ist eindeutig ein Design-Prachtstück: Apple hat Aluminium und Glas zu einer quasi unschlagbaren Kombination verwoben. Das neue Konzept der Multitouch-Maus geht auf und beschert dem Nutzer einige Vorteile. Die Tastatur ist zwar hochwertig, erntet von Vielschreibern aber ein Stirnrunzeln: Wenn essentielle Tasten fehlen, leidet der Komfort. Immerhin ist im Apple Store alternativ auch eine kabelgebundene Tastatur mit weiteren Tasten zu haben – ohne Aufpreis. Insgesamt wurde bei den Eingabegeräten mehr auf das Design als auf die Gesundheit geachtet, aber dies wird den Apple-Käufer sicher nicht abschrecken. Die Hardware ist für Durchschnitts-Anwendungen absolut ausreichend. Für Do-it-yourself-Fans ist ein iMac - oder All-in-one im Allgemeinen - nichts. Lediglich der Arbeitsspeicher kann getauscht oder erweitert werden, der Rest ist für Bastelarbeiten und Reparaturen tabu. Wer sich daran nicht stört, kann sein Weihnachtsgeld in einen knackigen Apfel investieren. Ein wenig Bauchschmerzen bereitet aber der nur einjährige Service, drei Jahre Garantie kosten 179 Euro extra.

Name: iMac (Intel-based)
Hersteller: Apple
Internet: www.apple.de
Preis: UVP 1.099 Euro
Technische Daten
Bildschirm: 21,5 Zoll 16:9 mit 1920 x 1080 Pixel
Blickwinkel: 178 Grad horizontal/vertikal
Helligkeit: 320 cd/m²
Prozessor: Intel Core 2 Duo mit 3,06 GHz
Grafikkarte: Onboard: Nvidia GeForce 9400M (256 MG Shared Memory)
Arbeitsspeicher: 4 GB DDR3-RAM (2x2 GB) mit 1066 MHz, erweiterbar auf bis zu 16 GB
Festplatte: 500 GB SATA mit 7200 U/Min
Laufwerk: 8x Double-Layer SuperDrive Slot-In
Soundkarte: Intel High Definition Audio
Kommunikation: Gigabit LAN, WLAN 802.11 a/b/g/n, Bluetooth
Sonstiges: Mit iSight Webcam und Mikrofon
Betriebssystem: Mac OS X 10.6 Snow Leopard
Software: iLife (iPhoto, iMovie, iDVD, iWeb, GarageBand)
Lieferumfang: iMac, Wireless Keyboard, Magic Mouse, Netzkabel, Installations-/Wiederherstellungs-DVDs, Reinigungstuch, Handbuch
Abmessungen: HxBxT: 45,1 x 52,8 x 18,85 cm; 9,3 kg
Anschlüsse: Mini-DisplayPort, Firewire, Kartenleser (nur SD), vier USB-Ports, Mikrofon, Kopfhörer
Benchmarks/Zahlen: iBench: 4,2
Cinebench 10: OpenGL Standard Test: 5128 Punkte, Multiple CPU Render Test: 6530 Punkte
Garantie: ein Jahr + 90 Tage kostenloser Telefon-Support
Pro & Contra
Außerordentliches Design
spart Platz
hochwertiges HD-Display
sehr leise im Betrieb
kabellose Eingabegeräte
neues Bedienungserlebnis dank Magic Mouse
Spiegel-Oberfläche
schlecht erweiterbar
Kartenleser mag nur SD
Design geht zu Lasten der Ergonomie
Bewertung:
Geschwindigkeit (25%): gut
Ausstattung (20%): gut
Ergonomie (20%): befriedigend
Handhabung/Service (15%): gut
Geräuschentwicklung (10%): sehr gut
Verarbeitung (10%): sehr gut
Gesamt: gut (2,0)
Preis-Leistung: gut

(Saskia Brintrup)

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