Testbericht

Angetestet: Musik-Flat von Sony vs. Napster

"Music Unlimited powered by Qriocity" gibt es nun auch in Deutschland - über jeden Browser, die Playstation 3, Sony Bravia Fernseher und weitere Geräte. Wir haben in die Musik-Cloud reingehört.

Laptop© Micha Bednarek / Fotolia.com

Seitdem Sony am Wochenende den Musikdienst Music Unlimited powered by Qriocity auch in Deutschland startete, haben der Musik-Service "Napster" und die Musik Flatrate "Musicload Nonstop" einen Rivalen mehr: Der neue Sony Dienst sorgt mit zwei verschiedenen Content-Paketen für unbegrenzten Musikgenuss. Wir haben uns Music Unlimited genauer angehört und mit Napster verglichen.

Reines Streaming

Die erste Besonderheit der von "Qriocity" realisierten Musik-Plattform offenbart sich schon beim Zugang: Wie Napster und Musicload Nonstop ist auch Sonys Dienst per Browser mit Flash-Support (Internet Explorer, Firefox, Safari oder Chrome) über PC oder Notebook und somit von jedem Ort aus erreichbar. Die Japaner haben ihr Angebot aber auch auf hauseigene Produkte wie die Playstation 3, Blu-ray-Player und Flachbildfernseher der Bravia-Reihe mit Internetanschluss ausgeweitet und sprechen daher einen größeren Kundenkreis an. Im Gegensatz zu Napster birgt Music Unlimited keinen installierbaren Client, keine Downloads und keine Offline-Nutzung. Stattdessen gibt es reines Streaming, beziehungsweise, um es mit einem Trendthema auszudrücken, ausschließlich Musik aus der Cloud.

Stöbern auch ohne Account

Wir haben uns den Dienst per Browser angesehen. Für die Nutzung der verschiedenen Funktionen ist eine kurze Registrierung auf www.qriocity.com nötig. Doch auch ohne Anmeldung kann der Nutzer schon schauen, was der Service im Angebot hat, sich mit dem Interface vertraut machen und alle Titel probeweise für 30 Sekunden anspielen. Wer einen Account erstellt, kann damit nicht nicht nur die Musikdateien verwalten, sondern auch Filme aus dem Sony Video on Demand Service und Spiele einfließen lassen: ein Log-in für alle Inhalte und alle Geräte. Im Musik-Pool schwimmen laut Betreiber mehr als 6 Millionen Songs. Zum Vergleich: Napster bringt es nach eigenen Angaben auf mehr als 10 Millionen Titel, Musicload auf 5,5 Millionen. Welche Songs gespielt werden können, hängt bei Music Unlimited vom Abonnement-Modell ab.

Zwei Abo-Modelle

Das Basis-Angebot für 3,99 Euro ermöglicht dem Kunden für 30 Tage vorab zusammengestellten Musikkanälen zu lauschen. Diese Abo-Variante hat eher Radiocharakter, wer einzelne Songs direkt ansteuert, wird – wie ohne Anmeldung – mit einer 30-Sekunden-Kostprobe abgespeist. Wer zielgerichteter Musik hören möchte, sollte nach dem Premium-Abo verlangen, das mit Kosten von 9,99 Euro auf Napster- und musicload-Niveau liegt. Dann winken neben weiteren Musikkanälen alle Titel zum Einzelabruf und außerdem die Option, Playlists und Kanäle zu erstellen. Ab dem 19. August erhöht Sony die Preise auf 4,99 beziehungsweise 12,99 Euro pro Monat, wer sein Abo vor diesem Datum bucht, bezahlt auch weiterhin den niedrigeren Preis.

Die Benutzeroberfläche von Music Unlimited teilt sich in zwei Spalten, einer Navigation und dem Inhaltsfenster. Während Napster auf Wunsch nach einem Künstler, Titel oder Album sucht, durchforstet Sonys Angebot zunächst ausschließlich den gesamten Inhalt, blendet die Treffer aber anschließend fein säuberlich in identische Kategorien gepresst ein. In der Kopfzeile hat Qriocity Banner-artig den Player angeordnet, über den Titel jederzeit mit "gefällt mir" oder "gefällt mir nicht" markiert werden können. Um Facebook geht es hierbei aber nicht, wer 15 Lieder bewertet hat, erhält – ähnlich wie bei Last-fm – Vorschläge zu Musik, die ebenfalls gefallen könnte. Umgekehrt lässt sich so Musik, bei der sich die Nackenhaare aufstellen, per Mausklick verbannen. Wer lieber die Stimmung entscheiden lässt, kann einen "SenseMe"-Kanal anhören.

Übersichtliche Bibliothek & iTunes-Import

Erinnerungswürdige Lieder lassen sich per Drag & Drop in die Bibliothek ziehen und stehen beim nächsten Log-in wieder bereit. Praktisch ist die Sortierfunktion nach Titel, Interpret, Album, Genre und Spielzeit, schließlich dürfte die Bibliothek nach einiger Zeit gut gefüllt sein. Wer keinen Tabellen-Look mag, kann sich die Alben-Cover anzeigen lassen. Wiedergabelisten können jederzeit erstellt werden – sowohl aus dem Gesamtfundus als auch aus Titeln in der Bibliothek. Zudem können Songs aus iTunes und die bereits auf dem PC vorhandene Musiksammlung inklusive Wiedergabelisten mit ins virtuelle CD-Regal gestellt werden: Zum Import wird die Anwendung Music Sync (nur für Windows) installiert, was nur auf einem PC möglich ist. DRM-behaftete Titel schließt die Synchronisation aus, auch vor Kopien, die mit einem älteren CD Ripper-Programm erstellt wurden, schreckt der Service laut Sony zurück. Music Sync ist sehr einfach zu bedienen und läuft unbemerkt im Hintergrund. Nach ein paar Augenblicken erscheinen die Titel inklusive passendem Cover in der Bibliothek.

Fazit: Gut, aber Napster kann (zurzeit) viel mehr

Music Unlimited gefällt mit einer intuitiven Bedienung, einer aufgeräumten Oberfläche und einer großen Song-Auswahl – das bieten andere Musik-Dienste aber schon lange. Ein Vorteil ergibt sich für Nutzer, in deren Heimkino-Equipment ein Stück neuer, internetfähiger Sony-Hardware zu finden ist. Wie Tim Schaff, Chef von Sony Network Entertainment, gegenüber der "Financial Times Deutschland" ("FTD") mitteilte, sollen künftig Geräte anderer Hersteller hinzukommen. Des Weiteren will sich Sony auf hauseigene MP3-Player der Walkman-Reihe ausbreiten. Napster erstreckt sich schon seit Jahren mit "Napster to go" auf portable Multimediaplayer, versteht sich aber nicht mit jedem Gerät und ist mit einem Preis von 14,99 Euro zudem etwas teurer. Ein Zugang zu Napster und Music Unlimited auf dem Smartphone, Handy oder Tablet-PC ist theoretisch über einen mobilen Browser möglich, praktisch aber durch Flash eingeschränkt, worauf beide Dienste basieren. Sony plant jedoch, später auch Smartphones mit Android einzubeziehen; eine Napster Android App gibt es schon, allerdings nur für Kunden aus den USA.

Insgesamt hat Napster in vielen Bereichen klar die Nase vorn: Es umfasst deutlich mehr Kanäle und fertige Playlists, bietet Titel als MP3-Datei zum Kauf an, zeigt die zuletzt gespielten Titel und aktuelle Neuerscheinungen an und ist offline nutzbar. Wie die "FTD" berichtet, arbeitet Sony aber ebenso an einer Offline-Lösung. Es bleibt also abzuwarten, wie sich der Dienst weiter entwickelt.

Wer Music Unlimited von Sony selbst ausprobieren möchte, kann das zurzeit für 30 Tage lang kostenlos tun und erhält dabei den Premium-Status. Wird jedoch nicht vor Ablauf der Frist gekündigt (über den PC in den Konto-Einstellungen möglich), wandelt sich die Probephase in ein kostenpflichtiges Abo um. Eine Buchung ist nur per Kreditkarte möglich, zum Bezahlen kann auch ein Prepaid-Code eingelöst werden.

(Saskia Brintrup)

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