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Amazon Prime Instant Video im Test - Online-Videothek für 49 Euro im Jahr

In sein "Prime"-Abonnement für 49 Euro im Jahr hat Amazon auch eine umfangreiche Online-Videothek gepackt. Wir haben Prime Instant Video unter die Lupe genommen: Kann das günstige Angebot überzeugen?

Amazon© Amazon

Der US-Versandhändler Amazon ist mit seinem Kundenbindungsprogramm Prime auf Erfolgskurs. Im vergangenen Jahr testeten zehn Millionen neue Prime-Kunden den Premium-Dienst, der neben einem schnellen Versand und der monatlichen Ausleihe eines Kindle-Ebooks aus der Kindle-Bibliothek seit dem vergangenen Frühjahr mit Amazon Prime Instant Video auch eine Online-Videothek im Pauschalpreis beinhaltet. Nachdem wir im Rahmen unserer Artikel-Serie zum Thema "Video on Demand" bereits die Konkurrenten maxdome, Watchever, Netflix und Sky Snap getestet haben, schauen wir uns nun die Stärken und Schwächen von Prime Instant Video an. Unsere Leser sind von Amazons Online-Videothek offenbar überzeugt. Laut unserer Mitte Oktober 2014 veröffentlichten Leserumfrage nutzten fast 19 Prozent Amazon Prime Instant Video, mehr als jeden anderen Streaming-Dienst.

Prime Instant Video für 49 Euro pro Jahr nutzen

Die Prime-Mitgliedschaft und somit auch der volle Zugriff auf Prime Instant Video kostet jährlich 49 Euro, rechnerisch entspricht dies 4,08 Euro pro Monat. Studenten zahlen die reduzierte Gebühr von 24 Euro jährlich (2 Euro pro Monat). Die Prime-Mitgliedschaft ist jederzeit kündbar, 30 Tage lang lässt sich Prime kostenlos testen. Alternativ ist Prime Instant Video auch separat zum Preis von 7,99 Euro monatlich abonnierbar, auf die weiteren Vorteile wie den Prime-Versand müssen Kunden dann jedoch verzichten. Neben seinem Pauschalangebot bietet Amazon zusätzlich mit Amazon Instant Video auch zahlreiche Inhalte zum kostenpflichtigen Einzelabruf ab 99 Cent an (48 Stunden zur Leihe oder Kauf eines Titels).

Die gesamte Verwaltung des "Prime Instant Video"-Accounts läuft über das Amazon-Kundenkonto unter "Mein Prime". Zum Login in den Video-Bereich werden entsprechend die Amazon-Zugangsdaten benötigt. Bis zu zwei Titel lassen sich gleichzeitig über ein und dasselbe Konto bei Amazon.de streamen. Allerdings darf nach Angaben von Amazon nur ein bestimmter Titel jeweils nur auf ein Gerät gestreamt werden. Auf die Inhalte von Prime Instant Video lässt sich unter anderem sowohl mit PC, Mac und Notebook per Browser zugreifen.

Für Smartphones ab Android 4.0 steht die Prime Instant Video App für Android zum Download bereit. Eine entsprechende iOS-App (ab iOS 5.0) für iPhone, iPad und iPod touch findet sich im Apple App Store. Zudem ist die Online-Videothek auf Amazons Smartphone Fire Phone sowie den Kindle Fire Tablets verfügbar. Auf dem Kindle Fire lassen sich Video-Titel herunterladen und offline anschauen. Auf Android-Tablets lässt sich Prime Instant Video derzeit nur über die nicht optimale Notlösung der Installation der Smartphone-App nutzen.

Prime Instant Video läuft auf zahlreichen Endgeräten

Außerdem wird Prime Instant Video von etlichen Smart-TVs der Hersteller LG, Panasonic, Samsung und Sony unterstützt. Auch Heimkino-Systeme von Samsung, Blu-ray-Player von Samsung, Pansonic und Sony erlauben den Zugriff auf die Prime Video Inhalte. Ebenfalls kompatibel mit der Online-Videothek sind die Spielkonsolen Xbox 360, Xbox One, Wii, Wii U sowie Playstation 3 und 4. Schließlich hält Amazon mit Fire TV selbst eine für das eigene Streaming-Angebot optimierte Set-Top-Box bereit. Eine Liste der zu Prime Instant Video kompatiblen Endgeräte hält Amazon auf seiner Webseite bereit. Als Mindestvoraussetzung an den Internetanschluss nennt Amazon für das Streamen von Inhalten in SD-Qualität eine erforderliche Bandbreite von 900 Kilobit pro Sekunde (Kbit/s), für HD-Videos wird eine Download-Bandbreite von mindestens 3,5 Mbit/s benötigt. Apple-Nutzer sollten beachten, dass HD-Filme derzeit nicht über Mac-Computer gestreamt werden können. Ob Features wie HD, Untertitel, 5.1-Sound etc. über das eigene Gerät genutzt werden können, hat Amazon in dieser Übersicht zusammengestellt.

Zugriff auf über 12.000 Filme und Serienepisoden

Prime Instant Video erlaubt per Internet-Stream den Zugriff auf über 12.000 Filme und Serienepisoden. Zusätzlich stehen rund 35.000 Inhalte zum kostenpflichtigen Einzelabruf bereit. Alle Inhalte, die im Prime-Angebot enthalten sind, werden im Katalog der Online-Videothek per "Prime"-Symbol auf dem Coverbild markiert. Der Überblick über das gesamte Angebot ist per Browser jedoch ein wenig schwierig. Es lassen sich beispielsweise nicht auf Anhieb "alle Filme" oder "alle Serien" anzeigen. Stattdessen werden die Inhalte auf der Startseite nach Kategorien wie "Unsere Empfehlungen", "Neue Filme bei Prime Instant Video", "Neue Serien bei Prime Instant Video" oder "Ähnliche Titel wie die, die Sie bereits angesehen haben" gelistet. Amazon-Kunden wird dieses Empfehlungs-Prinzip von ihren Shopping-Touren auf der Online-Plattform bekannt sein. Über die "Watchlist" haben Nutzer direkten Zugriff auf die zuletzt gesehen Inhalte, das ist gerade bei Serien praktisch, wenn die nächste Folge abgerufen werden soll.

Zu den beliebtesten aktuelleren Filmen zählen beispielsweise (Stand 16. Februar 2015): "Non-Stop" (2014), "Fast & Furious 6" (2013), "Noah" (2014), "Bibi und Tina" (2014), "Jack Ryan -Shadow Recruit" (2013), "Oblivion" (2013), "Ich – einfach unverbesserlich" (2010). Auch die "Tribute von Panem – Catching Fire" (2013), "World War Z" (2013) oder "Der Medicus" (2013) finden sich im Angebot - sogar exklusiv für Amazons Online-Videothek.

Zahlreiche Filtermöglichkeiten für die Videosuche

In der Bedienoberfläche lassen sich die Filme nach Produktionsjahr, Genre, Schauspieler, Regisseure, Studio, Erscheinungsdatum, Altersfreigabe, Kundenbewertung, oder Videoauflösung filtern. Bei Auswahl von Prime Instant Video werden insgesamt 12.444 Inhalte angezeigt, darunter 2.254 Filmtitel. Über 1.440 Filme stehen in HD-Qualität (720p oder 1.080p) zum Abruf bereit.

Im Vergleich beispielsweise zu Snap von Sky kann Prime Instant Video mit einem erheblich aktuelleren Filmangebot aufwarten (696 Filme ab Produktionsjahr 2010). Amazon erweitert seinen Filmbestand stetig. Kunden werden, falls gewünscht, per Newsletter über neue Inhalte informiert.

Breitgefächertes, aktuelles Serienangebot

Außerdem bietet Amazon für seine Prime-Kunden 1.077 Serienstaffeln, etliche TV-Serien sind komplett mit allen Episoden abrufbar. Verfügbare Serien sind beispielsweise:

  • "The Walking Dead" (Staffel 1-4)
  • "Supernatural" (1-7; 8-10 per Einzelabruf ab 2,49 Euro pro Folge)
  • "The Shield" (1-7)
  • "Grimm" (1-2; 3 per Einzelabruf)
  • "Prison Break" (1-4)
  • "Navy CIS" (1-11)
  • "Teen Wolf" (1-4)
  • "The Big Bang Theory" (1-7; 8 per Einzelabruf)
  • "Breaking Bad" (1-6)
  • "Stargate" (1-10)
  • "Star Trek" (1-3)
  • "Fringe" (1-5)
  • "Two and a Half Man" (1-11)
  • "Under the Dome" (1-2)
  • "Homeland" (1-2; 3 per Einzelabruf)
  • "The Vampire Diaries" (1-5)
  • "Revenge" (1-3)
  • "Lost" (1-6)
  • "Downton Abbey" (1-3; 4 per Einzelabruf)
  • "Criminal Minds" (1-9; 10 per Einzelabruf)
  • "how I met your mother" (1-8, 9 per Einzelabruf)
  • "24" (1-8) oder "Stromberg" (1-5)

Serienfolgen teils schon vor Free-TV abrufbar

Teilweise waren die neuesten Serienstaffeln (etwa "Teen Wolf" und "Under the Dome") noch vor der Ausstrahlung im Free-TV für Kunden von Prime Instant Video ohne Aufpreis abrufbar. Amazon bietet wie Netflix zudem erste Staffeln von Eigenproduktionen an: "Alpha House", "betas" oder "Bosch". Prime-Mitglieder können aktuell über kommende Serieneigenproduktionen abstimmen, von denen teils recht aufwändig gestaltete Pilotfolgen (z.b. "The Man in the High Castle") abrufbar sind.

Für die Anzeige der Videos im Browser setzt Amazon wie die Konkurrenz standardmäßig auf das kostenlose Silverlight Plugin von Microsoft. Im Test kam es zu keinem Absturz des Plugins. Allerdings ermöglicht Amazon in den Einstellungen für Amazon Instant Video einen Wechsel auf Flash zum Abspielen der Videos. Amazon empfiehlt jedoch die Verwendung von Silverlight, da es mit dem Microsoft-Plugin bei HD-Titeln zu geringeren Pufferzeiten komme. Ein Video startet rund zehn Sekunden nach dem Abruf. Das Video Player Plugin im Browser ermöglicht die Anzeige im Vollbild. Über die unter dem Video angezeigte Zeitleiste lässt sich der Titel beliebig vor- und zurückspulen.

Außerdem lässt sich HD aktivieren bzw. deaktivieren, wenn ein Titel auch in hochauflösender Bildqualität vorliegt. Während des laufenden Videos lässt sich die Sprache wechseln (Original-/Synchronfassung). Komfortabel: Ein angefangenes Video lässt sich dank Whispersync-Technologie nahtlos an der Position fortsetzen, an dem es gestoppt wurde. Und das sogar geräteübergreifend beispielsweise per Smartphone-App oder über die Fire TV Box. Diese Funktion bietet etwa der Sky-Dienst Snap nicht.

Mobile Nutzung von Prime Instant Video

Wer Inhalte auch unterwegs nutzen möchte, kann hierzu die Prime Instant Video App von Amazon nutzen, die sowohl für Android als auch iOS verfügbar ist. Beachtet werden sollte, dass FSK18-Inhalte nicht auf Android-Geräten abspielbar sind. Ein Download von Prime-Inhalten für eine Offline-Nutzung ist aber nur mit den Kindle Fire Tablets möglich. Die Download-Funktion steht bei anderen Tablets nur für geliehene oder gekaufte Titel per Einzelabruf zur Verfügung. Wirklich Spaß macht Prime Instant Video in Kombination mit der für 99 Euro zum Kauf erhältlichen Streaming-Box Fire TV. Mit der Fernsteuerung lässt sich bequem und schnell durch die Menüs scrollen sowie Videos auch schnell per Sprachsteuerung finden. Die gewünschten Inhalte lassen sich direkt am heimischen Fernseher starten.

Fazit: Günstige und gut sortierte Online-Videothek

Amazons Online-Videothek konnte in unserem Test überzeugen. Zwar wartet der Dienst nicht mit so vielen Inhalten wie maxdome auf, doch es findet sich in der Regel immer etwas für jeden Geschmack und jede Altersstufe. Wir hatten nur wenig zu bemängeln. Der Videodienst lief in der Regel stabil. Eine Ausnahme bildeten jedoch die vergangenen Tage. Am Sonntagabend waren sämtliche europäischen Amazon-Webseiten und Prime Instant Video zwei Stunden offline, am Montagabend wiederholte sich die Störung, der Videodienst war erneut rund eine Stunde nicht erreichbar. Im Allgemeinen zeigt sich Prime Instant Video aber zuverlässig. Etwas mehr Klarheit über das Gesamtangebot an Filmen und Serien wäre wünschenswert, da ein solcher Überblick auf den ersten Blick im Browser nicht bzw. erst nach einigen Klicks ersichtlich ist. Immerhin können sich Kunden schon vor Abschluss eines Abonnements einen Überblick über die Inhalte verschaffen und bei Interesse ein Prime-Abonnement 30 Tage lang gratis testen.

"Und die Filme sind auch schon drin" wirbt Amazon für seinen Premium-Dienst Prime. In der Tat erhalten Prime-Abonnenten für 49 Euro im Jahr nicht nur Zugriff auf eine breitgefächerte Online-Videothek, sondern profitieren auch von Vorteilen wie schnellem Premium-Versand und der Kindle-Leihbibliothek. Daneben bietet das Amazon-Angebot mit umgerechnet monatlichen Kosten von 4,08 Euro auch ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis. Die monatliche "Stand Alone"-Abo-Variante für 7,99 Euro liegt preislich auf dem gleichen Marktniveau wie maxdome, Watchever oder Netflix. Wer jedoch länger als sechs Monate lang diese Variante wählt, zahlt letztlich mehr als die direkte Prime-Mitgliedschaft für ein Jahr. Positiv ist die breite Kompatibilität mit zahlreichen Endgeräten zu bewerten, dem mobilen Filmspaß steht dank Android- und iOS-Apps nichts entgegen.

Mit der eigenen Set-Top-Box Fire TV ist Amazon ein gutes Stück Technik gelungen. Sky versucht mit der Sky Online TV Box nachzuziehen, kann aber mit den Inhalten seiner Online-Videothek nicht vollends überzeugen. Nutzer von Prime Instant Video überrascht Amazon dagegen immer wieder mit relativ aktuellen und exklusiven Filmen und Serien.

(Jörg Schamberg)

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