Testbericht

Alles eeeasy: Asus Winzling Eee PC im Test

Einen der Überraschungserfolge des Jahres 2007 lieferte der taiwanesische Hardwarehersteller Asus. Im Oktober stellte er das kleine Subnotebook Eee-PC der entzückten Kundschaft vor, das schnell reißenden Absatz fand. Der Verkaufsstart in Deutschland wurde auf Mitte Januar 2008 verschoben.

Arbeitsplatz© Brad / Fotolia.com
Derzeit erobert ein mobiler, kleiner Winzling namens Eee PC von Asus rund um den Globus die Herzen der Computerfans und belegt die ersten Plätze in der Sparte Notebooks auf den Bestseller-Listen der großen Online-Shops wie Amazon oder CNET. onlinekosten.de konnte das preisgünstige Gerät noch vor dem Verkaufsstart in Deutschland in der Redaktion für einen ersten Test unter die Lupe nehmen.

Als Weihnachtsgeschenk zu spät

Der kleine Ultra Mobile PC, der in Europa zunächst im schwarzen oder weißen Gehäuse daherkommt und nur 299 Euro kosten wird, hat einen regelrechten Hype ausgelöst. Der eigenwillige Name "Eee" steht für "Easy to learn, easy to play, easy to work" und umreißt damit das Konzept und die Zielgruppe von Asus. Vor allem einfach und leicht bedienbar soll der PC-Zwerg sein.

Nach Verkaufsstart in Taiwan und Hongkong war das kleine Subnotebook innerhalb von zwei Wochen ausverkauft. Asus soll weltweit bereits mehr als 100.000 der ultra-mobilen Kleinstrechner ausgeliefert haben und kommt aufgrund der großen Nachfrage mit der Produktion nicht hinterher.

Asus hat den offiziellen Verkaufsstart in Deutschland von Mitte Dezember auf den 10. Januar 2008 verschoben. Derzeit können aber etwa beim Online-Einzelhändler Amazon schon Vorbestellungen abgegeben werden, ausgeliefert wird dann ab Januar 2008. Als Geschenk unter dem Weihnachtsbaum wird sich der mobile Rechner daher nicht finden.

Liebe auf den ersten Blick?

Das onlinekosten.de vorliegende Testgerät ist eine Version mit englisch-taiwanesischer Tastatur, Touchpad und weißem Plastikgehäuse. Der Niedlichkeitsfaktor des "Kleinen" ist groß: Der Eee sieht eigentlich wie ein Notebook aus, das noch wachsen muss. Dabei bringt er schon vieles mit, um als ausgewachsener mobiler Begleiter prädestiniert zu sein. Der mobile kleine PC ist ein Leichtgewicht und bringt nur rund 920 Gramm auf die Waage. Der Rechner im DIN-A5 Format mit 512 Megabyte (MB) Arbeitsspeicher besitzt einen sieben Zoll TFT-LCD Bildschirm mit einer Auflösung von nur 800x480 Pixel. Der Kontrast ist gut, das Bild klar. An beiden Seiten des Bildschirms hat Asus kleine Stereo-Lautsprecher platziert.

Unkomfortable Tastatur

Sich ins rechte Bild rücken kann der Eee-Nutzer mit einer integrierten 0,3-Megapixel-Webcam oberhalb des Displays. Videokonferenzen über Skype erkennt die Webcam nach einem Update der Skype-Software. Bildtelefonate sind dann zusammen mit dem eingebauten Mikrofon möglich.

Die Tasten der integrierten Tastatur sind zwar leichtgängig, für eine längere Nutzung aber ein wenig klein geraten und stehen eng beieinander. Nutzer des Zehnfinger-Systems werden längerfristig wenig Freude beim Tippen haben. Das Touchpad unterhalb der Tastatur lässt sich gut bedienen, die silberfarbene Doppelklick-Taste im unteren Bereich hakt hin und wieder. Für den Test wurde eine USB-Maus angeschlossen, die auch direkt erkannt wurde.


Kaum Platz für eine Videosammlung

Der Speicherplatz für eigene Dokumente oder gar Videos ist arg begrenzt. Standardmäßig wird der Eee PC in Europa mit einer vier Gigabyte (GB) großen Flash-Disk ausgeliefert. Rund 2,3 GB des Speichers belegt jedoch schon das Betriebssystem selbst, so dass dem User nur weniger als zwei GB Speicherkapazität zur Verfügung stehen. Der Vorteil der Flash-Disk im Vergleich zu einer herkömmlichen Festplatte ist die Robustheit und das geringe Gewicht. Zudem sind Zugriffe auf Flash-Speichermedien erheblich schneller. Wird weiterer Platz zum Abspeichern von Daten benötigt, so ist über den SD-Kartenslot auch der Einsatz von Speicherkarten möglich.

Nach Starten des Eee PC bootet das Betriebssystem Linux in einer angepassten Version von Xandros in rund 30 Sekunden und ist einsatzbereit. Der genutzte Intel Mobile Prozessor wartet mit nicht mehr aktuellen 900 Megahertz (MHz) auf, doch in Zusammenarbeit mit dem ressourcenschonenden Linuxsystem ermöglicht er ein flüssiges Arbeiten.

Betrieb auch mit Windows XP

Asus legt dem Rechner auch eine Dokumentation bei, in dem sogar geschildert wird, wie Windows XP statt Linux installiert werden kann. Es stellt sich jedoch die Frage, ob dies angesichts des hohen Speicherverbrauchs des Microsoft Betriebssystems bei dem begrenzten Flashspeicher wirklich eine gute Wahl wäre.

Anschlussfreudiger Winzling

Der Eee PC kann mit standardmäßigen Anschlüssen aufwarten. Mit drei USB 2.0-Schnittstellen bietet er etwa Druckern, USB-Mäusen oder externen Festplatten die Möglichkeit zur Zusammenarbeit mit dem Asus-Produkt. Für die Verbindung ins weltweite Netz steht ein Modemanschluss sowie ein Netzwerkanschluss bereit. Bei dem Testgerät war der Modemanschluss jedoch nicht funktionsfähig. Ein integriertes WLAN-Modul in Form eines Wireless PCI Express Adapters unterstützt den Standard 802.11 b/g.


Taskbar liefert Überblick

Die Taskbar des Eee PC gibt jederzeit Auskunft über den Status der WLAN-Verbindung, warnt bei nicht mehr ausreichender Batteriepower und ermöglicht unter der bezeichnenden Betitelung "SOS" auch direkten Zugriff auf den Task-Manager.

Sollte ein Programm gecrasht sein, was während des Tests etwa jedesmal mit der integrierten Adress- und Terminverwaltung (PIM) geschah, so ist die Ausführung des "Kill"-Befehls über den Task-Manager die komfortabelste Möglichkeit solche Programme zu beenden.

Eigener Desktop fehlt

Aufgrund der recht niedrigen Auflösung präsentiert sich die grafische Oberfläche mit recht großen Icons. Die Auflösung lässt sich nur ändern, wenn ein externer Monitor angeschlossen wird.

Einen eigenen Desktop-Bereich als Startpunkt für alle Aktionen gibt es nicht, stattdessen sind die verschiedenen Kategorien Internet, Arbeiten, Lernen, Spielen, Einstellungen und Favoriten über Tabs zugänglich. Diese aufgeräumte Darstellung erleichtert auch Anfängern ohne Vorkenntnisse und ohne Linux-Schulung den Einstieg.

Linux Oberfläche auch für Anfänger geeignet

Asus hat in diese Linux-Variante 40 der meistgebrauchten Anwendungen gepackt, die vor allem aus dem umfangreichen KDE-Linuxpaket stammen. So findet man hier den Firefox-Browser, verschiedene Instant Messenger wie ICQ oder AIM, Skype, das Mailprogramm Thunderbird, die kostenlose Office-Suite Open Office, kleine Basisprogramme für Bild- und Videobearbeitung sowie einige einfache Games. Für Normal-Nutzer ohne Linuxhintergrundwissen besteht über die Linuxoberfläche nur die Möglichkeit die bestehenden Programme über den Menüpunkt 'Software' per Update auf den neuesten Stand zu bringen. Zusätzliche Programme können nicht auf einfachem Wege installiert werden. Dies ist sicherlich ein Schwachpunkt der eingeschränkten Linuxlösung von Asus, da es im Netz zahlreiche, kostenlose Linuxprogramme zum Download gibt.



Die Hintertür zur Linux-Konsole

Über den Dateimanager hat der Nutzer Zugriff auf alle Dateien, Bilder und Videos. Linux-erfahrene Anwender erhalten über den Dateimanager auch Zugriff auf die Linux-Konsole, mit der dann der mit Administratorrechten ausgestattete Nutzer alle Linux-Befehle ausführen kann. Dann ist auch die Installation weiterer Linux-Programme möglich. Damit bietet sich der Eee PC auch Linuxfreaks als preisgünstige Rechneralternative an.

Einfaches Sicherheitskonzept

Eine Kontenverwaltung für mehrere Benutzer sieht das einfache Linux-System des Eee PC nicht vor. Unter dem Punkt "Persönliche Einstellungen" ist nur der Wechsel des Passwortes und des Desktop-Themas möglich. Für Sicherheit beim Surfen soll das Virenschutzprogramm Anti-Virus 2.0 sorgen. Zudem muss beim Surfen über WLAN mit WEP oder WPA-Verschlüsselung zur Sicherheit der Schlüsselcode eingegeben werden.

Idealer Surfer

Als Zielgruppe des Eee PCs sieht Asus die Familie. Die Kinder können auf dem wie ein Spielecomputer wirkenden Rechner ersten Kontakt mit der Computerwelt aufnehmen. Für die Eltern bietet er auch unterwegs die Möglichkeit mal eben schnell Mails zu lesen, ein Dokument zu erstellen oder im Netz zu surfen. Mit einer Akkuleistung von rund 3,5 Stunden befindet sich der Asus-Rechner im brauchbaren Bereich. Laden lässt sich der Akku über das mitgelieferte Ladekabel, seine Laufzeit ist aber von verschiedenen Faktoren abhängig. So kann man Energie sparen durch Tastendruck über die Funktionstasten: Die Hintergrundhelligkeit lässt sich herunterregeln und das WLAN-Modul deaktivieren, wenn es nicht benötigt wird.

Fazit

Der Eee PC von Asus ist ein nettes Stück Technik, das vor allem wegen des günstigen Preises begeistern kann. Bisher wurden solche kompletten Rechner nur erheblich teurer angeboten. Die eingebauten Komponenten versprechen keine neuen Geschwindigkeitsrekorde, doch erfüllen sie in Zusammenarbeit mit dem Linuxbetriebssystem ihren Zweck. Gerade für Schüler und Computereinsteiger ist der Eee PC ein gut geeignetes Gerät. Linuxbegeisterte Computerbastler werden aber sicher auch reges Interesse an diesem neuen, günstigen Technikspielzeug zeigen.

Asus hat bis Ende 2008 das ehrgeizige Verkaufsziel von drei bis fünf Millionen Eee PCs angepeilt. Das Konzept könnte aufgehen, hat die Markteinführung des günstigen Minirechners doch für erhebliche Bewegung auf dem Notebook-Markt gesorgt. Laut Gerüchten im Netz wollen andere Konkurrenten nachziehen und ähnliche mobile Discountzwerge auf den Markt werfen.

Wer noch bis zum Frühjahr 2008 warten kann, der hat Aussicht auf die zweite Generation des Eee PC. Asus hat die Gerüchte um einen Eee PC mit 10-Zoll-Display zwar dementiert, das Nachfolgemodell wird aber wohl mit einem Flash-Speicher von acht GB bestückt.

Pro & Contra
günstiger Preis (299 Euro)
Webcam integriert
WLAN-Modul
schnelles Booten
Einsteiger-PC
Schneller Flash-Speicher
Kleines 7-Zoll Display
Festplatte nur 4 GB
Tastatur unkomfortabel
kein optisches Laufwerk
Plastikgehäuse
Beschränkte Softwareauswahl
Technische Daten Asus Eee PC G4
Prozessor: Intel Mobile Celeron (900 Mhz), 512 KByte L2-Cache
Grafikkarte: Intel 915 GM shared
Bildschirm 7-Zoll TFT-LCD mit Webcam
Batterie Lithium-Ionen Akku, Laufzeit circa 3,5 Stunden
Speicher: 512 MB (DDR2, 400 MHz)
Festplatte: Flash-Speicher 4 GB
Laufwerk: nicht vorhanden
Multimedia: Mikrofon, Stereo-Lautsprecher, 0,3 Megapixel Webcam
Kommunikation: LAN 10/100 Mbit/s, WLAN (802.11b und g)
Betriebssystem Linux; Windows XP-Installation ist möglich
Abmessungen (H x B x T): 22,5cm x 16,5cm x 2,1cm ~ 3,5 cm; 920 g
Anschlüsse 3 x USB 2.0, LAN, VGA, Mikrofon, Kopfhörer, MMC/SD/MS Speicherkarten, PC-Express-Mini-Card,
Zubehör: Ladekabel
Preis/Garantie: UVP: 299 Euro / 2 Jahre Garantie

(Jörg Schamberg)

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