Testbericht

Alienware X51 im Test: Spiele-HTPC mit Optimus

Wer im Wohnzimmer spielen möchte, aber weder eine Konsole noch einen sperrigen, lauten und energiehungrigen Desktop-PC nutzen möchte, könnte sich für den neuen Dell Alienware X51 interessieren. Wir haben den 5,5 Kilogramm leichten Kompakt-PC mit Grafikwechsler getestet - und waren überrascht.

Arbeitsplatz© Brad / Fotolia.com

Ein klassischer Aurora Desktop-PC von Dells Spiele-Sparte Alienware misst 426 x 250 x 645 Millimeter (mm) und bringt rund 20 Kilogramm (kg) auf die Waage – platzsparend ist das nicht. Ein solches Kaliber passt nur unter den Schreibtisch und ist im Wohnzimmer fehl am Platz. Für den Feierabend auf dem Sofa greift der Multimedia-Anwender lieber zum HTPC, für aktuelle Computerspiele sind die Minis aber oftmals zu schwach. Als starke und gleichzeitig kompakte Alternative zu den großen Auroras oder zur Spielkonsole hat Dell in diesem Monat einen neuen Rechner auf den Markt gebracht: den Alienware X51. Als einer der ersten holt er die aus dem Notebook-Bereich bekannte Grafikwechseltechnik Nvidia Optimus auf den Desktop, sodass der Nutzer von den Vorzügen beider Grafikwelten profitiert - Sparsamkeit mit dem internen Chip und Leistung mit der dedizierten Karte.

Dell Alienware X51 Test – Inhalt

  • Seite 1: Optik und Anschlüsse
  • Seite 2: Technische Daten: Mögliche Konfigurationen, Test-PC und Leistung
  • Seite 3: Fazit und Test-Tabelle

Kleiner und leichter als ein typischer Desktop

Mit 5,49 kg ist der Alienware X51 im Vergleich zu den klassischen Desktops ein wahres Fliegengewicht und mit Maßen von 343 x 95 x 318 mm in aufrechter Haltung nur halb so tief und weniger als halb so breit. Soll der Computer nicht wie üblich neben oder unter dem Schreibtisch stehen, sondern darauf oder aber in die Wohnwand zu DVD-Player, Fernseher & Co gepackt werden, lässt er sich auch horizontal aufstellen. Hierzu dreht man den Rechner auf die rechte Seite, auch der beleuchtete Alien-Kopf an der Front lässt sich mitdrehen, sodass er immer nach oben zeigt. In dieser Haltung erinnert das Alien stark an eine Spielkonsole. Auf der Vorderseite hat Dell ein Slot-in-Laufwerk, zwei USB-2.0-Ports und Anschlüsse für Mikrofon und Kopfhörer angebracht. Um einen USB-Stick anzuschließen, muss sich der Besitzer also nicht verrenken. Es sei denn, es ist ein USB-3.0-Stick. Zwei Ports des neuen, schnelleren Standards sowie vier weitere USB-2.0-Schnittstellen, DVI, HDMI, analoge und digitale Audio-Ausgänge und Gigabit LAN wurden auf die Rückseite verfrachtet.

Aufstellen wie einen PC oder hinlegen wie eine Konsole

Mit dieser Anordnung lässt sich der PC sowohl im Arbeits- als auch im Wohnzimmer so aufstellen, dass Kabel hinter den Möbeln verschwinden können. Auch für das Netzteil sucht man sich am besten einen Rückzugsort: Das wuchtige 330-Watt-Exemplar – grob 40 x 100 x 200 mm groß und 1,3 kg schwer – ist nicht gerade eine Augenweide. Der X51 hingegen schon: Das Design ist aufwendig und trägt die typische Alienware-Handschrift, auch wenn es sich von der Optik bisheriger Desktops und Notebooks der zu Dell gehörenden Marke unterscheidet. Verwandtschaft bekundet die Beleuchtung, die sich unterteilt in drei Bereiche nach Belieben in unterschiedlichen Farben steuern lässt. Damit passt sich der PC den bereits vorhandenen Geräten farblich an. Für die Seitenteile des schwarzen Gehäuses hat Dell eine matte Oberfläche gewählt; wer eine Abneigung gegen Technik im Hochglanz-Komplettlook hat, kann also leicht aufatmen. Die Vorderseite ist nichtsdestotrotz glänzend, dürfte aber seltener berührt werden als die Seiten.

Im Lieferumfang sind neben Kurzanleitung und Recovery-DVDs für das Windows-Betriebssystem bereits Eingabegeräte enthalten. Dell liefert eine Maus und eine Multimedia-Tastatur in schwarzer Ausführung und ebenfalls aus der Alienware-Reihe mit: Nett – allerdings sind beide kabelgebunden. Auch wenn sich kabellose Exemplare nicht gänzlich von Latenzen freisprechen können, so hätten sie zumindest bei Nutzung im Wohnzimmer besser ins Bild gepasst. Im Umkehrschluss hätten dann aber auch diejenigen Käufer das kabellose Vergnügen mitbezahlen müssen, die die Gratis-Geräte gleich im Karton lassen und lieber ihre eigene Hardware nutzen möchten. Da das vor allem auf die Gamer zutrifft, ist Dells Entscheidung pro Kabel verständlich.

Dass ein kleineres Gehäuse zum Einsatz kommt, heißt nicht, dass Notebook-Hardware verbaut wurde. Auf dem Mini-ITX-Motherboard findet sich – je nach gewählter Konfiguration – ein Intel Core i3-2120 Prozessor mit 3,3 Gigahertz (GHz), ein Core i5-2320 mit 3,0 GHz oder ein i7-2600 mit 3,4 GHz ein.

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  • Seite 3: Fazit und Test-Tabelle

Nvidia GeForce GT 545 oder GTX 555

Der Intel H61 Express-Chipsatz lässt die Verwendung einer integrierten Grafiklösung zu, wie sie die drei Sandy Bridge-CPUs enthalten. Zum Abspielen von Videos reicht Intels HD Chip natürlich aus, für alles Spielerische stellt Dell selbstredend eine dedizierte Grafikkarte zur Verfügung. Wählbar sind eine Nvidia GeForce GT 545 oder eine GTX 555 mit jeweils 1 Gigabyte (GB) Grafikspeicher. Aus der Arbeitsspeicher-Schublade lassen sich 4 bis 8 GB ordern, maximal werden 16 GB unterstützt.

Keine Wahl lässt der texanische Computer-Hersteller derzeit bei den Laufwerken: Eine SATA-Festplatte mit 1 Terabyte Speicherplatz und ein DVD-Brenner sind fix. Ein 3D-fähiges Blu-ray-Laufwerk würde dem kraftvollem PC nicht nur aufgrund der Wohnzimmer-Eignung gut zu Gesicht stehen, sondern wurde auch zur Produktankündigung erwähnt. In Deutschland steht er aber noch nicht auf der Karte. Dell begründete das auf Nachfrage unserer Redaktion mit der Knappheit an entsprechenden Slot-In-Laufwerken auf dem Weltmarkt. Sobald sich die Situation entspanne, sollen die Laufwerke wieder angeboten werden.

Die Testkonfiguration: Core i5 und GTX 555

Unser Testsystem versammelt den Intel Core i5 Quad-Core-Prozessor mit TurboBoost und maximaler Thermal Design Power von 95 Watt, 8 GB RAM und eine Nvidia GeForce GTX 555 mit zwei DVI-Ausgängen. HDMI stellt die integrierte Grafikeinheit bereit. Eigenartig: Dell erwähnt in der Kurzanleitung explizit, den HDMI-Port vorzuziehen, folgt der Nutzer diesem Rat, bleibt der angeschlossene Monitor oder Fernseher jedoch schwarz. Im Auslieferungszustand ordnet das BIOS dem Primärbildschirm den DVI-Anschluss zu.

Gute Spieleleistung, zahmer Energieverbrauch

Wir haben verschiedene Spiele und Benchmarks auf dem Alienware X51 laufen lassen, alle Messergebnisse lassen sich der Tabelle auf Seite 3 entnehmen. Im Großen und Ganzen hat Dell eine ausgewogene und ausreichend starke Bestückung zusammengestellt. Die GTX 555, die derzeit nur für OEM-Hersteller verfügbar und nicht im Handel zu erwerben ist, macht auch anspruchsvolle Titel wie Metro 2033 oder Crisis sogar in Full-HD-Auflösung und unter DirectX-11 ohne Einschränkungen flüssig spielbar, wenn die Qualität sich auf der Mitte der Skala bewegt und nicht alle Stellschrauben auf die kräftezehrendste Stufe angezogen werden.

Erfreulich ist auch die Leistungsaufnahme: Für das Abspielen von DVDs benötigt das kompakte Alien mit maximal 58 Watt kaum mehr Energie als im Leerlauf. Die Spitze liegt bei sehr schweißtreibenden Benchmarks bei unter 180 Watt.

Nicht ganz perfekt ist die Konnektivität. Wer neben Fernseher und Heimanlage kein LAN-Kabel nutzten und stattdessen kabellos ins Internet möchte, kann zwar auf ein integriertes WLAN-Modul zurückgreifen, hat dann aber nicht gerade den stärksten Partner an der Seite. In größerer Entfernung zum Router konnte der Alienware X51 unser Netzwerk nicht finden, während andere Testgeräte wie Notebooks, Tablets, eine Spielkonsole und Smartphones noch ein mehr oder weniger starkes Signal empfingen.

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Fazit: Gelungener Schrumpfkurs

Auf dem Markt für Wohnzimmer-PCs tummeln sich zwar neben zumeist schwächeren Nettops auch stärkere Geräte für Multimedia-Anwendungen, speziell auf Computerspieler zugeschnittene Rechner sind aber eher Mangelware. Diese Lücke versucht Dell nun mit dem Alienware X51 zu füllen – und ist dabei auch erfolgreich. Der Hersteller hat einen guten Mittelweg aus platzsparendem Gehäuse und gleichzeitig starker Desktop-Bestückung gefunden und ist als einer der ersten mit Nvidia Optimus außerhalb der Notebook-Welt auf dem Markt. Während sich All-in-One-PCs in der Regel nicht für den Kunden öffnen, um Komponenten freizulegen, kann beim X51 ein Seitenteil abgenommen werden. Zwar ist das System mangels Platz nicht so flexibel wie ein großer Desktop, der sich beispielsweise um eine interne TV- oder Soundkarte erweitern ließe, erlaubt aber den Austausch von Modulen wie RAM oder Grafiklösung, um auf der Höhe der Zeit zu bleiben.

Spiele-PCs sind dafür bekannt, schonmal ordentlich zu lärmen, beim DVD-Abend braucht das aber niemand. Wie sich der PC bezüglich der Lautstärke schlägt, war daher eine der interessantesten Fragen für uns. Hierzu lässt sich festhalten, dass der Rechner unter starker Last zwar aufdrehen kann, aber dennoch insgesamt besonnen bleibt. Wird er weniger gefordert oder spielt er nur Filme ab, ist er schön leise. Alles in allem geht Dells Rechnung auf. Besonders anspruchsvolle Enthusiasten greifen zwar sicherlich weiterhin zu noch stärkeren und vergleichsweise günstigeren Desktops. Wer aber nach einer kompakten und spieletauglichen Alternative zu Konsole oder Notebook sucht, wird sich an den schönen Gaming-PC im Wohnzimmer schnell gewöhnen.

Name: Alienware X51
Hersteller: Dell
Internet: www.dell.com/de
Preis: ab 799 Euro bei Dell
Testkonfiguration: 949 Euro
Technische Daten der Testkonfiguration
Chipsatz/Prozessor: Intel H61 Express-Chipsatz mit Core i5-2320 Prozessor mit 3,0 GHz
Grafikkarte: Integrierter Grafikchip Intel HD Grafikchip und
Nvidia GeForce GTX 555 mit 1 GB GDDR5 
Arbeitsspeicher: 8 GB DDR3 Dual-Channel 1333 MHz (max. 16 GB unterstützt)
Festplatte: Seagate 1.000 GB SATA mit 7.200 U/Min
Laufwerk: DVD-Brenner/font>
Soundkarte: Internal High-Definition 7.1 Performance Audio with WAVES MAXX Audio
Kommunikation: Gigabit LAN, WLAN 802.11 a/b/g/n
Sonstiges: anpassbare Beleuchtung (drei Flächen), horizontal oder vertikal aufstellbar
Betriebssystem: Windows 7 Home Premium 64 Bit
Maße und Gewicht: HxBxT: 343 x 95 x 318 mm, 5,49 Kilogramm
Anschlüsse: HDMI 1.4, 2x DVI, 6x USB 2.0, 2x USB 3.0, SPDIF koaxial, SPDIF optisch, analoge Audioausgänge, Mikrofon/Kopfhörer
Benchmarks/Zahlen: Windows Leistungsindex:
CPU: 7,4 / RAM: 7,6 / 2D: 7,0 / 3D: 7,0 / HDD: 5,9

CPU-Benchmark: Cinebench 11.5: 4.81
PCMark 7: 2.867

Grafikchip:
Grafik-Benchmark FurMark 1080p: 697
OpenGL: Cinebench 11.5: 37,41 BpS
3DMark 11: P3363

Frames pro Sekunde (fps) im Durchschnitt:
DirectX-10-Benchmark Devil May Cry 4: bei 1.920x1.080 Pixeln, Details hoch, Schattenqualität hoch und 4x MSAA: 130 fps

Demo Metro 2033: DirectX-11: bei 1.920x1.080 Pixeln, Qualität normal, AAA, AF x4: 69 fps (Durchschnitt)
Crysis: 1.920x1.080 Pixel, Details mittel, 4-fach AA: 41 fps (Durchschnitt)

HDD-Benchmark von CrystalDiskMark: Sequentielles Lesen/Schreiben: 124,8 / 123,9 MB/s; zufälliges Lesen/Schreiben 512K: 35,79 / 57,58 MB/s
Leistungsaufnahme: Ausgeschaltet am Netz:
ca. 0,8 Watt
Leerlauf:
ca. 49 Watt
DVD-Wiedergabe:
ca. 58 Watt
Benchmark-Test Furmark:
ca. 178 Watt
Garantie: 1 Jahr Dell Service, 3 Jahre gegen Aufpreis von 500 Euro verfügbar (bis 29.2. für 335 Euro)
Pro & Contra
Platzsparendes Gehäuse
zwei Aufstellmöglichkeiten
starke CPU und Grafikkarte wählbar
USB 3.0 und WLAN
anpassbare Beleuchtung
gutes Energiemanagement
Kein Erweiterungspotential
kein Kartenleser, kabelgebundene Eingabegeräte
schwacher WLAN-Empfang
Bewertung:
Geschwindigkeit (35%): gut
Ausstattung (30%): gut
Geräuschentwicklung (15%): gut
Handhabung/Service (10%): gut
Verarbeitung (10%): gut
Gesamt: gut (2,0)
Preis-Leistung: gut

(Saskia Brintrup)

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