Handys

Alcatel One Touch Scribe HD im Test - Genie und Wahnsinn dicht beieinander

Mit dem One Touch Scribe HD bietet Alcatel ein Mittelklasse-Smartphone, das mit tollem Display und Dual-SIM-Technologie daherkommt. Doch es gibt auch unschöne Schwachstellen.

Alcatel One Touch Scribe HD© Alcatel

Häufig haben wir uns in den zurückliegenden Wochen in unseren Smartphone-Tests mit etablierten Marken wie Samsung, HTC oder auch Huawei auseinandergesetzt. Nun wird es Zeit, auch mal einem etwas kleineren Spieler am Markt Aufmerksamkeit zu schenken: Alcatel. Fast unbemerkt wurden von den Chinesen zuletzt ein paar Smartphones in den Handel gebracht, die sich durchaus sehen lassen können. Eines dieser Geräte, das One Touch Scribe HD, haben wir uns im Detail angesehen.

Groß und leicht

Der erste Eindruck: Ganz schön groß. Der zweite Gedanke: Verdammt leicht. Trotz Abmessungen von 144 x 75 x 9 Millimetern bringt das One Touch Scribe HD gerade einmal 135 Gramm auf die Waage. Und das lässt auch direkt Rückschlüsse auf die bei der Produktion verwendeten Materialien zu. Plastik ist bei diesem Smartphone mit 5 Zoll-Display Trumpf. Gleichzeitig ist es Alcatel aber gelungen, dass sich das Telefon nicht zu minderwertig anfühlt. Denn die Akkuabdeckung ist zwar einerseits glatt, aber auch samtweich.

Apropos Abdeckung: Sie ist fest mit dem Smartphonekörper verbunden, ein Austausch des Akkus folglich nicht einfach so möglich. Und noch ein Lapsus bei der Verarbeitung wird deutlich, wenn man sich die Rückseite des Geräts betrachtet. Die Kameralinse ragt überproportional aus dem Gehäuse heraus. Das sieht nicht nur unschön aus, es hat auch den Nachteil, dass das Telefon ständig auf der Kameralinse aufliegt, wenn es auf dem Tisch platziert wird. Kratzer auf dem Schutzglas sind mit der Zeit nicht zu vermeiden.

Abgesehen davon kann man Alcatel im Prinzip aber keine Vorwürfe in Sachen Verarbeitung machen. Für manchen Nutzer mag es vielleicht noch gewöhnungsbedürftig sein, dass das Displaypanel nicht auf einer Ebene mit dem Telefongehäuse verbunden ist. Das Display ragt an den Seiten ein wenig über den Telefonkörper hinaus. Dürfte Geschmacksache sein, ob das nun gut oder eher schlecht aussieht. Einen sonderlich hochwertigen Eindruck vermittelt es freilich nicht.

Front ohne Markennamen

Erstaunlich schlicht präsentiert sich das One Touch Scribe HD bei einem Blick auf die Front. Keinerlei Logos oder andere Schriftzüge sind zu erkennen. Das ändert sich bei einer Drehung um 180 Grad. Auf der Rückseite wird nicht nur auf die 8-Megapixel-Kamera verwiesen, sondern auch auf den Produkt- und Markennamen. Auch ein kleiner Verweis auf den eigentlichen Produzenten, die TCL Mobile Limited, ist dort zu finden.

Im Alltag erweist sich das Alcatel-Smartphone in verschiedener Hinsicht als sehr praktisch, hat aber auch Schattenseiten. Positiv hervorzuheben ist, dass es sich bei dem Telefon um eine Dual-SIM-Lösung handelt. Das heißt, es lassen sich zwei SIM-Karten im Parallelbetrieb nutzen. Niemand muss sich also für die (De)Aktivierung einer der beiden eingelegten SIM-Karten entscheiden. Somit eignet sich das Alcatel One Touch Scribe HD zum Beispiel ideal für die Nutzung einer privaten und einer dienstlichen Mobilfunknummer, kann in Grenzregionen zum Beispiel mit einer deutschen und einer SIM eines ausländischen Netzbetreibers verwendet werden. Oder es wird eine Karte für die Sprach- und eine für die Datenkommunikation genutzt.

Einfache SIM-Verwaltung

In den Einstellungen des Android-Betriebssystems ist eine komplikationslose Verwaltung der beiden eingelegten SIM-Karten möglich. So lässt sich dort festlegen, welche der beiden Karten standardmäßig für Sprach-, Daten- bzw. Video-Verbindungen verwendet werden soll und über welche SIM der SMS-Versand abgewickelt wird. Aber: Nur eine SIM kann sich in ein UMTS-Netz einbuchen, die andere funkt durchgehend im GSM-Modus. Vor jedem Gespräch ist es möglich, auszuwählen, über welche Karte die Sprachverbindung aufgebaut werden soll. Dazu muss einfach während der Ansicht des virtuellen Tastenfelds ein kleines Fenster vom oberen Display-Rand nach unten gezogen werden.

Wer mit dem Telefon das mobile Internet nutzen möchte, kann das in GSM- und UMTS-Netzen tun. Die maximal mögliche Download-Geschwindigkeit liegt über HSPA+ bei maximal 42 Megabit pro Sekunde (Mbit/s). Im Upload sind bis zu 11 Mbit/s möglich. Was fehlt, ist LTE-Unterstützung. Und auch auf einen NFC-Chip müssen Nutzer das Alcatel-Telefons leider verzichten.

Stock Android vorinstalliert

Als Betriebssystem kommt wie bereits erwähnt Android in der Version 4.2.1 Jelly Bean zum Einsatz. Anders als viele andere Hersteller verzichtet Alcatel allerdings darauf, die Oberfläche über eine eigene Software anzupassen. Unter der Haube sorgt ein Quad Core-Prozessor mit einer Taktrate von 1,2 Gigahertz für ordentlich Leistung. Klar, das ist nicht das Beste vom Besten, überzeugt aber dennoch. In der alltäglichen Verwendung sind uns nur minimale Ruckler aufgefallen, die das Nutzungserlebnis jedoch in keiner Weise beeinträchtigen. Und das, obwohl dem Telefon nur 1 Gigabyte Arbeitsspeicher spendiert wurde.



Kritik muss sich Alcatel in Sachen Speicherplatz gefallen lassen. Denn wer heutzutage ein Smartphone auf den Markt bringt, das gerade einmal 4 Gigabyte Flash-Speicher vorzuweisen hat, kann damit einfach nicht punkten. Schon gar nicht, wenn unter dem Strich weniger als 2 Gigabyte zur freien Verwendung übrig bleiben, weil der Rest von Betriebssystem und Co. belegt werden. Das ist einfach zu wenig und auch die Möglichkeit, eine MicroSD-Karte mit bis zu 32 Gigabyte einsetzen zu können, kann über diesen Lapsus nicht hinwegtäuschen.

Freud' und Leid liegen auch beim Display dicht beieinander. Einerseits ist es mit einer diagonalen Abmessung von 5 Zoll erfreulich groß, andererseits leidet durch die Größe das komfortable Handling. Eine einhändige Bedienung ist nicht ohne Komplikationen möglich. Denn der Daumen kann die oberen Display-Ecken schlicht nicht erreichen. Positiv: Die Auflösung erreicht 1.280 x 720 Pixel und auch unter freiem Himmel ist ein Ablesen der Display-Inhalte noch gut möglich. Die Spiegelungen sind vergleichsweise gering, Kontraste satt und Farben sehr intensiv. Für ein Gerät der unteren Mittelklasse ist das richtig ordentlich.

Halbherzige Stylus-Umsetzung

Als Extra liefert Alcatel das One Touch Scribe HD auch mit einem Eingabestift (Stylus) aus. Verschiedene vorinstallierte Apps – zum Beispiel ein virtueller Notizzettel oder ein Taschenrechner – sollen für eine komfortable Nutzung sorgen. In der Praxis ist von Komfort aber nicht viel zu spüren, denn die Gummispitze des Stylus reagiert ziemlich träge. Handschrifterkennung hin oder her, so richtig Spaß macht die Nutzung nicht. Hinzu kommt, dass der Stift nicht in das Gerät gesteckt werden, sondern nur über einen Magneten angeheftet werden kann. Der Verlust ist mit der Zeit eigentlich vorprogrammiert.

Richtig praktisch ist hingegen das ebenfalls im Lieferumfang enthaltene Frontcover. Es lässt sich wie der Stift magnetisch auf der Rückseite des Telefons anheften und schützt das Display mit einer Filz-Unterseite vor Kratzern. Außerdem sorgen die Mikrofasern für eine quasi automatische Reinigung des Bildschirms.

Fazit: Stärken und Schwächen liegen dicht beieinander

Eigentlich hat das Alcatel One Touch Scribe HD das Zeug zu einem richtig guten Smartphone der Mittelklasse. Genau genommen ist es das auch, aber eben nur mit deutlichen Abstrichen. Denn selbst wenn das große Display abseits der Stylus-Nutzung viel Freunde in der alltäglichen Nutzung bereitet, selbst wenn der Akku mit einer Kapazität von 2.500 mAh im Rahmen unseres Tests mit richtig guten Laufzeiten von bis zu 2,5 Tagen überzeugen konnte und selbst wenn die Dual-SIM-Funktionalität sehr praktisch ist, sind Schwächen nicht wegzudiskutieren.

Bereits erwähnt haben wir den zu kleinen Speicher und die fehlende LTE-Unterstützung, die bei Konkurrenzmodellen inzwischen auch in der Mittelklasse zum Standard geworden ist. Schade ist aber auch, dass die integrierte Kamera nur bei guten Lichtverhältnissen brauchbare Aufnahmen liefert. Ansonsten werden Defizite vor allem dann sichtbar, wenn der Zoom verwendet wird. Unschärfen und verblassende Kontraste sind dann die Folge. Außerdem kann die Kamera keine qualitativ guten Macro-Aufnahmen liefern. Videos sind in Full HD mit 1.080p möglich, eine Frontkamera für Videotelefonate löst mit bis zu 1,3 Megapixeln im Foto- bzw. 720p im Videomodus auf.

Angeboten wird das Alcatel One Touch Scribe HD zu einem Preis ab 279 Euro (Stand: 31. Juli 2013). Bei Amazon wird es sowohl in Weiß als auch in Schwarz für 282 Euro ohne zusätzliche Versandkosten angeboten.

Name:
One Touch Scribe HD
Hersteller:
Alcatel
Preis:
ab ca. 279 Euro
Technische Daten:
Betriebssystem:
Android (Version 4.1.2 Jelly Bean)
Prozessor:
1,2 GHz Quad Core
Arbeitsspeicher:
1 Gigabyte
SIM:
Micro-SIM
Antenne:
GSM (850, 900, 1.800, 1.900 Megahertz)
UMTS (900, 2.100 Megahertz)
Abmessungen:
144 x 75 x 9 Millimeter
Gewicht:
135 Gramm
Display:
5,0 Zoll, 1.280 x 720 Pixel, 16 Mio. Farben
Speicher:
4 GB intern; per microSD um 32 GB erweiterbar
Schnittstellen:
Bluetooth 4.0, WLAN
Digitalkamera:
8 Megapixel, Digitalzoom, Autofokus, LED-Licht
HD-Videofunktion (1.080p), 1,3-Mpx.-Frontkamera
Lieferumfang:
Ladegerät, Stereo-Headset, USB-Kabel, Stylus Eingabestift, Front-Cover
SAR-Wert:
0,95 W/kg (moderat)
Extras:
MP3- und Videoplayer, Bluetooth, Radio, GPS, WLAN, HD-Unterstützung, Dual-SIM-Funktionalität
Akkulaufzeit im Test:
10-12 Stunden Sprechzeit
36-48 Stunden Bereitschaftszeit (bei normaler Smartphone-Nutzung)
Pro & Contra:
Dual-SIM-Funktionalität
Front-Cover im Lieferumfang inklusive
ordentliche Performance
gute Akku-Laufzeiten
schönes Display

sehr geringer Flash-Speicher
fest integrierter Akku
Kamera bei schwachem Licht nicht überzeugend
Stylus-Eingabe viel zu träge
keine LTE-Unterstützung
Bewertung:
Bedienung (30%):
gut
Ausstattung (20%):
befriedigend
Verarbeitung (20%):
gut
Akkulaufzeit (20%):
gut
Telefonfunktion (10%):
sehr gut
Gesamtnote
gut (2,1)
Preis-Leistung:
befriedigend

(Hayo Lücke)

Mehr aus dem Web

Zum Seitenanfang