Testbericht

Gruß aus der Zukunft: 48-Kerne-Chip im Test

Mit zwei bis vier Kernen sind Prozessoren gut aufgestellt? Weit gefehlt: Das Hasso-Plattner-Institut in Potsdam testet derzeit einen 48-Kerne-Chip von Intel.

Motherboard© Edelweiss / Fotolia.com

Was Computersoftware in Zukunft mit Hilfe neuster Chiptechnologie alles leisten kann, will das Hasso-Plattner-Institut in Potsdam erforschen. Das Institut hat dafür von Intel einen neuartigen Prozessor für Forschungszwecke erhalten.

Maßgeschneidert: HPI bastelt an Linux-System

Auf dem briefmarkengroßen Testchip hat Intel erstmals 48 Prozessorkerne auf einem Siliziumchip untergebracht - moderne Intel-Core-Chips arbeiten derzeit mit zwei bis vier Kernen. Die Forscher beim HPI wollen in den nächsten Monaten für den Chip ein maßgeschneidertes Linux-Betriebssystem entwickeln, das fehlertolerant ist.

Der neuartige "Single-Chip Cloud Computer", kurz SCC, war maßgeblich in Intels Forschungszentrum in Braunschweig mitentwickelt worden. Anders als die Konfektionsware des Herstellers lässt sich der Prozessor für Experimentierzwecke weitreichend verändern. Am HPI wollen die Forscher den Chip unter anderem für die Entwicklung von Software nutzen, die Rechenprozesse parallel fährt und damit fehlertoleranter arbeitet.

Zweithälfte soll Prozesse "retten"

"Vereinfacht gesagt, ist es unsere Idee, den Chip in zwei Hälften aufzuteilen, die beide dasselbe leisten", erklärte HPI-Forscher Peter Tröger. "Ist absehbar, dass in der einen Hälfte ein Fehler auftritt, so soll das Betriebssystem den Rechenprozess auf die andere Hälfte umschalten und so eine Unterbrechung vermeiden." Dieses Prinzip habe sich auch bei der "Spiegelung" von Festplatten erfolgreich bewährt.

Fehlt noch die passende Software...

"Die Untersuchungen rund um den bahnbrechenden Hardware-Prototypen, der ganz frisch aus dem Labor des Weltmarktführers kommt, sind eingebettet in unsere Forschungen im Bereich der service-orientierten Software-Systeme", sagte HPI-Direktor Christoph Meinel. Das Institut will Software entwickeln, die die nächsten Generationen von Mehrkern-Prozessoren optimal ausnutzen können.

Mit dem neuen Test-Chip ist das HPI eines von 44 Forschungseinrichtungen in Europa und rund hundert weltweit, die die neue Entwicklung von Intel testen dürfen, darunter auch das ETH Zürich und die Universitäten in Berkeley und Illinois. Intel will die Forschungsergebnisse bei der Weiterentwicklung seiner Chips berücksichtigen.

(Dorothee Monreal)

Quelle: DPA

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