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ZDF & RTL: TV geht online

Sowohl der öffentlich-rechtliche Sender ZDF als auch der Privatsender RTL verstärken ihre Präsenz im Internet. Im Rahmen der Anga Cable stellten Vertreter beider Sender aktuelle Konzepte vor.

Internet© Gina Sanders / Fotolia.com

Wie sieht das Fernsehen der Zukunft aus? Wird es weiterhin linearen TV-Konsum geben oder wachsen Internet und TV zusammen? Im Rahmen des ANGA Cable TV-Gipfels diskutierten in Köln unter anderem Vertreter von ZDF und RTL über Chancen und Risiken. Dabei erläuterten der öffentlich-rechtliche und der private Sender ihre Konzepte für eine stärkere Präsenz im Internet.

Trend geht zu Spartenkanälen

Am vergangenen Samstag strahlte das ZDF die letzte reguläre "Wetten, dass…?"-Show mit Thomas Gottschalk aus. Haben solche Sendungen, die alt und jung vor den Bildschirm locken, noch eine Zukunft? Carl-Eugen Eberle, seit 21 Jahren Justitiar des ZDF, sieht das Ende der in die Jahre gekommenen Samstag-Abend Show noch nicht gekommen. Es werde aber künftig schwieriger für solche Generationen übergreifende Sendungen.

Dennoch gibt es laut Marc Schröder, Geschäftsführer von RTL Interactive, immer wieder sogenannte "Lagerfeuer-Events" wie beispielsweise aktuell die Hochzeit von Kate und William in Großbritannien, die für hohe Einschaltquoten sorgen. Zuschauer können Sendungen wie diese auch per RTL-App als Live-Stream verfolgen. "Der Trend geht in Richtung Spartenkanäle", betont Eberle. "Junge Leute suchen ihre Inhalte nicht bei uns, sondern anderswo." Mit den speziell auf einzelne Zielgruppen ausgerichteten Kanälen ZDFneo und ZDF-Kultur könne der Mainzer Sender seine inhaltliche Palette erweitern. "Man muss einsehen, dass es bestimmte Kanäle gibt, die alle ein bestimmtes Publikum haben", betont Eberle. Die Zuschauer würden über verschiedene Marken integriert.

ZDF definiert Auftrag zur Grundversorgung sehr breit

Das ZDF setzt weniger auf Generierung von Reichweiten, sondern hält an seinem Grundversorgungsauftrag fest. Der wird dann allerdings von dem öffentlich-rechtlichen Sender recht selbstbewusst definiert. "Wir wollen auf allen Plattformen unsere Programme anbieten" erklärt Eberle die Zielrichtung seines Senders. "Wir halten uns an das, was wir tun dürfen". Dabei richte sich das ZDF nach den Maßgaben des 3-Stufen-Tests. Die Sendungen der Mainzer sollen aber auch über Geräte wie das iPad sowie über zahlreiche neue ZDF-Apps für die Mediathek, heute.de oder Sport zu empfangen sein. Auch an der Entwicklung von HbbTV zeigt sich das Zweite Deutsche Fernsehen sehr interessiert. Geräte zum Anzeigen von Internetangeboten über den Bildschirm sollten allerdings über einen einheitlichen Standard verfügen.

Senkung der Rundfunkgebühren durch Einnahmen aus Online-Videothek?

Unter dem Projektnamen Germany's Gold planen ZDF und ARD aktuell die Gründung einer kommerziellen Online-Videothek. Die Archive der öffentlich-rechtlichen Sender sollen gehoben und vermarktet werden. Die GEZ-Gebühr würde nur die Ausstrahlung von Sendungen im klassischen TV sowie die zeitlich limitierte Bereitstellung von Programminhalten im Internet abdecken, heißt es seitens der Sender. Mit der geplanten Realisierung der Online-Videothek über die kommerziellen Töchter von ZDF und WDR könnten durch kostenpflichtige On-Demand-Angebote auch Einkünfte erzielt werden. Die Einnahmen teilen sich die beteiligten Sender mit den Produzenten. Der ZDF-Justitiar stellte eine Senkung der Rundfunkgebühren in Aussicht, wenn die Einnahmen entsprechend hoch ausfallen sollten.

Weiter auf Seite 2: Alle ZDF-Sender ab Mai 2012 in HD

Ein großes Thema ist bei den Fernsehsendern in den kommenden zwölf Monaten die Abschaltung des analogen TV-Signals über Satellit Ende April 2012. ZDF-Justitiar Eberle verweist darauf, dass unter anderem sein Sender derzeit Spots zur Information der Verbraucher schaltet und auf die Analog-Abschaltung hinweist.

Alle ZDF-Sender ab Mai 2012 in HD

Noch rund 15 Prozent der Satelliten-Kunden nutzen Analog-TV. Rund sechs Millionen digitale Receiver müssten innerhalb eines Jahres verkauft werden, da Haushalte im Durchschnitt über zwei Empfangsgeräte verfügen. Positiv sei, dass auch die privaten Sender bei der Informationskampagne mitziehen. Es gebe eine breite Allianz. Die Umstellung auf digitale Satellitentechnik ist laut Eberle vernünftig. Die Funkausstellung IFA sowie das Weihnachtsgeschäfts werde den Umstieg noch mal beleben. Der reibungslos verlaufene Umstieg bei DVB-T gebe Hoffnung, dass auch die Umstellung auf digitales Sat-TV erfolgreich verlaufen wird. Durch die frei gewordenen Satelliten-Transponder wird das ZDF ab dem 1. Mai 2012 sein HD-Angebot ausweiten und sämtliche Sender in hochauflösender Qualität ausstrahlen. Im Gegensatz zu der HD+ Plattform des Satellitenbetreibers SES Astra, sei dafür kein Zusatzentgelt notwendig. RTL-Mann Schröder kann sich hier einen Seitenhieb nicht verkneifen: "Das Entgelt zahlen die Zuschauer monatlich" in Form der Rundfunkgebühren.

RTL will mit neuen Plattformen Reichweite vergrößern

RTL komme es laut Schröder vor allem um die Generierung von Reichweiten an. "Jede Plattform ist eine gute Plattform", so Schröder. Sei es nun die Online-Videothek RTLnow oder beispielsweise auch die RTL-App. Gewisse Rahmenbedingungen müssten allerdings eingehalten werden. Der Signalschutz des Programms müsse gewahrt bleiben. Inhalte dürften nicht kopiert werden, Dritte zudem mit RTL-Programmen kein eigenes Geschäftsmodell betreiben. Hier zielt Schröder in Richtung von Anbietern wie Google TV. Die RTL-Marken sieht er als Leuchttürme, die auch nur von RTL selbst vermarktet werden sollen. Eine Plattform von Dritten, die sich die besten Inhalte verschiedener Anbieter herauspicke, dürfe es nicht geben.

RTL hält an Plänen für offene TV-Plattform fest

Gegen die von den Wettbewerbsbehörden untersagte offene Plattform von RTL und ProSiebenSat.1, eine Art deutsches Hulu, haben die Sender Einspruch eingelegt. Schröder betont, dass die Plattform für jeden TV-Anbieter offen sein soll und es keine zentrale Vermarktung geben werde. Der Geschäftsführer von RTL Interactive hofft, dass das Kartellamt die gleichen Maßstäbe anlegt, wenn neue Vorschläge vorgelegt werden. Das primäre Ziel der privaten Sender sei es ohnehin nicht gewesen, mit der technischen Plattform viel Geld zu verdienen. Es sollte lediglich eine zentrale Anlaufstelle im Internet für Endkunden geschaffen werden. Dennoch wächst die Präsenz der Sender im Internet. Online-Werbepreise sind bereits jetzt schon teils höher als im klassischen TV. Die Masse der Fernsehnutzung erfolgt aber noch linear. Auch die Gesprächsthemen der Jugend werden noch vom klassischen Fernsehen bestimmt. Soziale Netzwerke brauchten weiterhin große Events.

(Jörg Schamberg)

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