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Yahoo zerlegt sich selbst

Schon wieder steht Yahoo ohne Chef da. Statt die Konkurrenz in Schach zu halten, zerreibt sich der ohnehin schwächelnde Konzern in internen Querelen - die Geschichte eines Niedergangs.

Internet© Daniel Fleck / Fotolia.com

"Yahoo hat seinen Chef von eBay geholt? Und er war nicht ganz das, was er in seiner Beschreibung vorgab zu sein? Keine Ironie, nein, überhaupt nicht." Hohn und Spott ergoss sich am Montag im Netz über den einstigen Primus im Internet. Schon der zweite Yahoo-Chef in acht Monaten musste gehen. Einen endgültigen Nachfolger gibt es nicht. Wieder einmal steht Yahoo kopflos da.

Ein Abgang, der sich abzeichnete

Bis vor wenigen Tagen noch galt Scott Thompson als Hoffnungsträger des schwächelnden Branchenurgesteins aus Kalifornien. Der ehemalige eBay-Manager - worauf Twitter-Nutzer isaiah in seinem beißenden Kommentar anspielte - hatte Yahoo ein Sparprogramm verordnet. Vor allem aber war es ihm gelungen, den Umsatzschwund zu stoppen. Dann jedoch stolperte er über einen falschen Uni-Titel.

Schon der Abgang von Vorgängerin Carol Bartz im September vergangenen Jahres war alles andere als geräuschlos über die Bühne gegangen. "These people fucked me over", hatte sie gegen den Verwaltungsrat gewütet, zu deutsch: "Diese Leute haben mich verarscht." Per Telefon habe sie von ihrer Kündigung erfahren, erzählte sie einer Reporterin damals voller Wut im Bauch. Yahoos Ruf als Chaosladen festigte sich.

Google und Facebook konkurrieren

Die Rivalen Google und Facebook dürften sich ins Fäustchen lachen. Sie buhlen ebenfalls um die lukrativen Aufträge für Internet-Werbung. Früher konnte sich Yahoo ein großes Stück vom Kuchen abschneiden. Das 1995 als Web-Verzeichnis gegründete Unternehmen gehört zu den Pionieren im Netz, es überstand die Dotcom-Blase ebenso wie die Rezession. Für viele Internetnutzer war Yahoo früher das Einstiegstor ins World Wide Web.

Die Zeiten sind lange vorbei. Als Suchmaschine ist längst Google führend. Wenn die Menschen sich virtuell treffen wollen, gehen sie zu Facebook. Yahoo konnte wenig dagegen setzen, auch weil sich die Konzernführung allzu oft in firmeninternen Ränkespielen aufrieb und sich selbst überschätzte.

Es wurden Milliarden verschenkt

Am bittersten für die Yahoo-Anteilseigner dürfte dabei die Entscheidung von Mitgründer Jerry Yang gewesen sein, ein Übernahmeangebot von Microsoft auszuschlagen. Rund 45 Milliarden Dollar hatte der Windows-Riese 2008 zahlen wollen, um mit Yahoo seinen Rückstand im Internet aufzuholen. Heute ist Yahoo noch 19 Milliarden Dollar wert - und das auch nur dank der Beteiligungen an der chinesischen Internetfirma Alibaba und an Yahoo Japan.

Nun liegt es am neuen Yahoo-Chef, verlorenen Boden wieder gutzumachen. Doch dieser Mann oder diese Frau muss erst einmal gefunden werden. Das letzte Mal hatte die Suche ganze vier Monate gedauert. Eine neuerliche Hängepartie wäre Gift fürs Unternehmen im schnelllebigen Internetgeschäft.

Daniel Loeb - Der Mann, der Thompson stürzte

Zudem sind die Ziele des neuen starken Mannes bei Yahoo nicht klar: Daniel Loeb. Der Hedgefonds-Manager und Großaktionär war es, der Scott Thompson stürzte und nun selbst mit zwei Gefolgsleuten in den Verwaltungsrat einzieht. Will er Yahoo weiterbringen oder ausschlachten? Ein Verkauf der Anteilspakete von Alibaba und Yahoo Japan könnte einen zweistelligen Milliardenbetrag einbringen. Ob danach aber viel von Yahoo übrig bliebe, steht in den Sternen.

(Hayo Lücke)

Quelle: DPA

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