News

WLAN-Antennenbau: Lizenz zum Löten?

Im Internet kursieren viele Bauanleitungen für WLAN-Antennen. Doch darf man einfach drauflos basteln? Einige Regeln müssen eingehalten werden.

Notebook© Roman Hense / Fotolia.com
Bratpfannen, Chips- und Butterdosen sind nicht nur für ein nettes Abendessen zu gebrauchen. Immer mehr Freaks basteln sich aus Küchenutensilien oder Hausmüll leistungsstarke Antennen, um die Reichweite ihrer Funknetzwerke zu erweitern. Die Anleitung dazu kommt nicht selten aus dem Internet. Doch beim Bau einer WLAN-Antenne gilt es Regeln zu beachten. Denn der Antennenbau ist kein Kinderspiel.

DSL per Antenne

Nico Lange kennt sich aus. Der 26-jährige gelernte Elektroniker arbeitet als Programmierer. In seinem Wohnort, dem thüringischen Alterstedt, gibt es kein DSL. Der nächste Anschluss konnte erst in Bad Langensalza, sieben Kilometer entfernt, geschaltet werden. Doch einfach aufgeben wollte Lange nicht. Stattdessen fing er an, sich mit WLAN zu beschäftigten und überbrückte die Strecke per Funk - teils mit selbstgebauten Antennen.

Grundsätzlich funkt WLAN in den beiden Frequenzbereichen 2,4 und fünf Gigahertz. Diese Frequenzen hat die Bundesnetzagentur (BNetzA, ehemals RegTP) im Rahmen einer Allgemeinzuteilung freigegeben. Danach ist es grundsätzlich erlaubt, die nötigen Antennen selbst zu bauen. Es ist also keine Lizenz oder Genehmigung dafür erforderlich. Ein gewisses Know-how sollte aber vorhanden sein.

Richtantennen für 5 und 2,4 GHz, Foto: Werkbild WiMo, www.wimo.com

Präzision nötig

Lange kann da auf seine Erfahrung bauen. Innerhalb seines Dorfes funkt sein Netz im 2,4-Gigahertz-Bereich und das ausschließlich mit selbstgebauten Antennen. Auf der Langstrecke zwischen Langensalza und Alterstedt sieht das anders aus. Für den 5-Gigahertz-Bereich nimmt er keine selbstgebauten Antennen: "Die nötige Präzision, die bei 5,7 GHz nötig wäre, kann man mit Augenmaß, Feile und Lötkolben nicht erreichen", erklärt Lange.

"5-Gigahertz-Antennen zu bauen ist schon ne Herausforderung", meint auch Thilo Kootz vom Deutschen Amateur Radio Club (DARC). Kootz ist beim DARC für die technische Betreuung der Funkamateure zuständig, die den WLAN-Frequenzbereich auch für Amateurfunkzwecke benutzen. Er hat selbst schon Antennen für den 2,4 Gigahertz-Bereich gebaut, das sei schwierig genug gewesen.

Reflektion unerwünscht

Für den Bau einer Antenne ist eigentlich eine spezielle Meßausrüstung erforderlich. Dazu zählt zum Beispiel ein Stehwellenmessgerät (SWR-Meter). Es misst das Verhältnis zwischen der abgegebenen und zurück geworfenen Leistung. Ist die Antenne zu lang oder zu kurz, wird zuviel der Sendeleistung wieder an den Sender zurückgegegen. Dadurch kann zum Beispiel die WLAN-Karte unter Umständen beschädigt werden. Doch diese Instrumente sind teuer und die Anschaffung rentiert sich für Gelegenheitsbastler nicht.

Auch Lange verzichtet auf Meßgeräte. Er empfiehlt, die Verstärkungsleistung einer handelsüblichen Antenne mit dem Selbstbau zu vergleichen. "Wenn ich beim Test im Wohnzimmer feststelle, dass die Antenne gut funktioniert, fahre ich ins Freiland und teste die selbstgebaute Antenne gegen eine geeichte Antenne auf Reichweite und Bandbreite. Natürlich immer am selben Standort, um die Eigenschaften vergleichbar zu halten."

Ravioli-Dosen sind besser

Seiner Meinung nach ist es durchaus möglich, stur nach den Anleitungen aus dem Internet vorzugehen. Doch gebe es auch dort gute und schlechte Bauanweisungen. "Zum Beispiel ist die berühmte Pringles-Dose eine ungewöhnlich schlechte Konstruktion, die -selbst wenn streng nach Anleitung gebaut- kaum einen Leistungsgewinn erzielt", erklärt Lange. Die Pringles-Dose habe schlicht die falsche Größe. Mit richtigen Blechdosen, wie zum Beispiel Kaffee- oder Ravioli-Dosen, erreiche man bessere Ergebnisse.

Auch die beliebte CD-Spindel tauge nicht viel, was allerdings nicht konstruktionsbedingt sei. Oft werde hier ein simpler CD-Rohling als Reflektor verwendet und der habe denkbar schlechte Hochfrequenz-Eigenschaften. "Ein rund ausgeschnittenes Kupfer- oder Edelstahlblech bewirkt hier eine deutliche Verbesserung", so Lange.

Funkende Butterdose

Insgesamt werde bei Bausätzen und Anleitungen viel "Schrott" angeboten. Doch nicht nur. Lange ist bei den "Vallstedter Butterdosen" hängengeblieben. Diese hätten für einen Eigenbau erstaunlich gute Funkeigenschaften und seien zudem sehr stabil und wetterfest. Darüber hinaus besäßen sie die besten Montageeigenschaften und seien sehr preiswert. Eine komplette, funkende Butterdose sei so für etwa 2,50 Euro zu bauen.

Butterdose von Vallstedt Networks

Dennoch sollte man sich vor Augen halten, dass "mit Kombizange und Lötkolben" nie die Qualität von professionell gefertigten Antennen erreicht werden könne. Der Selbstbau sei Millimeterarbeit. "Das braucht schon einige Versuche, bis man den Dreh raus hat", weiß Lange. Dennoch würde er gerne seine Eigenkonstruktionen mit professioneller Meßtechnik überprüfen lassen - doch das kostet viel Geld.

Sendeleistung beachten

Für den Antennenselbstbau sind aber nicht nur handwerkliche Fähigkeiten wichtig. Viele Bauanleitungen versprechen Antennen, die die Sendeleistung der WLAN-Karte deutlich verstärken sollen. Doch dabei müssen geltende Gesetze beachtet werden, besonders was die zulässige Sendeleistung angeht. Diese überwacht die Bundesnetzagentur.

Mit Sendeleistung ist jedoch nicht einfach die Ausgangsleistung der WLAN-Karte gemeint, vielmehr müssen auch der Gewinn der Antenne und die Verluste, die zum Beispiel durch Antennenkabel oder Blitzschutzstecker entstehen, in die Berechnungen mit einbezogen werden. Diese "mittlere äquivalente isotrope Strahlungsleistung" (EIRP) ist im Grunde die Sendeleistung, die auch tatsächlich von der Antenne abgestrahlt wird.

Zwei Subbänder

Im Frequenzbereich von 2,4 Gigahertz beträgt die maximal erlaubte Strahlungsleistung 100 Milliwatt. Der 5 Gigahertz-Bereich unterteilt sich noch einmal in zwei Subbänder. Für jedes der Subbänder sind andere Sendeleistungen erlaubt. Unterstützt die WLAN-Karte eine automatische Leistungsreduzierung (Transmit Power Control, TPC) von sechs Dezibel und das dynamische Frequenzwahlverfahren (Dynamic Frequency Selection, DFS), darf mit mehr Milliwatt gesendet werden.

Das erste Subband zwischen 5170 bis 5350 Megahertz ist nur für die Nutzung in Gebäuden vorgesehen. Die maximale Sendeleistung beträgt hier 200 Milliwatt, vorausgesetzt die WLAN-Karte funkt mit TPC und DFS. Unterstützt sie lediglich TPC sind nur noch 60 Miliwatt erlaubt. Wird weder TPC noch DFS verwendet, sinkt die maximal erlaubte Sendeleistung weiter auf 30 Miliwatt.

1000 Miliwatt auf 5 Gigahertz

Das zweite Subband, der Bereich zwischen 5470 und 5725 Megahertz, erlaubt sogar eine Sendeleistung von einem Watt (1000 Milliwatt), sofern auch hier die automatische Leistungsreduzierung von der WLAN-Karte unterstützt wird. Im Gegensatz zum ersten Subband darf das zweite sowohl innerhalb als auch ausserhalb geschlossener Räume benutzt werden.

Doch wie sieht es mit der Gesundheit aus? Darf der Laie munter drauflosbasteln oder muss er gar Angst haben zu erblinden? Solche Befürchtungen halten sich hartnäckig in den Web-Foren, da WLAN im selben Frequenzbereich funkt wie normale Mikrowellenöfen.

Keine Gefahr

Doch hier gibt Kootz Entwarnung: "Wenn man mit 100 Milliwatt Strahlungsleistung arbeitet und selbst wenn man die überschreitet, erreicht man dabei noch keine gesundheitlichen Gefahren, weil das noch deutlich unter dem Grenzwert liegt, den der Gesetzgeber dafür vorsieht." Selbst wenn der Grenzwert überschritten würde, hätte man zwar juristisch einen Verstoß, aber gesundheitsgefährdend wäre die Anlage dann immer noch nicht, so Kootz.

Selbst bei nicht erlaubten 10 Watt Strahlungsleistung sei davon auszugehen, dass man unter den Grenzwerten bleibe. Vorsichtig sollten Bastler aber trotzdem sein, wenn sie direkt in eine Antenne mit hoher Leistung hineinschauen. "Dann kann es schon sein, dass es zu einer Erwärmung des Auges kommt. Das ist ein sehr empfindliches Gewebeteil", warnt Kootz.

Bei Störung: Messwagen

Wer sich also an die rechtlichen Bedingungen hält, kann sich gefahrlos an den Selbstbau wagen. Die maximal erlaubte Strahlungsleistung sollte dennoch unbedingt eingehalten werden, da auch andere Funkdienste im WLAN-Bereich arbeiten. Werden diese gestört, kann es durchaus sein, dass plötzlich ein Meßwagen der Bundesnetzagentur vor der Tür steht.

(Christopher Bach)

Kommentieren Forum

Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert. Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Weitere Infos zum Thema

Mehr aus dem Web

Zum Seitenanfang