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WiMP: Der nächste Musik-Streaming-Dienst klopft an

Mit persönlichen Empfehlungen, handgemachten Playlists aus der Musikredaktion und Zuschnitt auf Deutschland möchte der Musikdienst WiMP "bald" zur Konkurrenz von simfy, Spotify, Napster & Co. werden. Wir haben den neuen Service, aktuell in der geschlossenen Beta-Phase, am PC, auf dem Smartphone und iPad ausprobiert.

Arbeitsplatz© Brad / Fotolia.com

Seitdem sich die GEMA und der Verband BITKOM vertraglich auf die Höhe der Urhebervergütungen für Streaming-Anbieter geeinigt haben, drängt ein Musik-Service nach dem anderen auf den deutschen Markt. Neuester Zugang: Spotify. Mitte März nahm der schwedische Anbieter, der zuvor bereits in zwölf anderen Ländern verfügbar war, auch in Deutschland seinen Dienst auf. Und weitere werden folgen. "Die neuen Tarife haben wie ein Dosenöffner gewirkt", sagte ein GEMA-Sprecher Anfang März gegenüber der dpa. "Seitdem bekommen wir ständig neue Anfragen von Streaming-Diensten, die auf den deutschen Markt wollen." An die Tür klopft auch WiMP: Die Musik-Streaming-Plattform ist im Februar 2010 gestartet und steht Musikinteressenten in Norwegen, Schweden, Dänemark und Portugal zur Verfügung. Konkurrenz belebt das Geschäft – aber brauchen die Internetnutzer nach Napster, simfy, Deezer, Rdio & Co. noch weitere Offerten? WiMP hat sich daher eine kleine Nische gesucht: Dem Team geht es nach eigenen Angaben darum, "Musik zu entdecken und zu genießen" und nicht um das Suchen und Verwalten. Wir haben WiMP am PC, auf dem Smartphone und iPad ausprobiert.

WiMP: Per Client oder App

Rein optisch unterscheidet sich der Dienst zunächst kaum von den anderen Streaming-Anbietern. Mit einem Umfang von 13 Millionen Titeln ist WiMP ähnlich gut bestückt wie der Musikkatalog von Deezer und Rdio. Sony, simfy, Spotify, Napster und JUKE liegen mit 15 bis 16 Millionen Inhalten weiter vorn. WiMP gibt es stationär für den PC oder Mac, außerdem mobil als App für iOS, sprich iPhone, iPod und iPad, sowie für Geräte mit Android und Windows Phone.

In Kürze sollen auch Nokia Handys, Sonos Soundsysteme und die Logitech Squeezebox unterstützt werden. Verknüpfen lässt sich der Musikdienst mit Twitter, Facebook und Last fm. Ein Zugang per Browser ist hingegen nicht möglich.


Mit persönlichen Musiktipps gegen die Streaming-Konkurrenz

Die Besonderheit: Der Nutzer bleibt bei der Suche nach neuen Hits nicht sich selbst oder den allgemeinen Charts überlassen, sondern erhält handgemachte Tipps von der Berliner Musikredaktion von WiMP.

Die Mitarbeiter weisen nicht nur auf die eingetroffenen Neuheiten hin, sondern empfehlen auch lohnenswerte Alben, einzelne Songs oder komplette Playlisten. Letztere bestechen insbesondere durch ihre Aktualität. Die Musikredaktion verschnürt im Wochentakt die neu hinzugekommenen Titel zu einer separaten Liste, berücksichtigt aber auch aktuelle oder anstehende Anlässe wie den Frühlingsbeginn, Festivals wie Hurricane oder Rock am Ring sowie Musiker-Geburtstage, zu denen dann passende Listen erscheinen. Dadurch lassen sich immer wieder bislang unbekannte Musikstücke entdecken.

Die Qualität der Lieder hängt von den vorgenommenen Einstellungen ab und liegt bei 64 bis 256 Kilobit pro Sekunde. Wir haben WiMP auf einem Windows-PC und außerdem per App auf einem Android-Smartphone und dem neuen iPad von Apple getestet. Über den Desktop-Client können sich die Nutzer zu allen Interpreten auch ähnliche Künstler anzeigen lassen und selbständig in insgesamt 13 Genres stöbern. Deutsche Musik erhält dabei eine eigene Kategorie; der lokale Zuschnitt ist ebenfalls eine Eigenschaft von WiMP – so auch in den skandinavischen Ausgaben. Musik lässt sich per Mausklick direkt im integrierten Player abspielen und per Drag&Drop in einer neuen oder bestehenden Playlist organisieren. Lieblingskünstler können per Favoritenmarkierung für einen schnelleren Zugriff gespeichert werden. Auch wenn sich andere Fenster vor dem Client befinden, drängelt sich kurz ein kleines WiMP-Banner in den Vordergrund, wenn der nächste Song beginnt. So wird der Nutzer knapp darüber informiert, mit wem er es gerade musikalisch zu tun hat.

In der App steht keine Genre-Unterteilung zur Verfügung, die Neuheiten, selbst erstellte und durch die Redaktion veröffentlichte Playlisten und Empfehlungen sowie markierte Favoriten sind aber mobil zugänglich. Bei Nutzung der iPad-App haben wir uns darüber gewundert, dass wir beim Abspielen einer Liste nicht per Wischbewegung über den Touchscreen von einem Titel zum nächsten springen konnten. Lediglich das Berühren der entsprechenden Buttons führte zum gewünschten Ergebnis. Auf einem Smartphone mit Android 2.3 erfolgte der Titelwechsel auf Wunsch auch über den Bildschirm. Wiederum nur in die iOS-App integriert ist AirPlay. Musik lässt sich damit drahtlos an einen Fernseher mit Apple TV übertragen. Außerdem zeigt die Musiksuche auf dem iPad bereits beim Eintippen einiger Buchstaben möglicherweise gesuchte Stichworte an, in der Android-App klappte das nicht. In allen mobilen Apps kommt darüber hinaus der Offline-Modus ins Spiel: Wer ohne UMTS- oder WLAN-Anbindung Musik hören möchte, kann sich im Vorfeld ganze Alben oder Wiedergabelisten herunterladen. Für einzelne Songs ist das noch nicht möglich. WiMP-Nutzer können übrigens immer nur in einem Programm gleichzeitig eingeloggt sein. Wird beispielsweise direkt vom PC-Client zur App gewechselt, meldet WiMP den Account am Desktop ab.

WiMP hinterlässt einen guten Eindruck

Obwohl uns die Pressestelle aufgrund des Beta-Stadiums darauf hinwies, dass technische Bugs nicht ausgeschlossen und eventuell noch nicht alle Funktionen einwandfrei verwendbar seien, kommt bei WiMP nicht das Gefühl auf, dass es sich um ein unfertiges Produkt handelt. Alle drei von uns ausprobierten Programmversionen sind übersichtlich und intuitiv bedienbar. Außerdem liefen sowohl der Desktop-Client als auch die mobilen Anwendungen während unseres Tests stabil und fehlerfrei. Wir sind lediglich bei einer Künstlerbeschreibung auf einen noch nicht finalen Text gestoßen. Bis zum Marktstart in Deutschland dürften die letzten kleinen Fehler behoben werden.

Noch kein finaler Starttermin, ...

Wann genau der Startschuss für WiMP in Deutschland fällt, konnte man uns auf Nachfrage noch nicht mitteilen. Stattdessen lautete die Auskunft: "bald". Derzeit läuft hierzulande die geschlossene Beta-Phase, zunächst ist es daher nur via Einladung möglich, sich bei WiMP anzumelden. Wer sein Interesse bekunden möchte, kann auf der WiMP-Website unter Angabe der E-Mail-Adresse und Handynummer eine Testanfrage senden. Auf unsere Frage nach dem Grund für das Sammeln der Mobilfunknummern teilte uns WiMP mit, dass dies mit den kostenlosen Probephasen zusammenhänge. Wie die Konkurrenz-Flatrates kann auch WiMP gratis ausprobiert werden und damit Jeder Nutzer nur einmal davon profitiert, sei die Angabe der Nummer nötig.

... aber bereits die Preise veröffentlicht

Kostenlos ist bei WiMP nur die Testphase, einen Gratis-Zugang, so wie ihn simfy und Spotify bieten, wird es nicht geben. Die Basis-Version von WiMP soll 4,99 Euro pro Monat kosten und erlaubt das unbegrenzte Musik-Streaming am PC oder Mac. Wer per Smartphone zugreifen und offline Musik hören möchte, kann zur Premium-Version für 9,99 Euro pro Monat greifen. Mit Ausnahme der beiden zuvor genannten Mitstreiter hat sich das Preisniveau bei allen Musik-Streamern bei rund 10 Euro für einen kompletten Zugang eingependelt. Lediglich Napster liegt mit 12,95 Euro monatlich darüber. Unterschiede ergeben sich zudem bei der Qualität und der Handy-Unterstützung. Eine aktuelle Übersicht über Musik Flatrates auf Streaming-Basis findet sich in unserem Hintergrundbereich.

Welcher Dienst für welchen Nutzer am besten geeignet ist, hängt vor allem von den persönlichen Vorlieben ab. Wer weiß, was er möchte, und keine Tipps benötigt, der dürfte bei WiMP keinen Vorteil gegenüber der Konkurrenz sehen. Wer seinen Musik-Horizont hingegen gerne erweitert und oftmals planlos vor den Lautsprechern sitzt, für den könnte WiMP das ausschlaggebende Feature bieten.

Update vom 2. Mai 2012: WiMP für alle offen

Der Streaming-Dienst WiMP hat die geschlossene Beta-Testphase beendet und steht nun in Deutschland allen Interessierten offen. Der Dienst lässt sich 30 Tage lang kostenlos testen.

(Saskia Brintrup)

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