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VZ NRW: Online-Käufer bei Garantie benachteiligt

Wer Markenware im Internet kauft, wird mitunter von Herstellern bei Garantieleistungen benachteiligt. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen empfiehlt daher, vor dem Kauf genau hinzuschauen.

Arbeitsplatz© Brad / Fotolia.com

Gerade Online-Händler bieten bei Markenware oftmals Preise, die meist deutlich unter dem Angebot im Laden um die Ecke liegen. Tritt nach Ablauf der gesetzlichen Gewährleistungsfrist von zwei Jahren ein Defekt ein, kann so manches Schnäppchen im Nachhinein allerdings doch noch sehr teuer werden. Grund: Nach Angaben der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (VZ NRW) schränken zahlreiche Hersteller ihre Garantieleistungen für Produkte ein, die nicht bei "autorisierten" Handelspartnern erworben wurden. Hinweise zu den Einschränkungen finden sich meist nur versteckt oder überhaupt nicht. Die Zeche zahlt am Ende der Kunde.

Online-Käufer werden benachteiligt

Dass damit die Bindung an ihre Marke nicht gerade gestärkt wird, nehmen die Unternehmen offenbar gern in Kauf. Zu ihrem Kreis gehören prominente Namen wie etwa der Kaffeeautomaten-Hersteller Jura, die Elektronikhersteller Denon, Pioneer und Sony oder die bekannten Traditionsmarken Märklin und Montblanc. Eine Information über die Zwei-Klassen-Garantie erhalten Kaufinteressenten laut VZ NRW allerdings nur selten. In der Regel sei den Online-Kunden nicht bewusst, dass ihnen die freiwillige Herstellerleistung verwehrt bleibe.

Jura etwa leiste für seine Waren nur dann eine 25-monatige Garantie, wenn diese bei einem stationären Händler erworben wurde. Begründung: Dem Käufer müsse eine Möglichkeit geboten werden, die Ware vorab in Augenschein zu nehmen. Eine Ausnahme bildeten lediglich Internet-Portale, die von Anbietern mit eigener Filialstruktur betrieben werden - beispielsweise Saturn und Karstadt. Hier seien die regulären Garantieleistungen ohne Abstriche inklusive.

Garantie nur bei "autorisierten" Händlern

Bei Denon und Sony mache wiederum die ausdrückliche Kennzeichnung eines Händlers als offiziellen Partner den Unterschied, erklärten die Verbraucherschützer. Denon akzeptiere beispielsweise Garantieanträge von Geräten, die bei Amazon, Technikdirekt oder Alternate erworben wurden. Andere Anbieter wie Comtech oder Notebooksbilliger könnten dieses Siegel hingegen nicht vorweisen und blieben in Sachen Garantie außen vor. Bei Sony bedeute ein Kauf beim "falschen" Händler immerhin noch eine Schutzverkürzung um zwölf Monate. Neben den Herstellern tragen aber auch die Verkäufer ihren Teil zur Verwirrung der Kunden bei. So habe kein einziger überprüfter nichtautorisierter Online-Shop auf die Nachteile hingewiesen, so die VZ NRW. Amazon nutze die undurchsichtige Firmenpolitik sogar zu eigenen Zwecken und verkaufe für Jura-Geräte zusätzliche "Garantieverlängerungen".

Bei den deutschen Handelsverbänden werde das Vorgehen derweil nicht als Problem wahrgenommen. Von fünf kontaktierten Vereinigungen hätte nur eine einzige überhaupt reagiert, dabei aber abgewiegelt, so die Konsumentenvertreter. Sicheren Schutz für sich und ihre Geräte erhalten Käufer daher vor allem durch Eigeninitiative. Die Verbraucherzentrale empfiehlt dabei grundsätzlich, vor zunächst beim Hersteller nachzufragen, mit welchen Händlern dieser zusammenarbeitet. Dies gelte insbesondere für Produkte von Denon, Pioneer, Bose, Märklin, Tissot, Tag-Heuer, Jura, Sony, Montblanc, Benro sowie McLaren. Einzig der Grillhersteller Weber habe inzwischen reagiert und seine Garantiebedingungen überarbeitet. Mittlerweile erhalte jeder Kunde die gleiche Leistung.

(Christian Wolf)

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