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Vodafone-Chef: LTE wird DSL-Geschäft ersetzen

Welchen Einfluss der neue LTE-Standard auf die Entwicklung im deutschen Breitbandgeschäft nehmen wird, ist bislang umstritten. Für Vodafone-Chef Friedrich Joussen ist die Sache allerdings klar: LTE werde den DSL-Anschluss ersetzen, sagte der CEO laut "Handelsblatt" in einem Gespräch mit Journalisten.

Vodafone© Vodafone GmbH

Welchen Einfluss der neue LTE-Standard auf die Entwicklung im deutschen Breitbandgeschäft nehmen wird, ist bislang umstritten. Während Telekommunikationsexperten wie der Duisburger Universitätsprofessor Torsten Gerpott bezweifeln, dass der UMTS-Nachfolger festnetzbasierten Anschlüssen den Rang ablaufen wird, glaubt Friedrich Joussen an ein Ende der Festnetzdominanz. "Das DSL-Geschäft bekommt mit LTE einen leistungsfähigeren und gleichzeitig mobilen Ersatz", sagte der Vodafone-Chef laut "Handelsblatt" in einem Gespräch mit Journalisten.

Investitionen ins Festnetz lohnen nicht

Joussen zufolge herrsche am Markt Konsens darüber, dass sich signifikante Investitionen in die Festnetz-Infrastruktur unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht mehr auszahlten. Die DSL-Technologie sei veraltet und niemand in der Branche stecke mehr groß Geld hinein, konstatierte der 48-Jährige. Da Vodafone zudem jährlich knapp 500 Millionen Euro Mietzahlungen für die Nutzung der Teilnehmeranschlussleitungen (TAL) an die Deutsche Telekom überweisen müsse, lägen die Margen im Festnetzgeschäft mit den insgesamt knapp vier Millionen DSL-Kunden deutlich unter denen der Mobilfunksparte.

Einen Befreiungsschlag aus dem Klammergriff von Telekom und regulatorisch festgelegten TAL-Entgelten erhofft sich Joussen durch einen zügigen LTE-Ausbau und steigende Übertragungsraten. Bereits heute ließen viele Bundesbürger ihren PC in der Ecke stehen und gingen lieber mit Handy, Laptop oder Tablet-Computer online. Wenn diese Nutzer auch unterwegs mit der gleichen Bandbreite wie zu Hause ins Internet gehen könnten, sei das ein großer Anreiz, bei Vodafone einen LTE-Vertrag abzuschließen, erklärte der Deutschland-Chef. Zwar stecke der neue Mobilfunkstandard aktuell noch in den Kinderschuhen und werde noch weiterentwickelt. Statt der aktuell verfügbaren LTE-Maximalgeschwindigkeit von 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) sei aber schon bald das Zehnfache möglich. "Das wird die erste Gigabit-Technologie im Mobilfunk", prognostizierte Joussen.

LTE unter Alltagsbedingungen wesentlich langsamer

Noch mutet ein solcher Ausblick allerdings reichlich optimistisch an. So steht LTE weiterhin nur in wenigen Gebieten tatsächlich zur Verfügung. Auch kompatible Endgeräte sind bislang Mangelware. Ebenfalls ungelöst ist die Drosselungs-Problematik. Das Fehlen "echter" mobiler Flatrates ohne Volumenbegrenzung widerspricht vielen Anwendungen, die eigentlich von einer höheren Bandbreite profitieren würden, aber ein hohes Datenaufkommen verursachen und damit innerhalb kürzester Zeit das Inklusivlimit sprengen - etwa HD-Video-Streaming. Darüber hinaus würden die pro Kunde unter Alltagsbedingungen durchschnittlich erreichbaren mobilen Download-Raten in der öffentlichen Diskussion zumindest laut Marktbeobachter Gerpott unrealistisch hoch angesetzt. Seiner Ansicht nach bewegten sich diese künftig eher bei 2 als 20 Mbit/s und könnten auch nicht flächendeckend auf dem Land bereitgestellt werden.

Verantwortlich dafür ist unter anderem die Aufteilung der vorhandenen Gesamtkapazität innerhalb einer Funkzelle auf alle eingeloggten Nutzer sowie die Versorgungsdichte. Schnell werden dabei aus werbewirksamen 100 Mbit/s nur noch durchschnittliche 10, wie kürzlich etwa die Deutsche Telekom bei der Präsentation zur Inbetriebnahme ihres Kölner LTE-Netzes eingestehen musste. Sollten die Skeptiker Recht behalten, müssen sich vorerst weder Kabelanbieter noch die Betreiber von Glasfasernetzen wirklich Sorgen machen, dass ihre Angebote keine Abnehmer mehr finden. Und selbst der in die Jahre gekommene DSL-Anschluss dürfte aufgrund des besseren Preis-Leistungsverhältnisses noch eine Weile konkurrenzfähig bleiben. Für Experte Gerpott gehen solche Überlegungen ohnehin ein wenig an der Realität vorbei. Mobiles Internet über UMTS- und LTE-Netze werde in Deutschland den stationären Zugang über DSL- beziehungsweise Kabelmodem-Infrastrukturen zwar zunehmend ergänzen, aber nicht ersetzen, so der Branchenkenner erst vor wenigen Wochen auf der 17. Handelsblatt-Jahrestagung "Telekommarkt im Umbruch" in Köln.

(Christian Wolf)

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