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Vectoring: BREKO und VATM warnen erneut vor Alleingang der Telekom

In der Debatte um die Beschleunigung der alten Kupferleitungen auf Bandbreiten von bis zu 100 Mbit/s mit Hilfe der Vectoring-Technologie stellen die Branchenverbände BREKO und VATM noch einmal ihre Positionen dar. Sie sprechen sich gegen ein KVz-Zugangsverbot für Wettbewerber aus.

Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

Die Debatte um die Einführung der innovativen Vectoring-Technologie reißt nicht ab. Mit Hilfe der neuen Technologie lassen sich die nutzbaren Bandbreiten der alten Kupferkabel per VDSL und Kanalbündelung auf bis zu 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) beschleunigen. Doch es hagelt Kritik an Plänen der Deutschen Telekom: Der Bonner Konzern wolle Vectoring quasi im Alleingang durchsetzen und die Wettbewerber von den Kabelnetzverzweigern (KVZ) fernhalten, warnen die Branchenverbände VATM und BREKO. Die Wettbewerber befürchten eine Re-Monopolisierung beim Breitbandausbau. Am Montag wird das Thema Vectoring erstmals im Beirat der Bundesnetzagentur besprochen. Das Gremium der Bonner Regulierungsbehörde besteht aus Vertretern von Bundestag und Bundesländern. Vorab stellten BREKO und VATM in dieser Woche noch einmal ihre Positionen zur Vectoring-Technolgie dar.

BREKO: Vectoring muss offen für alle sein

"Der Einsatz von Vectoring geht auf gar keinen Fall im Alleingang der Deutschen Telekom. Die innovative Technologie muss für alle Marktteilnehmer wettbewerbskonform zur Verfügung gestellt werden", betonte BREKO-Präsident Ralf Kleint am Donnerstag im Rahmen der Jahrestagung des Verbandes in Berlin. Auch BREKO-Vizepräsident Johannes Pruchnow unterstrich diese Notwendigkeit: "Wir werden als Verband alles daran setzen, dass Vectoring von alternativen Wettbewerbern für den Breitbandausbau in Deutschland genutzt werden kann."

Iris Henseler-Unger, Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur, sprach sich auf der BREKO-Veranstaltung für einen gemeinsamen Vectoring-Feldtest von Wettbewerbern und Telekom aus. Sie sehe das als wünschenswertes Ergebnis des nächsten NGA-Forums an. Henseler-Unger machte klar, dass die Bundesnetzagentur weiter auf Wettbewerb setzen wird: "Der Wettbewerb hat bislang Investitionen getrieben. Das sehe ich auch zukünftig so."

BREKO-Geschäftsführer Stephan Albers konnte ihr nur beipflichten. "Die erfolgreichen Geschäftsmodelle der alternativen Carrier machen deutlich, dass die besten Breitbandlösungen im Wettbewerb erbracht werden", so Albers. Auf der BREKO-Jahrestagung hatte zudem Joachim Otto, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Vectoring als innovative Technolgie bezeichnet, "die unter wettbewerbskonformen Marktbedingungen geeignet ist, das Erreichen der Breitbandziele der Bundesregierung zu unterstützen".

VATM: Telekom möchte mit technischem "Scheinproblem" Wettbewerb aushebeln

Der VATM habe generell nichts gegen den Einsatz von Vectoring zur Beschleunigung von VDSL-Leitungen einzuwenden. Vehement spricht sich der Verband aber dafür aus, dass die Technologie von allen investitionsbereiten Telekommunikationsanbietern genutzt werden darf. Nach Ansicht des VATM sei das auch "problemlos möglich, während die Telekom mit einem technischen Scheinproblem die Regulierung und letztlich die Investitionen der Wettbewerber aushebeln möchte". Zu Störungen der Vectoring-Technik würde es nur kommen, wenn ein zweiter Anbieter per Glasfaser angeschlossen wird. In der Praxis sei dies bisher aus ökonomischen Gründen "so gut wie nie erfolgt". Über 8.000 Kabelverzweiger seien inzwischen von den Wettbewerbern mit Glasfaser erschlossen worden, die Telekom habe rund 40.000 KVz aufgerüstet.

Ein Zugangsverbot für die Wettbewerber zu den KVz wäre für den weiteren Breitbandausbau "absolut kontraproduktiv". Die Telekom wolle Vectoring vorrangig in bereits versorgten Ballungsgebieten nutzen, um dort mit einem aufgerüsteten Netz besser der Konkurrenz der Kabelnetzbetreiber begegnen zu können. Die Wettbewerber würden dagegen Vectoring vor allem für die Breitbanderschließung in ländlichen Regionen einsetzen wollen. Daher wäre es "unnötig und unverantwortlich, die Kabelverzweiger zukünftig allein für die Telekom zu blockieren und damit KVz-Erschließungen und die Investitionssumme der Wettbewerber auszuschließen", bringt es der VATM auf den Punkt.

(Jörg Schamberg)

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