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VATM TK-Marktstudie 2013: Kabel ist großer Gewinner

Wie hat sich der Festnetz- und Mobilfunkmarkt in diesem Jahr entwickelt? Der Gesamtumsatz des TK-Marktes geht laut der VATM-Studie leicht zurück, die Telekom bleibt dominierend, die Kabelanbieter legen stark zu.

DSL-Anschluss© IKO / Fotolia.com

Wie entwickelte sich der Telekommunikationsmarkt in diesem Jahr? Wie sehen die Trends in den Marktbereichen Festnetz, Breitband und Mobilfunk aus? Antworten auf diese Fragen will auch in diesem Jahr die 15. TK-Marktanalyse Deutschland 2013 (PDF) des Branchenverbandes VATM geben. Der Verband, in dem die Wettbewerber der Deutschen Telekom organisiert sind, hatte die Studie wie bereits in den Vorjahren durch den Branchenexperten Thorsten J. Gerpott von Dialog Consult erstellen lassen. Grundlage war unter anderem eine im Sommer erfolgte Umfrage unter VATM-Mitgliedsunternehmen als auch die Auswertung weiterer Marktstatistiken und Daten.

Rückläufige Umsätze

Der Gesamtmarkt mit Telekommunikationsdiensten in Deutschland ist 2013 leicht rückläufig: Laut der Schätzung des VATM erwirtschaften die TK-Unternehmen Umsätze von rund 59,6 Milliarden Euro, ein Minus von 1,0 Prozent bzw. 0,6 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr. Auf den Festnetzmarkt mit Telefonie- und Breitband-Anschlüssen entfallen Umsätze von 34,5 Milliarden Euro, mit 25,1 Milliarden Euro (+ 1,2 Prozent) erzielt der Mobilfunkmarkt etwa einen Umsatzanteil von 42 Prozent am gesamten TK-Markt.

Die Deutsche Telekom dominiert den Markt weiterhin: Der Umsatz des Bonner Konzerns erreicht 2013 in Deutschland rund 14,5 Milliarden Euro, das entspricht 42 Prozent der gesamten Umsätze im Festnetz-Sektor. Zum Vergleich: Alle übrigen Wettbewerber im Festnetz zusammen setzen 15,2 Milliarden Euro (- 0,3 Milliarden Euro) um und kommen auf einen Umsatzanteil von 44,1 Prozent. Die Kabelnetzbetreiber können ihre Umsätze in diesem Jahr um 0,4 Milliarden Euro (+ 9,1 Prozent) steigern, mit insgesamt 4,8 Milliarden Euro erreichen sie auf dem Festnetzmarkt einen Umsatzanteil von 13,9 Prozent.

Wettbewerber weiter von Telekom abhängig

Die Abhängigkeit der Wettbewerber vom Netz der Deutschen Telekom ist auch 2013 nahezu unverändert. Pro Euro Umsatz bei Einstiegsangeboten fließen für die benötigten Vorleistungen alleine 65 Cent an die Telekom zurück. Als Marge bleiben den Wettbewerbern unter dem Strich nur 28 Cent pro Euro Umsatz, mit denen unter anderem die Betriebskosten, die IP-Netzinfrastruktur sowie das Zugangsnetz und Backbones finanziert werden müssen. Für Vodafone werde sich die Vorleistungs-Situation laut Gerpott dank der Übernahme von Kabel Deutschland in den kommenden ein bis zwei Jahren aber verbessern.

Trotz rückläufiger Umsätze erhöhen die TK-Unternehmen in diesem Jahr ihre Investitionen in die Netze um 400 Millionen auf 6,4 Milliarden Euro. Die Wettbewerber schultern laut Gerpott mit 3,4 Milliarden Euro mehr als 53 Prozent der Investitionen. Größter Einzelinvestor im Festnetzbereich bleibt die Deutsche Telekom mit einem Investitionsvolumen von 3 Milliarden Euro. Während die Zahl der Mitarbeiter bei der Telekom weiter rückläufig ist und bis zum Jahresende auf 116.000 Beschäftigte (-2.800) fallen wird, steigt die Mitarbeiterzahl bei den Wettbewerbern leicht auf 54.300 (+200) an.

Zahl der Breitbandanschlüsse klettert auf 28,6 Millionen, Kabel als Gewinner

Die Zahl der Breitbandanschlüsse steigt in diesem Jahr unter dem Strich um 0,6 Millionen auf insgesamt 28,6 Millionen. Von der Zunahme profitieren vor allem die Kabelnetzbetreiber, die mit 5,4 Millionen Breitbandanschlüssen per Kabel (+ 1,0 Millionen) bereits einen Marktanteil von 18,9 Prozent erreichen. DSL-Provider verlieren dagegen mehr als zwei Prozent Marktanteil (-1,2 Millionen). Die Telekom hat 12,4 Millionen Breitbandanschlüsse direkt geschaltet und dominiert mit einem Anteil von 43,4 Prozent weiterhin den Breitbandmarkt. Die Zahl der Resale-DSL-Anschlüsse ging um 0,1 Millionen auf 1,8 Millionen zurück. Nach der Telekom folgen nach dem Datenstand von Ende Juni dieses Jahres 1&1 mit 3,4 Millionen Breitbandanschlüssen und Vodafone mit 3,0 Millionen Anschlüssen. Unitymedia KabelBW hat 2,4 Millionen Breitbandanschlüsse geschaltet, gefolgt von Telefónica mit 2,3 Millionen sowie Kabel Deutschland mit 2,0 Millionen Anschlüssen. Glasfaseranschlüsse sind weiterhin kaum verbreitet: Lediglich 386.000 FTTB/H-Anschlüsse sind in diesem Jahr aktiv geschaltet, technisch erreichbar sind dagegen 884.000 Haushalte. Nur 44 Prozent der anschließbaren Kunden fragen demnach tatsächlich ein schnelles Glasfaser-Produkt nach.

Auch wenn inzwischen bei den Kabelnetzbetreibern Bandbreiten von bis zu 150 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) angeboten werden: Lediglich 0,3 Millionen der gebuchten DSL- und FTTB/H-Anschlüsse bieten Download-Bandbreiten von über 50 Mbit/s. Mit 11,5 Millionen Anschlüssen surft dagegen fast die Hälfte der Nicht-Kabel-Kunden mit Surfgeschwindigkeiten zwischen 2 und 6 Mbit/s im Netz. 5,5 Millionen Anschlüsse kommen immerhin auf Bandbreiten zwischen 6 und 16 Mbit/s. VDSL-Speed steht bei 2,9 Millionen gebuchten Anschlüssen zur Verfügung. Immer noch müssen Nutzer von 3,0 Millionen Anschlüssen mit unter 2 Mbit/s vorlieb nehmen.

Weiter auf Seite 2: 15,3 GB Datenvolumen im Festnetz, 261 MB im Mobilfunknetz

Das über den Breitbandanschluss generierte Datenvolumen steigt in diesem Jahr insgesamt auf 6,2 Milliarden Gigabyte. Im Durchschnitt entfällt auf einen Breitbandanschluss monatlich ein erzeugtes Datenvolumen von 15,3 GB, das sind 2,1 GB mehr als noch im Vorjahr. Interessant: Lediglich bei rund einem Drittel der DSL- und Glasfaser-Anschlüsse (36,7 Prozent) fallen monatlich mehr als 15 GB an. Angesichts dieses Ergebnisses rät Gerpott bei der Diskussion um die Drosselung von DSL-Tarifen die "Kirche im Dorf zu lassen".

Weniger Gesprächsminuten über das Festnetz

Bei der Telefonie im Festnetzmarkt finden sich kaum Veränderungen der Marktanteile. Die Zahl der über Festnetzanschlüsse geführten Gesprächsminuten geht in diesem Jahr allerdings um 5 Millionen auf 233 Millionen zurück. Davon entfallen 25 Millionen Verbindungsminuten bzw. 10,7 Prozent auf Call-by-Call bzw. Preselection. Laut Einschätzung von Gerpott werde Call-by-Call auch in den kommenden Jahren nicht an Bedeutung verlieren.

Über die rund 37,4 Millionen Komplettanschlüsse werden bis zum Jahresende 208 Millionen Gesprächsminuten telefoniert, die Zahl der Festnetz-Komplettanschlüsse wird 2013 wegen stärkerer Nutzung von Mobilanschlüssen weiter zurückgehen (- 0,3 Millionen). Die Telekom unterhält mit 21,8 Millionen Komplettanschlüssen den Löwenanteil, die Wettbewerber kommen auf 10,7 Millionen Anschlüsse. Die Kabelnetzbetreiber wachsen nicht nur bei schnellem Internet, sondern auch bei der Telefonie mit nun 4,9 Millionen Komplettanschlüssen (+ 0,6 Millionen). Ein deutlicher Unterschied zeigt sich noch bei der eingesetzten Technik. Während 62,6 Prozent der Sprachanschlüsse der Wettbewerber auf VoIP basieren, finden sich erst 4,1 Prozent (0,9 Millionen) VoIP-Anschlüsse bei der Telekom.

Mobilfunkmarkt 2013: 114,1 Millionen aktivierte SIM-Karten

Auf dem Mobilfunkmarkt ist die Vorherrschaft der Telekom nicht ganz so ausgeprägt. Mit 7,5 Milliarden Euro entfallen auf den ehemaligen Monopolisten in diesem Jahr 29,9 Prozent der Mobilfunk-Umsätze. Die übrigen Netzbetreiber und Provider teilen sich mit 17,6 Milliarden Euro 70,1 Prozent des Umsatzes auf dem Mobilfunkmarkt. Das Sprachvolumen erreicht 2013 mit 309 Millionen Minuten pro Tag rund 65 Prozent des Festnetzmarktes. Die Zahl der aktivierten SIM-Karten wird bis zum Jahresende bei 114,1 Millionen liegen und damit wieder den Stand von 2011 erreichen. Marktführer ist die Telekom mit 37,6 Millionen aktiven SIM-Karten, Vodafone kommt auf 31,9 Millionen, E-Plus auf 25,1 sowie Telefónica auf 19,5 Millionen.

Das mobile Internet legt weiter an Bedeutung zu: Der Umsatz mit mobilen Datendiensten steigt in diesem Jahr auf 6,1 Milliarden Euro, SMS tragen mit 2,7 Milliarden Euro (-0,1 Milliarden Euro) zum Service-Umsatz bei. Der Datenverkehr in Mobilfunknetzen steigt 2013 auf ein Gesamtvolumen von 170,1 Millionen Gigabyte. Das durchschnittliche monatliche Datenvolumen bei Postpaid-Nutzern klettert auf 261 MB. Auch wenn die Netzbetreiber immer häufiger Datenpakete mit mehr Datenvolumen anbieten: Rund 70 Prozent der Postpaid-Kunden verbrauchen weniger als 250 MB im Monat.

VATM kritisiert EU-Pläne

VATM-Präsidiumsmitglied Markus Haas bewertet die Wettbewerbslage auf dem deutschen TK-Markt für Verbraucher als recht positiv. Die Kabelanbieter stellen derzeit die größte Konkurrenz der Telekom-Wettbewerber dar. Dennoch ist die Telekom auch 15 Jahre nach der Festnetz-Liberalisierung immer noch weiterhin dominierend im Festnetzbereich. Kritik schickt Haas in Richtung Brüssel, unter anderem wegen der geplanten Abschaffung der Roaming-Gebühren. "Die Kunden müssen ein Gefühl für Leistung und Qualität haben. Genau das darf Brüssel nicht gefährden", so Haas.

Für das kommende Jahr erwartet Experte Gerpott einen weiteren Rückgang der Gesamtumsätze im TK-Markt im Bereich von 1 bis 1,5 Prozent. Steigende Preise für Endkunden seien aber nicht in Sicht.

(Jörg Schamberg)

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