"Letzte Meile"

VATM gegen höhere TAL-Entgelte: Telekom will höhere Preise für längst abgeschriebene Infrastruktur

Die Branchenverbände laufen Sturm gegen die von der Telekom beantragte Erhöhung der Entgelte für die Miete der Teilnehmeranschlussleitung (TAL). Nach dem BREKO kommt auch vom VATM scharfe Kritik. Die alte Kupferkabel-Infrastruktur sei längst abgeschrieben, dennoch erhalte die Telekom milliardenschwere Zuschüsse.

VATMDer VATM kritisiert die von der Telekom beantragten höheren TAL-Entgelte.© VATM

Köln – Die alternativen Netzbetreiber müssen aktuell für die Miete der Teilnehmeranschlussleitung (TAL oder auch "letzte Meile") am Hauptverteiler 10,19 Euro im Monat an die Telekom (www.telekom.de/dsl) zahlen, bei Nutzung der TAL am Kabelverzweiger fallen noch bis Ende Juni 2016 6,79 Euro monatlich an. Wie in dieser Woche berichtet, hat die Telekom bei der anstehenden Neufestlegung der TAL-Entgelte eine Erhöhung um rund 10 Prozent auf 11,20 Euro bzw. 7,51 Euro beantragt. Der Branchenverband BREKO hatte den Antrag des Bonner Konzerns kritisiert und will in Kürze einen eigenen Vorschlag vorlegen, der niedrigere Entgelte vorsieht. Scharfe Kritik kommt auch vom Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten e. V. (VATM).

VATM: TAL-Preise beinhalten zu Unrecht milliardenschweren Zuschuss

"Die Telekom versucht erneut, höhere Preise für eine längst abgeschriebene Infrastruktur durchzusetzen. Schon vor drei Jahren hatte sie versucht, höhere Preise für die Vorleistungen genehmigt zu bekommen", kommentiert VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner den Entgelt-Antrag der Telekom. "Die TAL-Preise beinhalten zudem zu Unrecht seit bald 20 Jahren einen milliardenschweren Zuschuss für den kompletten neuen Netzausbau bis zum Endkunden, ohne dass die Telekom jemals entsprechende Investitionen getätigt hätte", so Grützner weiter.

Telekom bekommt eine Prämie für den Nichtausbau von Glasfaser

Das alte Kupferkabel solle so lange wie möglich weitergenutzt werden. Für 2025 prognostizierte die Telekom unlängst eine Nachfrage nach einer Bandbreite von 208 Mbit/s als realistisch. Die Wettbewerber würden dagegen fast im Alleingang auf den FTTB/FTTH-Ausbau setzen. "Statt den Wettbewerbern den Ausbau zu erleichtern und TAL-Kosten zu senken, bekommt die Telekom weiterhin eine Prämie für den Nichtausbau von Glasfaser ins Haus" betont Grützner. Die anstehende Entscheidung zum Vectoring-Einsatz im Nahbereich der Hauptverteiler könnte, wenn sie dem vorgelegten Entscheidungsentwurf entspricht, die Wettbewerber der Telekom noch stärker beim Glasfaserausbau behindern.

Grützner: Höhere TAL-Preise und Vectoring-Entscheidung schaden Wirtschaftsstandort Deutschland

Grützner führt auch volkswirtschaftliche große Nachteile an:"Die überhöhten TAL-Preise für das letzte Stück alte Kupfer und ein weitgehendes Vectoring-Monopol für alte Kupfer-Anschlüsse sind die Bausteine, die unserem Wirtschaftsstandort im nächsten Jahrzehnt größten Schaden zufügen. Sie bremsen den FTTB/FTTH-Wettbewerb aus und machen den Weiterbetrieb alter Kupferkabel für die Telekom für viele weitere Jahre erschreckend attraktiv", so der VATM-Hauptgeschäftsführer.

Jörg Schamberg

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