News

Urteil: Schüler dürfen Lehrern Noten geben

Aufregung um ein Schüler-Portal im Internet: Spickmich.de untergrabe die Autorität von Pädagogen, sagen Kritiker. Die Betreiber wollen davon nichts wissen, und haben das in dieser Woche höchst richterlich bestätigt bekommen.

Internet© Daniel Fleck / Fotolia.com
Ein neues Internet-Portal namens Spickmich.de stößt so gar nicht auf die Begeisterung der Pädagogen. Schüler können ihren Lehrern virtuelle Schulnoten erteilen; die "größte Lehrerbenotungsaktion aller Zeiten" wurde ausgerufen. Beliebt ist Spickmich zweifellos: In etwa vier Monaten haben sich mehr als 100.000 Schüler angemeldet, ebenso viele Lehrer wurden inzwischen bewertet. Erst im vergangenen März war das Portal mit dem leicht provokativen Titel an den Start gegangen.

"Cool" oder "menschlich"?

Die drei Betreiber des Portals wollen sich aber keineswegs an den Lehrern rächen. Sie ermutigen anfangs verunsicherte Schüler, den Lehrkörper in Kategorien wie "cool und witzig", "menschlich" oder "sexy" nach Schulnoten zu katalogisieren. Bewertet werden beispielsweise Unterrichtsstil und Fairness. Für Studenten gibt es ein ähnliches Projekt namens MeinProf.de. Dort können Studenten ihre Meinung über Professoren und Rektoren öffentlich kundtun. MeinProf.de versteht sich als "Bewertungsplattform für Lehrveranstaltungen an deutschen Hochschulen". Klagende Professoren hatten bisher stets schlechte Karten gegen die Internet-Community. Genau so wollen am liebsten Pädagogen gegen das Spickmich-Portal vorgehen. Ein Lehrer aus Nordrhein-Westfalen hatte eine einstweilige Verfügung erlassen, doch die Betreiber legten umgehend Widerspruch ein. Mit Erfolg, wie sich am vergangenen Mittwoch vor dem Kölner Landgericht zeigte. In einer mündlichen Verhandlung wurde die Aufhebung der einstweiligen Verfügung angekündigt. Am 11. Juli soll ein entsprechender Beschluss öffentlich verkündet werden.


Als unzulässig gelte lediglich Kritik, die Lehrer diffamiere. Alles andere sei durch das im Grundgesetz verankerte Recht auf Meinungsfreiheit gedeckt. Nach Ansicht der Richter müssen Lehrer im Bereich der Berufsausübung mit öffentlicher Kritik durchaus leben. Die reine Meinungsäußerung müsse erlaubt sein, ganz im Sinne der Betreiber des Portals. Auch Beschwerde E-Mails von wütenden Lehrern, über die auf Spickmich.de diskutiert wird, können an der Rechtslage nichts ändern. Teilweise sollen sogar Eltern vor dem unüberlegten Umgang ihres Nachwuchses mit dem Internet gewarnt worden sein. In einigen Fällen wurden Schülern disziplinarrechtliche und strafrechtliche Konsequenzen angedroht, wenn sie sich weiterhin an der Community beteiligen. Kritiker unterstellen ganzen Schulklassen gezieltes Mobbing gegen bestimmte Lehrer. Die Persönlichkeitsrechte der Pädagogen seien nicht nur in Gefahr, sondern würden systematisch mit Füßen getreten.

Die Macher bestreiten, dass Spickmich.de mit Mobbing zu tun habe. Auf der Website finden sich zahlreiche Aufrufe zur Fairness. Beleidigungen und Schimpfwörter sollen tabu sein. Bislang geht das Konzept offenbar auf. Warum auch nicht. Meinungsbildung auch schon bei Heranwachsenden zu fördern, kann kein Fehler sein.

(Stefan Hagedorn)

Kommentieren Community

Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert. Schreiben Sie uns Ihre Meinung!



Das könnte Sie auch interessieren
Zum Seitenanfang