News

Unitymedia: Neukunden erhalten nur noch IPv6-Adressen

Unitymedia vergibt wegen des auslaufenden Vorrats an IPv4-Adressen seit Anfang Februar nur noch IPv6-Adressen an Neukunden und setzt das "Dual Stack Lite"-Verfahren ein. Kunden meldeten jedoch teils Probleme mit Spielkonsolen und VPN. Unitymedia bezog gegenüber unserer Redaktion Stellung zur IPv6-Umstellung.

Internet Telefon TV© Unitymedia

Immer mehr elektronische Geräte werden internetfähig: Smartphones, Tablets, Notebooks, Spielekonsolen oder Smart-TVs benötigen entsprechend eine eigene IP-Adresse, um im Internet erreichbar zu sein. Doch der Vorrat der rund 4,3 Milliarden Internetadressen, die über das in die Jahre gekommene IPv4-Protokoll bereitgestellt werden können, läuft aus. Im vergangenen Sommer erfolgte daher der symbolische weltweite Start des IPv6-Protokolls, das erheblich mehr Internetadressen verfügbar macht. IPv6-Adressen sind deutlich länger. Die einzelnen Nummerngruppen werden zudem mit Doppelpunkten statt mit Punkten getrennt, außerdem finden sich auch Buchstaben (a bis f) in den Adressen. Die Provider in Deutschland führen IPv6 schrittweise ein. Unter anderem setzt der Kölner Kabelnetzbetreiber Unitymedia (www.unitymedia.de) auf die neuen Internetadressen. Kunden berichteten unserer Redaktion, dass es dabei in den vergangenen Wochen offenbar teils zu Problemen mit Spielkonsolen wie der Xbox 360 oder der VPN-Nutzung gekommen ist. Auch in Internetforen wie dem inoffiziellen Unitymedia KabelBW Forum finden sich umfangreiche Threads zu dem Thema. Wir haben Unitymedia um eine Stellungnahme gebeten.

Unitymedia: Neukunden erhalten IPv6-Adressen

"Wir standen Anfang 2011 vor der Herausforderung, dass IP-Adressen auslaufen und wir irgendwann keine Adressen mehr haben", erläutern uns die zuständigen Unitymedia-Technikexperten im Rahmen einer Telefonkonferenz. Im vergangenen Sommer habe das Unternehmen mit dem IPv6-Launch begonnen. Durch die Einführung des neuen Protokolls könne der Kabelnetzbetreiber seinen Kunden neue Dienste zur Verfügung stellen. Unitymedia sieht sich bei der Umstellung auf IPv6 als einer der Pioniere. "Es gibt weiteren Bedarf für neue IPs, wir hätten keinen Monat länger warten dürfen", betonen die Kölner. Das für die Vergabe von IP-Adressen zuständige RIPE Network Coordination Centre vergebe die letzten IPv4-Adressen.

Während Unitymedia-Bestandskunden weiterhin ihre IPv4-Adressen behalten können, teilt der Kabelnetzbetreiber Neukunden seit Februar ausschließlich IPv6-Adressen zu. Das gelte auch für Kunden mit bis zu 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) schnellen Internetanschlüssen. Unitymedia setzt dabei auf das Dual Stack Lite-Verfahren, das jedoch nur eine "Übergangstechnologie" sei. Bei nativem Dual Stack kommt dagegen neben mindestens einer IPv6-Adresse zusätzlich auch eine IPv4-Adresse zum Einsatz. Rechner können über beide Protokolle unabhängig voneinander kommunizieren. Mit Dual Stack Lite erhalten Unitymedia-Kunden jedoch nur eine öffentliche IPv6-Adresse, eine IPv4-Adresse wird dagegen nicht mehr vergeben. Die Auflösung der Adressen erfolgt im Cable Modem Termination System (CMTS) in der Kabelkopfstelle des Providers. IPv4 NAT und Portforwarding lassen sich nicht mehr nutzen.

Für Mehrheit der Kunden keine Einschränkungen durch Umstellung auf IPv6

Einschränkungen durch IPv6 sieht Unitymedia nur in geringem Umfang. "Deutlich über 95 Prozent der Kunden merken gar nicht, dass IPv6 eingesetzt wird. Auch bei Skype gibt es keine Einschränkungen. Fast sämtliche Kunden merken auch keine Probleme bei VPN", betont Unitymedia. Mit den Herstellern sei das Unternehmen permanent im Gespräch. Außer "open vpn" seien beispielsweise fast alle VPN-Clienten nicht IPv6-fähig. Seit Dezember berichteten Xbox-Nutzer über Probleme mit dem Xbox Live-Netzwerk. "Wir waren mit Microsoft in Kontakt und haben zusammen mit Microsoft das Problem Mitte Januar gelöst. Es hat den Anschein, dass es kein IPv6-Problem war. Komponenten im Xbox-Live-Netzwerk wurden angepasst", erläutern die Unitymedia-Experten.

Auch hinsichtlich der von Kunden in Internetforen berichteten Probleme mit Spielkonsolen gibt der Kabelnetzbetreiber aus seiner Sicht Entwarnung: "Xbox 360 und die Playstation bekommen über Dual Stack Lite eine IPv4-Adresse, es sind uns keine Einschränkungen bekannt. Es funktioniert wunderbar". Der in Internetforen erwähnte Lösungsansatz durch den Austausch des Cisco-Modems "3208G" gegen das Modell "3208" sei nur wenig hilfreich. "Nur in Ausnahmefällen wird Kunden ein anderes Gerät angeboten", betont Unitymedia. Ein Modemtausch sei zudem keine Lösung, da keine IPv4-Adressen mehr vorhanden seien. Außerdem wachsen die Dienste unter IPv6, mit einem alten, nicht IPv6-fähigen Router sehen die Kunden dagegen nur das IPv4-Internet.

Bestandskunden sollen auch nach einem Tarifwechsel dieselbe Technologie wie zuvor nutzen können, eine Umstellung auf Dual Stack Lite sei für diese Kunden nicht geplant.

(Jörg Schamberg)

Kommentieren Forum
Weitere Infos zum Thema
Zum Seitenanfang