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Telekom-Vorstoß zum Vectoring: Kritik von TK-Verbänden

Die Telekom will die letzte Meile mit der Vectoring-Technologie auf bis zu 100 Mbit/s beschleunigen, dafür soll die Entbündelung aufgehoben werden. Die Branchenverbände BREKO, BUGLAS und VATM befürchten eine Remonopolisierung und sehen ihre Milliardeninvestitionen gefährdet.

Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

Mitte September kündigte Telekom-Chef René Obermann an, dass der Bonner Konzern in den kommenden vier Jahren 24 Millionen Haushalte mit Highspeed-Breitband ausstatten will. Zum Einsatz kommen soll unter anderem die sogenannte Vectoring-Technolgie, mit der sich auf kürzeren Distanzen von rund 400 Metern zwischen Kabelverzweiger und Haushalt über das klassische Kupferkabel und mit VDSL2 Bandbreiten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) realisieren lassen. Bei Entfernungen von bis zu 800 Metern sind noch Surfgeschwindigkeiten von bis zu 50 Mbit/s nutzbar. Der Vorstoß der Telekom stößt aber auf massive Kritik der Telekommunikationsverbände. Die drei Branchenvertretungen Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO), Bundesverband Glasfaseranschluss (BUGLAS) und Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) warnten am Montag in einer gemeinsamen Erklärung vor einer Remonopolisierung der letzten Meile.

Verbände fürchten Wegfall der Entbündelung

Die Telekom will nach Angabe der Verbände den Zugang zur Teilnehmeranschlussleitung (TAL) am Kabelverzweiger künftig nicht mehr anbieten, sondern auf der letzten Meile stattdessen auf Vectoring setzen. In diesem Fall stehe den anderen Wettbewerbern dann kein entbündelter Zugang mehr zur Verfügung. Mitbewerber sollen stattdessen nur noch ein weitgehend fertiges Vorprodukt des Bonner Unternehmens für den Weiterverkauf an Endkunden erhalten. Die Verbände betonen dagegen, dass die Entbündelung der TAL seit 1998 gesetzlich festgeschrieben ist und einen "Grundpfeiler der Marktliberalisierung" darstellt.

"Die Forderung der Telekom, die Entbündelung nicht nur dort, wo Vectoring tatsächlich eingesetzt wird, sondern ganz unabhängig davon gleich bundesweit auszuschalten, zeigt, dass es ihr in Wahrheit wieder einmal um das Verhindern von Wettbewerb geht, und das zu Lasten der Bürger gerade in ländlichen Regionen, wo die Wettbewerber mehr als das Doppelte der Telekom investieren", kritisiert VATM-Präsident Gerd Eickers. Grundsätzlich sei der Einsatz von Vectoring zur Verbesserung der Breitbandversorgung in Deutschland jedoch zu begrüßen.

Wettbewerber sehen Milliardeninvestitionen gefährdet - Gegenvorschlag der Verbände

Die Wettbewerber der Telekom sehen auch ihre Milliardeninvestitionen gefährdet, die sie in den vergangenen Jahren unter anderem für die Erschließung von Kabelverzweigern aufgewendet haben. "Die Wettbewerbsunternehmen haben seit der Marktöffnung 1998 deutlich mehr als 50 Milliarden Euro investiert, den größten Teil davon in eigene Infrastrukturen", erläutert BUGLAS- Präsident Hans Konle. "Eine Monopolisierung von Vectoring durch die Deutsche Telekom ist schon deshalb unsinnig, weil diese Technik den Glasfaserausbau zum Kabelverzweiger voraussetzt. Dieser wird in Deutschland aber ganz wesentlich durch Investitionen der Wettbewerber vorangetrieben", betont zudem BREKO-Präsident Ralf Kleint. Alle investierenden Unternehmen müssten in gleicher Weise von Vectoring profitieren.

Es sei "überhaupt nicht einzusehen, warum nicht auch Wettbewerber die Technologie einsetzen sollten, wenn sich diese als tragfähig erweist", hatte Kleint schon Anfang Oktober erklärt. Der BREKO hatte am Monatsanfang außerdem einen gemeinsamen Feldtest mit der Telekom gefordert, um Erfahrungen über die Leistung und Schwachstellen von Vectoring zu sammeln. "Zum einen dürfen die rund zehn Millionen von den Wettbewerbern bei der Telekom angemieteten Teilnehmeranschlussleitungen (TAL) durch Vectoring nicht gestört werden. Zum anderen müsse der im Telekommunikationsgesetz festgeschriebene Grundsatz des entbündelten Zugriffs auf die letzte Meile erhalten bleiben", so BREKO-Geschäftsführer Stephan Albers.

Bis Dezember wollen die drei Verbände einen gemeinsamen Vorschlag erarbeiten, wie sich Vectoring im Wettbewerb aller Marktteilnehmer einsetzen lässt. Der Vorschlag soll dann bei der nächsten Sitzung des NGA-Forums bei der Bundesnetzagentur vorgestellt werden.

(Jörg Schamberg)

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