XG-FAST im Laborversuch

Telekom und Nokia: XG-FAST ermöglicht Glasfaser-Speed von über 10 Gbit/s per Kupferkabel

Das klassische Kupferkabel hat nach Ansicht der Telekom noch lange nicht ausgedient. Telekom-Technikchef Bruno Jacobfeuerborn berichtet im Telekom-Blog über einen XG-FAST-Laborversuch von Telekom und Nokia. Im Test wurden über das Kupferkabel Bandbreiten von über 10 Gbit/s erreicht. Der Einsatz von XG-FAST ist allerdings auf kurze Strecken begrenzt.

KupferleitungDas klassische Kupferkabel lässt sich mit XG-FAST auf Gigabit-Geschwindigkeit beschleunigen.© demarco / Fotolia.com

Bonn – Die Kabelnetzbetreiber in Deutschland rauschen der DSL-Konkurrenz davon. Seit dem 1. Februar bietet beispielsweise Unitymedia (www.unitymedia.de) Download-Bandbreiten von bis zu 400 Mbit/s, Vodafone (www.vodafone.de/kabel) will in diesem Jahr zunächst 500 Mbit/s und später an ersten Orten 1 Gbit/s verfügbar machen. Hat die Deutsche Telekom (www.telekom.de/dsl) den Wettkampf um schnelles Internet angesichts ihrer scheinbar veralteten Kupferkabel-Infrastruktur endgültig verloren? Die Bonner klammern sich an neue Techniken. Dank der neuen Ultra-Breitbandzugangstechnik XG-Fast soll sich nach Angaben der Telekom Datendurchsatzgeschwindigkeiten von über 10 Gbit/s auf dem Kupferkabel erzielen lassen. Bruno Jacobfeuerborn, Technik-Chef der Telekom, nennt im Telekom-Blog Details über einen kürzlich durchgeführten entsprechenden Laborversuch in Kooperation mit Nokia. Die Tests zum Einsatz von XG-Fast wurden in der Kabelversuchsanlage der Telekom in Darmstadt durchgeführt.

Glasfaser muss zur Nutzung von G.fast und XG-FAST näher an den Kunden

Internetkunden dürfte derzeit der Kopf schwirren angesichts immer neuer Begriffe, die in die Diskussion um schnelles Breitband geworfen werden. Der VDSL-Turbo Vectoring, der VDSL-Leitungen durch Reduzierung von Störsignalen auf bis zu 100 Mbit/s beschleunigt, müsste inzwischen auch einem breiteren Publikum bekannt sein. Geschwindigkeiten von bis zu 250 Mbit/s sollen sich mit dem Nachfolger SuperVectoring erzielen lassen. Für beiden Techniken gilt nach Angaben von Telekom-Manager Jacobfeuerborn: Die Multifunktionsgehäuse, die grauen Kästen am Straßenrand, müssen mit Glasfaser angeschlossen werden. Auf der letzten Meile sorgen Vectoring und SuperVectoring dafür, dass die Bandbreite trotz Kuperkabels nicht zu stark absinkt. Für die Nutzung von G.fast sowie der Erweiterung XG-FAST müsse das Glasfaserkabel in Form von FTTB aber näher an den Kunden gebracht werden – also bis kurz vor oder in das Gebäude verlegt werden.

Download-Raten von mehr als 11 Gbit/s - allerdings nur auf kurzen Strecken

Im XG-FAST-Test in Darmstadt erreichten die Telekom und Nokia teils Downloadgeschwindigkeiten von mehr als 11 Gbit/s. Realisiert wurde diese Bandbreite auf zwei 50 Meter langen, gebündelten Paaren eines hochwertigen Kabels. Über Entfernungen von bis zu 70 Meter soll XG-FAST zudem symmetrische Dienste mit 1 Gbit/s auf nur einer Doppelader eines Kupferkabels mit Standardqualität ermöglichen. Fazit der Tests: Innerhalb von Gebäuden lassen sich über vorhandene Telefonleitungen glasfaserähnliche Geschwindigkeiten bereitstellen, die Verlegung neuer Kabel sei nicht erforderlich. Kunden würden von schnelleren Installationszeiten und weniger Aufwand profitieren.

XG-FAST ist aktuell aufgrund der kurzen Entfernungen nur eine Inhouse-Technik. "Trotzdem sollte man die Möglichkeiten nicht unterschätzen. Gerade die letzte Meile, im Fachjargon Netzebene 3 und 4, ist besonders aufwendig und kostenintensiv – also der Weg vom Multifunktionsgehäuse in das Haus der Kunden und die Weiterleitung im Haus", betont Jacobfeuerborn.

Telekom setzt auf Technik-Mix - keine Festlegung auf nur eine Technik

Die Telekom wolle sich bei der Bereitstellung von schnellen Internetanschlüssen nicht auf nur eine Technik festlegen. "Das Ziel der Telekom ist es, möglichst vielen Menschen möglichst schnell einen möglichst hochbitratigen Internetanschluss zu bieten. Dafür nutzen wir die gesamte Palette der technischen Möglichkeiten – im Festnetz und Mobilfunk, die sich auch – je nach Anwendungsfall und Rahmenbedingungen – ergänzen", so der Technik-Chef der Telekom. "FTTH ist hier eine Möglichkeit, die wir bereits unter anderem beim Ausbau von Neubaugebieten aktiv nutzen. Wer sich jedoch frühzeitig auf eine Technologie festlegt und versteift, begeht einen strategischen Fehler. Er unterschätzt die Dynamik der technischen Entwicklung und lässt oftmals auch Aspekte wie die Wirtschaftlichkeit sowie das Verhältnis zwischen Nachfrage und Angebot aus den Augen", betont Jacobfeuerborn.

Einsatz von XG-FAST dürfte noch Jahre dauern

Ein konkreter Termin für den Einsatz von XG-FAST stehe noch nicht fest. "Die Technik befindet sich in einer frühen Phase der Entwicklung. XG-FAST zeigt aber, dass sich immer wieder neue Möglichkeiten eröffnen, wenn man danach sucht. Mit XG-FAST wird uns eine weitere Technologieoption zur Verfügung stehen, mit der wir hohe Übertragungsraten zur Verfügung stellen können und gleichzeitig unsere Glasfaserinfrastruktur näher zu unseren Kunden bringen werden" erklärt Jacobfeuerborn. Bis 2018 stehe aber zunächst einmal der Ausbau auf Basis von Vectoring an. Dies ermögliche die Versorgung von rund 80 Prozent der Haushalte in Deutschland mit Bandbreiten von über 50 Mbit/s. Danach folge mittels SuperVectoring eine Beschleunigung auf 250 Mbit/s. Daneben werde aber auch FTTH in Neubaugebieten sowie die Entwicklung des schnellen Mobilfunkstandards 5G weiter vorangetrieben.

Telekom: Das Kupferkabel ist noch lange nicht tot

Angesichts immer neuer Techniken sieht der Telekom-Manager die Möglichkeiten des Kupfernetzes mit XG-FAST noch nicht ausgereizt. Im Gegenteil: Die Entwicklung würde immer weitergehen. "Mir ist die heutige Glasfaser-Debatte viel zu dogmatisch, absolut und abgehoben. Es geht nicht um ein entweder Glasfaser oder Kupfer. XG-FAST zeigt, eine Möglichkeit, das bestehende Kupfernetz in eine Glasfaser-Infrastruktur zu integrieren", betont Jacobfeuerborn. Das Ziel der Telekom sei es, den Kunden so schnell und effizient wie möglich, hohe Bandbreiten zur Verfügung zu stellen. Dabei sei es unerheblich, ob der Kunde per Kupferkabel oder über eine Kombination aus Glasfaser oder Kupfer angebunden sei.

Jörg Schamberg

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