Zunächst Einsatz von Vectoring statt Glasfaser

Telekom-Sprecher: Flächendeckender Glasfaserausbau dauert rund 20 Jahre

Telekom-Sprecher Philipp Blank macht in einem Beitrag für das Karriereportal "Xing" die Position der Deutschen Telekom zum Glasfaserausbau deutlich. Die bestehende Infrastruktur solle maximal ausgereizt werden - mit Vectoring und Super-Vectoring. Der Aufbau eines flächendeckenden Glasfasernetzes würde dagegen bis in die 2030er Jahre dauern und rund 80 Milliarden Euro kosten.

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Bonn – In diesen Tagen wird viel über den Glasfaserausbau in Deutschland diskutiert. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat das Papier "Digitale Strategie 2025" vorgelegt, das Vorschläge enthält, um den Glasfaserausbau zu beschleunigen. Unter anderem soll bis 2025 ein Gigabit-Glasfasernetz entstehen. Der BREKO hat am Mittwoch den "BREKO Breitband Kompass" veröffentlicht. Aktuell gibt es demnach in Deutschland rund 2,65 Millionen Glasfaseranschlüsse, bis 2018 soll die Zahl auf 4,2 Millionen steigen. Immer wieder drehen sich die Debatten aber auch um einen flächendeckenden Ausbau von Glasfaser per FTTH. Philipp Blank, Pressesprecher der Deutschen Telekom (www.telekom.de/dsl) erklärte nun in einem auf dem Karriereportal "Xing" erschienen Beitrag, dass ein solcher flächendeckender Glasfaserausbau bis weit in die 2030er-Jahre andauern würde.

Bestehende Infrastruktur mit Vectoring und Super-Vectoring maximal ausreizen

Konkret geht der Telekom-Sprecher damit von einer Ausbauzeit von rund 20 Jahren aus. Hinsichtlich der Ausbaukosten bezieht er sich auf die schon länger bekannten Berechnungen des TÜV, der dafür Gesamtkosten von rund 80 Milliarden Euro angesetzt hat. Woher soll dieses Geld kommen, fragt Blank. Ökonomisch vernünftiger sei es, die bestehende Infrastruktur maximal auszureizen, bevor diese ersetzt werde. "Die Vectoring-Technik bietet weiteres Entwicklungspotenzial. So lassen sich über Super-Vectoring bereits Bandbreiten von bis zu 250 Megabit pro Sekunde erreichen", so der Telekom-Sprecher. Bei einer stärkeren Nachfrage nach FTTH-Anschlüssen könne die "restliche Kupferstrecke dann immer noch ausgetauscht werden".

Keiner hindere Wettbewerber am Glasfaserausbau

Zumal Vectoring auch ein Ausbau mit Glasfaser sei, denn die Glasfaserleitungen würde bis zu den Kabelverzweigern, den grauen Kästen am Straßenrand verlegt. Blank kritisiert, dass die Wettbewerber keine verbindlichen Ausbauzusagen vorgelegt hätten, "die auch nur annähernd die Größenordnung der Telekom erreichen". Es hindere sie niemand am Glasfaserausbau. "Der Ausbau ist parallel möglich und technisch von Vectoring völlig unabhängig", betont Blank. Allerdings erwähnt der Telekom-Sprecher nicht, dass Wettbewerber wie EWE (www.ewe.de), wenngleich auch regional begrenzt, Ausbauzusagen gegeben haben, die die der Telekom übertreffen.

Telekom will fast 80 Prozent der Haushalte per Festnetz mit bis zu 100 Mbit/s versorgen

Die Vorwürfe von Branchenverbänden wie VATM und BREKO, in denen die Wettbewerber organisiert sind, weist der Telekom-Sprecher zurück. Die Verbände hätten vor einer Re-Monopolisierung des Netzes und vor dem Aufmotzen veralteter Kupfertechnik gewarnt. "Die Vorwürfe sind falsch. Schlimmer noch: Sie suggerieren, dass es eine realistische Alternative für eine bessere Breitbandversorgung der Menschen in Deutschland gäbe", betont Blank. Der von der Telekom geplante Vectoring-Einsatz im Nahbereich der bundesweit rund 8.000 Hauptverteiler würde Vorteile für mehr als 5,7 Millionen Haushalte bringen. Vor allem Haushalte in ländlichen Gebieten würden profitieren.

Unterm Strich könne die Telekom inklusive Ausbau außerhalb dieser Bereiche fast 80 Prozent aller Haushalte über das Festnetz mit bis zu 100 Mbit/s versorgen. Da es bei dem umstrittenen Vectoring-Einsatz im Nahbereich aber nur um 1,5 Prozent der Anschlüsse gehe, die Wettbewerber bei der Telekom angemietet hätten, sei der Vorwurf der Re-Monopolisierung Unsinn. Die Wettbewerber würden die Telekom-Infrastruktur zudem auch weiterhin nutzen können. Mit wenig versöhnlichen Worten in Richtung Wettbewerber schließt der Beitrag von Blank: "Wem die bessere Breitbandversorgung der Menschen also wirklich am Herzen liegt, sollte nicht auf falsche Propheten hören."

Die Bundesnetztagentur wird in den kommenden Wochen ihre endgültige Entscheidung über den Antrag der Telekom zum Vectoring-Einsatz im Nahbereich bekanntgeben.

Jörg Schamberg

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