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Telekom dementiert "Drohung" an Skype-Nutzer

Die neue iPhone App Skype 2.0 erlaubt auch VoIP über UMTS. Laut einem Bericht der "Wirtschaftswoche" droht die Telekom Skype-Nutzern mit "saftigen Rechnungen" oder sogar Kündigungen. Onlinekosten hat nachgehakt.

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Ende Mai hat der VoIP-Anbieter Skype seine iPhone-App in der Version 2.0 veröffentlicht. Damit lassen sich VoIP-Gespräche auch über UMTS führen. Bislang war die Internettelefonie nur über WLAN-Netze möglich. Die Deutsche Telekom ist darüber laut eines Berichts der "WirtschaftsWoche" (WiWo) nicht erfreut. Angeblich droht sie Skype-Nutzern Konsequenzen an.

Kündigt die Telekom Kunden ihre Verträge?

Zwar ist die VoIP-Nutzung per Mobilfunknetz schon seit September des vergangenen Jahres möglich, doch die Telekom gewährt dies ihren Kunden nur bei Buchung einer kostenpflichtigen VoIP-Zusatzoption. Dazu hatte der Bonner Konzern sich durchgerungen, nachdem die EU und die Bundesnetzagentur nach Protesten von Internetnutzern massiv Druck auf das Unternehmen ausgeübt hatten. Technisch hat sie die VoIP-Nutzung aber bislang noch nicht unterbunden. Dennoch könnten Kunden, die VoIP auf dem iPhone ohne die entsprechenden Zusatztarife nutzten, "saftige Rechnungen" erwarten. Dies hatte ein Telekom-Sprecher laut "WiWo" erklärt. "Im Extremfall kann es sogar sein, dass wir den Vertrag einseitig kündigen", wird der Sprecher zitiert. Nach Angaben der "Wirtschaftswoche" sei ein solches Vorgehen innerhalb des Telekom-Managements angeblich aber nicht ganz unumstritten. Von einigen Managern würde die Ansicht vertreten, dass Internettelefondienste im Mobilfunknetz kostenlos nutzbar sein müssten. Lediglich Videotelefonie sollte aufgrund der dabei anfallenden großen Datenmengen ausgeklammert sein.

Telekom verweist auf Verbot der VoIP-Nutzung in den AGB

Gegenüber unserer Redaktion zeigte sich ein Telekom-Sprecher auf das Thema angesprochen wesentlich entspannter. Er widersprach der Darstellung, dass die Telekom Skype-Nutzern mit Kündigung drohe. Eine Drohung sei gar nicht nötig, denn in den AGB zu den iPhone-Tarifen sei bereits seit November 2007 das klare Verbot der VoIP-Nutzung enthalten. Nur mit Buchung der VoIP-Option könnten sich Skype-Nutzer quasi aus dieser AGB-Bestimmung "herauskaufen". Aus unternehmensnahen Kreisen war zu erfahren, dass die VoIP-Option jedoch kaum angenommen werde und in der Praxis nur von einer Anwenderzahl in kleinem dreistelligen Bereich genutzt werde. Ob Kunden wirklich die Verträge gekündigt würden, bezweifelte ein dem Unternehmen nahestehender Kenner des Mobilfunksektors. Der Telekom-Sprecher hat dagegen für die Zukunft einen Gesinnungswandel seines Unternehmens nicht ausgeschlossen. "Das Mobilfunkgeschäft ist ein schnelllebiges Geschäft", so der Sprecher. Vieles ändere sich im Monatsrhythmus.

Skype erhebt ab Jahresende selbst Gebühr für VoIP per UMTS

Ob die Telekom VoIP per UMTS weiterhin nur kostenpflichtig erlaubt oder auch ohne Zusatzgebühr: Ab Jahresende will Skype für dieses Feature ohnehin selbst eine Gebühr erheben. Bis dahin soll es allerdings kostenlos nutzbar sein. Ein Tarifmodell wird gerade erarbeitet. Werden also sowohl Skype als auch die Telekom Gebühren für die VoIP-Nutzung erheben, so würde die Internettelefonie über UMTS für die Kunden preislich schnell unattraktiv.

(Jörg Schamberg)

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