Entgelte für die Teilnehmeranschlussleitung

Telekom beantragt Erhöhung der TAL-Entgelte um rund 10 Prozent - BREKO drängt auf Senkung

Die aktuellen Entgelte für die Miete der Teilnehmeranschlussleitung (TAL) laufen Ende Juni 2016 aus, eine Neufestlegung der Entgelte steht an. Die Telekom hat bei der Bundesnetzagentur eine Erhöhung der Entgelte um rund 10 Prozent beantragt. Der Branchenverband BREKO will dagegen einen eigenen Vorschlag vorlegen, der eine weitere Senkung der Entgelte vorsieht.

BREKO© BREKO Bundesverband Breitbandkommunikation e. V.

Berlin – Es ist wieder einmal soweit: Die Neufestlegung der Entgelte für den Zugang zur Teilnehmeranschlussleitung (TAL), die auch als "letzte Meile" bezeichnet wird, steht wieder an. Die seit dem 1. Juli 2013 geltenden aktuellen Entgelte sind noch bis zum 30. Juni dieses Jahres gültig. Bereits vorab geht nun das übliche Feilschen um die Höhe der künftigen monatlichen Mietgebühren für die TAL los. Die Deutsche Telekom (www.telekom.de/dsl) hat bei der Bundesnetzagentur bereits eine Erhöhung der TAL-Entgelte um rund 10 Prozent beantragt. Wie der Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) am Mittwoch bekanntgab, will der Branchenverband der Bonner Regulierungsbehörde in Kürze einen eigenen Vorschlag auf Basis einer neuen Berechnungsmethodik vorlegen.

Telekom beantragt Anhebung des TAL-Entgelts auf 11,20 Euro bzw. 7,51 Euro pro Monat

Bislang müssen alternative Netzbetreiber eine monatliche Miete von 10,19 Euro für den TAL-Zugang am Hauptverteiler (HVt) an die Telekom zahlen. Die Anmietung der TAL am Kabelverzweiger (KVz), den grauen Kästen am Straßenrand, schlägt mit 6,79 Euro zu Buche. Die Telekom fordert in ihrem aktuellen Antrag eine Erhöhung der Entgelte auf 11,20 Euro für die HVt-Tal sowie auf 7,51 Euro für die KVz-Tal.

BREKO setzt auf EU-Berechnungsmethodik: TAL-Entgelte würden gesenkt

Der BREKO setzt auf einen konstruktiven Dialog mit der Bundesnetzagentur und will der Bonner Regulierungsbehörde in Kürze einen eigenen Vorschlag zur Festsetzung der neuen TAL-Entgelte vorlegen. Dabei soll eine von der EU empfohlene Berechnungsmethode genutzt werden, die ab 1. Januar 2017 ohnehin verbindlich für die EU-Mitgliedsstaaten sein werde. Der Verband will mit einem entsprechenden TAL-Entgeltmodell vor allem eine Beschleunigung des flächendeckenden Glasfaserausbaus erreichen.

"Durch die neue Berechnungsmethodik würde sich insbesondere das Entgelt für die KVz-TAL verringern, was weitere Anreize dafür schafft, zukunftssichere Glasfaserleitungen näher zum Kunden zu bringen. Gleichwohl würde sich auf diesem Wege auch der Mietpreis der nach wie vor meist genutzten HVt-TAL vergünstigen, was höhere Investitionen der alternativen Netzbetreiber in ihre eigene Infrastruktur erlauben würde", erläutert BREKO-Geschäftsführer Stephan Albers. Der Konflikt mit der Telekom scheint dabei vorprogrammiert. Während der Bonner Konzern auf eine Erhöhung der TAL-Entgelte setzt, fordert der BREKO eine weitere Absenkung.

Andere Berechnung der Wiederbeschaffungskosten

Die Berechnungsmethodik der EU-Kommission berücksichtige laut BREKO Infrastrukturkomponenten wie Kabelkanäle, Rohre, Gräben oder Masten, die sich beim Übergang zu Glasfasernetzen weiter nutzen lassen. Solche Elemente, die meist bereits abgeschrieben seien, würden bei der Berechnung der fiktiven Wiederbeschaffungskosten abgezogen. Das bisherige deutsche Berechnungsmodell habe dagegen die Wiederbeschaffungskosten des gesamten Kupfernetzes zu heutigen Preisen als Grundlage.

Mehr Investitionsmittel für Glasfaserausbau durch niedrigere TAL-Entgelte

Die alternativen Netzbetreiber hätten durch die Zahlung niedriger TAL-Entgelte mehr Investitonsmittel zum Glasfaserausbau per FTTB/FTTH zur Verfügung. Laut Zahlen des BREKO von Mitte 2015 würde bereits mehr als 80 Prozent des Glasfaserausbaus auf alternative Netzbetreiber entfallen. "Ein günstiges Monatsentgelt für die KVz-TAL ist sicher nur ein Baustein auf dem Weg zur Glasfaser für alle", beont Albers. "Wir müssen nun aber alle Weichen richtig stellen, damit Wirtschaft und Gesellschaft nicht abgehängt werden und es uns gelingt, zukunftssichere und nachhaltige Glasfaser-Infrastrukturen zum Standard zu machen", so der BREKO- Geschäftsführer weiter.

Das letzte Wort hat die Bundesnetzagentur, die voraussichtlich im ersten Quartal zudem final über den Antrag der Telekom auf exklusive Vectoring-Nutzung im Nahbereich der Hauptverteiler entscheiden muss.

Jörg Schamberg

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